Sepulcrum Mentis



DH: Seit wann gibt es Sepulcrum Mentis und wie seid Ihr auf die Idee gekommen Euch so zu nennen?

Den: Sepulcrum Mentis ist lateinisch und bedeutet "das Grabmal des Geistes", die Idee kam hierzu 1989 durch Marty Kasprzak und Ben Zorn, die ebenfalls Sepulcrum Mentis gegründet haben..

DH: Welche Personen gehören der Band an? Stellt Euch bitte einmal kurz vor.

Den: Marty ist das Mastermind sowie Sänger und Gitarrist. Becker traktiert das Schlagzeug und zeigt sich für die logistische Seite verantwortlich, Anke zupft und "streichelt" die Violine, Den Haack beackert die 4 Saiten und Sven bedient ebenfalls die Gitarre.

DH: Eure Musik ist zweifelsohne im Bereich Dark Rock / Gothic Rock einzuordnen. Stimmt Ihr mir da zu und wenn ja, wie kam es dazu das dies zu Eurem Musikstil wurde?

Marty: Gothic Rock sind unsere Roots und wir sind damit völlig einverstanden, wenn man uns in diese Schublade steckt, wobei ich anmerken möchte, dass wir auch andere Musikrichtungen mit einfließen lassen, u.a. Progressive Rock, Alternative Rock oder Punk.

DH: Wie seht Ihr die Entwicklung der Dark Rock /Gothic Rock Musik der letzten Jahre. Glaubt Ihr, dass diese Musik derzeit eine Wiederbelebung erfährt, nachdem es in den 90`er Jahren wenig neues gab?

Den: Schwierig selbst ein Urteil zu treffen. Alles fing damit an, Musikstile zu kreuzen sprich Crossover zu betreiben. Hinsichtlich des Gothic Rocks wäre zu sagen, dass es in den 90ern regelrecht von Bands boomte, die ihre Idole bzw. 80er Jahre Bands wie The Sisters Of Mercy, The Cure, The Mission oder Fields Of The Nephilim fast original getreu kopierten. Sepulcrum Mentis hingegen haben sehr ausgiebig experimentiert, sei es mit Keyboards, Cello, mittelalterlichem Krummhorn oder wie nun zuletzt mit Violine. Klang die "Burning An Effigy" aus dem Jahre 1996 noch sehr metal-lastig und "grunzig", sind wir seit dem 2000er Output "SuperGothInferno" dazu übergegangen, unsere Wurzeln (Gothic, New Wave, Death Rock, Prog) zeitgemäß umzusetzen. Im allgemeinen ist die Gothic Szene sehr oberflächlich geworden und man bevorzugt eher ein Image als die Idee an sich. Wir versuchen aber stets die Ironie, den Humor und die Originalität aus den Anfangszeiten zurück zu gewinnen. Es gelingt uns ganz gut, schließlich gibt es ja nach wie vor noch eine sogenannte Szene für uns, die sich damit identifizieren kann. Schade finde ich, dass sich die Sparte "EBM", die einst Bands wie Front 242, Schwefel oder Nitzer Ebb prägten, in der Schwarzen Szene mittlerweile mehr zum Hausfrauen-Techno hinbewegt hat und absolut stinklangweilig geworden ist.

DH: Wie gestalteten sich die Aufnahmen zu der CD Salvation? Wo fanden die Aufnahmen statt? Wie lange dauerten die Aufnahmen und Mögt Ihr die Arbeit im Studio? Marty: Die Aufnahmen wurden in 3 Abschnitten vollzogen. Wie auch bei der letzten Platte, haben wir mittels eines PC-basierten Hard-Disk-Recording-Systems produziert (dank hierbei an Steinberg). Seit Herbst 2000 haben wir an dem neuen Album "Salvation" gearbeitet. Da wir tagsüber unsere Day Jobs verrichten (von der Musik können wir leider noch nicht leben), hat es natürlich etwas länger gedauert, um das Werk zu vollenden. Nebenbei hatten wir auch etliche Verhandlungen mit Labels, was ebenfalls die Vollendung verzögerte. Im Studio zu arbeiten, ist kein Problem für uns - wir haben für diesen Fall unseren Übungsraum regelrecht in ein digitales Studio verwandelt und die Aufnahmen absolviert. Wir hoffen natürlich, für das nächste Mal wieder ein Studio aufsuchen zu können, aber leider ist das immer von der altbewährten Geldfrage abhängig. Andererseits gibt uns das rechnergestützte Arbeiten aber auch die vollkommene Freiheit, alle unsere Ideen ohne Zeitdruck umsetzen zu können.

DH: Wie entstanden die Songs? Wie gestaltete sich das Song- und Textwriting? Gab es bestimmte Momente in denen die Songs entstanden?

Marty: Die erste Hälfte behandelt die apokalyptische Grundstimmung und den weltpolitischen Wahnsinn, die durch die Geschehnisse von 9-11 und danach ausgelöst wurden, in Verbindung mit der Bewältigung persönlicher Krisen. Die zweite Hälfte ist positiver gestimmt und soll Auswege aus der Krise weisen. Die Songs entstehen eher spontan, dabei kann ich nicht pauschal sagen, in welcher Stimmung man sich gerade befand. Auf jeden Fall gehören wir nicht zu der Fraktion, die von sich behauptet "Ich kann nur Songs schreiben, wenn ich traurig bin". Vielmehr sind es Dinge, die uns in dem Momente gerade bewegen, egal von welcher Fasson.

DH: Welchen Stellenwert nehmen die Texte in Euren Songs ein?

Den: Einen sehr hohen! Meistens bildet die textliche Idee die Basis für die Musik und legt die Stimmung des Stückes fest. Nach Fertigstellung der Musik wird der rudimentäre Text dann in seine endgültige Form gebracht. Ausgenommen sind hier natürlich die Cover Versionen.

DH: Wie kam es zu der Idee einer Coverversion von Blue Hotel von Chris Isaak? Plant Ihr weitere Coverversionen?

Den: Sepulcrum Mentis covern schon seit Jahren sehr gern, weil es gerade auch live einen riesigen Spaß macht. Anfänglich haben wir Songs von The Cult, David Bowie (...The Other Side Of...Sampler./Celtic Circle), The Sisters Of Mercy (Monochrome Sampler/SPV), Psychedelic Furs oder The Mission gecovert. Aber dieses Mal haben wir extra Songs gewählt, die nicht unbedingt dem Gothic Bereich zuzuordnen sind. Außerdem mögen wir allesamt "Pop Trash", das macht Laune!! Und ich gehe davon aus, dass wir uns weiterhin diesen Spaß gönnen werden. Wir lassen uns hierauf allerdings nicht festlegen, sondern werden machen, was uns gefällt!

DH: Der Song "Circus Of Insanity" auf dem Album gefällt mir sehr gut. Wovon handelt das Lied?

Marty: Es handelt vom langsamen Abdriften in eine freiwillige Form von Wahnsinn, da die Realität immer unerträglicher zu werden scheint, stellt auf der anderen Seite aber auch Konformismus und Konventionen in Frage. Ist der Wahnsinnige nur deshalb geächtet und für verrückt erklärt, weil er einen Außenseiter ist und sich den ihm von der Gesellschaft auferlegten Konventionen nicht beugt? Ich denke, daß jeder denkende und fühlende Mensch, der sich mit Welt und Umwelt auseinandersetzt und nicht bloß das Vorgekaute in sich aufnimmt, diesen Wahnsinn in sich trägt.

DH: Ihr tretet auch live auf. Nach Euren Infos bisher jedoch nur in östlichen Bundesländern. Wird man Sepulcrum Mentis auch im Westen, Süden oder Norden Deutschlands erleben können? Werdet Ihr auch auf Festivals spielen?

Den: Wenn wir nicht live spielen könnten, wäre es schlimm für uns, da wir primär eine Live Band sind. Dass wir nur in östlichen Gefilden Deutschlands spielen, dem kann ich aber nicht zustimmen. Zwar gastieren wir demnächst nur im östlichen Deutschland, aber in der Vergangenheit haben wir schon ausreichend im restlichen Land sowie in etlichen Gebieten Europas getourt. Klar ist, dass sich die Clubkultur in Deutschland gewaltig geändert hat. Man bevorzugt überwiegend reine Disco Events mit ab und zu 1 Live-Act, wobei der Live Act am häufigsten aus der Elektro-Richtung rekrutiert wird, da dort der Aufwand geringer ist, als bei einem klassischen Rockband Line-Up. Unsere Erkenntnis ist, dass seit paar Jahren der ehemalige Osten mehr an Acts wie Sepulcrum Mentis interessiert ist. Aber wir geben die restlichen Regionen keinesfalls auf. Für das erste Halbjahr stehen folgende Live Acts fest: 26.04.2003 Greifswald (black box), 16.05.2003 Berlin (Factory / 3. Dark Rock Festival); 17.05.2003 Halle (Thalia Gewölbe), 18.05.2003 (Bike Inn Gelände / That Spring Festival) sowie 05.07.2003 Tampere / Finnland (Lumous Goth Festival). Die Tour wird Ende September fortgesetzt und mit Sicherheit werden wir auch andere Gefilde live unsicher machen!

DH: Wie hat man sich einen Live-Auftritt von Euch vorzustellen?

Den: Wir gehen auf die Bühne, spielen unser Set runter, sagen Tschüß und hauen wieder ab...nee Scherz beiseite, ...unsere Shows sind explosiv und exzentrisch, Gothic Rock zum Abfeiern, außerdem ist da unser Marty, der gerne das Publikum überrascht. Aber womit verraten wir nicht.

DH:Welche weiteren Pläne gibt es mit Sepulcrum Mentis?

Marty: Als aller erstes gilt es, den Bekanntheitsgrad von Sepulcrum Mentis und vom neuen Album mittels Promotion und Gigs zu erweitern. Anschließend wird wieder an einem neuen Album gewerkelt, in der Hoffnung, dass es beim nächsten Mal nicht wieder so lange dauert. Die ersten Ideen / Songs sind schon im Hinterkopf.

DH: Zum Schluss des Interviews wünschen wir Euch alles Gute für die Zukunft. Ihr habt das Schlusswort:

Den: Wir hoffen natürlich, so viele Leute wie möglich von der werten Dark Heart Leserschaft auf unseren Konzerten anzutreffen. Haltet die schwarze Szene sauber, kauft unsere Platte und zelebriert mit uns den Gothic Rock!

weitere Infos: www.sepulcrummentis.de

Interview: Andreas Ohle