Stereomotion




DH: Seit wann gibt es Stereomotion eigentlich? Wie entstand die Idee zu dem Namen und welche Musiker sind daran beteiligt?

Stereomotion ist seit dem Jahr 2003 aktiv. Die Idee zu dem Namen kam mir damals tatsächlich nachts in einem Traum...er beschreibt einfach perfekt was ich mit meiner Musik ausdrücken möchte. Stereomotion symbolisiert die Gegenpole welche die menschliche Existenz beherrschen: Leben und Tod - Liebe und Hass - Vergangenheit und Zukunft. Stereomotion ist mein musikalischer Alleingang und besteht somit nur aus mir: Florian Jäger.

DH: Dein Sound ist zweifelsohne elektronisch geprägt und bewegt sich zwischen Futurepop und Dark Electro. Stimmst Du mir da zu? Wie kommt es, dass Du mit Stereomotion genau diese Art von Musik macht? Hast Du musikalische Vorlieben in dieser Richtung schon immer gehabt?

Die Musik von Stereomotion bewegt sich gewollt zwischen zwei musikalischen Extremen: es gibt "ruhige", melancholische Elemente und eben sehr harte Industrial-Sequenzen und Beats. Diese Sounds verschmelzen jedoch miteinander und bilden eine Einheit...dies ist ein Teil des Konzeptes hinter Stereomotion. Ich denke aber, dass man meinen Sound nicht bestimmten Kategorien zuordnen kann. Er ist sehr speziell und auf seine Art und Weise einzigartig...genau die Musik eben, die meiner musikalischen Vision entspricht. Meine musikalischen Vorlieben beziehen sich dabei aber eher auf ein bestimmtes Gefühl welches ein Song in mir hervorrufen muss...weniger auf einen bestimmten Stil.

DH: Erzähl uns etwas zu Deinem Album "Omega:Angel". Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album und wo fanden sie statt? Gab es zuvor schon andere Veröffentlichungen von Dir? Hast Du eigentlich derzeit ein Label oder bist Du auf der Suche nach einem geeigneten Label?

Die Aufnahmen dauerten ungefähr ein halbes Jahr und wurden, wie alle Produktionen von Stereomotion, in meinem Projekt-Studio durchgeführt. Im Jahr 2003 wurde bereits das Demo-Album "Alpha:Demon" veröffentlicht. Derzeit bin ich noch bei keinem Label unter Vertrag...da aber momentan die Produktion des offiziellen Debut-Album beginnt, bemühe ich mich natürlich um einen entsprechenden Vertrag.

DH: Was bedeutet der Titel des Albums "Omega:Angel" eigentlich? Was willst Du damit ausdrücken? Ist dies eine Art Hinweis auf das, was den Hörer bei Deiner Musik erwartet?

"Omega:Angel" beschreibt ein apokalyptisches Szenario. In gewisser Weise das unaufhaltsame Ende einer Reise...der Tod unserer menschlichen Unschuld. Während "Alpha:Demon" noch von Widerstand und Hass geprägt war, steuert man mit "Omega:Angel" nun auf den Abgrund zu. Es ist aus meiner Sicht ein sehr trauriges Album...der Titel allein hat für mich schon einen sehr wichtigen symbolischen Stellenwert. Der Titel soll in Form einer Metapher dem Hörer natürlich auch einen ganz bestimmten "Hinweis" auf die Stimmung und den Inhalt der Musik geben.

DH: Deine Texte und Deine Musik sind sehr düster und apokalyptisch. Ist dies eine Reflektion Deines eigenen Lebens, Deiner eigenen Lebensumstände? Bist Du im normalen Leben ähnlich finster eingestellt, wie dies in Deiner Musik zum Ausdruck kommt? Hast Du in gewisser Weise Zukunftsangst?

Meine Musik ist mein Leben...sie gewährt einen Blick in meine Welt. Ein "normales" Leben gibt es für mich also nicht. Ich reflektiere mit meiner Musik meinen Glauben und meine Vision. Ich verarbeite mit meinen Texten und meiner Musik aber auch meinen Schmerz und meinen Hass. Ich haben dieser Welt viel zu sagen und dabei geht es eben um sehr ernste und düstere Themen. Wir leben nicht im Paradies...wir Menschen haben uns eine Hölle auf Erden geschaffen. Angst vor der Zukunft? Nein, genau das wäre ein großer Fehler. Ich bin ein Optimist.

DH: Glaubst Du, dass die Menschheit sich selbst zerstören wird? Inwieweit kann Stereomotion hier einen Beitrag leisten, die Menschheit vor ihrer eigenen Zerstörung zu retten? Ist Musik ein geeignetes Mittel den von allen Seiten herbei geredeten Weltuntergang zu verhindern?

Die Menschheit wird sich selbst zerstören...und wieder neu erschaffen. Nichts und niemand kann diesen Prozess aufhalten. Wir befinden uns bereits in dieser "Endzeit"...aber jedes Ende ist auch ein neuer Anfang...eine neue Hoffnung, eine neue Chance. Genau das ist es was Stereomotion vermitteln will...ich will Mut machen. Wir müssen diese Chance nutzen und für unseren Glauben kämpfen. Musik ist meine Art und Weise meinen Beitrag dazu zu leisten.

DH: Gibt es Dinge, die Dich beim Schreiben eines Songs inspirieren? Gibt es Erlebnisse oder Ereignisse, die ganz konkret auf "Omega:Angel" von Dir verarbeitet worden sind?

Beim Songwriting lasse ich mich von mystischer/esoterischer Literatur und alten Prophezeiungen inspirieren. Auf der anderen Seite verarbeite ich in meinen Songs immer persönliche Aspekte meines Lebens: Liebe und Hass, Freude und Schmerz. Es besteht hier immer ein direkter inhaltlicher Zusammenhang. Dies ist natürlich auch auf "Omega:Angel" der Fall. Jeder Song erzält eine Geschichte und ist ein Teil des Ganzen.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "In:Humanity". Wovon handelt dieses Lied und wie entstand die Idee zu dem Song?

"In:Humanity" ist quasi das Intro zu "Freedom". Es enthält bereits Elemente von "Freedom" die entsprechend manipuliert wurden. "In:Humanity" wird hauptsächlich durch ein prägnantes Sprach-Sample dominiert, welches inhaltlich die Ausgangssituation von "Omega:Angel" repräsentiert. Es ist diese ausweglose, "unmenschliche" Situation in die sich die Menschheit selbst manöveriert hat, die mich zu "In:Humanity" inspirierte. Der Song "Freedom" beschreibt danach den Willen aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu wollen...die Ketten sprengen zu wollen.

DH: Viele Deiner Songs sind extrem gut für die Tanzfläche geeignet - war dies ein Kriterium bei der Produktion?

Nein. Dieser Sound ist einfach meine Art und Weise mich musikalisch auszudrücken...meine Gefühle anderen mitzuteilen. Diese "Clubtauglichkeit" wird von mir nicht erzwungen. Ich will mit meiner Musik etwas "bewegen" und eine gewisse Energie vermitteln. Vielleicht entsteht dadurch dieser für Stereomotion so typische, treibende Sound.

DH: Was denkst Du über Electromusik in der heutigen Zeit allgemein? Was glaubst Du in welche Richtung der Sound gehen wird. Wird der Electrosound noch dunkler werden? Wird es noch düstere Alben als "Omega:Angel" von Dir geben? Wie wird die Musik von Stereomotion in etwa 5 Jahren wohl sein?

Für mich persönlich ist elektronische Musik das Maß aller Dinge. Sie bietet unbegrenzte kreative Möglichkeiten. Sie wird sich in Zukunft weiterentwickeln und meiner Meinung nach auch die Musik-Landschaft beherrschen. Der Sound an sich wird in allen Bereich der Musik düsterer und nachdenklicher werden. Die Menschen befassen sich momentan einfach immer mehr mit entsprechenden Themen. Die Alben von Stereomotion werden dabei immer beides besitzen: Dunkelheit und Licht. Auch in 5 Jahren wird Stereomotion für harte, kompromisslose elektronische Musik stehen...ich werde meinen eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen.

DH: Gibt es auch Live-Auftritte von Stereomotion und wenn ja, wie setzt Du die Musik auf der Bühne live um? Gibt es eine besondere Atmosphäre bei Deinen Konzerten?

Der erste Live-Auftritt von Stereomotion fand am 09.10.2004 im CAT in Ulm statt. Weitere Termine und eine kleine Club-Tour sind bereits in Planung. Um mich bei Auftritten voll auf die Vocals konzentrieren zu können, habe ich hierbei natürlich entsprechende personelle Unterstützung an den Keyboards und an der Software an Bord. Bei einer Stereomotion-Show geht es um eine Performance voller Energie und großer Gefühle...diese überwältigende und bewegende Athmosphäre ist es die meine Konzerte prägt.

DH: Ist es nicht manchmal etwas schwierig elektronisch geprägte Musik auf der Bühne live umzusetzen, da das meiste in gewisser statisch ist und vom Band kommt?

Für mich liegt der Reiz genau darin diese statische "Maschinenmusik" mit Leben zu füllen. Es ist für mich daher eine Herausforderung dies live auf der Bühne umzusetzen. Dabei geht es mir vor allem um Emotionen die ich vermitteln will: Live-Auftritte sind mir sehr wichtig um meine Musik und das Konzept dahinter zu präsentieren. Von einem "Band" kommt daher nichts: alle Vocals sind live und die Musik wird in Echtzeit auf verschiedene Art und Weise manipuliert und eingespielt. Kein Auftritt ist somit gleich. So etwas ist natürlich nur mit modernstem Equipment möglich.

DH: Welche weiteren Pläne hast Du nach der Veröffentlichung des Albums? Sind neue Songs oder eventuell Remixe in Arbeit?

Vor wenigen Tagen ist bereits die brandaktuelle und limitierte Promo-Single "Torment" erschienen. Darauf ist auch unter anderem ein exklusiver Remix des Titel-Songs von Access_Denied zu hören. Wie gesagt werde ich nun mit der Produktion des Debut-Albums beginnen...dieses wird sich hauptsächlich aus den Songs von "Alpha:Demon" und "Omega:Angel" zusammensetzen. Gleichzeitig werden auch verschiedene Bands weitere Remixe ausgewählter Stereomotion-Songs anfertigen. Es wird also spannend werden.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Dir alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Dir gehört das Schlusswort:

Ich danke an dieser Stelle dem Dark Heart Magazin und allen anderen die Stereomotion unterstützen: lasst eure Träume Wirklichkeit werden!

Interview: Andreas Ohle