Schattenkinder


DH: Wie kam es zur Gründung von Schattenkinder und wie ist Eure aktuelle Besetzung?

Die Besetzung ist nach und nach entstanden. Reiner und Madeleine haben sich über eine Annonce kennen gelernt, Sven und Katharina sind über den Freundeskreis zur Band gestoßen und Katja haben wir kurioserweise während ein paar Psychologietests getroffen. Reiner, Sven und Madeleine haben für ein paar Euro am Psychologieinstitut Tasten gedrückt, und Katja war die Versuchsleiterin. Sie war uns sehr sympathisch und weil sie auch noch super Geige spielen konnte, haben wir sie uns gleich gekrallt. Damit war die Besetzung komplett:

Madeleine: Gesang, Texte
Katharina: Gesang, Texte
Katja: Geige
Reiner: Keyboards & Sound Programming, Texte
Sven: Gitarre & Bass, Visual Design

DH: Wie würdet Ihr selbst Eure Musik beschreiben?

Ruhig, besinnlich, facettenreich, man kann beim Anhören immer wieder Neues entdecken. Sie ist eine kreative Kombination aus unseren verschiedenen Vorlieben und Eigenarten.

DH: Eure Musik finde ich sehr ruhig und entspannend einerseits - romantisch verträumt und sphärisch andererseits. Welche musikalischen Einflüsse habt Ihr, die Euch letztlich zu dieser Form der Musik geführt haben?

Die Stilrichtungen, welche uns beeinflussen sind so breit gefächert wie unsere persönlichen Hintergründe - sie reichen von Klassik über Blues und Jazz bis hin zu EBM und Industrial. Derzeit lässt sich unser Stil wohl am ehesten mit "Heavenly Voices" beschreiben. Letztlich kennen wir wohl alle Phasen im Leben, welche eher einen verträumten melancholischen der auch traurigen und schwermütigen Charakter haben. Verschiedene Erfahrungen wollen verarbeitet werden, da liegt die Musik als Ausdrucksmittel nahe. Auch Mystik spielt eine gewisse Rolle. Und ist es nicht so, dass die Traurigkeit manchmal auch an das erinnert, was jedem selbst etwas wert ist?

DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Eurem Label "Dark Wings"? Durch eine Anfrage bzw. ein Angebot des Labels, welches zu uns Kontakt aufnahm.

DH: Eure CD heißt "Vision Of Nightfall". Was könnt Ihr uns darüber erzählen? Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album und wo fanden Sie statt?

Musik kann man nur schwer in Worte fassen. Wer etwas über die Cd wissen will, der hört sie sich am besten einfach an. Einige haben uns gesagt, dass sich unsere Musik sehr gut zum Autofahren eignet. Wir denken aber auch, dass dieses Album ein wenig, wie eine Reise in die Dämmerung ist. Die Nacht mit Ihrer Einsamkeit, der Kühle und Sehnsucht, aber auch den Geheimnissen und Träumen und der Hoffnung auf den Morgen, die zum Vorschein kommen. Die Ansichten, Visionen, die sich beim Hören erschließen, die unsere Musik zu öffnen vermag, liegen letztendlich in Euch als Hörer verborgen. Die Vorproduktion wurde bei Reiner in Dresden gemacht und dauerte ungefähr drei Wochen. Bereits vorher hatten wir natürlich recht intensiv an den Songs getüftelt. Der Gesang und die Violine wurden an drei Wochenenden in Berlin im labeleigenen Studio aufgenommen, wo auch das Endmix entstand.

DH: Die CD wirkt in sich sehr homogen, was die Songauswahl angeht. Inwieweit habt Ihr bestimmte Kriterien bei der Songauswahl gehabt? Zum Beispiel eben das Kriterium, dass das Album eine Runde Sache ergeben sollte, dass alle Songs irgendwie zueinander passen, damit unsere Zuhörer sich fallen lassen können in ihren Träumen und Assoziationen zur Musik.

DH: Auch das Cover ist stimmungsvoll und sehr gut gelungen. Wie wichtig war Euch der künstlerische Aspekt bei der Gestaltung des Covers? Wer hat das Cover entworfen? Das Kompliment verdient Sven, unser Gitarrist und Bassist. Es haben sich zwar alle in irgendeiner Weise mit eingebracht, aber den Mammutteil an Arbeit hat er auf sich genommen. Er hat nächtelang darüber gesessen und designt. Für Sven hat das Visuelle eine sehr große Bedeutung. Er ist es auch, der in dieser Hinsicht immer wieder neue Ideen einbringt: zum Beispiel eine Slideshow für unser nächstes Konzert. Der Link auf der CD-Rückseite wird übrigens auf eine Webseite mit zusätzlichen Informationen führen, die ebenfalls designtechnisch aus Svens Hand stammen. Derzeit wird noch heftigst daran gearbeitet. Wir finden die Covergestaltung genauso wichtig wie die Musik und die Texte, alles sollte eine Einheit bilden.

DH: Wie entsteht ein Song bei Euch? Wie funktoniert bei Euch der Prozeß des kreativen Songschreibens? Wer schreibt die Songs und wer die Texte? Oder arbeitet Ihr in der Regel alle zusammen an einem Song?

Meist gibt Reiner ein kreatives, ausbaufähiges Grundgerüst vor, zu dem dann ein Text geschrieben wird. Die umgekehrte Reihenfolge ist auch möglich, wenn wir z.B. altgriechische Gedichte vertonen. Auch Katharina hat bereits einige Songs komponiert. Getextet haben bisher Reiner, Madeleine und Katharina. Unsere Sängerinnen haben ein sehr gutes Gefühl für interessante Melodien, welche zu Reiners Songideen passen. Zum Schluss wird das ganze durch die Geige und Gitarre abgerundet. Im Prinzip hat bei uns jeder ein Mitspracherecht und kann sich mit musikalischen Vorschlägen einbringen - ein Umstand, der den Entstehungsprozess eines neuen Songs oft einerseits nicht gerade leicht macht, andererseits stellt dies auch eine sehr große Bereicherung unserer Musik dar. Die Songs reifen regelrecht heran.

DH: Eure Texte handeln von Themen wie etwa Sünde, Träume, Angst, Herbst und Mond. Wodurch lasst Ihr Euch beim Schreiben Eurer Texte inspirieren? Gibt es besondere Ereignisse, Erlebnisse oder Erfahrungen, die in Eure Texte mit einfließen?

Es sind Stimmungen, die sich über eine gewisse Zeit aufbauen bis man von ihnen völlig gefangen ist. Und dann ist es höchste Zeit einen Text daraus zu machen. Einen völlig unpersönlichen Text zu schreiben geht, so glauben wir, nicht.

DH: Der Song "Mondnacht" gefällt mir besonders gut. Wovon handelt das Lied? Ja, dieser Text ist - übrigens schon ein wenig älter - von Reiner. Einerseits geht es natürlich um Sehnsucht, eines der Grundthemen unserer Platte, und um Entfernung. Aber auch darum, und dass wird am Ende ja gesagt, dass die Haltlosigkeit des Vergehens immer einen Neuanfang beinhaltet, und notwenig ist, damit nichts zum Stillstand kommt: "Die Welt will leben, und so stirbt sie jeden Tag neu". Der Refrain entstammt übrigens aus einem griechischen Textfragment von Sappho. Dies scheint vielleicht zuerst ein Gegensatz zu sein, aber im Grunde sind doch die menschlichen Empfindungen im Laufe der Kulturgeschichte gleich geblieben.

DH: Ist Euch die Musik wichtig als Ausdrucksform? Was möchtet Ihr mit Eurer Musik erreichen?

Jeder, der unsere Musik hört, soll dazu seine eigenen Assoziationen haben können. Wichtig ist nur, dass wir die Menschen berühren können, dass wir sie ansprechen und etwas gefühlsmäßig in ihnen auslösen können. Nichts ist schlimmer als inhalts- und ausdruckslose "Musik". Tja, und wenn uns Musik nicht als Ausdrucksform wichtig wäre, würden wir sie wohl auch nicht so intensiv als Hobby betreiben - oder?

DH: Tretet Ihr auch live auf? Sind in nächster Zeit Konzerte von "Schattenkinder" geplant oder gibt es aus Anlass des Albums sogar eine Tour?

Eine Tour ist demnächst nicht geplant, schließlich haben wir ja alle auch berufliche Verpflichtungen, aber einige Konzerte wird es sicherlich geben.

DH: Welche weiteren Pläne habt Ihr mit "Schattenkinder" in naher Zukunft? Trotz der Arbeit, welche wir im Rahmen der Veröffentlichung unserer ersten Longplayers hatten und haben, gibt es bei jedem von uns schon wieder neue Ideen, die umgesetzt werden wollen. Und einiges, wie die im Entstehen begriffenen Webinhalte und die Slideshow zum Konzert wurde ja bereits angedeutet.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg für die CD. Euch gehört das Schlusswort:
Erinnert Euch an all das, was Euch wichtig war - habt den Mut, auch mal zu trauern, aber vergesst Eure Träume nicht. Liebe Grüße aus Dresden Sendet die Schattenkinder-Crew

Interview: Andreas Ohle