Schattentanzt



DH: Erzählt uns zunächst etwas über Euch. Wie seid Ihr eigentlich zur Musik gekommen? Wie kam es zur Gründung von Schattentanzt?

Mit dem Musikmachen haben wir so ziemlich alle schon im zarten Kindesalter angefangen und dementsprechend schon lange Freude daran! Nach einigen Metal-, Folk- und sonstigen Bands hatten sich schon Teile von uns zusammengefunden, aber irgendwie hat der Stil der jeweiligen Bands nicht so ganz unseren Vorstellungen entsprochen, bis wir uns 1999 unter dem Namen SchattentanTZ gründeten, um mittelalterliche Instrumente mit den Zeitgenössischen zu verbinden. Seit 2000 spielen wir in der jetzigen Besetzung.

DH: Schattentanzt ist zweifelsohne dem Bereich mittelalterliche Musik zuzuordnen. Wie kommt es, dass ihr Euch dafür entschieden habt, genau diese Art von Musik zu spielen? Habt Ihr einen besonderen Bezug zu dieser Zeit? Hättet Ihr gerne im Mittelalter gelebt?

Auch hier gibt es - wie so oft - verschiedene Wege nach Rom. Manch einer fand den Sound anderer Bands, die sich an solchen Dingen versuchen, interessant, andere kamen über den Fantasy/Rollenspielbereich zum Mittelalter, oder beides gleichzeitig. Uns allen gemein ist aber der Wunsch, etwas Außergewöhnlicheres zu kreieren und unsere eigene Herangehensweise an diese Musiksymbiose zu entwickeln. Es ist nicht unser Ziel, so zu klingen, wie es andere Bands vorgemacht haben. Somit ist unser Bezug zu dieser Zeit vornehmlich musikalisch. Ob wir da auch gerne gelebt hätten, wüsste ich jetzt nicht, aber mal unverbindlich vorbeigeschaut - das wär doch mal was!

DH: Erzählt uns etwas zu Eurem Album Galgenfrist. Was erwartet den Hörer bei Eurer neuen CD? Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD und wo fanden die Aufnahmen statt?

Den geneigten Hörer erwartet mehrstimmiger Gesang, alte Instrumente wie Dudelsack, Drehleier, Schlagwerk, Flöte und die modernen Intrumente einer Metalcombo. Dabei fallen die Stücke sehr abwechslungsreich aus. Die reinen Aufnahmen dauerten so ca. einen Monat und fanden vor unserer Haustür im Taunus im Studio von Eckton statt, nur dass die damals noch nicht so hießen (das Album ist ja schon von 2001).



DH: Auf "Galgenfrist" ist eine ganz große Spielfreude von euch zu erkennen. Wie fühlt ihr Euch als Band eigentlich? Gibt es eine Art Gruppengefühl, die Euch immer wieder zu neuer Kreativität und solcher Spielfreude inspiriert?

Sicherlich ist so ein Gruppengefühl essentiell für eine Band und es freut uns, dass man das hört! Ich denke das Wichtigste bei Musik im allgemeinen ist, dass man Spass hat. Wenn wir Spass hatten, als wir die Musik gemacht haben, dann macht es auch Freude, sie sich anzuhören - auf CD wie auch LIVE. Das hat sicherlich auch einen Einfluss auf die Kreativität, da man am kreativsten ist, wenn man sich gut fühlt.

DH: Ist es eigentlich schwierig ein mittelalterlich klingendes Album aufzunehmen, da hier ja auch z.T. sehr alte Instrumente eingesetzt werden und viele Eurer Songs auch ein sehr schnelles Tempo haben? Erfordert dies besondere Konzentration aller Musiker während den Studioaufnahmen?

Die Aufnahme ist an sich nur insofern schwieriger, da man erstmal rumprobieren muss, wie diese ungewöhnlichen Instrumente am klangvollsten abgenommen werden, und nachher beim Mix, weil sie die Musik um einiges komplexer machen als z.B. ein herkömmliches Rocktrio. Schwieriger ist es dagegen beim Songwriting, da viele alte Instrumente nur einen begrenzten Tonumfang haben und zudem noch gerne ein Ton immer als Begleitung dazuläuft. Da muss man sich schon anstrengen, um immer wieder neue Möglichkeiten zu finden und nicht immer wieder gleich zu klingen. Mit dem Tempo hat das eigentlich nichts zu tun. Da gelten die gleichen Regeln wie bei jedem Instrument: Je besser die Technik, desto sauberer und schneller kann man spielen. Wir haben uns eben intensiv mit diesen Instrumenten beschäftigt.

DH: Gab es zuvor eigentlich schon Veröffentlichungen von Euch? Mit welchen Erwartungen habt Ihr Euer Album aufgenommen? Wusstet Ihr von Anfang, wie das Album im Endergebnis klingen sollte?

Wir hatten mal eine DemoCD, die ist aber mittlerweile vergriffen. Wir wussten bei der Galgenfrist eigentlich ziemlich genau, wie sie später klingt, da wir die Stücke auch im Proberaum und live bis auf kleine Details so spielen.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Die Hexe" auf Eurem Album. Wovon handelt das Lied? Wovon handeln generell Eure Texte? Nehmt Ihr in Euren Texten nur Bezug zu mittelalterlichen Themen oder sprecht Ihr auch moderne aktuelle Themen an?

Die Hexe ist ein eher mittelalterliches Thema, wo eine Frau, die einfach nur Kräuter sammelt und in einer Hütte am Wald lebt, als Hexe verurteilt wird. Der Refrain ist ein kleiner Seitenhieb auf den Widerspruch der christlichen Lehre, die Gnade und Barmherzigkeit propagiert, und dem Verhalten der Kirche damals, die die unschuldige Frau mit einem grausamen Flammentod bestraft. Ansonsten gibt es aber auch aktuelle Themen, die ins Mittelalter transferiert werden (können), wie z.B. Cernunnos, wo es darum geht, dass sich Menschen um Land und Besitz streiten (und zugrunde richten), der eigentlich der Natur selbst gehört.



DH: Finden sich auf Euren CD auch traditonelle Songs, die Ihr aus der Mittelalterzeit übernommen habt und neuinterpretiert oder handelt es sich durchweg um Eigenkompositionen?

Wir haben zwei Stücke auf der CD, die Überarbeitungen von traditionellen Werken sind: Der Bauernknecht und Ouwe.

DH: Wie entstehen generell die Songs bei Euch. Wer hat die Ideen? Gibt es eine Person, die alle Songs schreibt oder schreibt Ihr die Songs als Gruppe zusammen?

Es gibt alle Varianten. Mal kommt jemand mit einem fertigen Lied in die Probe, welches nur noch gelernt werden muss, mal probieren alle zusammen an einer Idee herum, die dann auf verschiedene Arten weiterentwickelt wird. Nur die Texte werden jeweils von einer Person allein geschrieben, um eine Linie und einen gleichbleibenden Stil innerhalb eines Songs zu behalten.

DH: Wann kann man Schattentanzt wieder in Deutschland live sehen? Sind schon Konzerte geplant? Spielt Ihr dieses Jahr auch auf einigen Festivals?

Die Konzertdaten stehen auf unserer Homepage www.schattentantz.de. Die nächsten Konzerte sind am 15. Mai in Idar Oberstein und am 3.6.2005 mit Schandmaul in Königstein/Ts.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort.

Bitte sehr. Euch natürlich auch alles Gute und haltet Ohren und Augen nach weiteren SchattentantzCDs und Konzerten auf!

Interview: Andreas Ohle