Thetis


© my-stagephoto.com | S.Anhoff | 2005


DH: Erzählt uns etwas über Thetis! Seit wann gibt es Thetis eigentlich und wie kam es zur Gründung der Band? Welche Musiker sind aktuell in der Band?

Thetis begann als Zweierprojekt von Andrea und mir Oktober 2002. Ich war auf der Suche nach Musikern, mit denen ich meine Songideen arrangieren konnte und hatte in diesem Zusammenhang Aushänge in der Uni verteilt. Andrea antwortete und zusammen fingen wir an, unsere Musik zu machen. Nach einem Jahr wurde die "Band" dann endlich durch Vanessa an der Geige (jetzt spielt sie vornehmlich Fiedel) und kurz darauf durch Carsten, unseren Percussionisten, erweitert. Nach langem Suchen ist Thetis jetzt durch Göran an der Gitarre komplettiert worden, so dass man uns jetzt zu fünft auf der Bühne erleben kann. (Göran ist auf dem Foto noch nicht zu sehen, er kam erst nach der Fotosession dazu)

DH: Eurer Sound kombiniert traditionelle und mittelalterliche Klänge miteinander. Wie hat sich dieser Sound entwickelt? War er gleich von Anfang an da oder habt Ihr erst nach einigem Experimentieren zu Eurem Stil gefunden?

Naja, eigentlich wollen wir gar nicht so in die Mittelalterschiene gesteckt werden, da wir keinerlei historische Vorlagen nachspielen oder Traditionals neu arrangieren. Wir haben selber Schwierigkeiten, unseren Stil zu beschreiben. Da wir auch schon instrumental gesehen folkige Elemente aufweisen und unsere Stücke oft von Märchen, Sagen und Mysterien handeln, nennen wir unsere Musik Märchenfolk. Unser Stil hat sich von Beginn an doch sehr verändert, was den Aufbau und auch die Texte der Songs sowie die Arrangements anbetrifft.

DH: Euer aktuelles Album heißt Lost In Time. Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD und wo fanden sie statt? Wie entstand der Kontakt zu Eurem Label Emmuty Records / Totentanz?

Im Juni 2004 haben wir unser erstes Demo in Eigenregie aufgenommen und uns damit bei Veranstaltern und auch bei ein paar Plattenfirmen beworben. die meisten reagierten gar nicht. Roland von Emmuty schickte uns aber einen Brief, in dem er schrieb, dass er das Potential in unserer Musik erkenne, wir aber noch klare Defizite hinsichtlich Timing und Gesang hatten. Dann hat er aber gemerkt, dass wir das Demo (8 Songs) in nur zweieinhalb Tagen aufgenommen hatten und uns daraufhin nach Bonn zur Aufnahme eines Albums eingeladen. Das ging alles furchtbar schnell und wir konnten das gar nicht begreifen. Kurzum Ende Februar 2005 haben wir dann in 2 Wochen unser Debut "Lost in Time" in den Hansahausstudios in Bonn eingespielt. Zum Glück war zufällig auch noch Ralf Gehler von Malbrook in Bonn, der Kontakte zu Emmuty hat. Er hat dann das Hümmelchen (den kleinen Dudelsack) in "Geist der Nacht" beigesteuert.

DH: Wieso habt Ihr für das Albums den Titel "Lost In Time" gewählt? Fühlt Ihr Euch selbst in der Zeit verloren und sehnt Euch manchmal nach einem Leben in einer anderen Zeit? Drückt dies auch Eure Musik aus?

Hmm. Ja, irgendwie ist das manchmal schon. Man fühlt sich manchmal etwas verloren in dem heutigen Leben, gerade wenn man in so einer hektischen und lebendigen Stadt wie Berlin lebt. Da kommt schon zuweilen die Sehnsucht nach einer anderen Welt, einer anderen Zeit oder einem anderen Ort hoch. Dass soll keine Realitätsflucht bedeuten, sondern eher einen angenehmen Ausgleich, um sich dem täglichen Leben wenigstens in Gedanken zu entziehen. Wobei man sich ja die Vergangenheit so vorstellt, wie man sie gerne haben möchte. Die ganze Mittelalterszene ist ja auch stark romantisiert.

DH: Bei Thetis fällt auf, dass Eure Songs sehr melodisch und intensiv klingen. Wer ist für das Songwriting verantwortlich und wovon lasst Ihr Euch bei dem Schreiben neuer Songs inspirieren?

Die Grundideen für die Songs und die Arrangements steuer ich bei. Manchmal ist schon sehr viel von einem Song in meinem Kopf fertig, manchmal fehlt noch viel. Zusammen erarbeiten wir dann den Rest. Oft komm ich mit einem fertigen Stück an, und das wird dann von den anderen zerrupft. ;-) Nein, im Ernst, ich muss da noch lernen, etwas flexibler und kritikfähiger zu werden, was meine Songs anbetrifft.

DH: Ein Markenzeichen von Thetis ist sicher die innere Ruhe, die in den Songs zu finden ist. Seid Ihr selber eher von Typ her ruhigere Menschen?

Ja und nein. Ich will ja nicht für die anderen sprechen, aber wenn man uns zusammen antrifft, dann sind wir eher ein Haufen Bekloppter. Aber ansonsten sind Vanessa und Carsten schon sehr lebendig (was aber durchaus kein unangenehmer Dauerzustand ist!), Göran ist sehr kommunikativ und erzählt gerne von seinem Chemiestudium, Andrea ist mal lebhafter, mal ruhiger, vor Auftritten (genau wie ich) total angespannt und kratzig. Ich werde eigentlich immer als introvertiert bezeichnet. Ist aber auch nicht immer der Fall. Kommt alles auf die Gesellschaft an. Aber das trifft für jeden von uns zu.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song Traumfänger. Wie entstand die Idee zu diesem Song und wovon handelt das Lied?

Das hört sich zwar komisch an, aber die Idee für den Song kam mir, als ich im Sommer abends alleine aufm Balkon saß und an einen bestimmten Menschen dachte. Das ist oft so, dass am Anfang eine kleine Idee den Zünder gibt und der Rest sich dann weiterspinnt.

DH: Ihr singt teils englisch teils deutsch. Worauf kommt es an, dass ihr einen Song in Englisch oder Deutsch singt? Gibt es bestimmte Faktoren, die dazu führen, dass ihr eine Präferenz für die ein oder andere Sprache habt?

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, warum ich einen Text in Englisch, einen anderen aber in Deutsch schreibe. Anfangs dachte ich, dass ich überhaupt keine deutschen Texte schreiben kann. Ich brauche für die auch immer viel länger, weil das bei denen ja viel eher auffällt, wenn die plump und einfältig klingen ;-).

DH: Besonders schön hören sich Thetis bei Duetten an. Sind in Zukunft weitere Duette geplant?

Ehrlich gesagt, singen wir live fast alles zweistimmig. Da wir aber nur 14 Tage für das ganze Album Zeit hatten, mussten wir bei den Stimmen Abstriche machen. Traumfänger hat zum Beispiel auch einen zweistimmigen Refrain und auch die anderen Songs sind mehrstimmig arrangiert.

DH: Tretet ihr auch live auf? Wann kann man Thetis wieder live auf deutschen Konzertbühnen erleben?

Zur Zeit bin ich sehr im Prüfungsstress mit meiner Lateinzwischenprüfung. Die hatte erst einmal Vorrang, aber im dezember spielen wir auf einem kleinen Larpcon in Brandenburg. Ansonsten sind wir im Januar in Berlin zu sehen, und bewerben uns fleißig bei Veranstaltern für das nächste Jahr. Falls es ein Miroquefestival geben sollte, werden wir uns dafür auf jeden Fall auch bewerben.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Einen großen Dank an Euch für die Möglichkeit, uns ein wenig in Eurem Magazin vorzustellen. Denn unser größter Wunsch ist es, unsere Musik möglichst vielen Leuten mit verschiedenen Hörgewohnheiten nahe zu bringen und damit möglichst viele Zielgruppen mit unserem Märchenfolk zu erreichen.

Interview: Andreas Ohle