[VSI]




DH: Seit wann gibt es Virtual Space Industrial eigentlich? Wie entstand die Idee zu dem Namen und welche Musiker sind bei Euch aktiv?

VSI wurde 1992 gegründet. Der Name entstand, nachdem wir einen Film gesehen hatten, der für uns Kult ist. Plötzlich war er da. An diesem Projekt werden auch in Zukunft nur zwei Leute beteiligt sein, nämlich Kanariss und Stefan. Zwischendurch tauchten einige andere Beteiligte auf, aber nun sind nur wir noch übrig.

DH: Euer Sound ist zweifelsohne elektronisch geprägt und bewegt sich zwischen Futurepop und Dark Electro. Stimmt Ihr mir da zu? Wie kommt es, dass Ihr mit V.S.I. genau diese Art von Musik macht? Habt Ihr musikalische Vorlieben in dieser Richtung schon immer gehabt?

Wir machen elektronische Musik, aber versuchen sie nicht in einer bestimmten Richtung zu klassifizieren. Wir bemühen uns, aus unseren Erfahrungen zu schöpfen und den Erfahrungen anderer guten Künstler in dieser Sparte. Wir sind beide unter anderem mit folgendem aufgewachsen: Klassiker der deutschen elektronischen Musik, mit solchen Giganten wie Kraftwerk, Schulze oder Tangerine Dream, sie haben unseren Geschmack und unsere Vorstellungskraft soweit geprägt, dass wir schon als Teenager wussten, was wir gerne spielen wollten. Ausserdem sind wir beide der Meinung, dass die Musik, die Vorstellungskraft anregen soll – daher auch die Synthies.

DH: Erzählt uns etwas zu Eurem Album "Gehenna". Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album und wo fanden sie statt? Wie entstand der Kontakt zu Eurem Label Pandailectric und hattet Ihr schon vorher nach einem geeigneten Label Ausschau gehalten?

Die Arbeit an dem Album begann gegen Ende des Jahres 2003. Auf „Gehenna“ befinden sich Songs, die in den Jahren 98 – 04 entstanden sind. Das meiste wurde im offiziellen Homestudio bei Kanariss in Warschau aufgenommen. Zu Pandailectric hat unser Freund Jack Devotee den Kontakt hergestellt, er ist ausserdem auch unser Manager. Vorher gab es zwar schon einen zu einem independent Label in Polen, aber daraus wurde irgendwie nichts. Im Grunde haben wir es gar nicht darauf angelegt, mit irgendwem in Kontakt zu treten oder Ausschau zu halten. Aber im Nachhinein sind wir sehr froh darüber, dass wir gerade bei Pandailectric sind, da wir uns ungern festen und festgefahrenen Regeln unterwerfen und schauen schon gar nicht, was gerade so in Mode ist. Hier bei Pandailectric haben wir Ruhe und die geeignete Atmosphäre, um zu arbeiten.



DH: Was bedeutet der Titel des Album "Gehenna" eigentlich? Was wollt Ihr damit ausdrücken? Ist dies eine Art Hinweis auf das, was den Hörer bei Eurer Musik erwartet?

Biblisch ist Gehenna ein Symbol für die endgültige Zerstörung des Bösen und all derer, die es zulassen. Das ist auch der Grund, warum dieser Titel am besten zu diesem Album passt. Auf dem Album befinden sich Songs, die mal mehr, mal weniger von der Gesetzlosigkeit und vom Verlust an Menschlichkeit handeln. Aber ob wir diese Linie in dem Masse in der Zukunft beibehalten werden, ist schwer zu sagen. Wir möchten vor allem das beschreiben, was wichtig ist, statt Sinnloses oder Flüchtiges.

DH: In Eurem Bandinfo ist zu lesen, dass die Mensch sich selbst zerstört … Was glaubt ihr, gibt es noch Hoffnung für die Menschheit? Inwieweit kann V.S.I. hier einen Beitrag leisten, die Menschheit vor ihrer Zerstörung zu retten? Ist Musik ein geeignetes Mittel den von allen Seiten herbeigeredeten Weltuntergang zu verhindern?

Die Hoffnung ist eines der Hauptthemen von Gehenna. Wenn wir sie nicht hätten, wäre das Thema der Platte vielleicht die Vermehrung von Insekten. Im Ernst, so im Stillen hoffen wir, dass unser Schaffen vielleicht jemandem die Augen öffnet, selbst wenn´s ein einzelner verlorener ist. Es ist nicht viel, aber für diese eine Seele mag das alles bedeuten. Wir denken, dass die Menschen mehr Aufmerksamkeit der Bibel schenken sollten, denn dort werden eigentlich alle menschlichen Fragen beantwortet – und die Musik, wie jede Art von Kunst, ist nur ein Werkzeug. Sie kann nur anregen und Reflektion fordern.

DH: Eure Texte und Musik sind sehr dunkel und düster. Inwieweit sind Texte und Musik ein Spiegelbild von Euch selbst? Seid ihr im normalen Leben ähnlich finster eingestellt, wie dies in Eurer Musik zum Ausdruck kommt?

Im Privatleben versuchen wir schon, optimistisch zu sein. Aber es ist auch nicht schwer, das Negative zu sehen. Wir bemühen uns nach den Regeln der Bibel zu leben, aber das ist alles andere als leicht. Und die Musik ist nur das Spiegelbild dessen, was uns auf dem Herzen liegt. Die Welt ist düster und Schönreden ist hier genauso, als würde man einen verrosteten Nagel neu streichen wollen, im Grunde ändert es nichts. Menschen sind es, die das Weltbild erschaffen, sie sind es, die sich ändern müssten. Dann würde sich auch vielleicht die Musik von VSI ändern.

DH: Gibt es Dinge, die Euch beim Schreiben eines Songs inspirieren? Gibt es Erlebnisse oder Ereignisse, die ganz konkret auf "Gehenna" von Euch verarbeitet worden sind?

Das Leben inspiriert uns. Daher findet ihr auf dem Album auch persönliche Themen, die konkrete Erfahrungen beschreiben.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Liar". Wovon handelt dieses Lied und wie entstand die Idee zu dem Song?

Wie auch andere Tracks auf dem Album, kann man „Liar“ in zweifacher Weise verstehen. Das Hauptthema ist die Realität, die uns umgibt und das Verhalten vieler ihr gegenüber. Auch wenn die Menschheit Hass oder Gewalt sieht, niemand reagiert. Die Menschen schauen nur und sind dafür empfänglich. Sie verhalten sich so, als ginge sie es nichts an, verkriechen sich in etwa mit dem Satz: da kann man eh nichts mehr machen. Wir zeigen in diesem Track mit dem Finger auf solche Leute. Ein anderes Thema wird durch Samples eingeführt, mit dem Text verbunden, erzählen sie von Helden in solcher Zeit. Auf „Gehenna“ wird diese zweispurige Erzählweise mehrmals verwendet, z.B. in „Hope“.



DH: Viele Eurer Songs sind extrem gut für die Tanzfläche geeignet - war dies ein Kriterium bei der Produktion?

Wir freuen uns, dass Du so denkst. Sicher ist es nicht unwichtig, dass Kanariss DJ ist, aber bei der Produktion hatten wir uns nicht primär an Clubkriterien gehalten.

DH: Was denkt Ihr über Electromusik in der heutigen Zeit allgemein? Was glaubt Ihr in welche Richtung der Sound gehen wird. Wird der Electrosound noch dunkler werden? Wird es noch düstere Alben als "Gehenna" von Euch geben? Wie wird die Musik von V.S.I. in etwa 5 Jahren wohl sein?

Die Musik wurde schematisch ab dem Punkt, als nur noch Clubtauglichkeit galt, das ist der falsche Weg. Die meisten Bands benutzen diegleichen Sounds, sie spielen auf dieselbe Art und Weise oder der eine kopiert den anderen – so fehlt es an Platz für Kunst und Finessen. Die Neulinge versuchen noch schneller und noch lauter zu sein, damit sie im gleichen Atemzug mit Frontline, Hocico oder Suicide Commando verglichen werden. Das ist ein Teufelskreis und falsch. Es gibt vereinzelt Künstler, die versuchen es trotz allem immer noch anders zu machen. Und hoffentlich werden es wieder mehr. Wie wir in 5 Jahren klingen werden ? Das wissen wir selbst nicht, elektronisch wird es bleiben und sicher düster.

DH: Tretet Ihr auch live auf und wenn ja, wie setzt Ihr die Musik von V.S.I. auf der Bühne live um? Gibt eine besondere Atmosphäre bei Euren Konzerten?

Wir sind live aufgetreten und waren stets bemüht, die Songs in anderen Versionen als auf dem Album zu präsentieren. Die Musik auf der CD muss andere Anforderungen erfüllen als der Sound in einer Location. Da herrschen die Gesetze der Akkustik und dergleichen. Was die Atmosphäre betrifft, so wird diese doch zum grössten Teil von den Konzertbesuchern geschaffen. Wir möchten, dass sie einzigartig bleibt.

DH: Welche weiteren Pläne habt Ihr nach der Veröffentlichung Eures Albums? Sind neue Songs oder eventuell Remixe in Arbeit?

Einige Remixe sind fertig, ausserdem eine Menge neues Material, wie viel wir davon verwenden werden, wird auch vom Herausgeber abhängen, und natürlich von den Leuten und ihrer Reaktion auf unsere „Vorschläge“. Aber in näherer Zukunft werden wir uns auf das Konzertmaterial von „Gehenna“ konzentrieren.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Wir möchten die Leser grüssen und hoffen, sie auf den Konzerten zu treffen, damit wir gemeinsam eine fantastische Atmosphäre erschaffen.

Interview: Andreas Ohle