Stahlfrequenz

Foto: Nadine Windberg



DH: Seit wann existiert Stahlfrequenz? Wie kam es zur Gründung der Band? Stellt Euch zunächst einmal selber kurz vor. Wer macht was bei Euch?

Stahlfrequenz wurde 2002 auf einer Party gegründet. Wir hatten beide schon vorher Musik gemacht, aber es war für uns beide das erste Industrial-Projekt. Da wir in Köln Nachbarn sind und uns daher oft treffen können, kam schnell sehr viel Material zu stande. Dabei arbeiten wir nicht nach einem strengen Muster und haben auch keine strikte Arbeitsteilung. Einer von uns hat eine Idee, z.B. einen bestimmten Beat, der dann gemeinsam ausgearbeitet wird.

DH: Nun ist Eure Musik ja zweifelsohne Industrial. Wo seht Ihr die Wurzeln Eurer Musik? Gibt es bestimmte Bands oder Künstler, die Euch in der Vergangenheit beeinflusst haben? Warum macht ihr genau diese Art von Musik?

Klaus: Mich haben definitiv die frühen Industrial Gruppen wie Throbbing Gristle und SPK inspiriert. Dadurch, dass die noch viel mit echten Instrumenten gemacht haben, haben die in punkto Atmosphäre den heutigen Industrial-Acts einiges voraus. Sie klingen viel organischer und echter. Ich hoffe, dass wir auch ein wenig organisch klingen und nicht ganz so steril und synthetisch wie viele andere Bands dieses Genres.

Markus: Ich persönlich mag viele Sachen. Vor allem rhythmische Sachen, aber ach sphärische Stücke, die mich durch eine eigenwillige Stimmung packen. Vor einiger Zeit hab ich zum ersten mal Mono no aware live gehört. Dieser brachiale Sound und diese Rhythmik haben mich so gepackt, dass die bei mir gerade ganz weit vorne liegen. DH: Eure Musik ist sehr eigenwillig und eigenständig ist und wirkt keineswegs keineswegs so, als ob ihr euch an anderen Industrialacts orientiert. Ist dies Teil eines Konzeptes, dass ihr mit Stahlfrequenz verfolgt?

Klaus: Bei mir liegt es glaube ich daran, dass ich selber nur wenig Industrial höre. Ich lasse mich eher von anderen elektronischen Stilrichtungen beeinflussen, die man ja auch sehr gut auf Industrial-Art umsetzen kann.

Markus: Also von einem Konzept möchte ich auch nicht sprechen. Ich denke schon, dass uns andere Industrial Acts beeinflussen, genauso wie viele andre Musikrichtungen, die wir genauso hören. Wir versuchen einfach das umzusetzen, was uns in den Kopf kommt- das klingt dann halt so wie es klingt. DH: Als ich das erste Mal Euren Sound hörte, war ich überrascht von der Bandbreite an verschiedenen Samples, Soundklängen und Rhythmen. Ist mit der Erstellung dieser Klänge viel Zeit verbunden? Wie lange arbeitet Ihr in der Regel an einem Song bis er fertig ist?

Klaus: Das ist sehr verschieden. Manche Songs sind nach zwei Tagen fertig, manche werden wochenlang nicht fertig. Oft ist es so, dass wir einen Song für fertig halten, dann am nächsten Tag aber merken, dass noch einiges daran gemacht werden muss. Ich würde sagen, wir hängen uns unsere Messlatte selbst sehr hoch. Auf gute Samples legen wir schon besonderen Wert. Dieses Beat-kurzes Sample-Beat-Schema vieler anderer Bands finde ich ziemlich langweilig. Ich finde, mit guten, spannenden Samples kann man eine Art Gesangslinie schaffen, die eine Song auch tragen kann.

Markus: Das sehe ich auch so. Gerade die passenden Samples zu finden dauert sehr lange. Dann müssen die noch zurechtgeschnitten und manchmal auch bearbeitet werden. Das Alles finde ich unglaublich langweilig. Da kommt mir dann echt zugute, dass Klaus auch noch da ist! Der ist, was die Samplearbeit angeht immer sehr enthusiastisch und hat gute Ideen.

DH: Euer Debutalbum lautet auf den passenden Namen "Erstschlag". Was erwartet den Hörer von diesem Album? Wie habt Ihr den Kontakt zu Eurem Label Dark Wings gefunden? Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Debut und wo fanden sie statt?

Den Hörer erwartet eine sehr abwechslungsreiche, harte und spannende Industrial-Platte. Was das Album in meinen Augen wirklich auszeichnet, ist die Vielfalt an verschiedenen Stilen. Ich finde, dass die Songs alle sehr verschieden sind, so dass sie auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig werden- das hoffen wir jedenfalls. Dark Wings waren auf uns aufmerksam geworden und hatten uns Anfang des Jahres angeschrieben. Zu der Zeit war ich gerade längere Zeit gar nicht in Deutschland, was das ganze etwas verkompliziert hatte. Am Ende ist aber alles glatt gelaufen, so dass wir letzten Sommer die Aufnahmen in Berlin machen konnten. Die Aufnahmen haben so lange nicht gedauert, da wir ja kaum Instrumente einzuspielen hatten. Das Abmischen hatte sich allerdings sehr in die Länge gezogen.

DH: Neben atmosphärischen Klangcollagen finden sich auch Rhytmik und tanzbare Songs auf dem Album. Hattet Ihr bei der Zusammenstellung der Songs Eures Album besonders darauf geachtet, dass auch Musikstücke den Weg auf die CD finden, die clubtauglich sind? War zudem Ausgewogenheit bei der Songauswahl ein Kriterium?

Klaus: Ausgewogenheit war uns sehr wichtig. Ich denke, das hört man auch, die Songs sind ja sehr verschieden. Wir haben uns zwar nicht vorher gesagt, okay, da müssen jetzt so und so viele Club-Songs und so und so viele Klangcollagen rauf, aber wir waren uns schon einig, dass wir ein möglichst breites Spektrum auf der Platte haben wollten, damit sie spannend und interessant wird.

Markus: Bei uns ist zwar nicht so, dass wir eine konkrete Arbeitsteilung haben, aber ich denke man kann schon hören welches Lied von wem inspiriert wurde. Wenn sich dann ein rhythmisches, vielleicht auch melodiöses Stück entwickelt, achten wir natürlich schon darauf, dass es nicht zu viel gebreakt wird, sondern eher klar strukturiert bleibt. Das gefällt mir bei tanzbaren Stücken allerdings auch besser, als wenn der Rhythmus immer wieder unterbrochen wird.

DH:Geht Ihr selber auch in Clubs oder Discotheken? Seid Ihr nicht nur aktiv als Musiker sondern auch privat in die Industrialszene involviert? Oder verbindet Ihr Musik und Privates miteinander?

Klaus: Ich gehe schon manchmal in Clubs, aber eher selten zu Industrialparties. Das liegt auch einfach daran, dass solche nur relativ selten stattfinden( jedenfalls hier in köln). Außerdem finde ich, dass es viel zu viel andere gute Musik gibt, als dass ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf ein Industrial-Event gehen könnte. Abwechslung ist mir da sehr wichtig.

Markus: Ich halte mich seit einigen Jahren auch aus der Szene raus, wobei ich bis dahin eigentlich nur darin unterwegs war. Ich denke auch, dass es eine Menge gute Musik gibt, es muss nicht immer nur dark sein. Die Vorliebe zum Industrial ist allerdings geblieben.

DH: Der Song "L`Ordre Noir" gefällt mir sehr gut. Wovon handelt das Lied? Wie kommt Ihr generell auf die Titel für Eure Songs - ist das schon vorher festgelegt oder findet sich der Titel erst immer am Ende einer Produktion?

Einen Titel überlegen wir uns meist erst, wenn wir mit dem Song fertig sind. Die einzige Prämisse hierbei ist, dass der Titel vom Klang her zum Klang des Stückes passen muss. Thematisch haben Titel und Stück nicht zwangsläufig was miteinander zu tun. Man sollte auf keinen Fall versuchen, irgendwas in unsere Songnamen reinzuinterpretieren, da ist nämlich nichts zu holen. Ich würde eher sagen, Titel, Track und Samples bilden bei uns eine Art klangliche Einheit.

DH: Tretet Ihr auch live auf und gibt es die Möglichkeit im kommenden Jahr Stahlfrequenz live zu erleben? Wie hat man sich einen Auftritt von Euch vorzustellen? Gibt es während Euren Auftritten eine besondere Art von Performance?

Wer weiß... Dazu kann leider jetzt noch nicht so viel gesagt werden, da noch nichts Konkretes geplant. Live-Auftritte stellen wir uns schon vor, aber wir wollen natürlich dem Publikum auch etwas bieten und nicht nur auf der Bühne stehen und ein paar Tasten drücken. Da wir aber nicht hauptberuflich Musiker sind, muss erstmal die Zeit gefunden werden, ein gutes Konzept zu entwickeln. Ein Konzert von Stahlfrequenz sollte schon auch visuell, vielleicht mittels einer Videoprojektion unterstützt werden. Das ist zwar nicht wirklich was Neues, aber ohne wollen wir irgendwie nicht. Wie gesagt, das wird noch einige Zeit dauern, aber dann, so gegen Ende nächsten Jahres, sollte wir schon mal live zu sehen sein

DH: Welches sind Eure weiteren Pläne der Veröffentlichung Eures Debutalbums? Arbeitet Ihr eventuell schon an neuen Songs? Wird es eine Singleauskopplung aus dem Album "Erstschlag" geben?

Neue Songs sind natürlich in der Mache. Wir denken gerade zusammen mit unserem Label darüber nach eventuell eine Maxi rauszubringen. Das würde dann so im Sommer passieren. Das nächste Album ist für den Herbst 05 geplant. Bis dahin heisst es für uns immer weiter an neuen Songs rumzuschrauben. Bis jetzt sind für uns schon einige aufregende Sachen passiert, so dass wir uns schon auf das nächste Jahr freuen. Wie gesagt: dann hoffentlich auch mal live

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Vielen Dank auch an euch und eure Leser. Und um zum Schluss noch mal ein schlaues Zitat von Mark Aurel zu bringen: Das Leben eines Menschen ist das, was seine Gedanken daraus machen. Kommt alle gut ins neue Jahr!

Interview: Andreas Ohle