Occculture




DH: Stellt Euch zunächst einmal selber kurz vor. Wer macht was bei Euch? Wie kam es zur Gründung von Occculture und warum habt Ihr diesen Namen gewählt?

Occculture bestehen aus Lena Amboshi und Daniel Roos. Wir kommen beide aus Frankfurt am Main. Vor ein paar Jahren war unsere Zusammenarbeit differenzierter. D. h. jeder hat seinen eigenen Bereich / Schaffenskreis gehabt. Mittlerweile fließen aber unser beider Einflüsse in den eigentlichen Bereich des anderen... d.h. Lena ist beim Programming, Arrangment und Komponieren dabei und Daniel gibt Ideen bzgl. der Lyrics... das ergänzt uns wunderbar und seitdem haben wir die besten Ergebnisse erzielt...

Occculture kam zustande, als Daniel ein Elektroprojekt gründete und nach einer passenden, eigenen Stimme suchte. Da uns vorab bereits eine sehr intensive Freundschaft verband, lag es nahe, dass wir uns diesbezüglich kurzgeschlossen haben und beide waren wir mit der Zusammenarbeit zufrieden. Lange Rede, kurzer Sinn... seit 2002 gibt es Occculture nun. Der Name Occculture setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: Okkultismus und Kultur... jede Kultur hat ihre eigenen okkulten Praktiken und Spiritualität. Auch wir möchten mit unserer Musik viele Bereiche abdecken: musikalisch wie auch textlich... sei es sozialkritisch oder aber auch märchenhaft / vampiresk. Die drei Cs im Bandnamen haben die Bewandnis, dass Occculture ursprünglich als Trio startete... schon nach kurzer Zeit merkten wir aber, dass das so nicht klappte. Trotzdem wurde dies beibehalten, da es sich interessanter liest und bei den Leuten eher im Kopf hängenbleibt...

DH: Ich würde Eure Musik als eine Mischung aus Electro, Darkwave und Industrial beschreiben. Wie kommt es, dass ihr genau diese Art von Musik macht? Gibt es bestimmte musikalische Vorlieben, die jeder von Euch hat?

Wir hören jede Art von Musik, wobei natürlich klar ist, dass im Darkwave/Gothic/Elektrobereich unsere Präferenz liegt. Daher ist es auch eine logische Schlußfolgerung, dass unsere Musik gerade in diesem Bereich anzusiedeln ist. Alle musikalischen Vorlieben zu nennen, würde jetzt den Rahmen sprengen... unsere Alltime Favorites sind aber: NIN, Android Lust, Diary of Dreams, London after midnight...

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu Eurer Debut-CD "Cortex" und wo fanden sie statt? Wie entstand der Kontakt zu Eurem Label Celtic Circle Productions? Seid Ihr schon vorher auf der Suche nach einem geeigneten Label für Euch gewesen?

Wir haben unser eigenes Studio: das Katra Studio... die corteX war ein immerwährender Prozess, was natürlich klasse ist, dass man nicht ständig auf die Uhr gucken muss. corteX ist in einem Zeitraum von ca. 1 Jahr entstanden. Wir arbeiten oft zeitgleich an 2 - 3 Songs und daher kann es vorkommen, dass vieles erst Mal auf Halde gelegt wird. Bei der Auswahl der corteX haben wir dann die Songs so ausgesucht, dass das Gesamtkonzept einen roten Faden hat... Der Kontakt zu unserem Label enstand aufgrund einer Anfrage des Labels selbst. Wir waren kurz davor, einen Major Deal zu unterschreiben. Uns erschien es aber richtiger bei einem Indie Label zu unterschreiben, um halt auch die ganzen künstlerischen Freiheiten beibehalten zu können, denn schließlich sind wir auch eine Indie Band. Also haben wir zugesagt und unterschrieben.

DH: Auf "Cortex" findet sich eine große Bandbreite an verschiedenen Musikstilen. Mal klingt Euer Sound eher nach Industrial / Dark Electro ("Xenophobia"), mal eher nach Darkwave / Synthie Pop. Wie kommt diese große Bandbreite zustande?

Privat hören wir, wie vorhin bereits angerissen, jede Art von Musik und sind auch keine großen Fans von Schubladen. In erster Linie gibt es Musik, die einem gefällt und berührt und Musik, die dies nicht tut. Da sollte man frei von Richtlinien sein, da man ansonsten sehr viel an schönen Tracks, die bewegen verpasst. Occculture sind nicht nur Darkelektro. Occculture sind nicht nur Darkwave. Wir wollen beides verbinden, da uns sowohl das Düstere Harte als auch das Melancholische Balladeske sehr gut repräsentiert. Dies hat nichts mit Verkaufsstrategie oder Konzeptionslosigkeit zu tun, sondern spiegelt lediglich den Charakter unseres Duos wider...

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Xenophobia", wovon handelt dieses Lied? Wie kam es zu der Idee zu diesem Song?

Als erstes wollen wir anführen, dass wir keine politische Band sind...

Xenophobia bedeutet Fremdenangst und prangert die Intoleranz an. Leider ist dies auch ein Thema in der schwarzen Szene. Man hört von Unterwanderung und von menschenverachtenden Lyrics. Mit diesem Song wollen wir ganz klar Statement beziehen und uns von diesen Bands und Leuten, die dies gutheißen und fördern, distanzieren. Xenophobia ist ein Aufschrei für Tolerenz und auch Respekt dem anderen gegenüber... auch wenn auf dem ersten Blick, man keine Gleichheiten erkennt...

DH: Wie entstehen generell Eure Songs? Gibt es bestimmte Erlebnisse oder Ereignisse, die Euch als Inspirationsquelle dienen?

Wenn wir Songs schreiben begeben wir uns auf eine sehr emotionale Ebene. Inspirationsquellen sind lange Gespräche, Filme, Bücher und vor allem auch Nachrichten.

DH: Eure Texte handeln von sozialkritischen Themen wie etwa Kindstötung, Kinderängste, Schizophrenie, der Kirche und Aggressionen gegen sich und die Umwelt. Ist Eure Musik ein Spiegelbild von Euch? Seht Ihr Musik ganz bewusst als eine Art Therapie - eine Auseinandersetzung mit Euch selbst und Eurer Umwelt an?

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, muss entsetzt sein, von den Dingen die geschehen. In erster Linie halten wir der kompletten Gesellschaft den Spiegel vor. In zweiter Linie ist die Musik auch ein Ventil für uns. Wir verarbeiten Erlebtes und versuchen, den Wahnsinn in Worte zu fassen.

DH: Wenn Ihr etwas in der Welt verändern könntet - was würdet Ihr tun?

Wollen wir in einer perfekten Welt leben? Worüber sollten wir dann schreiben ;-) Nein, Spaß beiseite: es sind nach wie vor die "banalen" Dinge, die wir uns wünschen: eine globale Akzeptanz gegenüber aller Menschen, das Ende aller Kriege und dass die Armen nicht immer ärmer und die Reichen immer reicher werden...

DH: Tretet Ihr auch live auf und wie hat man sich Eure Bühnenshow vorzustellen? Wird es besondere visuelle Umsetzung Eurer Songs geben? Werdet Ihr live noch aggressiver Auftreten, als dies bei manchen Songs des Albums zu hören war?

Eine Tour ist in Vorbereitung mit komplettem, aufwendigen Bühnebild sowie ausgefeilter Lichttechnik. Ja, man kann mit mehr Aggresivität rechnen . Lasst euch überraschen;-))

DH: Welche weiteren Pläne habt Ihr mit Occculture nach Veröffentlichung des Albums? Ist eventuelle eine Tour in Planung? Arbeitet Ihr vielleicht schon an Material für ein weiteres Album?

Wir hatten im letzten Jahr drei Auftritte. Das waren unsere ersten Auftritte, die wir als Duo bestritten haben und es hat uns sehr großen Spaß gemacht, so dass wir auf alle Fälle ganz heiß aufs Livespielen sind. Auftritte sind leider noch in der Pipeline... noch nichts offizielles, was bestätigt wäre... - wir sitzen bereits an einigen Produktionen für unser zweites Album und es kristallisiert sich bereits heraus, dass die Produktion noch düsterer und von der Grundatmosphähre makaberer wird, aber... ihr werdet es noch mitbekommen...

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Das finden wir prinzipiell gut... wenn wir das letzte Wort haben ;-)

Wir wünschen Euch allen viel Spaß mit der corteX - und wir hoffen, dass wir Euch bei unseren Gigs treffen und wir kräftig zusammen abfeiern...

Interview: Andreas Ohle