Mystigma



DH: Wie kam es eigentlich zur Gründung von Mystigma? Könnt Ihr Euch daran noch erinnern?

Die Anfänge der Band gehen bis ins Jahr 1994/95 zurück.Mein Bruder Torsten und Clint (guitars) muckten früher immer schon mit einigen anderen Musikern herum, schliesslich ersetzten Stephan (Bass) und ich die damaligen Mitstreiter, ich kann mich an den Tag noch gut erinnern. Seid dieser Zeit spielen wir mit dem gleichen Line up, ausgenommen ist der Wechsel an den Drums, denn 1999 ersetzte Jens unseren damaligen Drummer.Bis zum letzten Jahr waren wir in der Szene unter dem Banner Tears of Mystigma aktiv. Wir wollten als Band einen Neuanfang,trennten uns von einigen alten Zöpfen im Umfeld der Band und sahen den frischen spirit bei den Aufnahmen zu Universal Surrender als weiteren Anlass dafür uns nun in Mystigma umzubenennen. Obwohl es in dem Sinne ja keine Umbenennung, sondern nur eine Namensverkürzung ist.

DH: Wofür steht der Bandname Mystigma?

My-stigma... sind eigentlich zwei Wörter, wir haben eines daraus gemacht. Heißt soviel wie: mein Stigma, mein Wund-oder Brandmal.

DH: Wie ist Euer aktueller Line-Up? Gibt, wenn Ihr zusammen seid, so etwas wie eine Art kreatives Gruppengefühl?

Die Band besteht aus Jens (drums), Stephan (bass), Clint(guitars), mein Bruder Torsten (vocals) und meine wenigkeit (Jörg/guitars, keyboards, programming). Den Hauptteil des Songwritings übernehmen Torsten und ich. Dennoch sind wir eine demokratische Band, d.h. das jeder in der Band kreative Ideen beisteuern darf.

DH: Eure Musik würde ich beschreiben als alternativen Gothicrock. Seht Ihr Euch eher als Rockband oder als Gothicband?

Darüber machen wir uns wenig Gedanken. Fakt ist, daß wir definitiv einen Gothicanstrich haben, sowohl äusserlich, als auch musikalisch. Gleichzeitig gibt es in unseren Songs auch viele rockige und alternative Anteile, die nicht unbedingt so "gruftig" daherkommen. Wahrscheinlich sind wir irgendwo dazwischen, das bestätigt auch die Tatsache, daß wir zum aktuellen Album sowohl von Gothics, als auch von vermeintlichen "normalos" zuspruch und lob erhalten haben.

DH: Euer neues Album heißt "Universal Surrender". Dabei handelt es sich um das erste Fulltime-Album seit 5 Jahren. Wieso dauerte es solange bis zu einem neuen Album? Habt Ihr die Wartezeit genutzt um kreative Energien zu sammeln?

Nein, das kann man so nicht sagen. 2002 veröffentlichten wir die 4 Track CD"Higher Circumstance". Diese Cd sollte damals eigentlich schon ein Fulltime Album werden, das wurde dann allerdings nichts, da sich erstens eine konkrete Labelofferte zerschlagen hatte, und zweitens sich im Studio einige produktionstechnische und organisatorische Probleme ergaben.Diese Gründe veranlaßten uns dann dazu kein ganzes Album als erneute Eigenproduktion herauszubringen, sondern nur die MCD "Higer Circumstance". Es war dann letzendlich praktisch so eine Art Lebenszeichen, das es uns noch gibt.

DH: Die neue CD klingt - meiner Meinung nach - viel verletzlicher und melancholischer als frühere Mystigma Veröffentlichungen. Wie kommt diese Melancholie zustand e? Ist sie Ausdruck Eures Lebensgefühls?

Ich für mein Teil kann das in etwa so unterstreichen, ich denke das trifft auch auf mein Bruder zu. Es ist aber jetzt nicht so, daß wir uns zu Hause hinsetzten und sagen: ,, so jetzt schreiben wir wieder einen melancholischen Song." Es ist vielmehr der kreative Prozess der uns in diese Bahnen hinbewegt. Es geschieht halt nicht geplant, sondern unbewusst. Diese Melancholie ist mittlerweile ein Trademark von uns geworden, deshalb stört es uns nicht wenn die Hörer uns darauf des öfteren ansprechen. Wir sind privat zwar keine Leute die den ganzen Tag trauernd und lamentierend durch die Gegend laufen, dennoch umschwebt uns nicht selten eine gewisse Melancholie und Schwermut.

DH: Wo fanden die Aufnahmen zu dem neuen Album statt und wie entstand der Kontakt zu Eurem Label Equinoxe?

Zum ersten mal getroffen hatten wir uns schon vor 3 Jahren auf einem Festival. Wir haben den Kontakt zu Equinoxe dann seit dieser Zeit stets aufrechterhalten. Als unser neues Album fertig war, schickten wir den Jungs sofort ein Exemplar und zum Glück gefiel es ihnen. Wir sind sehr froh das der Kontrakt zustande kam. Sie sind ein sehr faires Label und die Zusammenarbeit läuft bisher sehr gut. Die Aufnahmen entstanden bei Peter "Pani" Pauliks, er besitzt ein Studio bei uns in der Nähe. Wir hatten früher immer schon mal vorgehabt bei ihm aufzunehmen, da er auch schon seit längerer Zeit ein uns wohlgesonnener guter Freund war,aber irgendwie klappte das nie zeitlich. Diesmal war es dann schließlich soweit und wir sind froh darüber. Pani ist selbst Multiinstrumentalist und war nebenbei in meinen Anfangstagen mein guitarcoach. Die Arbeit mit ihm war sehr angenehm und er holte nochmal alles aus uns heraus.

DH: Was bei Mystigma besonders auffällt sind die einfühlsamen und intensiven Texte? Wie entstehen die Ideen zu diesen Texten? Gibt es bestimmt e Erlebnisse oder Ereignisse, die Euch während dem Songschreiben beeinflussen?

Mein Bruder Torsten schreibt alle Lyrics. Sie basieren auf zum Teil persönlichen Erfahrungen, als auch auf kritischen Beobachtungen unserer heutigen Zeit und Gesellschaft. Nicht selten sind es Themen, Erfahrungen oder Emotionen die im zwischenmenschlichen Bereich angesiedelt sind. Uns ist es ist immer wichtig ,dass die Texte auch zum jeweiligen Song passen und deshalb kann alleine schon die Musik inspirierend für das verfassen eines Textes sein. Ansonsten reicht auch ein Blick über den Tellerrand hinaus, denn zweifelhaftes menschliches tun gibt es zu genüge....

DH: Besonders gut gefällt mit der Song Tomorrowless. Wie entstand die Idee zu diesem Song?

Ich erinnere mich, dass mich das Anfangssample zu dem Song inspirierte. Dieser elektronische Drumloop in Kombination mit den düsteren Keyboards, das wars halt. Wenn der Anfang steht, dann weiss man oft wo die Reise hingeht. In diesem Fall ist es ein sehr düsterer und beklemmender Song geworden wie ich finde. Der Text befaßt sich mit der Oberflächlichkeit und Vergänglichkeit in einer kranken Gesellschaft und paßt auch sehr gut zur Musik. Tomorrowless ist auch einer unserer Lieblingssongs auf dem Album.

DH: Auf der CD findet sich neben vielen englischen Titeln auch der deutsche Song "Staub der Worte". Könntet Ihr Euch vorstellen in Zukunft auch weitere deutschsprachige Lieder aufzunehmen?

Ja, das können wir uns durchaus vorstellen. Allerdings sehen wir uns schon eher als englischsprachige Band, so daß dort auch in Zukunft der Schwerpunkt liegen wird. Wenn zu einem Song allerdings deutsche Lyrics gut passen, dann sind wir nicht abgeneigt.

DH: Was machen Mystigma, wenn Sie mal keine Musik machen?

Regulären Jobs nachgehen um natürlich unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir arbeiten z.T. in der Pflege,im öffentlichen Dienst als Schwimmmeister oder als Programmierer von elektronischen Anlagen. Und wenn wir in der Freizeit ausnahmsweise mal keine Musik machen, dann findet man uns im Restaurant, Cafe, Kino, in Clubs, auf Partys etc...

DH: Wird man Euch demnächst auch live erleben können? Freut Ihr Euch schon darauf die Songs des neuen Albums live zu präsentieren? Ist eventuell eine Tour geplant?

Live zu spielen ist immer geil, wir freuen uns auf jeden Gig. Wir spielten dieses Jahr schon beim WGT, als auch auf dem That spring Festival. Beides lief sehr gut und es waren schöne Erfahrungen für uns. Eine Tour ist im Moment leider nicht in Planung, vielleicht gelingt es uns mal als support eine Tour zu begleiten, mal sehen was die Zukunft bringt. Auf den Oktober freuen wir uns ganz besonders, denn dann supporten wir das Ich in Rheine und wir planen dort eine ganz besondere Show.(Freitag, 28.10.05 Little John/Rheine- das Ich, Mystigma, Neon dream)

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Wir danken für das Interview und wünschen euch weiterhin viel Erfolg mit dem darkheartmagazin! Alle interessierten Leser sollten einmal auf www.mystigma.de schauen. Dort gibs viele Infos und ständig aktualisierte News und livedates. Gruss an alle Leser des darkheartmagazins.

Interview: Andreas Ohle