Morbus Kitahara



Die Band Morbus Kitahara besteht seit 1995 und hat sich seitdem kontinuierlich eine Fangemeinde durch Livekonzerte, viele Compilationbeiträge und CDs geschaffen. Ihre letzte CD erschien im Jahr 1999 und trägt den Titel "Where joy may dwell". Zeit einmal bei Ullie & Kricki von Morbus Kitahara nachzufragen, was es an Neuigkeiten so gibt.

DH: Was bedeutet der Name Morbus Kitahara und wie seid Ihr auf den Gedanken gekommen Euch so zu nennen?

Morbus Kitahara ist eine (fiktive) Augenkrank- heit aus dem gleichnamigen Roman des österreichischen Schriftstellers Christoph Ransmayr. Sie bewirkt eine langsame Verengung des Sichtfeldes, ausgelöst durch langes konzentriertes Starren (wie z.B. bei Scharfschützen), und kann im Extremfall bis zur vollkommenen Blindheit führen. Wir fanden, dass das eine ziemlich gute symbolische Beschreibung für den heutigen Verlust des Blickes für die wesentlichen Dinge des Lebens ist, und entschieden uns so für diesen Bandnamen.



DH: Seid wann gibt es Morbus Kitahara eigentlich? Welche Musiker sind oder waren an Band beteiligt?

Morbus Kitahara wurde im Winter 95/96 gegründet und zwar von Kricki Schech (Keyboards), Ullie Schech (damals noch Ullie Scharf, Gesang), André Madaus (Schlagzeug) und Thomas Krämer (Bass). Thomas verließ Anfang 98 die Band, dazu kam die Back- ground-Sängerin Dani Sirovina. Ein Jahr später ging auch sie, und auch Andre folgte alsbald. Seitdem besteht Morbus Kitahara nur noch aus Kricki und Ullie, die sich live von Gastmusikern (in der letzten Zeit waren das Patrick A. Crowley von The Hall of Souls am Bass und Jochen Raithel von den Shallow Talks am Schlagzeug) unterstützen lasssen.

DH: Ihr habt schon mit vielen anderen Bands zusammen gearbeitet (u.a. Rokoko Riot und Spine Of God). Wie wichtig ist für Euch eine solche Zusammenarbeit mit anderen Musikern?

Es ist sehr wichtig für uns, da man neue Impulse für das eigene Schaffen erhält. Man kocht mit der eigenen Band sein ganz eigenes Süppchen und kann bei der Zusammenarbeit mit anderen Leuten seinen Horizont erweitern, ebenso bei den zahlreichen Remixes und Gastauftritten (live und im Studio), die wir für andere Bands machen.

DH: Eurem aktuellen Presseinfo ist zu entnehmen, daß Ihr Eure Musik selber als einen Lichtblick in einer Zeit des kulturellen Niedergangs bezeichnet. Worin äussert sich dieser kulturelle niedergang Eurer Ansicht nach und denkt Ihr, daß er aufzuhalten ist?



Der kulturelle Niedergang besteht für uns im allgemeinen Werteverfall und dem mangelnden Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen. Wir glauben nicht, dass dieses Phänomen aufzuhalten ist, aber irgendwann wird dieses Zeitalter der Dekadenz auch wieder vorbei sein und Platz für etwas Neues (Besseres?) gemacht haben.

DH: Eure erste MC erschien meinen Informationen nach 1996. Danach folgten mehrere CDs bis heute. Könnt Ihr Euch noch an die Aufnahmen zu der MC erinnern? Hat sich seitdem vieles für Euch verändert - in Sachen Professionalität, Aufnahme- möglichkeiten o.ä.? Stellt Ihr selbst andere Ansprüche an Eure Musik?

Die 96er MC bestand aus ein paar Vorab- versionen von Songs des ersten Albums "Reviving the fading light". Eigentlich haben wir sie ausschließlich zur Bewerbung bei Plattenfirmen hergestellt, aber irgendwie sind doch einige davon in den Verkauf gelangt und erzielen mittlerweile auf Gebrauchtbörsen ziemlich stattliche Preise...

Was die Veränderung bei der Songproduktion angeht: wir hatten allein durch die Tatsache, dass wir auch teilweise beruflich im Musikgeschäft mitmischen, glücklicherweise schon von Anfang an immer einen gewissen "Vorsprungsbonus" was das Songwriting und die Produktionsvoraussetzungen angeht. Als wir noch eine "richtige" Band waren konnten wir kostenlos in dem Tonstudio, in dem Kricki zu der Zeit als Tontechniker arbeitete, proben und aufnehmen, was natürlich sehr vorteilhaft war. Und seit wir nur noch zu zweit sind nutzen wir die Vorzüge der Digitaltechnik beim Songwriting (wir haben unseren heimischen PC zum Studio hochgerüstet) und brauchen während des ganzen Arbeitsprozesses unser gemütliches Wohnzimmer nicht mehr zu verlassen.

DH: Wann gibt es die nächste CD von Morbus Kitahara?

Wir sind schon fleißig am Komponieren und haben auch schon einige Songs komplett im Kasten. Allerdings sind wir mit unserem momentanen Label mehr als unzufrieden, weshalb Art, Zeit und Form der nächsten Veröffentlichung noch etwas unklar sind. Über unsere Homepage www.morbuskitahara.de kann man sich aber immer über den aktuellen Stand in dieser Sache informieren.

DH: Wann seid Ihr wieder auf Tour? Gibt es schon da schon konkrete Pläne?

Aus dem gleichen Grund haben wir auch unsere Liveaktivitäten vorerst eingestellt (obwohl wir schon wieder einige Angebote, auch aus dem Ausland, haben). Wir nutzen die Zeit lieber für personelle Umstrukturierungen und die Einarbeitung der neuen Musiker - zur Zeit sieht es so aus als würden wir wieder eine feste zweite Sängerin und einen Schlagzeuger mit in der Besetzung haben, aber das wird sich erst endgültig in den nächsten Wochen entscheiden. Übrigens suchen wir noch eine dritte Sängerin und einen Percussionisten - bei Interesse bitte bei uns unter mail@morbuskitahara.de melden!

DH: Obwohl Ihr schon sehr viele Konzerte und Festivals gespielt habt, gibt es sicher immer noch Leute, die Euch nicht live gesehen haben. Wie hat man sich einen Morbus Kitahara- Aufftritt vorzustellen? Folgt ein Konzert von Euch bestimmten Regeln?

Ein Konzert unterscheidet sich sehr stark von unseren CD's, weil an den Studioaufnahmen lediglich Ullie und Kricki beteiligt sind, während live noch wechselnde Gastmusiker dabei sind, die den Songs mit ihren jeweiligen Instrumenten neue Facetten hinzufügen. Deswegen gibt es auch keine festen Regeln - die Gestaltung jedes einzelnen Konzertes ist davon abhängig, wer und wieviele Personen gerade auf der Bühne stehen.

DH: Achtet Ihr bei Euren Bühnenauftritten auf das Publikum?

Auf jeden Fall, deswegen steht man ja da oben! Ullie ist eine sehr routinierte Frontfrau, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen läßt und ein dankbares Publikum auch mit einer ausge- fallenen Bühnenshow belohnt - während ein lahmes Publikum durchaus auch mal von ihr beschimpft wird!

DH: Ihr seid mittlerweile auch im Internet vertreten. Unter http://www.morbuskitahara.de gibt es viele Infos zu Euch. Glaubt Ihr, daß das Internet in Zukunft für Euch ein wichtiges Medium sein wird?

Um Basisinformationen und Hintergrundinfos über eine Band zu bekommen, ist das Internet eine unglaubliche Erleichterung. Trotzdem ersetzt es in keinster Form den persönlichen Kontakt oder ein Livekonzert - hier zeigt sich unserer Meinung nach nämlich erst der wahre Charakter und die wahre Qualität einer Band...und es macht auch viel mehr Spaß!

DH: Was haltet Ihr generell von MP3s?

Da Dank unseres Labels (s.o.) unsere CD's so gut wie nirgends zu finden sind, raten wir mittlerweile unseren Fans, sich unsere Songs von den entsprechenden Plattformen im Netz zu überspielen, wenn Ihre Suche nach dem Original erfolglos bleibt. In solchen Fällen ist das MP3-Format eine gute Sache, ebenso beim Verschicken von Sounds und Songs zu Promotion- oder anderen Informationszwecken. Was das Kopieren von handelsüblichen CD's angeht, ist das ein zweischneidiges Schwert - zum einen verletzt es ja schon das Urheberrecht des einzelnen Künstlers und fügt ihm (finanziellen) Schaden zu, zum anderen ist der durchschnittliche Verkaufspreis eines Tonträgers durch die grundlose Willkür der Musikindustrie aber dermaßen hoch, dass man diese Form der Piraterie verstehen kann - es ist zu einer der letzten Waffen des Verbrauchers gegen das Musikkartell geworden...

DH: Welches sind Eure nächsten konkreten Pläne mit Morbus Kitahara?

Wie schon gesagt: weiterhin neue Songs schreiben und aufnehmen, neue Mitmusiker finden und einarbeiten, und natürlich den Ärger mit unserem Label -in welcher Form auch immer- beenden. Langweilig wird uns also bestimmt nicht.

DH: Zum Abschluss noch die Frage, was Ihr am liebsten essen tut?

Da hast Du uns ja an unserer Achillesferse erwischt: wir sind leidenschaftliche (fast schon gestörte) Esser ohne Maß und Anstand, die sehr bedauern dass man das mit zunehmendem Alter auch büßen muß (Figur & Gewicht). Es gibt fast nichts was wir nicht leidenschaftlich gern essen; die zwei Leibgerichte für die einsame Insel wären aber definitiv bei Ullie Pfälzer Hoorische und bei Kricki Pasta mit selbstgemachter Gorgonzola-Lauch-Soße.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen und weiter viel Erfolg! Das letzte Wort sei Euch ....

Danke Dir für's Fragenstellen und den DarkHeart-Homepage-Besuchern für's Interviewlesen. Ansonsten weiterhin viel Spaß und paßt auf, dass wenigstens Ihr nicht an "Morbus Kitahara" erkrankt!

Interview: Andreas Ohle

Morbus Kitahara:

www.morbuskitahara.de