Superikone




DH: Vielen Lesern dürfte SUPERIKONE mittlerweile ein Begriff sein, aber es gibt sicher auch noch einige, die Euch nicht kennen. Daher meine Bitte: Stellt Euch nocheinmal kurz diesen Lesern vor. Wie entstand die Idee zu SUPERIKONE und wer macht was bei Euch?

Superikone ist quasi ein Soloprojekt von mir. Ich texte und schreibe die Musik. Mein Bruder hilft mir zeitweise mit ein paar Akkordlinien aus. Da ich mich voll auf die Musik konzentriere, hat mein Kumpel und Manager Karsten von KA Media die Promoarbeit übernommen und hilft mir live mit 2 Metern gutem Rock´n´Roll auf der Bühne aus. Das ist der wahre Spaß an der Sache. Wenn wir über Nacht in einer Stadt bleiben, machen wir meistens eine fette Party draus...

DH: Längere Zeit ist es nun her, dass wir Euch zuletzt interviewt hatten. Ich glaube damals stand die Veröffentlichung der Albums "Opiate" kurz bevor. Was hat sich seitdem bei Euch alles so getan?

Wir haben die LP mit 13 Tracks und fettem CD Rom Part veröffentlicht, haben die Single "Opiate 7´´" einige Zeit in den Bullets der DAC gehabt und fanden insgesamt sehr viel- teilweise recht kontroverse- Beachtung. Wir haben 2004 jeden Monat zwei Konzerte gespielt von vor 50 bis vor 500 Leuten und durch die Bank ein tolles Feedback für die Bühnenpräsens bekommen.... Superikone muss man live gesehen haben, um zu verstehen, wie Superikone tickt...



DH: Mit der EP "Energie" veröffentlicht ihr nun endlich nach langem Warten neues Material. Erzählt uns etwas zu der EP. Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der EP und wo fanden die Aufnahmen statt?

Die EP, wie sie derzeit vorliegt ist eine reine Promo. Sie enthält das Material der kommenden LP "Energie" und wir haben auch schon ein Layout benutzt, was dem letztendlichen Look weitestgehend entspricht. Insgesamt werden auf dem Longplayer allerdings 14 Tracks zu hören sein. Auf den großen Wunsch der Fans hin, haben wir auch Liveversionen mit an Bord. Wir überlegen auch, ein Video zum Song "Du bist so schmutzig" zu drehen, was wir allerdings davon abhängig machen werden, ob uns Denise Cäsar vom Dark Spy für einen Dreh zur Verfügung steht ;-)

DH: Der Song "Opiate" hatte in der Musikszene großen Zuspruch und Lob geerntet. Vielerorts wurde er zu einem regelrechten Clubhit. Wie geht ihr mit diesem Erfolg, der ja fast über Nacht kam, um? Habt Ihr bei der Produktion der neuen CD besonders unter Druck gestanden, weil die Erwartungshaltung so groß war seitens der Szene?

Glücklicherweise ist die Resonanz auf Superikone sehr unterschiedlich. Auch der Song "Opiate7´´" wurde sehr kontrovers diskutiert. Ich habe mich sehr mit dem Feedback auseinandergesetzt und bin zum Schluß wieder dort gelandet, wo ich angefangen habe: ich mache diese Musik für mich und finde sie perfekt mit allen Ecken und Kanten. Sie sticht heraus und hebt sich vom düsteren Einheitsbrei ab, ohne ihre schwarzen, melancholischen und elektronischen Wurzeln zu verleugen. Ich habe dabei gelernt, dass man es niemandem versuchen sollte recht zu machen, denn es muss hauptsächlich dir selbst gefallen- nur so bleibst du authentisch!



DH: Musikalisch fällt auf, dass die Songs auf "Energie" wesentlich fortschrittlicher und sauberer produziert klingen, als noch auf dem Album "Opiate". Wie kommt das? Habt Ihr Änderungen am Equipment vorgenommen oder resultiert dies einfach aus einer Art "Lernprozeß"?

Nö- ich habe das Phobotaxis Studio sogar verkleinert und viele meiner Schätzchen verkauft. Wahrscheinlich hört man die Essenz jetzt, denn ich finde einfach schneller den passenden Sound. Früher hatte ich immer die Idee im Kopf, wie ein Sound klingen soll... und habe ihn an 20 verschiedenen Synths ausprobiert. Heute schraube ich solange z.B. am Moog, bis ich den Sound habe, der mir gefällt. Darüber hinaus nutze ich verstärkt auch den Rechner für die Produktion, denn er ist ein sehr hochwertiges Tool.

DH: Auf "Energie" finden sich wieder einige gute Clubhits wie etwa "Machtmenschen" oder "Wo auch immer". Wie wichtig ist Euch die Clubtauglichkeit Eurer Songs? Schreibt Ihr - um es ein wenig profan zu sagen - Songs für die Tanzfläche?

Gute Lieder brauchen eine geile Hookline. Da bin ich halt ein Kind der 80er. Ich habe Mitte/ Ende der 90er wie ein wahnsinniger hoch durchdachte Noise- und vertrackt Beatmusik gemacht. Irgendwann habe ich festgestellt, dass mir der ganze mega intelligent programmierte Kram total auf die Nüsse ging. Da habe ich mich meiner klassischen Musikausbildung besonnen und verstärkt angefangen mit den Tasten anstelle von Patchkabeln zu komponieren. Daher läßt mich jede Art von Soundkritik ("fehlende Innovation" oder "schon oft gehörte Sound") völlig kalt. Ich denke das ist ähnlich einem Maler, der nach perfektionistische Exkursen zur naiven Malerei zurückfindet. Ihm würde man auch nie vorwerfen, er könne nicht zeichen. Und wenn, so würde er dies allenfalls belächeln.

DH: Inhaltlich werden wieder viele Themen schwarzen Daseins von Euch durchleuchtet. Typisch Klischees der Szene sind genauso vertreten wie auch aktuelle Themen wie etwa Macht. Wie kam es zu der Idee zu dem Song "Machtmenschen"? Ist dies ein zentrales Thema für Superikone 2005 und ist der Song "Machtmenschen" auch in gewisser Weise politisch bzw. gesellschaftskritisch zu verstehen?

Politik ist wichtig und ich habe eine Bühne. Da kann ich Politik machen und auch laut "Scheiße" sagen, wenn ich gerade Lust dazu habe. Ich halte wenig von stilisierten Metaphern, ich mag Lyrik, aber auch gerne platt. Machtmenschen widme ich live immer Cowboy und Bin Laden Freund Georg W. Bush. Ich denke, daß viel zu viele Menschen in mächtigen Positionen sind, die den Bezug zur Realität verloren haben und stattdessen lediglich ihre eigenen Interessen vertreten. Das macht sie zu gefährlichen Lobbyisten mit viel zu großer- auch militärischer- Macht.



DH: Abgründig wird es hingehen bei dem Song "Du bist so schmutzig". Inwieweit handeln die Songs von SUPERIKONE auch von selbsterlebtem? Geht ihr bewusst auf dem schmalen Grad zwischen Fiktion und Realität?

Naja, gepoppt hat wohl jeder schon. Stiefel lecken mag nicht jedermann´s Sache sein, aber solange frau nicht vorher im Hundepark spazieren war... aber lassen wir das.... Inspiriert wurde ich zu dem Song, als wir auf der Fetisch and Gothic Convention gespielt haben. Da war Lack oder ein Rest Leder schon eins der langweiligeren Bekleidungsstücke. Es war ein hoch interessanter Abend.

DH: Nun sind ja schon einige erfolgreiche Konzerte von Superikone in den letzten Monaten gewesen. Wird es demnächst eine Tour geben? Werdet Ihr auch auf Festivals dieses Jahr spielen? Was sind die weiteren Pläne von Superikone für 2005?

Da ich zur Zeit sehr viel Event- und Projectmanagement mache und quasi nur auf Reisen bin, fällt die Livesaison dieses Jahr etwas knapper aus. Die Studioarbeit will erledigt sein und neue Songs müssen geschrieben werden und ich arbeite mit meinem anderen Projekt Lunastoy ebenfalls am Material der neuen Platte. Das müssen wir gerade alles unter einen Hut kriegen. Karsten bleibt trotzdem in der Organisation haben bespricht mit mir, was möglich ist. Eine Tour könnte ich mir zur dritten LP vorstellen.

DH: Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Welche Musik werden wir von Superikone in etwa 10 Jahren zu hören bekommen? In welche Richtung wird Superikone gehen? Gibt es außerdem etwas im Musik- / Kunstbereich, dass Du, Malte, gerne in naher Zukunft umsetzen möchtest? Würdest Du gerne mit bestimmten anderen Künstlern / Musikern einmal zusammenarbeiten? Gibt es da konkrete Namen?

Ich habe zwar viele Ideen, aber nicht genügend Zeit und Geld sie umzusetzen. Daher lege ich alle Energie in die bestehenden Projekte udn Bands, vor allem auf Superikone. Hier möchte ich weiterhin das machen, was mir gefällt. Ich versuche, endlich mal konsequent "gitarrenfrei" zu bleiben. Nicht etwa, weil ich keine Gitarren mögen würde- im Gegenteil- ich kann sie nur ums Verrecken nicht spielen. Selbst bei einer guten Luftgitarre schmerzen mir nach 2 Minuten die Knochen. Da ich bei Superikone im Studio wirklich alles selber machen möchte, fallen also diese Möglichkeiten weg. Vielleicht benutze ich ja mal ein paar Blockflöten ;-)... Mit anderen Musikern arbeiten finde ich auch interessant, aber da kann ich Dir keine konkreten Namen nennen. Es fehlt mir da nicht an Personen oder Interesse, sondern an Zeit...

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg! Euch gehört das Schlusswort:

Auch ernste Themen zu behandeln und trotzdem nicht den Spaß an der Sache zu verlieren, das halte ich in vielen Lebenslagen für passend.

...O.k., und keine Blockflöten!

Interview: Andreas Ohle