Obsidian Voice



DH: Seit wann gibt es Obsidian Voice und kam es zur Entstehung des Projekts?

Obsidian Voice gibt es seit dem Jahr 2001. Zur Entstehung kam es eher beiläufig. Ich hatte begonnen Songs zu schreiben und aufzunehmen und spielte sie Freunden und Familie vor. Irgendwann wurde mir vermehrt vorgeschlagen das ganze doch ein wenig öffentlich zu machen. Ich habe das zuerst als ganz abwegig empfunden aber als ich dann die Website mit kostenlosen MP3 schuf, bekam ich sehr schnell Resonanz von der ich überwältigt war. Ich habe dann erst gemerkt dass sich viele Menschen in den Songs wiederfinden die ich schreibe, weil sie wohl fühlen dass das worüber ich singe, nicht aus Langeweile oder Spass entsteht, sondern aus einer Art innerer Notwendigkeit heraus.

DH: Im Vordergrund bei Obsidian Voice stehen Gesang und Piano. Wie kam es zu diesem musikalischen Konzept? Wie beschreibst Du selbst Deine Musik?

Ich habe sehr viele Jahre meines Lebens mit Tasteninstrumenten verbracht. Im Zentrum stand da immer das Klavier. Natürlich habe ich als jemand der eine klassische Ausbildung genoss, nicht das Arrangieren von Popsongs gelernt. Das war mir auch nicht so wichtig. Ich habe über viele Jahre Lyrics geschrieben, sozusagen für "fiktive" Songs. Und irgendwann war es dann wohl an der Zeit dass diese Songs Realität werden. Und da war für mich klar, dass es der Melancholie der Lyrics entsprechen würde, wenn ich sie mit den zwei Instrumenten umsetze die mir am liebsten sind, dem Klavier und der Stimme. Durch diese Kombination ergibt sich auch fast zwangsläufig eine Intimität die ich in heutiger Musik oftmals vermisse. Ich selbst habe für meine Musik den Begriff "Piano Dark Wave" übernommen, allerdings ist es schon so dass Obsidian Voice nicht im engen Sinne Dark Wave macht. Man könnte das ganze als eine Mischung aus Neoklassik, Heavenly Voices und Pianoballaden beschreiben, aber das soll jeder selbst beurteilen.

DH: Hast Du, Obsidia, eine musikalische Ausbildung? Seit wann beschäftigst Du Dich mit Musik? Siehst Du Dich in Deinem Wirken von der Musik anderer beeinflusst?

Ja, ich habe eben eine Klavierausbildung gehabt und bin auch an der Kirchenorgel ausgebildet worden. Angefangen hat alles in den Siebzigern mit diesen drolligen Elektronikheimorgeln die irgendwann mal der grosse Renner waren. Das hat mich aber nicht wirklich berührt. Das klassische Klavier war da schon ganz anders, es hat mich tief beeindruckt und geprägt und das möchte ich auch nicht missen. Ich glaube ich habe mit sieben zum ersten mal am Klavier gesessen. Beeinflusst bin ich sicher von vielen Künstlern an denen mir liegt, allerdings empfinde ich es immer so dass für mich die klassische Musik und die sakrale Musik prägender war und ist als alles andere. Wenn ich Inspiration suche lege ich auch nicht unbedingt eine CD von Tori Amos auf sondern höre mir lieber eine CD von Andreas Scholl oder ähnliches an.

DH: Was willst Du mit Obsidian Voice vermitteln/ausdrücken?

Zunächst war Obsidian Voice ganz persönlicher Ausdruck innerer Traurigkeiten. Ich habe damit nichts zu vermitteln versucht da es für mich eher eine private Art der Aufarbeitung des Alltags war. Rückblickend kann ich aber sagen dass immer wieder zentrale Themen wiederkehren an denen mir liegt und die sicher auch für viele andere Menschen Bedeutung haben. Zum Beispiel ist es so dass ich meine Musik ungeachtet der Traurigkeiten über die sie spricht dennoch als tröstlich und beruhigend empfinde. Und das soll sie auch sein. Sie soll eine Oase inmitten der Hektik des Alltags sein in der man sich erlaubt sich fallenzulassen und Ängste und Verhärtungen abzustreifen. Deswegen ist mir auch der Aspekt der Askese wichtig - die Musik soll nicht von Instrumenten, Stimmen und Effekten überfrachtet sein und die Sinne zerstreuen sondern sie soll sowohl technisch als auch atmosphärisch konzentrieren. Auf weniges und auf wichtiges. Das empfinde ich als eine momenthafte Befreiung, die ich auch gerne anderen Menschen anbieten möchte.



DH: Waren die Erfahrungen, die Du während Deinem ersten Album "Black Wine" gesammelt hast von Nutzen für "Taste Of Night"?

Selbstverständlich. Erst mal war es für mich sehr wichtig, soviel Feedback von Hörern bekommen zu haben. Womit ich nicht sagen will dass ich "taste of night" auf die Wünsche der Hörer zugeschnitten habe, aber ich hatte einen Eindruck davon was sie berührt und worüber sie glücklich sind. Da habe ich festgestellt dass viele Hörer empfinden als berührte diese Art Musik etwas in ihnen was sie gar nicht so recht zu bezeichnen wissen, etwas was mir zwei Besitzer der "Black Wine" mal als "diffuse Erinnerung" und als "längst vergessene Melodie" schilderten. Ich meine zu wissen, woher dieses Gefühl kommt. Und ich möchte es weiterhin provozieren, weil ich glaube dass es ein heilsames ist.

Natürlich habe ich auch andere Dinge gelernt, wie beispielsweise was ich diesmal besser machen müsste. Deswegen ist diese CD auch durch ein Mastering technisch verbessert worden und darüber hinaus als Audio-Pressung veröffentlicht worden.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem neuen Album? Fanden die Aufnahmen in einer besonderen Atmosphäre statt?

Wie lange sie insgesamt dauerten kann ich dir gar nicht mehr sagen. Ich habe die CD in drei Etappen aufgenommen, da ich zwischendrin immer mal wieder pausieren musste. Leider habe auch ich ja nebenbei noch ein profanes Leben zu führen. Wie die Aufnahmen stattfinden kann ich dir allerdings sagen. Es hat ein bisschen was von Klausur. Ich sperre mich dann tagelang ein und arbeite von morgens bis abends ohne meine Gedanken auf irgendetwas anderes richten zu können. In meinem Kopf ist dann nur der Song wie er am Ende sein soll und darauf arbeite ich dann hin. Da ich mich weigere meine Songs aus endlos vielen Sequenzen zusammenzuschneiden, sind die Spuren meist auch komplette "Live-Spuren" - du kannst dir vorstellen dass es unter dieser Bedingung dann schon eine Weile dauert, bis der Take wirklich sitzt und alles synchron ist. Die Atmosphäre die dabei entsteht ist nicht so sehr romantisch oder melancholisch, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern wohl eher als besessen zu bezeichnen.

DH: Wie entsteht bei Dir ein Song? Ist da zunächst eine Idee, eine Melodie oder ein Text? Wie funktioniert bei Dir der Prozeß der kreativen Songschreibens?

Bei "Black Wine" hatte ich alle Lyrics zuerst und habe mich dann anschliessend an die musikalische Umsetzung gemacht. Bei dem neuen Album ist es anders, da waren vielfach Musik und Lyrics plötzlich zusammen in meinem Kopf, ohne dass ich genau hätte sagen können woher die kommen. Ich arbeite innerlich meist schon lange an einem Song bevor er jemals aufgenommen wird.

DH: Das Cover der neuen CD ist sehr schön. Hast Du es selbst gestaltet? Auch Deine Webseite ist optisch sehr ansprechend. Legst Du Wert auf optische Schönheit?

Ich lege Wert auf eine Ästhetik die zu meier Musik passt. Und das Cover empfinde ich auch als sehr schön. Es ist eine glückliche Fügung dass es zu diesem Cover kam. Ein Künstler der meine Musik gehört hatte, bot mir seine Arbeit an und ich habe gerne ja gesagt. Die Entstehung des Bildes war ein Prozess der die Entstehung des Albums sozusagen begleitet hat.

DH: Wird es Obsidian Voice auch live zu sehen geben? Ist eventuell eine Tour in Planung?

Bis dato noch nicht. Es kommen aber immer wieder Anfragen und ich wäre Liveauftritten nicht im geringsten abgeneigt.

DH: Zum Schluss nocheinmal danke von uns an Dich für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Dir alles Gute und viel Erfolg mit dem neuen Album. Dir gehört das Schlusswort:

Ich bedanke mich herzlich für das Interview und wünsche Euch und Euren Lesern alles Gute! Share the taste of night.

Interview: Andreas Ohle