Mono Inc.



DH: Die wichtigste Frage an euch lautet natürlich ersteinmal: Wie geht es euch?

Uns geht es sehr gut. Mal abgesehen davon, dass sich einige von uns auf der ersten Tourhälfte 'ne schöne Grippe eingefangen haben! Aber das ist ja auch kein Wunder bei der Klimaanlage im Nightliner. ;-) Jetzt hatten wir ja aber zehn Tage Zeit uns alle wieder zu erholen und freuen uns auf die zweite. Tourhälfte.

DH: Zu Anfang könnt Ihr mir etwas über Euch und Eure künstlerische Entwicklung erzählen? Seit wann macht Ihr eigentlich Musik und wie ist das aktuelle Line-Up?

Für uns alle stand schon seit der Kindheit immer klar: Ich werde Musiker! So hat also niemand von uns etwas anderes gemacht, als immer nur Musik. Über die Entwicklung von Mono Inc. selber kann ich leider erst ab dem Jahre 2007 berichten, denn erst seit dem Jahr bin ich dabei. Früher hat Martin getrommelt. Den alten Sänger habe ich nie kennen gelernt. Auch Carl ist schon von Anfang dabei und Manuel soweit ich weiß 2003 dazu gestossen. Ich habe Mono Inc. damals auf dem WGT gesehen und fand das Ganze ziemlich cool. Als ich dann bei einem Konzert in Aarhus zufällig Martin Backstage kennen lernte, hab ich ihm vorgeschlagen, mich doch einfach mal anzurufen, falls er sich mal den Arm brechen sollte oder so. Als er dann 2007 die Sängerrolle bei Mono Inc. übernahm, hat er das tatsächlich gemacht. Ich hätte echt nicht gedacht jemals etwas von ihm zu hören. Aber es ist doch schön, dass alles so gekommen ist. Wir vier haben in den letzten 2 Jahren jetzt drei Alben aufgenommen, unzählige Shows gespielt und so viel zusammen erlebt, so dass ich hoffe, dass unser Line- Up ab jetzt definitiv so bleiben wird, wie ist es ist:

Martin Engler- Vocals
Manuel Antoni- Bass/Vocals
Carl Fornia- Guitars/ Vocals
Katha Mia- Drums/ Vocals

DH:Wie entsteht überhaupt ein Song bei Euch? Gibt es eine Person, die Songs schreibt oder entstehen die Songs im gemeinsamen Zusammenspiel?



Das Meiste macht definitiv Martin. Er hat die meisten und ganz einfach auch die besten Ideen. Manchmal kommt er schon mit völlig ausgearbeiteten Songs, manchmal mit Ideen ins Studio und dann setzen wir uns zusammen. Schön ist, dass sich alle mit seinen Songideen gut identifizieren können.

DH: Was war für Euch die erste große Produktion oder gab es zuvor schon Veröffentlichungen von Euch?

Mono Inc. hat glaub ich 2003 das Album "Head under Water" aufgenommen. Nach einer Pause und der Veränderung im Line- Up haben wir bisher drei Alben Aufgenommen: Temple of the Torn 2007/ Pain, Love and Poetry 2008/ und Voices of Doom 2009

DH: Habt Ihr selber das Gefühl, dass ihr mit dem Album Eure eigenen musikalischen Grenzen neu definiert und überschritten habt?

Ja, das hoffe ich doch. Mit jedem Album verändern wir uns natürlich irgendwie und entwickeln uns weiter! Zum Glück! Sonst würde ja jedes Album gleich klingen und nahezu die gleichen Songs enthalten. Wir haben in der letzten Zeit viel erlebt, viel live gespielt und waren viel zusammen unterwegs. Das verändert einen sehr und schweißt eine Band natürlich auch ganz anders zusammen. Noch dazu sind so viele verschiedene Eindrücke auf uns eingeprallt. Ich denke all das spiegelt sich in unserem neuen Album sehr stark wieder.

DH: Ist die Single und ihre Grundstimmung repräsentativ für das komplette Album, oder werden uns da noch Überraschungen erwarten?

Ich denke die Single "Voices of Doom" ist schon repräsentativ für das Album. Nicht umsonst trägt das Album denselben Titel. Allerdings halte ich das Album für das bisher abwechslungsreichste. Ich bilde mir ein, dass für jede Person ist jeder Stimmung etwas dabei ist. Ich habe das Gefühl, dass das Album jede Gefühlslage, egal ob gut oder schlecht ins Extreme puschen kann. Du kannst also dazu weinen und trauern, aber auch abrocken und feiern. Jeder Hörer wird dabei etwas anderes fühlen und jeden Song anders interpretieren.

DH: Wird es eine weitere Singleauskopplung geben?

Soweit ich weiß nicht! Wir haben die Single "Voices of Doom" veröffentlicht, da nach der Tour mit Subway to Sally im April die Nachfrage nach diesem Song enorm war. Ausserdem wollten wir unseren Fans einen kleinen Vorgeschmack auf das Album geben. Als Geschenk für unsere Fans sind auf der Single Bonustracks enthalten, die nicht auf "Voices of Doom" vertreten sind, damit die Single auch nach der Albumveröffentlichung etwas Besonderes ist. Jetzt ist das Album veröffentlicht. Deshalb würde ich eine nachträgliche Singleauskopplung blöd finden. Wir wollen unseren Fans ja nicht das Geld aus der Tasche ziehen für eine Single nur mit Songs, die sie auch auf dem Album finden.

DH: Gibt es einen Song auf dem Album, der euch besonders am Herzen liegt? Wenn ja, welcher und warum?

Das ist für jedes Bandmitglied sicherlich ein anderer Song. Für mich sind es momentan Gothic Queen und Trail of Thorns, da mir die Texte sehr nahe gehen. Für Martin ist es dagegen sicherlich Rest in Grace und Time to Go, da er in diesen Songs viele traurige Ereignisse des letzten Jahres verarbeitet hat.

DH: Welche Instrumente spielt ihr?

Zu den Instrumenten, die wir in der Band spielen (Martin-Gesang/ Carl-Gitarre/ Manuel-Bass/ Katha- Schlagzeug) spielt eigentlich jeder von uns noch weitere Instrumente, wie z.B. Klavier. Martin ist dabei eindeutig der vielseitigste. Ich glaube ich kenne kein Instrument das er nicht irgendwie beherrscht.

DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Label ? Gab es zuvor schon Kontakte mit dem Label?

Mono Inc waren schon vor meiner Zeit bei NoCut. Wie das Ganze entstand weiß ich nicht wirklich. Ich weiß nur, das Martin und Carl nach jahrelanger Zusammenarbeit mit großen Plattenfirmen, die Entscheidung trafen, es bei einem kleineren Label zu versuchen, in der Hoffnung, dass dort mehr auf die Wünsche der Band eingegangen werden würde. Die Entscheidung scheint die richtige gewesen zu sein. Wir können uns über die Zusammenarbeit wirklich nicht beklagen.



DH: In Euren Songs ist oft eine gewisse Melancholie festzustellen. Seid Ihr melancholische Menschen?

Ja, auf eine gewissen Art und Weise sind wir das schon. Wir sind auf jeden Fall größtenteils sehr emotionale Menschen und machen uns viele Gedanken, wodurch die Melancholie entsteht. Wir sind allerdings keine Band die nach der Show im Bus sitzt und vor sich hin trauert oder im Proberaum vor sich hin jammert- im Gegenteil!!! Meistens haben wir sehr viel Spass gemeinsam, besonders im Tourbus ist immer gute Laune. Da muffelt selten jemand rum oder ist schlecht drauf.

DH: Würdet Ihr gerne ab und zu dem realen Leben auch mal entfliehen?

Ja, natürlich! Wer möchte das nicht? Ich denke jeder hat mal so einen Tag, wo er alles stehen und liegen lassen möchte. Das ist dann so ein "Life hates you"- Tag an dem einem nichts gelingt und man einfach mal einen Knopf drücken möchte und mal für ein paar Stunden ganz woanders sein möchte und dem eigenen Leben entfliehen will.

DH: Vieles auf dem neuen Album scheint auch in gewisser Weise selbstanalytisch. Habt Ihr auf diesem Album auch Selbsterlebtes verarbeitet? Wie wichtig ist Euch der inhaltliche Aspekt in Euren Songs?

Dazu könnte Martin viel mehr erzählen. Die Texte stammen ja von ihm und es ist definitiv sehr viel Selbsterlebtes enthalten. Das Schöne an den Texten ist für mich allerdings, dass sie so geschrieben sind, dass man sie auf viele Weisen interpretieren kann. Nahezu jeder kann sich in die Songs und die Texte hineinfühlen und sie auf sich selber projizieren.

DH: Wenn Ihr in der Welt etwas verändern könntet, was würdet Ihr tun? Würdet Ihr gerne in anderen Welt als der unseren leben?

Ich würde mir wünschen, dass es in der Welt mehr Miteinander statt Gegeneinander gibt und die Menschen mehr aufeinander achten würden. Die Menschen sollten lernen die Gefühle und das Verhalten des Gegenübers zu beobachten und zu verstehen. Dann erkennt man vielleicht auch, warum jemand auf eine bestimmte Weise handelt und lernt somit andere zu verstehen. Ich denke dadurch würde es weniger Hass, Gewalt und Krieg geben.

DH: Ist es wichtig für Euch anders bzw. eigenständiger zu klingen als andere Bands?

Über so etwas machen wir uns gar keine Gedanken. Wir schreiben einfach Songs, die uns selber gefallen. Wir achten nicht drauf, dass es einen besonderen Klang haben muss oder irgendjemanden gefallen muss. Dabei entsteht dann von ganz alleine der typische ?Mono Inc.?-Sound.

DH: Wie verbringt ihr eure "Day off" Tage?

Auf der Tour mit Subway to Sally im April hatten wir nur zwei Off- Days. Diese haben wir in unserem Bus verbracht. Wir haben es uns an den Tagen so richtig gut gehen lassen und uns einfach nur erholt. Zu Essen gab es Antipasti, 1 kg Scampi in Knoblauch, Rotwein und dazu wurde DVD geguckt, so dass wir am nächsten Tag gut erholt auf der Bühne stehen konnten. Auf der jetzigen Tour mit ASP ist es so, dass wir 10 Shows am Stück gespielt haben. Darauf folgten dann zehn freie Tage und nun geht es los auf die zweite Tourhälfte. In den freien Tagen hat jeder von uns etwas anderes gemacht. Ich war zum Beispiel das erste mal seit langem eine ganze Woche im Urlaub und freue mich nun so richtig auf die zweite Tourhälfte.

DH: Hattet ihr die Möglichkeit euch irgendwas Interessantes anzuschauen?

Nein, dazu kommen wir selten. An Off-Days steht der Bus ja meistens schon vor dem nächsten Club. Ab und zu findet man dann Zeit sich mal kurz ein wenig die Innenstadt anzuschauen oder so. Von den meisten Städten bleibt uns aber nur in Erinnerung, ob die Duschen im Club oder der Halle schön waren oder ob es Spiegelei beim Frühstück gab.

DH: Wie muss man sich euer Tourleben vorstellen? Seid ihr typische Rockstars, die grosse Partys feiern und Hotelzimmer zerstören? Oder geht es nach der Show eher besinnlich und harmonisch zu?

Das ist verschieden. Also wir zerstören definitiv keine Hotelzimmer und keine Nightliner, weil das für uns nicht besonders viel mit Rockstar sein zu tun hat. Wir haben schliesslich auch überhaupt keinen Bock die Tage nach der Party in einem kaputten Hotelzimmer oder einem kaputten Bus zu schlafen. Wichtig ist uns, dass wir den Fans jeden Tag eine konstant gute Show bieten zu können. Das bedeutet, jeder kann jeden Abend so viel feiern und trinken, wie er gerne mag, solange er am nächsten Tag zum Soundcheck wieder fit ist. Wir feiern also gerne mal abends (vor allem nach einer gelungenen Show) und schauen auch gern an Off-Days mal zu tief ins Glas. Bei vierzehn Tagen auf Tour gibt es allerdings genauso die Tage, an denen man nach der Show ziemlich früh ins Bett fällt und einfach mal alleine in Ruhe einen Film guckt oder so.



DH: Nennt mir drei gute Gründe, warum man dieses Album unbedingt kaufen sollte.

Weil es einfach kickt, zu Tränen rührt und nachhaltig bewegt!

DH: Wenn man solche Musik mach, fragt man sich, was ihr wohl sonst so für Musik hört?

Wir haben alle recht unterschiedliche Musikgeschmäcker. Bei allen liegt das aber irgendwo zwischen Gothic, Rock, Wave, Metal, Pop und Punk, nur halt unterschiedlich ausgeprägt. Während Martin mehr aus der Wave-Gothic-Ecke kommt, stehen Carl und ich mehr auf Rock und Metal. Manu ist mehr so der Alternative. So ist von allem etwas dabei.

DH: Wie sehr fühlt ihr euch der "schwarzen Szene" angehörig?

Hmm, ich fühle mich in sofern dazugehörig, dass ich die ?schwarze Szene? als eine sehr emotionale, gefühlvolle Szene kennen gelernt habe, eine Szene aus Menschen, die viel nachdenken, aber trotzdem lebensfrohe Menschen sind. Da passen wir schon gut rein. Ausserdem macht schwarz bei Kleidungsstücken doch so schön schlank. ;-)

DH: Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Euch alles Gute für die Zukunft!

Wir haben zu danken!

Interview: Claudia Wagner (Dark Heart Magazin)
Katha Mia (Mono Inc)