Pleasures Remain



DH: Erzählt uns doch bitte zunächst einmal, wie habt Ihr Euch zusammengefunden. Wie kam es zur Gründung von Pleasures Remain?

Matthias: Wir kennen uns schon seit vielen Jahren, da wir aufgrund des ähnlichen Musikgeschmacks öfter in den gleichen Locations unterwegs waren. So kommt man dann auch ins Gespräch und stellt fest, dass man nicht nur das selbe Interesse am Musikhören sondern auch das selbe Interesse am Musikmachen hat. Da ich selber schon das ein oder andere Musikprojekt hinter mir hatte, bekam ich wieder Lust, was Neues zu machen. Die Voraussetzungen für ein gemeinsames Projekt brachten Heike und unser damaliges 3. Bandmitglied auch schon mit, da beide das nötige elektronische Equipment zu hause hatten und diverse Songideen schon vorhanden waren. Alles zusammen versuchten wir dann zu unseren ersten gemeinsamen Songs zu bauen, was auch echt viel Spaß machte. Die erste Kostprobe unserer gemeinsamen Stücke konnten wir dann als Support einer befreundeten Band zum Besten geben und dies wurde sehr positiv angenommen. Da war für uns klar, dass wir zusammen weitermachen wollten. Und so wurde aus unserem anfänglichen Projekt offiziell Pleasures Remain.

DH: Eure Musik würde ich zweifelsohne dem Synthie-Pop zuordnen. Stimmt Ihr mir da zu? Warum habt Ihr Euch dafür entschieden genau diese Art von Musik zu machen? Gibt es eine Vorprägung in Eurer Vergangenheit in dieser Richtung?

Heike: Ja, sicher ist das Synthie-Pop – Wir arbeiten mit Synthesizern und machen daraus Popmusik.;-) Und dafür mussten wir uns auch erst gar nicht entscheiden. Wenn du deine musikalischen Ideen umsetzt kommen automatisch auch Melodien dabei raus, die mehr oder weniger das widerspiegeln, was dich auch geprägt hat. Bei uns waren es die Anfänge der elektronischen Musik und natürlich sehr die 80er Jahre. Und das war doch wirklich eine geniale Zeit, nicht nur musikalisch.

DH: Auf Eurem aktuellen Album "Magmatears" ist deutlich eine Weiterentwicklung zu hören. Dass was man allgemein Synthie-Pop nennt, klingt bei Euch moderner und frischer. Wie kommt es dazu? Ist dies bewusst gewollt und was denkt Ihr in welche Richtung Eure Musik sich weiterbewegen wird?

Matthias: Wir nehmen uns ja nicht vor, genau wie Band xy zu klingen. Wir klingen so, wie es uns gefällt. Wenn man die Musikentwicklung seit den letzten Jahrzehnten betrachtet, war vieles dabei, was uns beeinflusst hat. Das macht auch vor aktuellen Entwicklungen nicht halt. Dazu kommt, dass auch jegliches elektronisches Equipment immer mehr Möglichkeiten des Sounddesigns bietet, die einen natürlich neugierig macht und man daher auch davon so manches in die eigene Musik mit einfließen lassen möchte. Und das ist ja das Schöne daran, es wird nie langweilig, was Neues zu kreieren. Ich denke entsprechend wird auch unsere Musik sich weiterbewegen. Wir sind selber gespannt, wie wir vielleicht in 2, 5 oder vielleicht sogar 10 Jahren klingen. Wir lassen uns treiben ...

DH: Wo fanden die Aufnahmen zu dem Album statt? Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD und wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Label Pandailectric?

Matthias: Außer bei dem Song „Pretty Girls“, der in den Pleasurepark-Studios bei José Alvarez-Brill aufgenommen wurde, fand die Produktion und die Aufnahmen in unserem eigenen Studio „The Secret Sunflower Garden“ statt, wobei wir die Vocals vorab extern mit unserem Vocalcoach in dessen Studio aufnahmen. Darauf legten wir viel Wert, um auch ein direktes Feedback auf die eingesungenen Vocals zu bekommen. Alles in allem war der Weg bis zur fertigen CD doch recht lang, was aber auch daran lag, dass wir immer recht viel Zeit brauchten, bis wir wirklich mit einem Song zufrieden waren. Aber diese Zeit muss man sich auch unbedingt nehmen sonst ist man ev. im nachhinein von der Produktion oder Mischung enttäuscht auch wenn die Veröffentlichung dafür pünktlich war.

Heike: Pandailectric entdeckten wir im Internet und waren gleich von deren Philosophie angetan. Diese entsprach genau unseren Vorstellungen und so stellten wir den Kontakt her...Nach wie vor haben wir diesen Schritt nicht bereut, da unser Label wirklich gute Arbeit macht und alle sehr nett sind.

DH: Was soll der Titel "Magmatears" ausdrücken. Gibt es eine besondere Bedeutung dafür?

Heike: Wir hatten lange überlegt, wie wir unser Debut-Album nennen sollten. Die Vorlage des fertiggestellten Coverentwurfs brachte uns dann endlich auf den Namen „Magma“. Dann überlegten wir weiter, da wir ein Wort kreieren wollten, was es so noch nicht gab (macht sich dann auch in der Suchmaschine leichter ;-)). Das Wort „Tears“ passte dann für uns am besten, da es auch ein bißchen mit Melancholie angehaucht ist und einen vielleicht auch zum Träumen bringt. Das gefiel uns irgendwie. Im gesamten gesehen ist es nun ein völlig eigenes Wort, so wie auch unsere Musik unsere eigene ist.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Waste My Time" Wovon handelt das Lied? Wovon handeln generell Eure Songs? Gibt es bestimme Themen, die Euch am Herzen liegen?

Matthias: „Waste My Time“ beschreibt, dass man sich oft viel zu viel und viel zu lang Gedanken über das Leben und den Sinn des Lebens macht und dabei ganz vergisst, dass die Zeit vergeht und man diese eigentlich viel besser nutzen sollte und kann. Klar ist es wichtig, sich über das Leben, vor allem das Eigene, Gedanken zu machen. Aber viele Leute erkennen gar nicht, dass es das kostbarste Geschenk ist, was man bekommen hat und nutzen es nicht wirklich sondern jammern vielleicht nur oder fragen sich sehr oft nach dem Warum. Was unsere Songtexte angeht, so schreiben wir hauptsächlich Texte über unsere eigenen Erfahrungen, wie Enttäuschungen, die Liebe, Erinnerungen und alles was uns noch so im Kopf rumschwirrt. Aber auch über Themen, die die Welt bewegen oder bewegen sollten, wie zum Beispiel über Tierquälerei bei „Hall Of Shame“. Wenn wir schon die Chance haben öffentlich kund zu tun, was uns bewegt, so wollen wir dies auch auf diesem Wege nutzen, auch wenn es bei uns primär nicht um Texte geht (sonst würden wir ja vielleicht Gedichte schreiben), sondern hauptsächlich um Musik.

DH: Wie entsteht überhaupt ein Song bei Euch? Gibt es da ein bestimmtes Prozedere oder lasst ihr der kreativen Energie einfach freien Lauf?

Matthias: Die meistens Songs entstehen, in dem ich entweder an Sounds rumtüftel und mir dabei interessante Melodien oder Sequenzen einfallen. Dazu sucht man dann einen weiteren passenden Sound oder Bass, der harmonisch dazu passt. Es kann aber auch sein, dass man einen tollen Drumloop gebastelt hat und lässt sich dann dazu einen Basslauf einfallen und setzt als nächstes erst eine Melodie dazu. Wir gehen da nicht ganz stur vor sondern je nach Einfall bauen wir Step by Step immer mehr Phrasen dazu. So entsteht dann schon ein Part von einem Song, meistens der Refrain. Ist dann in etwa die gesamte Songstruktur aufgebaut, macht man sich an einen passenden Text. Es kam aber auch schon vor, dass wir textlich ein ganz bestimmtes Thema umsetzen wollten und haben uns gezielt dazu dann eine Melodie einfallen lassen. Egal wie der Song angegangen wird, auf jeden Fall dauert es eine ziemlich lange Zeit, bis er wirklich mit allem Drum und Dran steht, schließlich will man sich ja noch mit Effekten und diversen Sequenzen verkünsteln, damit der Song auch im Detail interessant klingt. Und das kann eben dauern....

DH: Auf der CD "Magmatears" finden sich auch viele Stücke, die für die Tanzfläche geeignet sind. Gab es bei den Aufnahmen zu der CD die Überlegung besonders auch auf Tanzfächenkompatibilität zu achten oder war dies kein Thema für Euch?

Matthias: Wir achten schon auch darauf, dass die CD auch temporär eine gewisse Abwechslung bietet. Entsprechend werden auch die Tracks dann auf die CD gepresst. Auch beim Songschreiben überlegen wir, ob vielleicht eine weitere Ballade das Gesamtwerk abrunden würde oder doch er der Tanzkracher. Auch im Hinblick auf Live-Konzert ist das nicht unwichtig. Trotzdem nehmen wir uns nicht vor nun eine Tanznummer nach der anderen zu produzieren, nur damit man ständig abtanzen kann. Das ist nicht unser Ding und würde auch nicht immer zu den Texten passen, die wir zu den Songs schreiben. Schließlich ist es wichtig, dass auch die Harmonie zwischen Tempo und Textinhalt stimmt. Ich denke, wir haben auf unserem Album ein recht ausgewogenes Verhältnis, à la Pleasures Remain.

DH: Wie steht Ihr zu Remixen? Habt Ihr eventuell vor einige Eurer Songs in Zukunft remixen zu lassen?

Heike: Die Anfragen häufen sich inzwischen ;-) Prinzipiell haben wir nichts gegen Remixe, sofern sie auch gut gemacht sind und den Charakter des Remixers gut erkennen lassen. Ja, wir werden wohl auch von unseren Songs den ein oder anderen remixen lassen, allein schon aus Neugierde ;-) Aber dafür lassen wir uns doch noch etwas Zeit, eilt ja auch nicht. Aber vielleicht im nächsten Jahr ... ?

DH: Welche weiteren Pläne habt Ihr nach der Veröffentlichung des Album? Wird man Pleasures Remain bald auch wieder live erleben können?

Heike: Sicherlich werden wir uns wieder an neue Songs machen die Sache aber ganz entspannt angehen, denn nichts ist schlimmer (so unsere Meinung) wenn ein neues Album genauso klingt wie das vorherige. Das ist nicht unser Ziel. Daher wird es wohl auch etwas Zeit brauchen, aber die nehmen wir uns gerne. Matthias: Live planen wir erst mal nicht so viel wie in den letzten Jahren, denn Live-Erfahrungen haben wir jetzt schon genug gemacht. Unser Fokus liegt momentan mehr auf dem eigentlichen Musikmachen, sprich tüfteln, schrauben, klimpern - experimentieren und dabei neue Songs schaffen. Aber natürlich stehen wir trotzdem nach wie vor gerne auf der Bühne, erst recht wenn sich interessante Gelegenheiten bieten. So werden wir wohl zum wiederholten Male noch in diesem Jahr in Tschechien gastieren, weil wir von unserem letzten Auftritt dort sehr begeistert waren. Mal sehen, was sich sonst noch so interessantes bietet (Volksfeste wären wohl auch nicht so der Bringer ;-)

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Matthias: Wir möchten uns auch für das Interview bedanken und natürlich auch bei allen anderen, die uns unterstützen und ihre Treue halten. Heike: Auch von mir vielen Dank!

Interview: Andreas Ohle