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Vince Bahrdt Mordballaden


Wertung: (6/7) Monden



Der Songwriter und Pianist des Pop-Duos Orange Blue, Vince Bahrdt, benötigte 7 Jahre für sein SoloProjekt: mordballaden. Aufwendig und ohne Zeitdruck wurde das Album realisiert. Es verbindet meist deutsche,sehr intensive Texte mit komplexen Orchester Arrangements. Hier wird uns mit jeder Menge Interpretationsspielraum und Metapherndeutlich gemacht, das wir immer selbst dafür verantwortlich sind, was wir tun. Ohne vordergründige Provokation und Geschichten beschreibend, mit tiefer Melancholie und der Fähigkeit das Leiden genießen zu können. Nicht zu überbietende, kreative Schöpfungen stehen hier als Sinnbild, wenn auch ein extremes, den Mord. Bahrdt ist ein alter Hase im Musikbiz - Orange Blue räumten Preise und Auszeichnungen, Chartpositionen und sogar Hollywooderfolge ab: Für den Blockbuster 'America's Sweethearts' mit Julia Roberts und Catherine Zeta-Jones schrieb Bahrdt den Titelsong. Müsste man hierfür eine Schublade nennen, dann am ehesten Grenzpop. 15 Tracks beschreiben Chancenlosigkeit und Schicksale, menschliche Makel und Fehler, Traurigkeit und Stille, individuelle Chancen, eben die 'kleinen Morde' unseres Alltags: Den Track "Anfang" spricht Udo Lindenberg, zu dessen neuem No.1-Album "Stark wie zwei" Bahrdt mehrere Songs (inkl. erster Single!) als Songwriter und Co-Produzent beisteuert. Im Song "Ludmilla" kommt Siegfried Lenz zu Wort, der einen Auszug seiner gleichnamigen Erzählung im Mittelteil vorträgt. Der Song "Im Land davor" ist der Titeltrack zum neuen TGC-Adventure "Everlight - Elfen an die Macht", dem eine exklusive Single der mordballaden beiliegt. Dafür hat der Musiker extra den Liedtext an die Spielhandlung angepasst. Bereits das erste Video zum Lied 'Ganz allein', erinnert in seiner Poesie und Stille an ein Kunstlied des 19. Jahrhunderts und überrascht durch seine Schwere und Anmut. Auch 'You Are', die englisch-deutsche Singleauskopplung und die anderen Mordballaden bestechen durch düstere Ernsthaftigkeit und tonnenschwere Melancholie. Apokalyptica-artige Celli gepaart mit Sequencern, Piano-Plattitüden der tieftraurigsten Drama-Schublade mit dem typischen Blubbersounds des Ambient. Man hat das Gefühl, als würde man in ein Meer von Melancholie tauchen. Das Release-Konzert fand am 02. November 2007, zeitgleich mit der Veröffentlichung des Albums, im St. Pauli Theater in Hamburg statt. Ebenso wie beim Folge-Konzert am 21. April 2008 unterstrichen 17 Musiker in einem beeindruckenden, orchestralen Gewand den Gedanken dieses außergewöhnlichen Albums: Jeder einzelne Song der mordballaden ist ein Kunstwerk für sich. Mordballaden bietet Musik für Studenten mit Liebeskummer und für andere Herbstmelancholiker. (CW)