Zentriert Ins Antlitz



Seit einigen Jahren gibt es nun schon bereits die Industrialformation Zentriert Ins Antlitz. Mit Prozium veröffentlicht die Band nun ihr zweites Album. Grund genug einmal näher nachzufragen.

DH: Seit wann gibt es eigentlich "Zentriert Ins Antlitz"? Wer hatte die Idee zu dem Bandnamen?

ZIA: Seit ungefähr 1994. Die Idee für den Namen hatte Jürgen irgendwann mal als Synonym für „Musik wie ein Schlag ins Gesicht“, die ganze Story würde hier wohl den Rahmen sprengen.

DH: Wer macht was bei Euch und welche Veröffentlichungen gibt es bisher von Euch?

ZIA: Bei uns macht jeder alles! Es gibt keine explizite Arbeitsteilung, außer dem Mastering, das passiert auf dem Rechner mit der besten Audiohardware.
• 2000 LP "Fehlklang", Eigenproduktion Beitrag mit dem Track "DIE DISSONANZ" auf SONIC SEDUCER - Battle of the Bands 2000.
• 2001 LP "...ob die Engel auch Beine haben", Eigenproduktion CD Beitrag mit "Ob die Engel auch Beine haben" auf SONIC SEDUCER - Cold Hands Seduction Vol. XV (2002-03)
• 2002 EP "Dark Ritual", Eigenproduktion
• 2003 LP "Genozid", COP International Quasi eine "Best of ...Ob die Engel auch Beine haben & Dark Ritual".
• 2003 Samplerbeiträge mit "Genozid" auf "Dark Awakening Vol.3" & "Aderlass Vol.1" und mit "... ob die Engel auch Beine haben" auf "Nachtschwärmer Vol.6"
• 2004 LP "Prozium", COP International

DH: Eure Musik ist ja zweifelsohne Industrial. Welche musikalischen Einflüsse habt Ihr, die dazu geführt haben, dass Ihr heutzutage genau diese Musik macht?

ZIA: Vorbilder hatten wir vor nicht all zu langer Zeit einmal z.b. FLA. Die Musikszene ist inzwischen so vielfältig geworden, dass klare Grenzen zwischen benachbarten Stilen eigentlich kaum mehr auszumachen sind, die Schubladen-Kategorisierung greift immer weniger. Wer kann schon genau spezifizieren, wo EBM aufhört und Industrial anfängt? Was qualifiziert eine Band als Industrial-Band? Samples? Verzerrte Sounds bzw. Gesang? Wir versuchen einfach, möglichst vielfältig zu sein, dass nicht jedes Stück so klingt wie das vorhergehende auf der CD. Man soll über uns nicht sagen können "Kennst Du ein Stück, kennst Du alle". Immer das gleiche machen und sich selbst immer wieder kopieren ist eben langweilig ,sowohl für den Schaffenden als auch für den Konsumenten.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der neuen CD? Wo fanden die Aufnahmen statt?

ZIA: Genau ein Jahr und einen zusätzlichen Monat für Änderungen. Fast alles wurde gesampelt, eingespielt und gemastert im heimischen Wohnzimmer!



DH: Der Sound auf der neuen CD hört sich frisch und unverbraucht an. Experimentiert ihr gerne mit Musik?

ZIA: Anscheinend ist es inzwischen einer expliziten Erwähnung wert, dass jemand mit Musik experimentiert...! Nur durch Experimente nach dem „try and error“-Prinzip kann man neue Erkenntnisse schaffen. Ohne Experimente würde unsere Zivilisation immer noch nackt herumlaufen, frieren (weil sich keiner ans Feuer herangetraut hat) und sich mit Steinen die Köpfe einschlagen (Das Steinbeil hätte dann auch keiner erfunden...). Experimente und Forschung sind die Triebfeder des Fortschritts.

DH: Insgesamt wirkt die CD meiner Meinung nach noch um einiges düsterer als Eure letzte Veröffentlichung. Gab es eine besondere Stimmung bei den Aufnahmen? Habt Ihr Euch von bestimmten Ereignissen oder Erlebnissen inspirieren lassen?

ZIA: Inspirationen bekommt man jeden Tag zu Genüge, auf der Arbeit, beim TV und Abends, wenn wir ausgehen. Die Musik fungiert quasi wie ein Überdruckventil. Schusswaffen sind ja leider nicht erlaubt, so müssen wir unsere täglichen kleinen und großen Amokläufe halt anders ausleben..;-)

DH: Gibt es bestimmte Aussagen, die hinter dem Album oder den einzelnen Liedern stehen? Wovon handelt das Lied "Gollum"?

ZIA: Prozium ist eine Art Droge die den Menschen zu einem Objekt ohne Emotion macht. Entnommen haben wir dies aus dem Film „Equilibrium“, da wir denken, dass wir von der dort dargestellten Thematik und diesem totalitären System nicht mehr weit entfernt sind. Die Menschen verwahrlosen emotionell immer mehr und die Gier nach Profit unterdrückt alles andere. Die Darstellung von Elektronenmikroskopaufnahmen von Insekten im Zusammenhang mit der Musik spiegelt die Schizophrenie einer Gesellschaft wieder, in der einerseits das Private öffentlich ausgelebt und andererseits das Zeigen von Gefühlen als Schwäche angesehen wird.

Wir hatten das Album im Prinzip schon fertig, da meinte unser Freund DJ Sollai aus Spaß, aus den Gollum-Sprüchen müsste man mal ein Lied machen. Wir haben dann an einem Sonntag Nachmittag in vier Stunden das Ding mal eben fertiggemacht und am gleichen Abend noch im Club „Deja Vu“ in Remscheid ausprobiert. Sollai ist dabei fast vor Lachen aus der DJ-Kanzel gefallen.... Außerdem haben wir uns gedacht „lasst uns dieses Sample verballern, bevor es irgendein anderer tut...“.



DH: Der Song "Gollum" wie auch der Track "Ultra Violent Ultra Skilled" sind sehr tanzbar und clubkompatibel. War die Clubkompatibilität ein besonderes Kriterium bei der Produktion des Albums?

ZIA: Auf gar keinen Fall, Clubkompatibilität wird meist von den Labels erwartet und nicht unbedingt von Bands gewollt. Aufgrund des kleinen Schönheitsfehlers beim Druck des Covers und der CD (auf der CD ist noch die Tracklist der ursprünglichen „Prozium“ abgedruckt) dürfte man wohl erahnen daß die Tracks „Gollum“ & „Ultra Violent Ultra Skilled“ ursprünglich nicht vorgesehen waren und zusätzlich mit auf die CD gebannt wurden um die Clubkompatibilität der CD zu gewährleisten.


DH: Wie entsteht eigentlich generell ein Song bei Euch? Wie funktioniert die Zusammenarbeit unter Euch?

ZIA: „Mit einem Gefühl, ganz zart, ganz sanft, fängt es an; und dann kommt der Schmerz!“

DH: Tretet Ihr auch live auf und wenn ja wo kann man Zentriert Ins Antlitz demnächst live erleben?

ZIA: Eine Tour mit drei Laptops & drei Synthies z.B.? Wir denken das wäre ziemlich albern.

DH: Welche weiteren Pläne habt Ihr für die Zeit nach "Prozium" Sind schon neue Songs in Arbeit?

ZIA: Zur Zeit kommen wir zu nicht viel, da wir momentan mit Interviewanfragen ;-) und Promotion für „Prozium“ ziemlich ausgelastet sind. Wir legen im Moment eine kreative Pause ein, lassen neue Inspirationen auf uns einwirken.

DH: Zum Schluss die Frage: Was machen "Zentriert Ins Antlitz", wenn sie mal keine Musik machen?

ZIA: Da wir im Vergleich zu vielen anderen nicht von der Musik leben müssen bzw. wollen und auch nicht dem Sozialsystem auf der Tasche liegen wollen, arbeiten, wie viele andere auch ;-) .

13.Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg mit der neuen CD. Euch gehört das Schlusswort:

Zuviel Bumm macht Dumm!
Kommerz korrumpiert Kreativität.

Interview: Andreas Ohle