Rector Scanner



DH: Hallo Agro. Seit wann gibt es Rector-Scanner? Wie hat alles angefangen?

Angefangen hat alles etwa 1998 mit einem Berliner Freund, Eiresh. Wir waren damals recht gut befreundet und trieben uns im Internet rum, bevorzugt auf Electro-Seiten. Agro und Eiresh waren ein unzertrennliches Team. Zu der Zeit machten wir uns den Spaß, auch mal ein wenig rumzuklimpern, so schwer kann Musikmachen ja nicht sein: Dachten wir. Unsere teils recht lustigen Tracks stellten wir dann ins Internet, es war natürlich klar, dass sie bei den meisten Hörern nur trauriges Lächeln ernten würden. Ich bekam dann von einer befreundeten Electroband einen Synthesizer geschenkt, einen alten Korg Poly 800. Wahrscheinlich war das ein Wink mit dem Zaunpfahl, endlich mal seriöse Musik zu machen. Was wir dann auch versuchten. Die Tracks wurden allmählich besser und wir präsentierten unsere damals noch meist instrumentalen Songs sogar live! Es kam dann irgendwann zum Split mit Eiresh, wenn man das Wort „musikalische Differenzen“ nutzen darf. Ich stockte erheblich mein Equipment auf, bastelte im Alleingang weiter, immer mehr weiter, höher, schneller und teurer. Ehrlich gesagt stellte ich dann fest, dass ich allein viel besser arbeiten kann und allmählich formten sich die Songs zu dem Klang, den Rector Scanner heute präsentieren. Das war meine Übungsphase sozusagen. Ende 2001 löschte ich ein komplettes Album von meiner Festplatte, um noch mal völlig neu zu beginnen. Die Idee zu „Vocoder“ war geboren.

DH: Rector Scanner ist ein Solo-Elektronik Projekt. Könntest Du Dir vorstellen auch mit anderen Musikern zusammen zuarbeiten. Gibt es konkret jemand mit dem Du gerne zusammenarbeiten würdest?

Wie ich bereits anfangs erwähnte, waren Rector Scanner ursprünglich 2 Personen. Im Nachhinein muss ich jetzt sagen, ich kann nur allein arbeiten, ich gehe nur sehr ungern Kompromisse ein, was Musik betrifft. Insofern wird Rector Scanner ein Solo-Projekt bleiben. Zusammenarbeit mit anderen Künstlern findet natürlich statt. Ich remixe mein Leben gern Songs für andere Künstler, Armageddon Dildos, Massiv in Mensch und viele Andere. Ich bin natürlich auf eine ganz konkrete Zusammenarbeit mit anderen Musikern angewiesen, wenn es um das Thema LIVE geht. Ich habe zwei Live-Keyboarder bei einer Band ausgeborgt, welche mich auf der Bühne unterstützen werden.

Ganz konkret würde ich eine Zusammenarbeit mit Karl Bartos oder Kraftwerk als meinen Traum ansehen. Für andere Bands bin ich jedoch auch tätig: Für die Dresdener Newcomer „LEGACY of MUSIC“ gestalte ich das Booklet ihres neuen Albums, ich habe ja Kunst studiert, und möchte daher diese grafische Seite nicht verkümmern lassen. Für die Armageddon Dildos werde ich im Februar hinter den Synthesizern stehen bei ihren London-Gig.



DH: Deine Musik scheint 80`er Jahre Elektronik und modernen Elektro miteinander zu kombinieren. Wie würdest Du Deine Musik selber beschreiben?

Es gab Leute, die gaben der Musik von Rector Scanner einen witzigen Namen: „Agro-Pop“ Das finde ich gut! *lach* Ich würde den Klang von Rector-Scanner als eigenwillig bezeichnen, romantisch, robotisch, verspielt und verträumt. Ich weiß nicht, ob Schubladen passen, RETRO-Klang wäre vielleicht passend. Eigentlich ist es mir egal. Wenn mir ein Klang gefällt, dann nutze ich ihn und hinterfrage ihn nicht. Die Schubladen finden andere für mich, ich passe überall und nirgends hinein. Meine Musik tut nicht weh, ist es Pop?

DH: Welche musikalischen Einflüsse hast Du? Gibt es Bands oder Künstler, die Dich besonders beeindruckt haben?

Ja selbstverständlich gibt es Einflüsse: Kraftwerk und Bartos, das ist nicht zu überhören, glaube ich jedenfalls. *lach* Meine musikalische Taufe begann mit Kraftwerk, dieses Klangerlebnis aus meinem alten Mono-Kassettenrecorder zu Anfang der 80ér Jahre hat mich seit dem nicht mehr losgelassen. Ich war von dem Zeitpunkt an Elektro-Fan, logischerweise kam ich an Depeche Mode dann auch nicht vorbei. Mein dritter großer Einfluss sind die alten Zoth Ommog Bands, Bigod 20 und die Armageddon Dildos. DM, Kraftwerk und die Dildos sind sozusagen meine musikalischen Eckpfeiler, zwischen denen ich mich bewege. Mit den Dildos verbindet mich außerdem eine Freundschaft.

DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Pandailectric Records?

Ich schickte Mitte 2003 die Vocoder-Demo-CD´s an verschiedene Label, und Pandailectric bekundeten Interesse. Nach einigen Telefonaten und Mails stellte ich fest, dass Pandai wohl das optimale Label für Rector Scanner ist. Es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre, Pandailectric stehen hinter dem Produkt und stecken ihre ganze Energie in die Musik.

DH: Dein Album Vocoder ist in diesen Tagen veröffentlicht worden. Wie gestalteten sich die Aufnahmen zu dem Album? Wie lange dauerten die Aufnahmen und wo fanden sie statt?

Vocoder entstand in meinem eigenen kleinen Heimstudio in einem Zeitraum von etwa anderthalb Jahren. Nachdem ich mit dem Vorgängeralbum „Digital-Hertz“ unzufrieden war, löschte ich es und begann Anfang 2002 mit den Arbeiten an der Vocoder. Ich wollte ein Album schaffen, welches wirklich etwas Eigenständiges darstellt und worauf ich wirklich stolz sein konnte. Ich kaufte mir noch weiteres Equipment und „Vocoder“ nahm allmählich Formen an. Es entstanden etwa 18 Songs, von denen es 13 auf das Album geschafft haben. Ein Song „starb“ beispielsweise bei einem Rechnerchrash, Zwei weitere findet man auf der allerersten Demo-CD.



DH: Wie sind die Songs zu dem Album entstanden? Gab es eine besondere Atmosphäre, in der Du die Songs komponiert hast? Wie entsteht ein Song bei Dir?

Meistens hatte ich eine kleine Melodie oder eine Textzeile im Hinterkopf, aber noch kein konkretes Klangbild. Vocoder ist in der Tat eine Art Konzeptalbum, zum einen fügt der Vocoder die Tracks zusammen und zum anderen die Thematik Kunstwelt. Ich hatte Assoziationbrücken gebaut: Kunstwelt / Kunst / Surrealismus / Traum / Realität / Welt / Traumwelt / Leben / Liebe. Diese Wörter steckten den inhaltlichen Rahmen des Vocoder-Albums ab. Ich versuchte also, meinen innere Stimmung in Klänge zu verwandeln. Die Songstruktur war relativ schnell gefunden, der konkrete Text entwickelte sich meist parallel dazu. Ich schraubte dann nächtelang an den Sounds, sampelte alles, was nach interessanten Geräuschen aussah: Meine Obstpresse, Heizungskörper, Scheren und so weiter, fügte alles Schritt für Schritt zu einem Klanggebilde zusammen. Danach sang ich die Texte ein, der Vocoder kam zum Einsatz und letztendlich mischte ich alle Spuren ab und fertig war der Song.

DH: Der Song "Kunstwelt" gefällt mir sehr gut. Wovon handelt das Lied?

„Kunstwelt“ handelt von einer Traumwelt, in welcher man sich gern sehen möchte. Der geschaffene Traum gaukelt dir die heile Welt vor. Alles ist schön, doch es ist eine Flucht vor der Realität. Ich kann meine Kunstwelt beliebig formen, dabei vergisst man sehr schnell, dass die Wirklichkeit nicht in den Träumen oder im Internet abläuft. Die Kunstwelt hat Fehler: Man wird sich der Fehler irgendwann bewusst. Allerdings kann mein Song „Kunstwelt“ keine Antwort geben, wie das offensichtliche Problem zu lösen ist. Es ist eine emotionale Bestandsaufnahme. Jeder träumt sich gern eine Welt, jeder denkt darüber nach, was wäre, wenn man einen anderen Weg gegangen wäre. Die Wirklichkeit holt jeden von uns irgendwann ein und es ist Zeit für eine Entscheidung.

DH: Deine Texte sind in deutsch. Wieso hast Du Dich für die deutsche Sprache entschieden? Wie wichtig sind Dir Deine Texte?

Ich lege in den Texten auf jedes einzelne Wort höchsten Wert. Ich lege mehr Wert auf den Text als auf den Gesang. Um meine Gedanken möglichst treffend wiederzugeben, so wie ich es empfinde, muss ich meine Muttersprache nutzen. Im Englischen würde ich wahrscheinlich auf ausgetretenen Phrasen herumtreten. Ich beherrsche die Englische Sprache nicht gut genug, um mit ihr künstlerisch umzugehen.

DH: Wirst Du auch live auftreten? Wo kann man Rector Scanner demnächst live erleben?

Rector Scanner ist sicherlich nicht unbedingt ein Live-Projekt, aber dennoch wird es Rector Scanner live geben. Konkrete Termine werden momentan ausgeleuchtet. Lasst euch überraschen.

DH: Welche weiteren Pläne gibt es für Dich nach dem Album? Sind eventuell eine Singleauskopplung oder Remixe geplant?

Ich habe eine Menge Pläne. Momentan konzentrieren das Label und ich uns erstmal auf die „Vocoder“. Ich habe verschiedene Remixe von sehr interessanten Künstlern wie For a Space, Klirrfaktor und vielen Anderen anfertigen lassen, so dass vielleicht eine Remix-EP folgen könnte. Von den Songs „Kunstwelt“ und „World Wide Web“ existieren eine große Anzahl von Remixen, so dass ich ohne Probleme zwei Maxi´s hinbekommen würde. Darüber möchte ich jedoch noch nicht spekulieren. Ich arbeite bereits an meinem Nachfolge-Album welches den Arbeitstitel „Herzschlag“ trägt. Viel Zeit habe ich aber gerade in den Release-Tagen der „Vocoder“ absolut nicht dafür.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Dir alles Gute und viel Erfolg mit Rector Scanner. Dir gehört das Schlußwort:

Gern geschehen! Dann möchte ich mich abschließend bei allen bedanken, die mich auf dem Weg begleitet haben, mich kritisierten, mich aufbauten, halfen, vergaben, lachten, weinten und nicht zuletzt mir das Gefühl gaben, dass ich weitermachen soll.

Lebe und hinterlasse deine Spuren im Sand.

Agro

Interview: Andreas Ohle