Orpheus In Red Velvet



Orpheus In Red Velvet wurde 1996 von Olaf Schäning (bekannt als Keyboarder von Diary Of Dreams) als Solo-Projekt ins Leben gerufen. ORV bezeichnen ihre Musik selber als Synthie-Pop mit dem Charme eines ungeschliffenen Rohdiamanten. Im November 1996 erschien das erste Demotape "Wrapped Up In Silence". Im Juli 1997 folgte dann das zweite Demotape "Unknown Stranger". Dark Heart sprach mit Olaf Schäning über sich und sein Projekt:

Dark Heart: Hat der Name "Orpheus In Red Velvet" eine besondere Bedeutung?

Schäning: Übersetzt heißt es "Orpheus in rotem Samt". Der Name klingt einfach nur schön. Seine Bedeutung liegt mehr in seiner Länge und seiner Möglichkeit ihn abzukürzen ("ORV") und daß er einem Lied von Marc Almond entstammt. Ich kann sonst noch auf die griechische Mythologie verweisen: laut dieser war Orpheus ein be- gnadeter Sänger, dessen Kunst sogar wilde Tiere, Steine und Pflanzen verzauberte. Seine Frau Euryidike wurde durch einen Schlangenbiß getötet, doch mit Erlaubnis von Hades konnte er sie aus dem Schattenreich zurückholen. Er verlor sie allerdings wieder, da er sich trotz Verbots nach ihr unterwegs umsah. Fort an verehrte er nur noch Helios-Apollon statt Dionysos und wurde von thraktischen Mänaden zerrissen. Auf daß ich nicht so enden werde.

Dark Heart: Wie ist Eure derzeitige Besetzung und seit wann gibt es Euch?

Schäning: Zur Zeit gibt es nur mich. Da wäre allerdings noch Nina Hoppe, die mich auf dem nächsten Tape noch stimmlich unterstützen wird, sofern ich das noch auf die Reihe kriege, die entsprechenden Songs mit ihr aufzu-nehmen (das Tape war schon für Mai/Juni geplant). Leider habe ich bis jetzt noch keine Keyboarderin (!) gefunden, die sind leider rar gesät (sonst muß ich doch noch auf eine männliche Person zurückgreifen). Es gibt im Synthie-Pop einfach zu wenig Frauen! ORV existiert seit August 1996 und war eigentlich nur als Solo-Projekt geplant, aber nun scheint da doch mehr daraus zu werden.

Dark Heart: Eure Musik würde ich in den Bereich Alternative Synthezizer-Pop einordnen. Ist diese Einordnung Deiner Ansicht nach vertretbar?

Schäning: Die Bezeichnung kenne ich gar nicht (welche bekannte Band macht denn ebenfalls solche Musik?) Aber ich kann damit leben. Ich selber sehe es mehr als klassischen 80er New- Wave-New Romatic-Synthiepop an.

Dark Heart: Von welchen Bands siehst Du Dich besonders beeinflusst?

Schäning: Es sind nicht nur Bands, sondern auch einzelne Künstler, die mich beeinflussen. Da wäre zunächst Propaganda. (das Debut-Album von denen besitzt bei mir nach wie vor Kultstatus!), besonders Claudia Brücken (klasse Stimme und Charisma!). Dann Orchestral Manouevers In The Dark, hier besonders die ganzen 80`er Sachen von denen, Andy McCluskeys Stimme, kürzen sich auch mit 3 Großbuchstaben ab (sprich ORV mal englisch aus, klingt fast wie OMD). OMD beein- flussen mich zudem derzeit sehr stark. Dann der Klassiker DEPECHE MODE, hier nicht so sehr der Sound, als vielmehr das Songwriting von Martin L. Gore und auch dessen Stimme. Und den Namensgeber MARC ALMOND, hier auch die Stimme, er hat auch geniale Alben gemacht (z.B. "Mother Fist", sowas würde ich gerne auch mal auf die Beine stellen). Und dann ERASURE und der Soundwizard VINCE CLARK und noch MALARIA. An neueren Sachen sind es NINE INCH NAILS, LFO, das BALANESCUE QUARTETT, BEBORN BETON.

Dark Heart: Du bist ja neben "Orpheus in Red Velvet" auch noch in der Band "Diary Of Dreams" als Keyboarder aktiv. Wie schaffst Du es zeitlich alle Deine Aktivitäten miteinander zu vereinen? Ist das nicht manchmal etwas schwierig?

Schäning: Bis jetzt ist das alles kein Problem, da beide Bands noch nicht zu den Chartbreakern gehören. und ich ja bisher nur mit DOD Konzerte absolviert habe und da ich als ORV noch keine Konzerte geplant habe, kommt sich da auch noch nichts in Gehege. Es ist für mich in beiden Fällen der Spaß dabei, der zählt. Für mich ist das einfach keine Arbeit, es macht mir halt Spaß. Gut bei DOD werde ich demnächst auch mehr bei der Studioarbeit mit involviert sein (auch musikalisch einiges dazu beitragen), da kommt halt nur mehr Fahrerei auf mich zu, also von Hürth nach Düsseldorf und zurück. ORV erledige ich quasi im Schlaf, da ich Ideen immer so im Kopf behalte und versuche dann etwas daraus zu machen, wenn ich gerade zuhause bin und ich die Zeit habe. Und da ich mich mit meinem, wenn auch geringem Equipment gut auskenne, geht das auch immer ratz-fatz. Ich habe übrigens schon wieder 10 neue Songs fast fertig. Bei 4 muß ich nur noch den Text ausarbeiten. Also Ende 1997 gibt es wieder etwas Neues. Aufgrund meines hohen Outputs haben die Tapes auch meist 12 bis 14 Stücke.

Dark Heart: Zuvor warst Du ja Keyboarder in der Band "Speak In Images". Inwieweit würdest Du ORV von "Speak In Images" musikalisch abgrenzen?

Schäning: Ich kann als ORV jedenfalls mehr experimentieren, ohne daß jemand kommt und sagt, daß es ihm nicht gefällt. Denn etliche Songs vom ersten ORV-Tape hatte ich mal für "Speak In Images" geschrieben. Marc hatten die aber nicht so gut gefallen. ORV wird sich aber noch weiter von SPEAK IN IMAGES entfernen und trotzdem dem Synthie-Pop treubleiben. Außerdem besteht zwischen den Songs aus meiner "Speak"- Zeit und vom ersten ORV-tape wohl ein quali- tativer Unterschied, zumindest einige Leute befinden die ORV-Songs als einiges besser, obwohl ich in beiden Bands für den Sound verantwortlich war und sich auch das Equip- ment nicht verändert hat (Korg T3ex, Micro- wave, einen PC mit Cubase, MAUI-Soundkarte als Sampler mit 2 MB).

Dark Heart: Treten "Orpheus In Red Velvet" in absehbarer Zeit auch live auf ?

Schäning: Tja, das hängt eigentlich davon ab, ob ich an eine (n) KeyboarderIn komme und dann natürlich davon, ob wir einige Auftritte an Land ziehen können. Zeitlich wäre das nicht das Problem, ich schätze mehr als ca. 1-2 Wochen zur Vorbereitung würden wir nicht brauchen (bei DOD hatte ich für meinen ersten Auftritt mit den Jungs gerade mal 1 1/4 Wochen Zeit und ich kannte nichts von denen. Also, wenn es in NRW Auftrittsmöglichkeiten gibt, dann her damit (der Rest der Republik kommt auch noch dran).

Dark Heart: Habt Ihr Euch mit Eurer Musik in der Szene etablieren können?

Schäning: Es fängt gerade erst an. Zumindest die Kritiken waren sehr ermutigend, also von "richtig gut" bis zu "gut, aber noch verbes-serungsfähig". Hat mich doch selbst überrascht, was die Leute von NEW LIFE, Orkus, Entry, Refraktor, Black, E-lectric so zu dem Tape "Wrapped Up In Silence" geschrieben haben, da es noch einige Sachen gibt, die ich hätte besser machen können (und wenn man bedenkt, daß manche Synthiebands für die Qualität, die ich in 2 Nachmittagen aufs DAT gebracht habe gut und gerne 2 Wochen brauchen, kann man sich vorstellen, was ich in zwei Wochen bei mir noch alles herausholen bzw. verbessern kann. Naja also 20-25 Tapes bin ich schon losgeworden. Bleibt noch abzuwarten, ob sich aufgrund des Interviews im REFRAKTOR und im VERTIGO noch einiges ergibt. Und natürlich nach dem Interview in der DARK HEART.

Dark Heart: Was bringt Dich dazu einen neuen Song zu schreiben? Welche Motivation steckt dahinter?

Schäning: Nun, so ziehmlich alles. Ein bestimmtes persönliches oder auch emotionales Erlebnis und Empfindungen, ein einzelner Klang, ein einzelnes Wort ("Eternally" hab ich z.B. geschrieben, weil ich das Wort "lifesupportmachine" klasse fand) oder ich bekomme durch die Musik ein Bild vor meinem geistigen Auge und es entwickelt sich daraus eine kleine Geschichte, die ich dann zum Gegenstand eines Textes mache. (z.B. A lonely voice) Auch Sachen, die im Fernsehen laufen (z.B. der Titel "Comfort Girl" entstammt einer Doku- mentation über diese Frauen). Oder ich singe beim Autofahren irgendetwas vor mich hin und habe plötzlich eine Melodie und zumindest ein bis zwei Textzeilen im Kopf., die das Thema des Songs schon mal näher umreißen (z.B. In My Dreams). Oder ich habe eine Textidee im Kopf, die sich aber erst entfaltet, wenn ich ein Musikstück fertig habe und dann merke, daß die Musik zur Idee paßt und ruckzuck fertig ist der Text ("z.B. Puzzle Of Personality"). Oder ich sitze nur so am Keyboard und innerhalb von 6 bis 10 Stunden habe ich einen Song komplett fertig. (z.B. Poison Of Love). Nur, wenn ich mich hinsetze und sage "So jetzt schreibe ich einen Song" kommt meistens nichts vernünftiges dabei heraus. Manchmal habe ich im Sequenzer eine Idee, die sich aber einfach nicht ent- wickelt. Wenn ich da nach einiger Zeit nochmals dran arbeite, klappt es dann doch noch. Und wenn es dann immer noch nicht klappt, ja dann wird es gelöscht. Denn unnötiger Ballast hält auf.

Dark Heart: Inwieweit möchtest Du "ORV" noch weiterentwickeln?

Schäning: Nun, derzeit möchte ich den Stil dahin weiterentwickeln, daß es mehr nach ORV klingt - halt eine eigene Handschrift. Was sich noch daraus entwickelt, weiß ich noch nicht. Wer weiß, vielleicht werden wir ja noch die OMD der Neunziger? Ich meine "Depeche Mode für arme" gibt es ja eh schon genug.

Dark Heart. Ist in naher Zukunft eine CD geplant?

Schäning: Da hätte ich nichts dagegen. Aber ich werde keinesfalls eine CD in Eigenregie finanzieren, denn einen finanziellen Flop kann ich mir nicht leisten. Da versuche ich doch lieber gleich bei einem vernünftigen Label unter Vertrag zu kommen, da wird die CD ja quasi vorfinanziert und das finanzielle Risiko liegt dann mehr beim Produzenten als beim Künstler. Jedenfalls, um eine CD in Eigenregie zu machen braucht es immerhin eine Auflage von 1000 Stück, sonst wird die einzelne CD zu teuer. Und wie soll ich 1000 CDs verkaufen, wenn ich mir als Promotion nur Kleinanzeigen in diversen Independent- Magazinen leisten kann? Und wenn aus Kosten- gründen die klangliche Qualität auf CD nur minimal besser ist als auf Chrom-Audio-kassette (weil ich mir die Aufnahmen für Studiokosten geklemmt habe), dann kann ich auch auf Tapes bleiben. Denn Rauschen auf einem Tape kann man noch akzeptieren, aber auf einer CD? Um halbwegs eine ausreichende CD-Produktion zu machen, brauchst Du mindestens 8000 DM bis 10000 DM für eine 1000 er Auflage. (für eine Woche Ton-Studio, Mastering, Presswerk, CD-Cover). Also Spenden bitte auf mein Konto. Stichwort: "Eine CD für Orpheus in Red Velvet". Und spenden Sie reichlich! Oder kaufen Sie ein Tape!

Interview: Andreas Ohle