Soko Friedhof



DH: Soko Friedhof gibt es nun bereits auch schon einige Jahre und in dieser Zeit habt Ihr Kultstatus in der Szene erlangt. Wie kam es eigentlich damals zur Gründung von Soko Friedhof? Könnt Ihr Euch daran noch erinnern?

David: Nur schwer durch den Dunst all der der Drogen. Scherz beisseite. Soko Friedhof war ein Dj Projekt, innerhalb unseres damaligen Clubs geschlossene Anstalt.

Ich brauchte da eine Art Zwischenmusik, fing an mit der Vorstellung: fieser Sample und ein Tanzrhytmus drüber. Die Stimmung war das wichtigste. So kam es zu Grabschönheit, die ich deshalb besonders mag da sie wirklich die düstere Grundstimmung hat, und auch gut nebenher gehört werden kann. Das hat sich dann natürlich entwickelt, absichtlich auch als Nebenprojekt zu Untoten, mit denen wir immer mehr in die Untiefen der “erntshfaten” Musik eingetaucht sind. Je mehr wir wussten was wir mit den Untoten wollen und was nicht, desto mehr öffnen sich andere Felder. Es schafft das Gleichgewicht zwischen Energie und dunkler Energie. Anders gesagt: ich kann mich mit Soko austoben.

DH: Szeneübergreifend verbindet Soko Friedhof Dark Electro & Industrial miteinander zu einer ganz eigenen düsteren Soundmischung. Würdet Ihr Euch eher als eine Electro oder als eine Industrialband sehen?

Soko: ich kann mit beiden Begriffen eigentlich wenig anfangen. Im Prinzip profietire ich- wie viele andere -einfach von der Entwcklung der digitalen Technik. Es wird ja von vielen bemängelt dass heutzutage jeder Musik machen kann mit Computerprogrammen, doch schon Rancicky sagt: Zu jeder Zeit haben die Autoren über Liebe geschrieben das entscheidende ist das Wie!

Es gibt wie immer 2 Seiten auf der einen der Klingelton und auf der andere die freie Entfaltungsmöglichkeit von kleinen Möchtegerngenies wie mir.



DH: Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2005. Gerade erschien Eure Best Of CD. Wieso habt Ihr diesen Zeitpunkt dafür gewählt? War es an der Zeit für einen Rückblick?

David: ja irgendwie schon. Hauptsäclicher Grund war aber auch die Neugründung unseres Labels von Grafenwald. Hinzu kam dass Soko ja doch sehr unterschiedliche Tracks gemacht haben und sicherlich wollte ich als alter Ordnungsfanatiker da ein bisschen Struktur hinein bringen. Dritter Punkt war das ich bei Blutrünstiges Mädchen einige Hörer dazu bekommen habe die nur diesen track kannten und gut fanden,(und die ihn wahrscheinlich noch nicht einmal gekauft haben) und die hätte ich wahrscheinlich nicht dazu gebracht sich durch 5 Alben durchzuhören. Ist also auch als Seelenfänger gedacht.

DH: Welche Kritierien hattet Ihr bei der Wahl der Songs für die Best-Of CD? Gab es Songs, die unbedingt mit auf dieser CD erscheinen mussten? Wenn ja, warum?

David: Ja natürlich zum einen die sogenannten Hits Florfiller etc. , aber auch jene Tracks die am meisten kritisiert belächelt verdammmt werden, wie etwa Satan oder Txxxten uznd fxxxcken. Gerade die kleinen gemeinen Stücke, auf die die Reaktion so herrlich pubertär ist, wenn sie dann sagen: Wen willst du damit wieder schockieren? Wir haben ein paar sehr aufgeklärte Typen da draussen und die zu trietzen macht mir schon einen höllischen Spass. Zumal sie sich selber jeden blöden Text reinziehen wenn er auf englisch von Ficken und töten berichtet.

DH: Du, David, bist ja auch bei den Untoten musikalisch sehr aktiv. Inwieweit ist für Dich die Arbeit mit Soko Friedhof etwas anderes als mit den Untoten? Beeinflussen sich beide Bands in Ihrem Wirken oder versuchst Du eine strikte Trennung?

David: ich brauch da selber nicht viel zu machen. Mir war immer klar dass Untoten eines Tages eine ganz ensthafte Band sein würden. Natürlich haben wir in der ersten Zeit auch viel mit weniger subtilen Schockelementen gearbeitet und büssen auch heute noch dafür. Spätestens aber mit Schwarze Messe haben wir es verstanden Sehnsucht Leidenschaft hörbar zu machen, und daran arbeiten wir weiter. Also ergibt sich für Soko eine Art Narrenfreiheit. Ich habe vorhin von Feldern die sich öffnen gesprochen und da tun sich täglich neue auf so werde ich im nächsten Jahr ein Songbook herausbringen auf dem Lieder zu finden sind, die wiederum weder in den Untoten noch in den Soko Kontext gepasst haben.

DH: Ein Kernthema von Soko Friedhof ist sicher der Satanismus. Songs wie SATAN, Blutende Maria oder Ave Satan Dominus beschäftigen sich damit. Was denkt Ihr, warum Ihr diese Songs geschrieben habt? Seid Ihr damals in einer besonders intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema gewesen und seid Ihr es heute immer noch?



David: Schon der gelehrte Bart Simpson sagt: Die guten bands sind immer mit Satan verbandelt. Um es gewählter zu sagen. Das ganze Universum um Welt und Gegenwelt Himmel und Hölle Gott und Teufel ist ein zwar recht simples aber auch faszinierendes Spektrum, und nicht zuletzt wurde es ja von Geschichtenerzählern; Malern Musikern und Künstlern geschaffen. Es ist die Fanatasie eines Bosch die Leidenschaft eines Bach und die Sehnsucht eines Herrn Line nach Erlösung (ohjeh jetzt vergleicht sich der Grössenwahnsinnige schon mit den Beiden wo soll das enden?)

Es ist nur immer bedauerlich, dass man dann eine Band oder einen Künstler auf den einen Typen Satan reduziert. Persönlich hat sich der Mann bei mir noch nicht vorgestellt und er ist nunmal eine relativ niedliche märchenhafte Form des Bösen. Es gibt da wie sich jeder denken kann viel schlimmere Leute direkt unter uns Menschen. Ich finde es immer sehr witzig, dass aber auch heute noch Ausgrenzung mit diesem Schreckgespents getätigt wird. Wie im Mittelater ist alles was gewisse Herrschaften nicht verstehen, gleich “Satan” oder des Teufels. Naja da sind wir wieder bei Bart Simpson deshalb sind die guten bands eben gleich mit Satan verbandelt. Vorauseilender gehorsam.

DH: Denkt Ihr heute anders über den ein oder anderen Song, dass man hätte etwas besser machen können?

David: So denke ich eigentlich nicht, und sollte ich das denken so würde ich eben einen neuen Song machen, weil an Altem herumzudoktern halte ich nicht für gut.Das wär im Falle der Untoten etwa Grabsteinland sicher etwas anderes. Hätte ich da die Möglichkeit das Ganze etwa mit einem Symphonieorchester einzuspielen und einem Hollywoodsound dann würde ich mir das überlegen - aber Soko lebt ja von der “schnellen Nummer” vom Quickie. Der wird dann nicht so hart beurteilt.

Oft finden sich in Euren Songs auch Zitate aus Horrorfilmen. Habt Ihr einen besonderen Bezug zu Horrorfilmen? Gibt es einen Lieblingsfilm für Dich, David? Inwieweit dienen Horrorfilme für Euch als Inspirationsquelle?

David: Eiegntlich nein, keinen besonderen bezug, es läuft ja irgendwie so vieles unter Hororfilm, da findet man billigstes neben sehr erhabenen Sachen. Mir geht es bei den meisten Sampels um diese typische Art von Hysterie, wenn etwa ein Mädchen erzählt wie sie festgebunden wurde, dann hat das wenn man es ernst nimmt etwas sehr ernstes, wird aber auch als oberflächlicher Sex und Angst mache eingesetzt. Die Gesellschaft schwebt ja immer in diesem sehr gefährlichen Zwischenzustand. Von Hysterie und echter Gefahr , also Panikmache und wirklicher Sorge. Das versuch ich in diesen Samples herauszukitzeln. Ich denke ein Vogelgrippesong wäre da auch mal angebracht.

DH: Wenn man über Soko Friedhof und die vergangenen Jahre spricht, dann fällt einem sicher auch immer wieder das gespaltene Verhältnis der Medien zu Euch auf. Trotz aller Boulevardpresseberichten gibt es Euch heute immer noch und ihr seid aktiver denn je. Ist dies für Euch persönlich eine Art Genugtuung?

David: Tja das ist bei Untoten in etwa das Gleiche. Ich stelle fest (vielleicht mit Genugtung) dass wir schon verdammt berühmt also will sagen eher berüchtgigt sind. Damit steigt auch der totale Hirnriss, dass wenn jemand die beiden Begriffe hört sofort in Abwehrhaltung geht: die sind Scheisse, ohne einen Ton gehört zu haben. Irgendein Fan hat mir von einem Experimet berichtet er hat seinen Bekannten Untoten vorgespielt ohne den Namen der Band zu verraten und holla sie fanden es genial. So gesehen ist jetzt der “grosse” Name der wirklich zum Ausdruck bringen sollte und soll wie wir uns fühlten und fühlen nämlich untot, auch zum Fluch geworden. Bei Soko hab ich von Anfang an gewusst, was ich mir da einhandeln würde, eine Mauer der Leute die nicht mal über ihren 1,40 hohen Gartenzaun blicken und auf der anderen Seite eine Garantie, dass ich von Einnahmen des T-Shirtverkaufs leben kann. Tja und die grossen Medien, die spinnen eh, die verkaufen den Leuten eben gerne eine oder höchstens 2 Colas, und dann kriegen die Lemminge eben ihren Robbie und ihre Britney. Es ist nur schade, dass man selbst bei Szenemedien denselben Effekt feststellt, das tut doch dann schon etwas weh.



DH: Momentan arbeitet Ihr an einer brandneuen CD. Könnt Ihr uns schon etwas zu der neuen CD, die den Titel Jesussaft haben wird erzählen? Seid Ihr bereits mit den Aufnahmen dazu fertig oder seid Ihr gerade im Studio dafür? Was darf man von dem neuen Album erwarten?

David: Ja das ist fertig und ziemlich text- und bummslastig ausgefallen also eher noch aggressiver. Es gibt Songs zu den Themen, die sie uns halt zutrauen. Missbrauch, Selbstmord und wieder das grosse Thema der Medien an sich. Am beispiel des Michael jackson prozesses: Was unsere rezeption von Medien ereignisen anghet so hat wohl die Hirnfrschung recht, dass wir genau in die richtung laufen die sie vorgeben: heute sagen sie: Der arme michael. Morgen: Aber irgendwas ist dran. Übermorgen: Kinderschänder Und wenn er tot ist: er war aber doch ein genialer Musiker. Das war bei Elvis und bei Lennon so. Sie bauen Stars wirklich nur auf, um sich am Verfall zu mästen. Das ist so ungefähr das Thema ....

DH: Unlängst haben die Untoten ihre Tour zum neuen Album Grabsteinland III: Herz der Finsternis beendet. Es scheint, dass Du, David, permanent musikalisch aktiv bist. Woher nimmst Du die Energie für all dieses kreative Schaffen? Ist da etwas, dass tief in Dir steckt und Dich immer wieder dazu bringt, kreativ tätig zu sein?

David: Ja und es ist etwas weswegen ich auch gehasst werde auch in meiner unmittlenbaren Umgebung.

Es gibt da nämlich auch eine dunkle Seite: nämlich Ich möchte die Welt so haben wie ich sie will, deshalb ist es fast ein neurotischer Zwang die Welt umformen zu wollen mittels Sprache Musik und sonstigen Aktivitäten. Und deshalb sind die oft etwas extrem. Weil nur so scheint man sich Gehör verschaffen zu können. Mich intresssiert nicht das “Ankommen” sondern dass ich überhaupt funke... Deshalb lasse ich mich eh nicht von Rückschlägen oder sontigem Beinträchtigen.

DH: Viele Eurer Songs auf der Best-Of CD sind sehr tanzbar. Wie wichtig ist einer Band wie Soko Friedhof, dass sie in den Clubs gespielt wird?

David: Ich denke mindestens 50 Prozent einer Szene , auch die Gothikbewegung spielt sich nunmal in der Öffentlichkeit - soll heissen in den Clubs - ab. Was man da hört wird reflektiert und besprochen also will man da gespielt werden. Bei Untoten achte ich da überhaupt nicht mehr drauf. Bei der Soko schon. Und selbst wenn man von einigen dieser bornierten Djs nicht aufgelegt wird, so spricht sich herum, dass man nicht aufgelegt wird, weil der Kollege halt borniert ist, das ist ein guter Effekt.

Das LEBEN setzt sich eben durch.

DH: Wird es demnächst auch eine Tour von Soko Friedhof geben? Wird es der Thematiken entsprechend eine besondere Show geben? Habt Ihr da schon etwas in Planung?

David: Ja es wird eine Premiere der Soko geben auf dem Wgt 06 und dann wahrscheinlich eine Tour. Momentan sieht es aber mit Touren sehr finster aus, da es da draussen von Veranstaltern wimmelt, die sich mit einem grossen Festival gesund stossen wollen und dann einfach abhauen, wenn sie sehen dass das nicht klappt... Zur Show: da habe ich gestern erst die Setlist zusammengestellt und die Show machen wir dann im nächsten Jahr.

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg mit Soko Friedhof.

Interview: Andreas Ohle (für Dark Heart)
David A. Line (für Soko Friedhof)