Re.Work



DH: Seit wann gibt es RE.WORK? Wie kam es zur Gründung der Band und wofür steht der Name?

Markus: Kennen gelernt haben wir uns in der Schule. Wir hatten beide den gleichen Musikgeschmack und wollten beide Musik machen bzw. eigene Songs schreiben mit eigenem Gesang. Dass daraus später mehr geworden ist, hat uns sehr überrascht. Im Sommer 1999 haben wir dann die Band gegründet und etwas später unseren ersten Synthesizer gekauft. Da für uns das Songwriting etwas völlig Neues war, haben wir uns in der folgenden Zeit intensiv damit beschäftigt. Mit der Zeit kauften wir uns immer mehr Instrumente und hatten bald keinen Platz mehr für diese. J Folglich mussten wir uns einen Studioraum suchen. Irgendwann war ich mit Gerrit (Funker Vogt) auf einer Geburtstagsparty und wir unterhielten uns über Musik und über unsere Suche nach einem geeigneten Raum. Da machte er den Vorschlag, ob wir nicht unser Equipment zusammenlegen wollten, da es sich sehr gut ergänzen würde. Gesagt getan. J Die Arbeitsbedingungen waren dann wirklich hervorragend und wir machten kurze Zeit später einen Remix für die befreundete Band Ravenous. Daraufhin wurde unser ehemalige Plattenfirma auf uns aufmerksam und der Grundstein war gelegt. Während unsere Arbeiten zum "Impulse" Album, entstanden weitere Remixe für andere Bands u.a. auch ein Remix für Lights of Euphoria und Ahmet steuerte sogar den Gesang zu diesem Song bei. Als unsere Demo-CD fertiggestellt war, reichten wir sie bei Bloodline ein und unterschrieben den Vertrag. Gegen Ende 2000 war die Produktion zum "Impulse" Album und zur Single "To Our Remains", welche wir im März 2001 veröffentlichten, abgeschlossen. Das Album folgte einen Monat später.

DH: Euren Musikstil würde ich als modernen Electro mit Futurepop und Synthesizerelementen beschreiben. Stimmt Ihr mir da zu oder wie würdet Ihr Eure Musik beschreiben?

Ahmet: Unsere Wurzeln liegen unüberhörbar im klassischen EBM und Synthiepop, was die Tragik und Nachdenklichkeit aber auch die Clubtauglichkeit der Songs betrifft. Unseren eigenen Stil zu finden war nicht wirklich einfach anfangs. Jede Band möchte ja erstmal klingen wie Depeche Mode, Front 242 und Nitzer Ebb. Das war bei uns natürlich genau so, bis wir merkten, dass deren Stil nun mal das war, was sie am Besten konnten. Also konzentrierten wir uns auf das, was wir am besten konnten und das machte dann unseren eigenen Stil aus. Den zu beschreiben fällt mir nicht gerade leicht. Wir sind keine EBM Band und machen auch keinen Synthiepop. Wir machen einfach eingängige elektronische Musik, die uns gefällt. J Wir passen in keine Schublade und wollen auch in keine, denn jedes Mal, sobald ein neuer Überbegriff erfunden wird, wie z.B. Futurepop, finden sich Bands unter dieser Sparte wieder, die vielleicht gar nicht dorthin gehören aber dieses Plagiat nie wieder los werden. Ich hoffe, dass uns das erspart bleibt.

DH: Welche musikalischen Einflüsse gibt es bei Euch? Was hört ihr privat und gibt es etwas, dass Euch besonders musikalisch geprägt hat?

Ahmet: Privat hören wir überwiegend elektronische Musik. Einiges aus der Szene wie z.B. Front 242, Depeche Mode usw, aber auch vieles ausserhalb der Szene wie z.B. Tomcraft, Sneaker Pimps, Timo Maas, … Einen sehr großen Einfluss haben auch Musiker wie Nick Cave, Tom Jones, Alan Wilder, Madonna und Robbie Williams.

DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Scanner/Schwarzrock?

Markus: Nachdem unser erstes Album veröffentlicht wurde, gab es eine sehr starke Resonanz und die Reaktionen waren sehr positiv. Wir haben uns gleich wieder an die Arbeit neuer Songs gemacht und wollten Anfang 2002 eine E.P. namens "Skin" veröffentlichen. Dieser E.P. sollte teils neue Stücke und teils alter Stücke, diese aber von anderen Bands geremixed, beinhalten. Als dann aber alles fertig war, hatte unsere damalige Plattenfirma Schwierigkeiten mit dem Vertrieb und die Skin E.P. musste mehrmals verschoben werden bis sie schließlich nicht mehr veröffentlicht werden konnte. Da uns keine andere Möglichkeit blieb, haben wir uns mit der Plattenfirma geeinigt, den Vertrag zu beenden. Wir haben dann beschlossen keine E.P. zu machen, sondern weiter an neuen Songs bzw. an einem neuen Album zu arbeiten, um uns damit bei den Plattenfirmen zu bewerben. Bei den Verhandlungen, die wir darauf führten stellten wir fest, dass die Chemie zwischen Frank (Scanner) und uns von Anfang an stimmte uns somit unterschrieben wir bei ihm.

DH: Euer neues Album heisst "Coma". Dies ist bereits Eure zweite Veröffentlichung. Wie seid Ihr an dieses Album herangegangen? Sind Erfahrungen aus den Aufnahmen zur ersten CD in diese Produktion miteingeflossen und wenn ja in welcher Weise?

Markus: Wir haben uns sehr viel Zeit genommen zum Experimentieren, gerade in den Monaten, in denen unsere E.P. immer wieder verschoben wurde. Die Erfahrung, die wir bei der Produktion zum "Impulse" Album hatten, war ja sehr …bescheiden J, denn keiner von uns hatte zuvor in einem anderen Projekt Musik gemacht. Nicht nur durch das Songwriting eigener Songs, sondern auch durch das Remixen haben wir einiges dazu lernen können. Es haben sich auch einige Schwerpunkte verlagert, wie zum Beispiel der Sound. Bei der Produktion zum ersten Album waren wir viel schneller mit einem Sound zufrieden, als bei dem aktuellen Album. Außerdem haben wir diesmal akustische Drums in einigen Songs eingebaut, was in Verbindung mit der elektronischen Musik eine besondere Atmosphäre erzeugt.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen und wo fanden sie statt? Die Soundqualität hört sich wesentlich besser an als bei Eurem Debut. Woran liegt das? Habt Ihr etwas verändert?

Ahmet: Eigentlich hat unsere Vorproduktion schon kurz nach unserem Debut-Album begonnen, die wie immer in unserem Lager2 Studio stattfanden. Nachdem feststand, dass die "Skin E.P." nicht erscheinen wird, haben wir uns an die Arbeiten des "Coma"-Albums gemacht und einige Monate später war auch das Grundgerüst fertig. Als wir dann bei Scanner unterschrieben hatten, dauerte die eigentliche Produktion und der Feinschliff nur noch ca. einen Monat. In der Tat hat sich einiges an der Soundqualität verändert. Ein Grund für diesen Unterschied ist natürlich, dass was auch Markus schon sagte, dass wir in der Zwischenzeit sehr viel Experimentiert haben und dadurch viel dazu gelernt haben. Sei es in produktions-technischer, als auch in musikalischer Hinsicht. Wir wollten die Songs auf dem "Coma" Album "SEHR" abwechslungsreich gestalten und haben uns deshalb sehr intensiv mit dem Songwriting auseinander gesetzt. Außerdem produzierten wir das gesamte Album bei Olaf Wollschläger, was dem Soundspektrum und natürlich der Klangqualität ebenfalls zugute kam, und hatten das Glück von John Cremer, der bereits Kraftwerk, Herbert Grönemeyer usw. gemastert hat, analog gemastert zu werden.



DH: Eure Songs sind immer sehr melodisch. Wie wichtig sind Euch Melodien bei Euren Songs? Ist für Euch die Musik genauso wichtig wie die Texte oder überwiegt das ein oder andere?

Markus: Wir sind keine typische Electroband, die mit stupiden Texten und harter Ballermusik versucht die Clubs für kurze Zeit zu erobern, dann später Synthiepop zu produzieren, um dann kommerziellen Erfolg zu haben und es dann mit "Weiterentwicklung" zu bezeichnen. Wir machen immer das, was wir selber gern hören möchten und hoffen dabei, dass es anderen auch gefällt.

Ahmet: Die Texte sind uns sehr wichtig, denn die Songs beschreiben persönliche Eindrücke und Erlebnisse und sind gleichzeitig ein tiefer Einblick in meine Psyche. Ich denke, dass diese Eindrücke und Erlebnisse auf viele Schicksale übertragbar sind, die auch Verluste in ihrer Vergangenheit zu verarbeiten haben. Jeder Song gehört in ein eigenes Gewand gekleidet, wodurch die Vielfalt der Melodien zustande kommt. Texte und Musik stehen sich gleichwertig gegenüber. Der richtige Text führt uns zur richtigen Musik und die richtige Musik zum richtigen Text.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Are You?". Wovon handelt das Lied? Habt Ihr selber ein Lieblingslied auf der CD?

Ahmet: Beim Schreiben der einzelnen Songs bemerkte ich, dass ich einige Dinge aus meiner Vergangenheit zu bewältigen hatte, wie zum Beispiel den Tod meines Vaters im Jahre 1996 und die Liebe zu einer sehr besonderen Frau. Ich konnte nie wirklich mit jemandem darüber sprechen und versteckte meine Gefühle tief in mir die letzten 3 Jahre. "Are You?" erzählt von der Liebe zu ihm und der Suche nach einer Antwort, die ich nie bekommen werde. Mir all das von der Seele zu schreiben verschaffte mir ein Gefühl der Freiheit. Ich wusste zwar immer was ich sagen wollte, nur nicht wie. Ähnlich wie bei den Erzählungen von ehemaligen Komapatienten, die beschreiben, alles an ihrem bett wahrgenommen zu haben, jedoch nicht den trauernden Menschen antworten konnten. Ich habe einen Weg für mich gefunden und bin aus meinem Koma erwacht.

Markus: Die Frage nach Lieblingsliedern auf der CD ist eine sehr schwere Frage! J Kann ich eigentlich nicht beantworten. Bei mir ist es so, dass meine Favoriten immer zeitbezogen sind, also welche Lieder ich gerade besonders oft höre.

Ahmet: Meine Favoriten sind "Supersonic", "Are You?" J und "Neben Dir", da sie die ehrlichsten Songs sind und meine Gefühle sehr genau widerspiegeln. Bei "Supersonic" finde ich mich immer wieder im Auto sitzend, endlose Sraßen lang fahrend, immer auf der Suche nach Antworten, doch egal wie schell ich fahre, sie sind mir immer ein Stück voraus.

DH: Nun sind auf "Coma" ja gleich mehrere gute Clubtracks vorhanden. Ist das Album so gesehen auch für den "Dancefloor" konzipiert worden? Habt Ihr besonders darauf geachtet, dass die Tracks tanzbar sind oder hat sich dies einfach so ergeben?

Ahmet: Wir haben die Songs der Stimmung nach entsprechend ausfallen lassen, aber ein eigentliches Konzept gab es im Vorfeld nicht. Es hat sich im laufe der Produktion dazu entwickelt. Die Songs sollten eine anregende Wirkung auf den Hörer haben, so dass er durch die Atmosphäre zwischen Musik und Gesang seine eigenen Vorstellungen und Gefühle von "Coma" macht.

DH: Wird man RE.WORK in nächster Zeit auch live wieder erleben können? Ist eine Tour geplant?

Markus: Eine Deutschland-Tour ist im Moment nicht geplant. Wir werden voraussichtlich Ende des Jahres bzw. Anfang nächsten Jahres einige vereinzelte Konzerte innerhalb Deutschlands geben. Ausserdem werden wir auf einigen großen Festivals im kommenden Jahr zu sehen sein.

DH: Eure Musik basiert sehr auf Elektronik und Synthesizern. Wie lässt sich das auf der Bühne umsetzen? Habt Ihr für Eure Auftritte ein besonders Konzept?

Ahmet: Wir suchen die Nähe zum Publikum und versuchen unsere Dynamik und Energie auf dieses zu übertragen. Wenn dann das entsprechende Feedback kommt, steigert sich der Auftritt zu einem riesigen Fest, bei dem es auf der Bühne und davor voll abgeht. J Komm doch mal vorbei.

DH: Wie seht ihr die derzeitige Entwicklung des Internets? Nutzt ihr als Band auch diese Möglichkeiten oder steht ihr dem eher ablehnend gegenüber?

Markus: Das Internet ist eigentlich schon eine nette Sache. Man kann Informationen in und aus aller Welt abrufen und darum benutzen wir auch das Internet, um uns auf unserer Homepage www.re.work.de darzubieten. In den nächsten Tagen wird die neue Homepage online gehen. Bei der Programmierung habe ich besonders darauf geachtet, dass die Informationen visuell animiert und akustisch unterlegt dargestellt werden. Aber wenn Du mit Deiner Fragen wissen möchtest, was wir von illegalen MP3 Downloads bzw. Internetpiraterie halten, ist die Antwort: Rein gar nichts!!! Wird dieser Sport in Zukunft immer öfter betrieben, ist das der Todesstoß für Newcomer und kleine Bands. Für diese zählt momentan jede verkaufte CD, denn wenn immer weniger verdient wird, wird auch immer weniger für die neuen Produktionen investiert, bis gar keine mehr gemacht werden können. Genauso sieht es dann mit den "kleinen" Plattenfirmen aus und gerade in unserem Genre würde das sehr fatale Folgen haben. Ich könnte hierzu noch sehr viel schreiben, aber das würde den Rahmen des Interviews sprengen. Ich möchte nur soviel sagen, wer illegal aus dem Netz lädt, wird nur auf kurzer Sicht glücklich!

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute und viel Erfolg mit RE.WORK. Euch gehört das Schlusswort:

Markus und Ahmet: Wir sagen natürlich auch vielen Dank für dieses Interview und hoffen, dass vielen Hörern das "Coma"-Album gefällt und sie den Geschmack unserer elektronischen Musik teilen. Keep on working!

Interview: Andreas Ohle