Shardless

© by SHARDLESS


DH: Seit wann gibt es Shardless? Wie kam es dazu, dass aus The Prior`s Diary Shardless wurde?

Daniel: Etwa ein Jahr nach dem letzten „The Prior´s Diary“ Release „Harlekin“ gab es bei uns eine kleine Durststrecke. Zu diesem Zeitpunkt fingen wir an Songideen für ein neues Album zu sammeln. Unser damaliger Sänger Tom bekam zunehmend Schwierigkeiten mit dem Stil und den Vorstellungen der Anderen. Tom kommt aus der Deathmetal- und Grindcore-Ecke und gründete daher eine eigene, inzwischen recht erfolgreiche Grindcore-Band. Mit einer Kassette voller Songideen machten wir uns im Jahr 2002 auf die Suche nach einem Ersatz. Glücklicherweise lernten wir Corinna kennen, die von unserem Material recht angetan war.

Corinna: Ich stieß im November 2002 zur Band. Um den Fans ein Lebenszeichen von uns zu geben, pickten wir aus dem ganzen bestehenden Material einen bestimmten Song heraus und gingen damit ins Studio. Das Ergebnis war ein Mp3 für das Internet, welches den Namen „Wind Turns Back“ trug. Daniel: Genau! Der Mp3-Track „Wind Turns Back“ war der erste Release mit Corinna. Das war im Januar 2003. Bis zum Sommer 2003 arbeiteten wir das restliche Material mit Corinna aus. Es zeichnete sich bereits in dieser Phase deutlich ab, dass die Songs nicht mehr ganz so viel mit dem alten Songmaterial zu tun hatten. Kurz bevor wir uns ins Studio begaben, entbrannte in der Band die Diskussion, ob und wie der Name „The Prior´s Diary“ mit unserer jetzigen Arbeit in Einklang gebracht werden konnte. Wir fühlten uns von dem Namen eingeengt und in die Gothicmetal-Ecke gedrängt. Um das unmissverständlich zu umgehen, haben wir uns nach Ende der Aufnahmen auf den kurzen, prägenden Namen „Shardless“ geeinigt.

Was hat sich seit der Namensänderung für Euch alles verändert? Seht Ihr die Umbenennung als einen Neuanfang?

Daniel: Die Umbenennung von „The Prior´s Diary“ in „Shardless“ ist meiner Meinung nach sowohl ein Neuanfang als auch ein Teil unserer Weiterentwicklung. Wenn man jetzt das Endprodukt „Newday“ betrachtet, kann man schon von einem Neuanfang sprechen, da wir uns von den Shout-Vocals ganz klar verabschiedet und mit dem Thema „The Prior´s Diary“ definitiv abgeschlossen haben. Verändert hat sich seit Herausgabe der CD, dass die wir neue Fans hinzugewonnen haben. Unsere Musik ist für eine breiter gefächerte Hörerschaft zugänglich geworden.

Corinna: Für mich ist es ganz klar ein Neuanfang, da ich noch nicht sehr lange dabei bin und ich in dieser Musikrichtung vorher noch nichts gemacht habe.

DH: Wenn ich die Musik Eures neuen Albums beschreiben müsste würde ich sagen, dass es sich hier ganz klar um ein Gothic Album handelt. Stimmt Ihr mir da zu oder wie seht Ihr selbst Eure neue CD?

Daniel: Nun, ich würde es mal anders herum formulieren. Wenn wir damals gesagt hätten, wir machen jetzt ein reines Gothic Album, dann hätte „Newday“ mit Sicherheit ganz anders geklungen. Wir sehen „Newday“ eher als einen Versuch, markante Eckpunkte verschiedener Pop-, Rock-, Wave- und Metal-Elemente zu vereinen. Zugegeben, dass wir dabei unsere Gothicmetal-Wurzeln nicht ganz verbergen konnten, war uns von Anfang an klar. Aber trotz allem glaube ich eher, dass unsere Musik mehr in die Richtung „Dark Rock“ geht.


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DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der neuen CD? Gestaltete sich die Studioarbeit anders als bei früheren Aufnahmen

Daniel: Nein. Es ist immer noch harte Handarbeit. Jedoch hat sich seit „Harlekin“ technisch einiges verbessert. Es ist schon etwas paradox. Je mehr digitale Technik bei den Aufnahmen zum Einsatz kommt, desto echter scheint das Ergebnis. Ich finde, dass wir auf „Newday“ um einiges authentischer klingen als auf „Harlekin“. Zudem hatte unser Produzent und Studiomann Markus Bruder wesentlich mehr an Erfahrung dazu gewonnen. Im Gegenzug gaben wir ihm viel Freiraum für technische Experimente. Das war zu „Harlekin“ Zeiten nicht so. Wir waren alles in allem knappe zwei Monate mit den Aufnahmen beschäftigt und gaben uns dann einen weiteren Monat, um das ganze soundtechnisch in das richtige Format zu bringen. Ich glaube, das Ergebnis der ganzen Arbeit kann sich sehen lassen.

DH: Der Song "Today" gefällt mir sehr gut. Wovon handelt das Lied?

Corinna: „Today“ ist das Ergebnis einer Trennungsgeschichte. Der Eine oder Andere kennt das vielleicht. Man ist mit jemandem zusammen, irgendwann trennt man sich und einer der beiden kann vom anderen Partner nicht loslassen. Und wer jetzt wissen möchte, wie die ganze spannende Geschichte zu Ende geht, der sollte sich die CD schleunigst kaufen und „Today“ anhören.

DH: Wie gestaltet sich generell Eure Arbeit an neuen Songs? Wer schreibt die Songs und Texte?

Corinna: Jeder in der Band steuert Texte oder Themen bei. Richtig in Form gebracht werden diese dann erst, wenn die Musik dazu geschrieben wird. Dies passiert aber eher bei uns zu Hause als in den Proben. Das Problem bei „Newday“ war, dass ein Großteil des Songmaterials zu „The Prior´s Diary“ Zeiten, also vor meiner Zeit, komponiert wurde. Als ich dazu kam, mussten meine Stimme und die Lyrics dem bestehenden Material angepasst werden.

Daniel: Weil dies nicht mit allen Songs so perfekt funktioniert hat, mussten wir viele Songs aussortieren und haben nur die Besten auf „Newday“ verwendet. Es hat sich im laufe der Zeit so entwickelt, dass unsere beiden kreativen Gitarristen Dominik und Christian Songmaterial auf bestehende Texte mit in die Probe bringen und dort die Songs dann mit Schlagzeug, Bass und Gesang ihren letzten Feinschliff bekommen.


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DH: Auf dem Album sind auch Synthesizerklänge zu hören. Würdet Ihr als Experiment auch gerne mehr Elektronik in Eure Songs mit einbringen wollen?

Corinna: Wir setzen den Synthesizer als festen Bestandteil unserer Musik ein. Da wir ohne Keyboarder sind arbeiten wir derzeit mit einem Gitarrensynthesizer. Der Song „The Soundbarrier“ ist fast vollständig mit dem Gitarrensynthi entstanden.

Daniel: Es ist nicht auszuschließen, dass künftig noch mehr solcher Sounds einfließen. Es kommt wirklich nur darauf an, ob wir Bock haben oder nicht. Ein altbewährtes Motto bei uns lautet „musikalisch keinerlei Grenzen setzen und für alles offen sein“.

DH: Du, Corinna, bist für den Gesang zuständig. Wie gehst Du gesanglich und gedanklich an einen neuen Song heran?

Corinna: Möglichst frei und unbefangen. Unsere beiden Gitarristen geben mir meistens eine Melodie zur Orientierung vor. Der Rest ergibt sich oder wird erarbeitet. Ist zwar nicht immer einfach, aber hin und wieder lese ich einen Text, höre die Musik und weiß sofort, welche Gesangslinie am Besten den Song zu einem Song macht.

DH: Wird Shardless demnächst auch live zu hören sein? Ist eventuell eine Tour in Planung?

Daniel: Es stehen demnächst ein paar einzelne Konzerte in unserer Heimat an. Am 24. April kann man Shardless in unserer Heimatstadt Lahr im Schlachthof sehen.

DH: Welche weiteren Pläne habt Ihr mit Shardless in den nächsten Monaten?

Daniel: Da uns das Finanzielle langsam verlässt, bräuchten wir dringend Auftrittsmöglichkeiten und sind gleichzeitig auf Labelsuche.

Corinna: Es ist im Moment auch zeitlich nicht einfach für uns. Wir würden gerne mehr machen, aber unser Schlagzeuger Daniel befindet sich mitten im Studium und bei mir stehen in der nächsten Zeit auch Prüfungen an.

Daniel: Wir werden in den nächsten Monaten sicherlich die eine oder andere Entscheidung über unsere weiteren Vorhaben zu treffen haben. Mal sehen...

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg mit Shardless. Euch gehört das Schlusswort:

Daniel: Dann möchten wir an dieser Stelle auf unsere Website aufmerksam machen. Wer uns näher kennen lernen will oder ein paar Soundfiles herunterladen möchte, kann dies unter www.shardless.com tun. Dort findet ihr alles über Shardless. Unser Dank geht an das DARK HEART MAGAZIN

Interview: Andreas Ohle