Unloved




DH: Stellt Euch bitte unseren Lesern zunächst einmal kurz vor. Wie seid Ihr zur Musik gelangt und wie kam es zur Gründung von Unloved? Welche Musiker sind in der Band involviert?

Markus: nun, wir sind mehr oder weniger in die sache hineingewachsen. unloved gibt es an sich schon länger, jedoch sind von der urbesetzung nur ich (gitarre) und rika (keys) übrig. als wir anfingen, so ende 1997, waren wir eine sehr provinzielle grungepunk-band mit dem üblichen größenwahn, den man als jugendlicher musiker am anfang hat. später sind wir ehrlicher zu uns selbst geworden, kritischer und realistischer. dafür hat sich aber das besetzungskarusell schon ein paar mal drehen müssen. 2000 sind shya und matthias (der mann an der geige) eingestiegen, shya hab ich bei einem chorkonzert kennengelernt und ich wußte sofort, daß sie das fehlende puzzleteil ist. matthias haben wir schon von gemeinsamen auftritten mit seiner früheren band gekannt. bis wir allerdings unser potential als band so richtig nutzen konnten, mußten wir erstmal an den rand der auflösung geraten. das war vor 2 jahren. wir waren zerstritten, perspektivlos, total am boden. aber ein teil von uns, also maßgeblich shya, rika und ich, wir haben in dieser zeit das innere feuer lodern gespürt, das es braucht, um wirklich etwas großes zu stemmen. und das haben wir ja letztendlich auch getan, wie du heute auf unserer ep hören kannst. als wir dann einmal damit begonnen hatten, wieder oder vielmehr das erste mal überhaupt so richtig die maschine in gang zu bringen, haben sich auch nach und nach die richtigen leute zusammengefunden. als erstes sascha, der die zweite gitarre übernahm, und dieses jahr noch rené am schlagzeug und felix am baß. diese drei "neuen" haben sich wirklich fantastisch eingefügt, sowohl menschlich, als auch musikalisch.

DH: Unloved scheint für mich eine Band zu sein, die sehr viel Ruhe und Melancholie ausstrahlt und ruhige melodische Parts mit gitarrenlastigen Metalklängen verbindet. Wie würdest Ihr Eure Musik beschreiben? Wie entsteht diese tiefe Melancholie in Euren Songs. Ist dies ein Spiegel Eurer Seele?

Markus: Wir tun uns allgemein sehr schwer, unsere musik in worte zu fassen. da sollen sich die rezensenten mal schön den kopf zerbrechen *lach* aber im ernst - es freut mich sehr, daß du das gefühl von ruhe empfindest. wir haben immer in unseren promo-texten behauptet, gefühle vertonen zu wollen. das fällt bei melancholie nicht wirklich leichter als bei anderen, positiveren gefühlen. obwohl in traurigkeit ja scheinbar die meiste kreativität schlummert und beim hörer das ohr am empfänglichsten ist. aber man gleitet leicht ins kitschige, wenn man einseitig herantritt oder übertreibt. wir begegnen diesem problem, indem wir gar nicht so viel darüber nachdenken, was wir da noch alles reinstecken können, weil es irgendwo traurig, wütend oder vielleicht auch lustig wirkt. vielmehr versuchen wir eine gesamtstimmung zu ergründen. wenn das thema innere zerrissenheit und zweifel lautet, dann kommt beispielsweise so ein krasser bruch wie bei "kanto rubuso" automatisch. die lieder sind meistens in einer sehr minimalistischen form am klavier oder auf akkustikgitarre schon fertig, wenn sie zur probe eingebracht werden. als band nehmen wir sie auf und geben ihnen farbe. selbstverständlich sehen wir uns da selbst aber noch am beginn unserer möglichkeiten, da ist noch viel entwicklungsbedarf. und was den letzten teil deiner frage angeht.. natürlich spiegelt unsere musik unser seelenleben wider. aber ich glaube nicht, daß sich dieses in der qualität von der mehrheit abhebt. das wöllten wir auch gar nicht.

Rika: Jeder, der bei uns mit einem Lied ankommt, hat darin verarbeitet. Die Musik ist eine gute Möglichkeit, sich "heimlich" zu outen... gefühle heraus zu lassen...das zu sagen, was man sich normal nicht trauen würde...und meist gibt es in den liedern ein happy end, zumindest hoffnung und die einsicht, vielleicht einen neuen kurs einzuschlagen...

DH: Euer Debut heißt "My Way To Run". Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der Single und wo fanden Sie statt? Seid Ihr derzeit auf der Suche nach einem Musikverlag oder habt Ihr eventuell schon einen gefunden?

Markus: Aufgenommen haben wir in leipzig bei salvation recording, gemischt und gemastert wurde in reinsdorf bei tam-recordings. vurtox, der mastermind von sal rec, hat unsere scheibe produziert und es ist wirklich angebracht, hier ein großes lob und dankeschön auszusprechen! wir hatten bislang eher schlechte erfahrungen mit tonstudios gesammelt und waren daher zunächst sehr skeptisch. aber vurtox hat nicht nur erstklassige arbeit abgeliefert, er hat auch ein sehr gutes ohr für das, was in unseren lieder steckt, und noch vieles aus uns rausgekitzelt, was wir uns selbst gar nicht zugetraut haben. aber auch alexander von tam hat weltklasse bewiesen. vom endergebnis waren wir schlichtweg begeistert. mit alexander und vurtox hatten wir zwei kongeniale partner. andere techniker hingegen neigen ja mitunter dazu, ihren eigenen musikgeschmack aufzustempeln. wir hatten schon aufnahmen, da hat sich der techniker geweigert, disharmonische akkorde aufzunehmen. aber ich schweife ab. wir haben für die ep mit unterbrechung rund einen monat im studio verbracht. wir haben bewußt gesagt, daß wir uns zeit lassen und nicht permanent auf den kontostand schielen. anders würde wohl "my way to run" eher hektik als ruhe ausstrahlen *lach*. jetzt sammeln wir erstmal rezensionen, versuchen unsere schulden mit konzerten wieder auszugleichen und wer weiß, vielleicht sieht zur richtigen zeit der oder die richtige ein gutes review oder uns selbst auf einer bühne...

Rika: Fest steht schon, daß wir auch die nächste platte bei vurtox aufnehmen werden :)!



DH: Auf der Single finden sich auch mittelalterliche Klänge und Heavenly Voices Gesang. Außerdem klassische und epische Elemente. Wie kommt es zu dieser Vielfalt an Sounds und wie schafft Ihr es, daraus einen so druckvollen Sound zu kreieren?

Rika: Ein jeder in der band hat einen anderen musikgeschmack. das spiegelt sich selbstverständlich auch in unserer musik wieder: wir werden beeinflusst von no doubt, the gathering, dream theather, opeth, tori amos, nick cave...um nur einiges zu nennen. wir sind sehr offen und nicht auf einen konkreten stil festgelegt. doch was dabei heraus kommt ist immer unloved...

Markus: das liegt vielleicht auch ein stück weit daran, daß die einflüße sehr sonderbare wege gehen. es wäre falsch anzunehmen, daß beispielsweise rika der ultimative tori-amos-fan ist und shya bevorzugt the gathering hört. mir scheint, bei uns hört jeder lieber die musik, die weniger mit der eigenen aufgabe in der band zu tun hat. das ist gut so, denn es schärft so ganz nebenbei das bewußtsein und verständnis für die anderen instrumente.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Lost". Wovon handelt das Lied? Wovon handeln generell Eure Songs? Gibt es bestimmte Themen, Erlebnisse oder Ereignisse, die auf dieser CD verarbeitet worden sind?

Rika: Das Lied "Lost" ist schon älter. Ich habe es 1998 geschrieben. Musikalisch haben wir es weiter entwickelt, der Text ist immer noch der selbe. Das Lied handelt von der Leere, dem Ausgebrannt sein, der Liebe die nicht genug Liebe ist..., von der Angst "kalt und abgestumpft" zu werden. Und dem Gefühl, daß es allen egal ist. Am Ende steht die Aufforderung, nicht mehr an der Vergangenheit festzuhalten und an der Hoffnung, die erwünschte Liebe von einem bestimmten Menschen zu bekommen. Selbstbefreiung. Jedes Lied hat eine persönliche Geschichte...so schrieb Shya den Text zu "my way to run" und Markus zu "kanto rubuso".

DH: Du, Shya, bist Sängerin von Unloved und prägst mit engelsgleicher Stimme das Klangbild der Band. Ist dies für Dich eine musikalische und künstlerische Herausforderung? Wie geht`s Du an einen neuen Song heran? Wie entsteht Dein Gesangspart?

Shya: Natürlich ist unloved für mich eine musikalische, künstlerische Herausforderung. Aber noch viel mehr als das ist es eine Art Ventil, ein innerer Ausgleich zum "alltäglichen Lebenstrott". Ich singe schon, so lange ich denken kann und unloved gibt mir die Möglichkeit, Erlebtes, Erlittenes zu verarbeiten, mich selbst in der Musik wiederzufinden und auszudrücken. Singen ist manchmal wie eine Befreiung für mich... Wenn neue Lieder entstehen, ist es wichtig, sich des Inhaltes anzunehmen und sich auch in gewisser Weise damit identifizieren zu können, besonders im Gesangspart. Da die Texte oft von Selbst-erlebtem berichten, funktioniert das sehr gut. Man kann sich erinnern, wie gut oder oft auch schlecht man sich in den thematisierten Momenten fühlte und genau dies zum Ausdruck bringen, denn nicht nur der Inhalt der Worte, sondern vor allem auch, wie man sie sagt, spielt eine große Rolle. Daher ergibt es sich bei uns schon fast wie von allein, wie sich die Songs bzw. die einzelnen Parts, so auch der meine, gestalten, wenn man beim musizieren immer auf seinen Bauch und sein Herz hört.

DH: Wird es Unloved in naher Zukunft auch live zu sehen geben? Könntet Ihr Euch vorstellen auf Tour zu gehen? Welche weiteren Pläne habt Ihr mit Unloved in naher Zukunft?

Markus: Wie gesagt, wir sind jetzt dabei konzerte zu geben. da wir erst seit ein paar Monaten eine bühnentaugliche besetzung haben, haben wir noch viel zu wenig auftritte. das läuft erst langsam an. eine tour wäre natürlich fabelhaft und zur zeit wird sogar etwas in der art geplant. da ist aber noch nichts in trockenen tüchern. dann wollen wir natürlich ein album nachlegen, spätestens anfang 2006. vielleicht wird es auch wieder "nur" eine ep. mal schauen.

rika: Wir hoffen auch sehr, auf dem sziget 2005 in budapest spielen zu können !

DH: Was macht Ihr, wenn ihr mal keine Musik macht?

Markus: Musik hören. und ein gutes buch schmökern. aber ich seh schon, diese Frage zielt auf das berufsleben... da hülle ich mich jedoch lieber in nichtssagendes schweigen.

Rika: herr der ringe schauen, fotogafieren, zum völkerschlachtdenkmal spazieren,...meine fische anschauen...das leben lieben...glücklich sein...

shya: Ich quäle mich in der Uni mit Fremdsprachen herum und bete, dass es endlich wieder Wochenende wird und wir proben können oder noch viel besser, ein Konzert geben. Da kann ich dann endlich die ganze aufgestaute Frustration rauslassen... :-)

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg mit Unloved. Euch gehört das Schlusswort:

markus:
rubbeldiekatz!

rika:
gebt mir einen keks ! (....schüssi)

markus:
ach, was sind wir heute wieder albern! wird zeit, daß wir mal ein lustiges lied schreiben... oder das jetzt shya zum abschluß noch was sinnvolles sagt... *den schwarzen peter weiterschieb*

shya:
unloved... to hear it is to feel it!

Info: www.unloved.info

Interview: Andreas Ohle