Solar Plexus



DH: Erzählt uns zunächst etwas über Euch. Wie ist Euer musikalischer Werdegang? Wie kam es zur Gründung von Solar Plexus und hat der Name eine besondere Bedeutung?

Die Band Solar Plexus wurde im November 2003 gegründet, als sich Mitglieder zweier Bands trafen, um dem eingefahrenen, bisherigen Musikerdasein zu entfliehen und neue Wege zu gehen. Alle sind von Anfang an dabei gewesen: Enrico Ihling (Gesang), Matthias Ullmann (Gitarre), Susanne Kley (Blasinstrumente, Gesang), Dirk Necke (Keys) und ich, Frank Albracht (Keys, Programming). Wir können alle auf einige Jahre Banderfahrungen zurück blicken und obwohl wir Neuland betraten, fiel es uns nicht schwer, sofort mit der Umsetzung der Ideen zu beginnen.

Der Name Solar Plexus steht umgangssprachlich für den lateinischen Begriff plexus solaris, der übersetzt das Sonnengeflecht bedeutet. Medizinisch gesehen ist es ein Nervengeflecht in Körpermitte welches u.a. den Herzschlag und die Atmung steuert, wie ein Computer, welcher den Rhythmus unserer Musik steuert. In der Charkra-Lehre wird aus dieser Körpermitte Energie und Lebendigkeit geschöpft, was auch einen Teil unserer Musik ausmachen soll.

DH: Wenn ich Euren Sound beschreiben wollte, würde ich sagen, dass ihr Elektro und Metall miteinander zu einem eigenständigen Sound kombiniert. Wie kommen diese Gegensätze in Eurem Sound zustande? Habt Ihr das gewisse Vorprägungen in Eurer Jugend?

Der Musikgeschmack ist innerhalb der Band recht breit gefächert und geht von Klassik über EBM bis Black Metal. Nur der ewige Einheitsbrei wird von uns verschmäht. Wir wollen unseren eigenen Stil entwickeln und niemanden absichtlich kopieren. Jeder ist in der Jugend in seinem Musikgeschmack durch bestimmte Bands geprägt worden. Aber jeder von uns hat sozusagen einen musikalischen Neuanfang gewagt und sich auf klangliche Experimente eingelassen, um diese Art von Musik zu schreiben.

Das Songwriting ist dabei recht unterschiedlich und lässt Platz für Kreativität. Manche Songs sind zuerst am Computer entstanden, andere zuerst auf der E-Gitarre. Man kann aber hinterher nicht feststellen, dass die eine oder andere Herangehensweise elektronisch oder eher metallisch ausfällt. Wir ergänzen uns hervorragend und arbeiten nicht gegeneinander. Mit dieser Scheibe haben wir den Stil gefunden, der die nächste Platte prägen wird: ausgereifter, straffer, härter.

DH: Eure Texte sind recht hart und provokant – ebenso wie Eure Musik. Gibt es einen inneren Antrieb, der Euch dazu bringt solche Art von Musik zu machen?

Es ist die kranke Gesellschaft, die uns, und besonders unseren Songtexter Matthias Ullmann, dazu veranlassen, über den Einfluss der Gesellschaft auf die menschliche Psyche nachzudenken.

Geldgier, Reality-TV, Beziehungsstress, besondere sexuelle Triebe, seelische Abgründe, Aussteiger – alles Themen aus dem Leben gegriffen. Oft wird über solche Themen lange diskutiert. Unsere Musik ist der passende Rahmen dazu, um unser Mitteilungsbedürfnis zu stillen und der Gesellschaft einen Spiegel vor zu halten. Außerdem haben wir eine Menge Spaß daran, unsere kreative Adern in die Musik fließen zu lassen.



DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Wenn wir uns lieben". Wovon handelt das Lied und wie enstand die Idee zu diesem Song?

Das Lied handelt von einem Pärchen, bei dem die Liebe erloschen ist. Beiden fehlt der Mut, es sich selbst oder dem Anderen einzugestehen. Sie bleiben zusammen, obwohl sie sich nichts mehr zu sagen haben, weil es der bequemere Weg ist. Seitensprünge werden toleriert und der Schein nach außen gewahrt, bleiben dem Freundeskreis aber nicht verborgen. Matthias hat das einige Zeit beschäftigt, da er so ein Pärchen kennt. Es ist sicher kein Einzelfall, und so fanden wir die Idee zu diesem Song sehr gut.

DH: Gibt es bestimmte Erlebnisse oder Ereignisse, die Euch beim Schreiben Eures Debüt-Albums besonders inspiriert haben?

Abgesehen von der seltsamen zwischenmenschlichen Beziehung, die zum Song „Wenn wir uns lieben“ geführt hat, gibt es auch andere Inspirationsquellen wie z.B. das Buch „Ex“ von David Ambrose, zu dem der Song „Keine Zeit“ entstand. Oft sind auch Profile von seelisch gestörten Menschen eine wahre Fundgrube („Sweet Home“). Der verzweifelte Versuch eines Freundes bei einer Bank einen Dispokredit zu bekommen, wird in dem Song „Money“ verarbeitet. Hier kam uns die Idee, die Figur des Herrn Niemand zu erschaffen, der auf der nächsten CD noch öfters zu Wort kommen wird.

DH: Was besonders auffällt ist der professionelle Sound des ganzen Albums, hier wurde wirklich - so scheint es - nächtelang gefeilt? Wo fanden die Aufnahmen zu der CD statt?

Seit unserer Gründung haben wir hohe Ansprüche an den Sound gestellt. Es ist in ausreichend Technik investiert worden, um die Songs für die CD selbst zu produzieren. Der einstige Proberaum in Bad Salzungen wurde in ein kleines Tonstudio umfunktioniert. Der Vorteil liegt für uns auf der Hand: jeden Song können wir ohne großen Termindruck aufnehmen, bearbeiten und verändern. Am Sound tüfteln wir solange, bis er uns gefällt - oft auch nächtelang.

Den letzten edlen Schliff bekamen die Songs von Gary Nagy, dem Studiochef unserer Plattenfirma STF-Records, durch sein künstlerisches Geschick beim Mastering in Bochum. Nochmals herzlichen Dank dafür.

DH: Eure Texte sind deutschsprachig – gibt es bestimmte Themen, die gerade in deutscher Sprache besonders gut auszudrücken sind? Was glaubt Ihr, warum mittlerweile so viele Rockbands wieder in deutscher Sprache singen?

Englische und amerikanische Wörter infiltrieren unaufhaltsam unsere Muttersprache. Wenn es nicht mehr „Krieg der Sterne“ sondern „Star Wars“ heißt, stehen knallharte wirtschaftliche Interessen dahinter. Ein Volk ohne eigene Muttersprache lässt sich einfacher ausbeuten. Der denglische Kauderwelsch hat bereits Einzug in deutsche Ämter (Finanzamt: eTin - electronic Taxpayer Identification Number) und Universitäten gehalten (Studiengänge für Master und Barchelor, der deutsche Diplomingenieur wird abgeschafft).

Wie hoch ist der Anteil an deutschsprachiger Musik im Radio? 10% ?

Das sind gute Gründe, warum wir die deutsche Sprache bevorzugen und auch ein kleiner Beitrag zu deren Erhalt und Pflege. Obwohl deutsche Texte schwer zu singen sind, will man als ernsthafte Band auch eine Botschaft übermitteln. Und da besinnen sich viele Rockbands wieder auf die eigene Muttersprache. Die Gedanken können messerscharf auf Papier gebracht werden, was uns in Englisch kaum gelingen wird. Das und der harte Klang der deutschen Sprache passen hervorragend zu unseren Texten.

DH: Rico, inwieweit war für Dich als Sänger die Aufnahmen zum ersten Album eine besondere Herausforderung? Bist Du mit dem Ergebnis zufrieden?

Rico: Dieses Album war in der Tat eine besondere Herausforderung für mich. Die Arbeitsweise hat sich entscheidend geändert. Früher wurde immer das Live-Set geprobt, dann musste man unter Zeitdruck im Studio die ganze Platte einsingen. Bei Solar Plexus wird laufend an neuen Songs gearbeitet. Steht das Arrangement fest, nehmen wir uns viel Zeit für den Gesang. Ständig wird man gefordert und muss Höchstleistungen erbringen. Wir experimentieren mit Effekten, Dopplungen und mehreren Stimmen. Unsere Arbeitsweise ist sehr intensiv, macht aber auch viel mehr Spaß. Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden, denn ich konnte viel von meinen Erfahrungen und Ideen einfließen lassen.

DH: Plant Ihr zum Album auch Konzerte? Werden Solar Plexus live härter und metallastiger klingen als auf dem Album?

Einige Leute konnten wir bei unseren Konzerten bereits begeistern. Wir wollen dieses Jahr noch einige Konzerte spielen. Auf unserer Internetseite www.solar-plexus.de werden die Termine rechtzeitig bekannt gegeben. Wir wissen bereits, welche Songs live gut ankommen und welche sich für eine kurze Verschnaufpause eignen. Es sind besonders die härten Songs, bei denen die Fans mitgehen und von denen wir einige neue im Programm haben.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg! Euch gehört das Schlusswort:

Wir danken für das Interesse und grüßen die Leser des Dark Heart Magazins. Man wird sicher noch einiges von uns hören und sehen.

Interview: Andreas Ohle