Wry Yelp



"Future Beware" heißt das aktuelle Demotape der Dark Electro Formation WRY YELP aus Homburg/Saar. Düstere Elektronik verbinden WRY YELP dabei mit diabolischem Sprechgesang. Dark Heart führte mit WRY YELP ein Interview über die Hintergründe ihres Entstehens, ihre Arbeit an dem neuen Demotape "Endless White Rooms" und zu einigem anderem, aber lest selbst ...

Dark Heart: Seit wann gibt es WRY YELP?

Wry Yelp: WRY YELP gibt es seit 1994, aber die Idee dazu entstand bereits 1990 oder 1991 auf einem Depeche Mode Konzert, aber vor allen Dingen die Aussage von Kraftwerk, jeder könne Musik machen (1991 in Frankfurt) gab den letzten Kick, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Zuerst gaben wir uns den Namen Trans Mission, aber das wurde immer mit Trance in Verbindung gebracht, was wir nicht unbedingt wollten.

Dark Heart: Von welchen Bands seht Ihr Euch beeinflusst?

Wry Yelp: Also wir hören Privat alle möglichen Bands und natürlich wird man beeinflusst. Mir kann keine Band erzählen, sie würde nicht irgendwo, irgendwie beeinflusst werden. Ich kann deshalb nicht genau sagen, welche Bands das sind, aber unter den Bands, die wir mögen beeinflusst uns jede irgendwie. Also ich mag sehr gerne Front 242, Depeche Mode, Sopor Aeternus, Sisters, Lycia, Trylok, New Model Army, Evils Toy, Pitchfork und noch viele andere. Besonders eine ungarische SynthiePop-Band (Bonanza Banzai) gefällt mir sehr gut, so gut, dass einige Songs auf dem nächsten Tape durchaus von dieser Band beeinflusst sind.

Dark Heart: Eueren Stil wuerde ich als düsteren Electro-Wave bezeichnen. Stimmt Ihr mir da zu oder wie würdet Ihr Euch selbst einordnen?

Wry Yelp: Also im Prinzip gebe ich Dir da völlig recht. Ich bezeichne das ganze gerne einfach als Dark Electro Wave, was Deiner Aussage entspricht. Es schmeichelt uns immer, mit bekannten Bands verglichen zu werden, vor allen Dingen als Darrin von PSYCHE uns mit Clock DVA verglichen hat, die ich auch sehr mag. Wir mögen es einfach, zu experimentieren und scheissen einfach auf den Kommerz, soweit unser Motto.

Dark Heart: Euer letztes Demotape "Future Beware" war ja obwohl es eine 4 Spur-Aufnahme war schon qualitativ sehr hochwertig. Wie ich hörte, ist ein neues Tape in Planung. Was kann man von dem neuen Tape erwarten? Wird es musikalisch und soundmässig eine Steigerung geben?

Wry Yelp: Also wir haben für die Aufnahme- technik wirklich einiges an Lob bekommen. Es war gar nicht so einfach mit zwei kleinen Synthies, einem Amiga und einem kleinen DJ-Mischpult alles aufzunehmen. Der Gesang ist ohne Effekte, lediglich mit einem kleinen Hall versehen, sonst nichts. Das neuen Tape "Endless White Rooms" wird wesentlich abwechslungs- reicher sein und qualitativ besser klingen, aber nach wie vor wird alles Live eingespielt, vor allen Dingen der Gesang, denn für ein Harddiskrecording ist kein System und kein Geld da, aber ein 16 Spur Mischpult ist jetzt wenigstens vorhanden, ein Studio ist einfach nicht erschwinglich.

Dark Heart: Am besten gefiel mir von "Future Beware" der Song Exterminate. Wovon handelt das Lied? Verbinden sich mit dem Song persönliche Erfahrungen?

Wry Yelp: "Exterminate" befasst sich mit dem Vorgang der Vertreibung, der ethnischen Säuberung. Ich habe den Text geschrieben, als vor einiger Zeit die Bilder aus Ex- Jugoslawien über den Bildschirm flimmerten. Der ganze Wahnsinn, der sich da offenbarte zwang mich einfach dazu, ein Lied darueber zu schreiben, eigentlich sollte der Song "Bihac 1994" heissen, aber es gab zu viele Orte, wo Menschen vertrieben und ermordet wurden. Das Wort Vertreibung hört sich einfach zu harmlos an, fuer das, was da passierte. Der Song soll dabei helfen, zu verstehen, dass hier Leute nicht höflich gebeten werden, mal den Wohnort zu wechseln. Die persönliche Erfahrung besteht einfach in unserem Erleben dieser Bilder.

Dark Heart: Wenn Ihr einen neuen Song schreibt, ist dann zuerst eine Melodie vorhanden oder ein Text oder geht Ihr ganz anders vielleicht an einen neuen Song heran?

Wry Yelp: Im Prinzip entstehen zuerst ca. 15-20 Songs, während die Texte zeitgleich geschrieben werden . Wir waehlen dann die Lyrics thematisch zu den passenden Songs aus und dann passen wir sie an. Aber es gibt auch immer ein paar Songs, wo beides zusammen entsteht, ist aber eher die Ausnahme.

Dark Heart: Glaubt Ihr, dass es den Teufel gibt?

Wry Yelp: Das ist eine schwierige Frage, aber genau so gut, hättest Du fragen können, ob wir an Gott glauben. Lass es mich so ausdrücken, ich glaube, dass es gute und böse Kraefte gibt. Ich selbst würde sie nicht gerade Gott und Teufel nennen, denn was der Mensch Gott und dem Teufel zuschreibt, entscheidet doch letztendlich der Mensch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ermordung und Ächtung von unschuldigen Menschen im Mittelalter eine gute Sache im Sinne Gottes war. Gott soll ja so unglaublich gnädig sein, aber warum gibt es dann in der Bibel so viele Stellen, wo Gott brutal und unerbittlich dargestellt wird? Wie soll ein Mensch, der lediglich in 3 Dimensionen denken kann und 80% seines Hirns gar nicht nutzen kann, diesen Sachverhalt für den Rest der Welt festschreiben. Im Namen irgendeines Gottes wurden schon zu viele Menschen ermordet, dass gilt fuer alle Religionen, lediglich im Buddhismus herrscht eine Akzeptanz und Offenheit, die es sonst nirgends gibt. Viele Leute wissen nicht, dass man Buddhist und gleichzeitig Moslem oder Christ sein kann. Gewalt jeglicher Art ist Tabu und kein Mensch wird zu irgend etwas gezwungen. Natürlich gibt es auch Menschen, die diese Religionsidee missbrauchen wollten. Zurück zum Teufel. Für mich ist es einfach nur eine Bezeichnung fuer eine Personifizierung des sogenannten Bösen, wobei wie gesagt der Mensch die Entscheidung trifft, was er dieser Personifizierung zuordnet. Ich glaube, der Teufel ist für die Menschen einfach nur eine Entschuldigung fuer ihre eigene Boshaftigkeit, sonst nichts.

Dark Heart: Welche Gefühle bewegen Euch, wenn Ihr Eure eigene Musik hört bzw. aufführt?

Wry Yelp: Also wenn wir die Musik hören, ist es einfach nur ein Ausdruck unserer Gefühle. Die Aufnahmen vom "Results"-Tape mag ich sehr von der Idee, aber nicht von der Umsetzung. Mit jedem Tape, jedem Song kommen wir dem, was wir erreichen wollen ein Stueck näher, ohne es jemals erreichen zu können. Gerade bei Konzerten ist es die Möglichkeit, die Leute anzusprechen. Es macht einfach Spass, die Reaktionen zu sehen und die Menschen zum Nachdenken anzuregen und zum tanzen zu bringen.

Dark Heart: Glaubt Ihr das Eure Musik eine bestimmt Wirkung auf den Hörer hat?

Wry Yelp: An eine bestimmte Wirkung glaube ich nicht. Es ist in der heutigen Zeit voller Informations- und Unterhaltungsflut ein grosser Erfolg, wenn einem jemand überhaupt zuhört und das, was wir wollen, denn wir machen bestimmt keine Unter- haltungsmusik.

Dark Heart: Welches sind Eure weiteren Pläne mit Wry Yelp für die Zukunft?

Wry Yelp: Bestimmte Pläne gibt es nicht. Wenn man sich festlegt, setzt man sich selbst unter Druck und dann macht es irgendwann keinen Spass mehr, man ist dann nicht mehr unabhängig von sich selbst. Natürlich werden wir noch eine Menge hoffentlich guter Tapes machen und irgendwann einmal eine eigene CD machen, um mehr Leute erreichen zu können. Der Rest wird sich einfach ergeben. Es ist schwer, Musik zu machen und sich gleichzeitig konzentriert um sein Studium zu kümmern, aber es wird schon irgendwie klappen.

Dark Heart: Wenn Ihr noch etwas sagen wollt, dann jetzt oder nie:

Wry Yelp: Für die Gelegenheit bin ich wirklich dankbar. Ich bin von den sogenannten Independent labels wirklich sehr enttäuscht. Was hat das mit Independent zu tun, wenn man gesagt bekommt, man müsse entweder ein paar Tausender für ein Studio aufbringen oder die selbe Summe in Equipment investieren. Liebe Labels, es ist Eure Aufgabe, junge Bands aufzubauen und ihnen zu helfen, wenn Ihr nur an die Kohle denkt, dann lasst es sein. Es gibt aber auch ein paar wohltuende Ausnahmen, aber die sind selten. Ich hoffe, dass die Szene auch wieder lebendiger und offener wird, sowohl die Gothic-, sowie die Electro-Szene, aber auch die ganze Independent- Szene. Die Zeichen stehen wieder besser..... es wird immer weitergehen..... Musik ist Kunst und Kunst ist da, sich selbst zu verwirklichen, nicht um Geld zu machen. Nur das Geld anderer Leute zu wollen ist keine Kunst! Ansonsten wünschen wir uns eine Welt ohne Krieg und Leid !