Rebentisch



DH: Stellt Euch zunächst einmal selber kurz vor. Wer macht was bei Euch? Wie kam es ursprünglich zur Gründung von Rebentisch?

Sven: Ich bin Sven Rebentisch, und habe REBENTISCH im Jahre 2001 nach meinem ersten Darkwave Projekt DAMION IN THE CASKET ins Leben gerufen. Ich bin Texter, Sänger und Keyboarder der mittlerweile 2 Mann-Band. Um mich selber mit mir auseinanderzusetzen kam ich irgendwann auf die Idee, alles was mich persönlich stark beschäftigte in Texte zu verfassen, das reichte mir aber auf die Dauer nicht aus, ich wollte meine Gefühle und Empfindungen noch deutlicher machen, also beschloss ich richtige Songs zu produzieren.

Jens: Ich bin Anfang des Jahres 2009 auf Anfrage von Sven zu REBENTISCH dazu gestoßen. Wir spielen auch zusammen seit 2008 in unserer anderen Band DER ZERFALL, somit war die Entscheidung für mich sehr leicht. Es ist für mich auch eine Herausforderung, da die Arbeitsweise bei REBENTISCH sich sehr von DER ZERFALL unterscheidet.

DH: Ihr bezeichnet Rebentisch selber als reines Wave-Projekt. Wie kommt es, daß Ihr genau diese Art von Musik macht? Gibt es bestimmte musikalische Vorlieben, die dazu geführt haben, daß ihr letztlich diese Art von Musik so konsequent verfolgt?

Sven: Ich denke, es sind viel eher die Medien, die mit „reines Wave-Projekt” einfach den momentanen Ist-Zustand unserer Musik beschreiben. Ich käme nicht auf die Idee, mich selber zu plakatieren und mich in Grenzen und Mauern einzufügen! Ich mache das, wonach mir der Sinn steht und unser aktuelles Album sollte so klingen, weil es so genau richtig ist für uns und genau den Nerv trifft, den wir treffen wollen. Ich fühle mich sehr wohl in der Wavemusik und mit dem Album und freue mich, wenn es anderen Musikliebhabern den guten Wave wieder nahe bringt. Darkwave, New Wave ect. ist eine wunderbare Musik, die trotz der Tiefsinnigkeit immer auch etwas leichtfüßiges an sich hat und mich immer an strubbelig frisierte Ausreißerjungs erinnert, die im Kopf ihren gesellschaftswilligen Altersgenossen um einiges voraus sind und die das Leben leben wollen, aber eben anders - besser eben! Mit Sicherheit ernähre ich mich musikalisch selber auch durch Wavemusik, aber mit Sicherheit nicht ausschließlich, mein musikalisch gedeckter Esstisch hat alles zu bieten, was mir gefällt.

Jens: Da kann ich Sven in Allem nur zustimmen. Auch ich halte Einschränkungen im Ausdruck der Musik für falsch, sehe es als Stillstand an. Sven hat mir bei der Arbeit völlig freie Hand gelassen und hat keinerlei Vorstellungen zu den Bassparts an mich herangetragen. Das was ich bei der Musik gefühlt habe, hat meine Ideenfindung am ehesten beeinflusst.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu Eurer neuen CD "Herz zerrissen" und wo fanden sie statt?

Sven: Genaue Zeitangaben wären unrealistisch, an vielen Songs habe ich Jahrelang herum gefeilt und sie in Erstversionen bereits auf vergriffenen Demos an meine Hörer gebracht. So richtig glücklich bin ich erst jetzt mit den Endversionen in der Zusammenarbeit mit Jens oder Kinski und die es auf unser Studioalbum geschafft haben. Stattgefunden haben unsere Aufnahmen im KINSKINOIZE-STUDIO-BERLIN in der wunderbaren Zusammenarbeit mit Ulrich Wentzlau bzw. besser bekannt als Kinski (Bassist der Band DIE ELENDEN). Zusammen mit Kinski entsteht im Studio eine gute entspannte Stimmung und aufgrund seiner Professionalität und unserer Eingespieltheit haben wir uns nicht lange an den einzelnen Aufnahmen aufhalten müssen.

Jens: Es war wirklich ein Glücksgriff bei Ulrich Wentzlau aufzunehmen, da bei ihm alles so geworden ist, wie wir uns das vorgestellt hatten. Auch wenn ich den Charme der alten REBENT’ISCH Songs mag, sind die Songs jetzt in dieser Konstellation vollständiger und runder.

DH: Inwieweit konnte Euch Euer Label Afmusic bei dem neuen Album unterstützen und wie entstand überhaupt der Kontakt zu Eurem jetzigen Label?

Sven: Erst durch AF-Music wurden uns alle Pforten zum Musikbussiness richtig geöffnet. Durch die überlegte Arbeitsweise und das emphatische Miteinander unterstützen uns AF-Music extrem! Nicht zu vergessen die schöne Zusammenarbeit mit DANSE MACABRE und dem Vertrieb ALIVE die wiederum durch AF-Music zustande kam! Alexandra Merten, von AF-Music war schon von meinen Demos angetan und informierte sich hin und wieder über meinen musikalischen Ist-Zustand. Nachdem ich dann anfing mich für professionelles Arbeiten im Studio zu entscheiden, hatte ich AF-Music dann ganz auf meiner Seite : )



DH: Ist "Herz zerrissen" in gewisser Weise ein Konzeptalbum? Worum geht er hauptsächlich bei diesem Album?

Sven: Ich verwende solche Überschriften wie „Konzeptalbum” eigentlich nicht. Ich denke mir sehr viel bei meiner Arbeit und warum ich etwas so mache, wie ich es mache und deshalb klingt ein Album am Ende von REBENTISCH so, wie es eben klingt. Eben weil es uns so gefällt und nicht, weil es irgendeinem Konzept angepasst ist. Die Haupthemen auf „Herz zerrissen” sind: Die Auseinandersetzung mit einer totbringenden Krankheit, Die Suche nach dem Sinn in Allem, Die Auseinandersetzung mit meinem verhassten Erzeuger, Sehnsucht nach Nähe, die Auseinandersetzung mit suizidalen Gedanken, Vereinsamung, Menschen, Abschied...

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Die Suche". Wovon handelt dieses Lied? Wie kam es zu der Idee zu diesem Song?

Sven: „Die Suche” ist einer der wenigen Texte, die nicht ich, sondern eine Bekannte von mir geschrieben hat. In dem Song geht es um die angstbehaftete Auseinandersetzung mit sich selbst und den Fragen nach dem, was das innere Ich wirklich will. Also ein Thema, das mich tagtäglich beschäftigt.

Jens: „Die Suche“ ist einer meiner Lieblingssongs von REBENTISCH und auch ich kann mich sehr gut in diesen Song reinfühlen. Bei der Bearbeitung des Songs kam die Idee für meine Basslinie wie von selbst, einfach weil mich der Song sehr berührt.

DH: Wie entstehen generell Eure Songs? Gibt es bestimmte Erlebnisse oder Ereignisse, die Euch als Inspirationsquelle dienen? Gibt es etwas in Euch, dass Euch immer wieder dazu antreibt sich künstlerisch auszudrücken?

Sven: Meine Seele treibt mich an! Meine Seele will sich Gehör verschaffen. Mein Leben, jeder Alltag und unser menschliches Miteinander dienen mir unter anderem zur Inspirationsquelle. Da ich meine Texte zum größten Teil selber schreibe, liegt ein Teil meiner Persönlichkeit in ihnen vergraben. Für mich ist es selbstverständlich, meine persönlichen Erfahrungen in meine Musik zu packen. Ob in meinen Texten, meinem Gesang (bzw. Sprechen) oder der Musik selbst, ich verarbeite und kompensiere viel über jeden einzelnen Titel. So wie mir Musik immer weiter geholfen hat und weiterhilft, sehe ich es als meine Aufgabe, als Musiker auch meinen Hörern die Möglichkeit zu erschaffen, durch meine Titel ihre individuellen Themen für sich selber zu bearbeiten.

DH: Was bei Rebentisch immer wieder auffällt ist die unendlich starke Melancholie in Euren Songs. Ist Eure Musik ein Spiegelbild von Euch?

Sven: Meine Musik zeigt einen Teil von meinen unzähligen persönlichen Facetten : )

DH: Seht Ihr Musik ganz bewusst als eine Art Therapie - eine Auseinandersetzung mit Euch selbst und Eurer Umwelt an?

Sven: In meinem Fall kann ich dem sehr gut zustimmen.

Jens: Auch wenn ich nicht bei der Entstehung der ursprünglichen Songs beteiligt war, kann ich ebenfalls von einer Auseinandersetzung mit meiner unmittelbaren Umwelt und mir selbst sprechen.

DH: Wird es Rebentisch demnächst live zu sehen geben? Werdet Ihr Konzerte geben oder plant Ihr einige Festivalauftritte?

Sven: Geplant sind in naher Zukunft, eine Video-Release-Veranstaltung zum neuen Musicvideo “ANGST”, diese findet zusammen mit dem ORDEN DER SCHWESTERN DER PERPETUELLEN INDULGENZ voraussichtlich am Dienstag, den 23.06.2009, von 19-22 Uhr in der SCHEUNE-BERLIN (Motzstraße 25 / www.scheune-berlin.de) statt. Unser nächstes Konzert findet auf dem lesbischwulen Stadtfest in Berlin am Samstag, den 20. Juni 2009 um 19.00 Uhr auf der “Queere Medien”-Bühne statt. Der Live-Gig + Interview wird sich in Berlin/Schöneberg direkt vor der queeren Medienbühne (Fuggerstraße/Martin-Luther-Straße) abspielen. Das ganze wird live im OK-Berlin übertragen!

DH: Welche weiteren Pläne habt Ihr mit Rebentisch für die nahe Zukunft? Arbeitet Ihr vielleicht schon an Songs für ein weiteres Album?

Sven: Im Moment läuft alles sehr schön und wir haben vor, noch einige Konzerte zu spielen und neue Songs für ein neues Rebentisch-Album zu produzieren. Nebenher arbeiten wir auch an neuen Songs für unsere zweite Band DER ZERFALL, die ebenfalls über AF-Music veröffentlicht : )

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort

Sven und Jens: Wir danken Euch für das Interesse an uns und unserer Musik. Zudem danken wir für die schönen Interviewfragen und die tolle CD-Rezension. Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg mit dem Darkheart-Magazin!

Interview: Andreas Ohle