Place4Tears



DH: Erzählt uns zunächst etwas über Euch. Wie seid Ihr eigentlich zur Musik gekommen? Wie kam es zur Gründung von Place4Tears?

Drei Viertel der Band kennen sich bereits schon aus einem früheren Bandprojekt namens Wält (gegründet 1994 als Kälteeinbruch). Als sich 2003 heraus kristallisierte das Wält früher oder später den Löffel abgeben wird, habe ich damit begonnen Kompositionen für den „Eigenbedarf“ aufzunehmen. Nun da Gitarre spielen aber nicht wirklich zu meinen Qualitäten gehört, fragte ich Schuchy ob er nicht Lust hätte trotzdem weiter Musik zu machen nur eben in einem neuen Projekt. Hierzu kam noch Sabine die ebenfalls in Wält schon das ein oder andere Gesangstückchen beigetragen hat und schon waren wir zu dritt. Rein zufällig ergab es sich das Schuchy noch Julia begegnete (während der Wohnungssuche), sie ins Gespräch kamen und er sie kurzerhand einfach mal zu einer Bandprobe mitbrachte. Tataaaa und wir waren komplett. Zum Plattenvertrag kam es eher zufällig durch meine Zusammenarbeit mit Jörg Tochtenhagen vom Label Echozone. Ich arbeite mit ihm zusammen an mehreren Projekten als es dann auch mal zufällig zur Sprache kam das ich selbst auch Musik mache. Jörg mochte unsere Musik sehr gerne und bot uns darauf hin einen Deal an. Ich schätze Jörgs Arbeit sehr und er ist mir ein wahrer Freund geworden. Also was will man mehr?

DH: Ihr bezeichnet Euren Musikstil selber als "Cold Heavenly Goth". Könnt Ihr das näher erläutern? Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

In diesem Begriff verbergen sich drei Stile. „Cold Wave“, „Heavenly Voice“ und „Gothic“. So kann man allumfassend, in Kurzform, sagen was man von unserer Musik erwarten kann. Bei dem Begriff „Gothic“ möchte ich aber speziell darauf aufmerksam machen das es sich hierbei schlichtweg um den traditionellen Gothic der alten Schule handelt und nicht um das was heute weitläufig zu Gothic gemacht wurden ist. Eigentlich müsste im Grunde noch Shoegaze mit rein, der mich in meiner Arbeit sehr beeinflusst. Aber das wäre dann echt zu viel des Guten.

DH: Erzählt uns etwas zu Eurem Album The Silent Flame. Was erwartet den Hörer bei Eurer neuen CD? Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD und wo fanden die Aufnahmen statt?

Kurzum eine Reise. Eine Reise durch Höhen und Tiefen die das Leben eines Normalsterblichen so mit sich bringt. Herzschmerz, Liebeskummer, Träume, Albträume, Wut und „Weisheiten“ sind wohl ganz schlagkräftige Substantive um den gespielten Inhalt der CD zu beschreiben. Ich begann mit den ersten Songs bereits 2003 nachdem unser erstes Album „Heavenly Fields“ fertig gestellt war und der Bandname noch 'Blurred Lipstick' war. Im Endeffekt zog sich der Schaffensprozess über knapp 3 Jahre hin. Nicht nur um uns einfach Zeit zu lassen und uns auch musikalisch noch etwas weiterzuentwickeln, sondern auch aus persönlichen Gründen heraus die die Aufnahmen etwas verzögerten. Ich habe das Album mit meinen Herren und Damen in meinem eigenen kleinen Studio aufgenommen und jetzt für den Re-Release noch einige Spuren hinzugefügt und „The Silent Flame“ letztendlich noch neu mischen und mastern lassen.

DH: Auf "The Silent Flame" gibt es viele ruhige Momente - in der heutigen, hektischen und lauten Zeit ein wohltuender Gegensatz. Ist dies bewusst von Euch so gewollt und wenn ja, warum?

Ja, definitiv Andreas. Mir geht diese Hektik und diese schnelllebige Welt tierisch auf den Zeiger. Viele Leute, darunter auch Bekannte von mir können oftmals gar nicht mehr ruhig sitzen oder liegen und schlicht einen stillen Moment genießen in dem man einfach nur, an nichts denkend, aus dem Fenster starrt oder in den Himmel und sich von Naturgeräuschen „dahinraffen“ lässt. Aus diesem Grund bezeichne ich „The Silent Flame“ auch sehr gern als 'Afterwork Music'. Einfach aufs kuschelige Sofa legen, einen kühlen Drink schlürfen (aber leise bitte ;o) ) und dabei das Album hören. Oftmals wurde mir schon zugetragen das Leute bereits nach wenigen Songs eingeschlafen sind. Ist das jetzt ein schlechtes Zeichen fragst du???... Nein, gewiss nicht. Denn wenn mir Leute dies sagen hat das Album seinen Zweck erfüllt und verschafft mir ein zufriedenes Lächeln.

DH: Ist es eigentlich schwierig ein so ruhiges Album aufzunehmen? Erfordert dies besondere Konzentration aller Musiker während den Studioaufnahmen?

Mmmh.... Ehrlich gesagt habe ich darüber noch nie nachgedacht. Ich weiß das es schwieriger langsame Stücke zu spielen als schnelle. Aber das? Ich bin ein sehr emotionales Menschenkind und mag ruhige Musik also nehme ich einfach mal an das es mir Freude bereitet ebenfalls solche Musik zu produzieren und somit ist es nicht schwierig, sondern macht Spaß. Was natürlich nicht heißt das sich während der Aufnahmen nicht konzentriert werden sollte. Klar ist viel Lachen an der Tagesordnung aber etwas Disziplin muss schon sein. ;o)



DH: Gibt es eine Art Gruppengefühl, die Euch immer wieder zu neuer musikalischer Kreativität inspiriert?

Auch auf die Gefahr hin etwas „überheblich“ zu klingen, ich bin die Band und die anderen spielen und singen das was ich ihnen vorgebe. Zumindest zum größten Teil ist das so. Ich bin froh so liebe Kollegen an meiner Seite zu haben die meine Wünsche respektieren aber dennoch immer wieder eigene Ideen mit einbringen. Jeder der die Band und ihre Mitglieder kennt, kann mit ziemlicher Sicherheit sagen welche Grundidee von mir stammte oder von Schuchy der an der Gitarre bewanderter ist als ich und auch einen ganz anderen Stil mit einbringt. Das erfrischt enorm und ich bin bestimmt kein „Banddiktator“ der die Ideen der Anderen ausschlägt und für null und nichtig erklärt. Die Grundstimmung und der Stil der Musik wird jedoch ganz fest von mir vorgegeben.

DH: Eure Musik klingt oft sehr düster und melancholisch. Seid Ihr melancholische Menschen?

Ich würde mich selbst schon als Melancholiker bezeichnen. Was ich aber keineswegs mit einer Art Missmut dem Leben gegenüber in Einklang bringen würde. Ich bin ein sehr lebensbejahender und positiv gestimmter Mensch. Aber dennoch ist es ganz klar der „eigene-Gefühle-verarbeiten-Teil“ der hier den Großteil der Rolle übernimmt... sicherlich ist es aber auch eine schöne Sache wenn man mit seinen eigenen Gefühlen Leute zum nachdenken, träumen, lachen oder weinen anregen kann. Im besten Fall sogar inspirierend auf das eigene Leben oder künstlerische Schaffen einwirken kann. Außerdem liebe ich Melancholie und lebe diese Liebe auch in der Musik aus. Ich kann einfach keine fröhlichen Songs schreiben. Zahllose Versuche scheiterten kläglich und kamen eher unfreiwillig komisch rüber. Letztendlich habe ich mir einfach abgewöhnt fröhliche Songs schreiben zu wollen und fahre mit dieser Variante viel besser.

DH: Mit welchen Erwartungen habt Ihr Euer Album aufgenommen? Wusstet Ihr von Anfang, wie das Album im Endergebnis klingen sollte?

Oh ja. Also WENN ich etwas wusste, dann ganz sicher das. Letztendlich ist es sogar noch einen Tupfen „fröhlicher“ geworden als ich es mir ausgemalt hatte. :o))) Ich bin der Meinung wenn ich alter Melancholiker wirklich ein ganzes Album komplett alleine schreiben würde, würde dann in den Gazetten stehen: „Junge Frau (21) Tot aufgefunden, hatte erst kürzlich Place4Tears gehört!“ *lach* Ich mag die Mischung sehr so wie sie ist und Schuchy ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Band in dem er zur 'Verfröhlichisierung' der Melancholie beiträgt.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "The Sun Might Come Up" auf Eurem Album. Wovon handelt das Lied?

Vielen Dank. Kannst du dir vorstellen das der Song in der Demofassung sogar noch viel schneller und poppiger war? Aber zurück zur Frage. Nun ich denke der Song soll einfach sagen: Egal wie es heute aussieht, ob du dich vielleicht nicht gut fühlst, Probleme hast, ja dich am liebsten... eehm nein lassen wir das... Versuche einfach mal abzuschalten, den Kopf frei zu kriegen und im nächsten Moment oder nächsten Tag sind die dicken „Regenwolken“ verschwunden und die Sonne wird wieder über dir scheinen. Wie ich schon sagte, ich bin ein sehr positive denkender Mensch. ;o)

DH: Wovon handeln generell Eure Texte? Zu welchen Themen nehmt Ihr in Euren Texten Bezug?

Da ich die Frage ja schon etwas weiter oben ansatzweise beantwortet habe, würde ich eher mal darauf eingehen was man von „The Silent Flame“ nicht erwarten kann. Melancholie ja, aber keine klischeebehaftete Gruftiemelancholie mit Texten wie: „Ich schlafe jeden Tag im Sarg, mein Leben ist ja ganz schön arg... ich streiche mir die Bude schwarz, denn das das braucht mein Gruftieharz... ehm Herz...“ LOL... Das können andere viel besser. Ich persönlich denke das Gruftiesein nicht viel mit dem Tod, aber umso mehr damit zu tun hat das man sich einfach bewusster und intensiver mit dem Leben auseinander setzt. Und das versuche ich auch in meinen Texten zum Besten zu geben.

DH: Finden sich auf Eurer CD auch traditionelle Songs oder sind es alles Eigenkompositionen? Könntet Ihr Euch auch vorstellen einmal traditionelle Songs in Eurem Stil neu aufzunehmen?

Nun auf diesem Scheibchen sind in der Tat nur Eigenkompositionen. Aber wenn wir geprobt haben, haben wir schon auch Lieder von Szenegrößen nach gespielt. Aber die behalten wir lieber für uns ;o)



DH: Wann kann man Place4Tears wieder in Deutschland live sehen? Sind schon Konzerte geplant? Spielt Ihr dieses Jahr auch auf einigen Festivals?

Place4Tears, ist und wird wohl auch ein reines Studioprojekt bleiben. 2006 war in der Tat eine größere Tour geplant, die ich aus persönlichen Gründen jedoch an den Nagel hängen musste. Heute ist es wirklich schwierig den Rest der Band zusammen zu bekommen. Allerdings finde ich das nicht wirklich dramatisch. Denn wenn ich mir vorstelle das auch live das Publikum nach vier Songs ein schläft wirkt das wieder unfreiwillig komisch, meinst du nicht? ;o))) Rein aufnahmetechnisch bin ich aber weiterhin am Ball und schreibe neue Songs. Oder bastle wie letztens für meinen Labelmate Andreas Gross einen Remix. Also zumindest von tyves oben wird es immer wieder mal etwas Neues zu hören geben und wenn es nur um das Crawling Tunes Magazine geht. Wann jedoch genau eine neue Place4Tears das Licht der Welt erblicken wird weiß ich nicht zu sagen. Es wird aber bald eine remixte und remasterte, digitale Version der „Heavenly Fields“ geben.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehören die letzten Worte:

Ich möchte mich mit einem ganz schlichten Danke für dein Interesse bei dir bedanken und mich verabschieden und hoffe das meine Antworten den ein oder anderen Leser neugierig gemacht haben und sie zumindest mal in ein paar Lieder reinhören. Werbung auch erlaubt??? ;o))) Jetzt auch auf iTunes, Musicload, Napster usw. Mit besten Grüßen.... tyves

Interview:
Tyves Oben (geistiger Kopf der Band(e))
Andreas Ohle (Dark Heart Magazin)