Mechanical Moth



DH: Wie kam es zur Gründung von Mechanical Moth und wieso habt Ihr diesen Bandnamen gewählt?

Tandrin: Nach einigen Bands wollte ich endlich einfach mal genau das machen, wozu ich wirklich Lust hatte, die Ideen in meinem Kopf ohne Kompromisse umsetzen. Nach einer Sängerinsuchodysee fand ich nach einem halben Jahr endlich Matricide. Zusammen erdachten wir uns dann den Namen "Mechanical Moth". Der Name sollte einerseits zu unserer Musik einfach passen, andererseits sie mit all ihren Gegensätzen umschreiben. So steht die weiße Motte für die filigrane Eleganz, das Wesen der Nacht und doch weiß als Gegensatz zur Dunkelheit. Das Mechanische steht für die Kraft und das künstliche der Musik. So schizophren unsere Musik ist, so doppelseitig und -deutig ist auch unser Name.

Matricide: Tandrin traf ich das erste mal in Steinbruchtheater in Darmstadt. Seine Dreads waren gerade mal schulterlang. Er trug einen Samtumhang und war grade am tanzen. Irgendwie hat uns dann einer einander vorgestellt. Nach einem Gastauftritt in seiner damaligen Band war erst mal Sendepause, bis ich ihn dann vor dem besagten Steinbruch wiedertraf. Dann hat sich alles recht schnell ergeben.

>DH: Eure Musik würde ich beschreiben als eine Mischung aus Electro, EBM, Synthie-Pop und Darkwave. Wie würdet Ihr selbst Eure Musik beschreiben?

Tandrin: Das kommt schon irgendwie hin. Schließlich verwenden wir durchaus diese und auch andere Stilmittel. Aber ich würde ganz persönlich nur die Musik auf "Fallen Into You" umschreiben, da wir recht verspielt sind und nie wissen, welcher Stil das nächste Lied prägt. Wir lassen uns da ganz von Lust und Laune leiten. Nun... Auf "Fallen Into You" durchlebt unsere Musik verschiedenste Ausdrucksformen, ebenso wie das behandelte Thema, das Seelenleben an sich, angefüllt ist mit den unterschiedlichsten Gefühlen und Situationen. Dabei rauschen wir quer durch alle möglichen elektronischen Stile, je nachdem welcher zu dem Thema paßt. Am Beispiel "The Devil Inside": Um einen dreckig wütenden Blutrausch im Selbstgeständiss zu umschreiben reichte mir einfach der kalte präzise Hass der Elektronik nicht mehr und es mußte eine Gitarre rein um es dem Text entsprechend wild zugehen zu lassen.

Matricide: „Musik-die-ich-mag“ ?! Klar Schubladen müssen irgendwie sein auch wenn ich sie nicht leiden kann, irgendwie brauch man eine Einteilung wo man steht. Für mich ist unsere Musik eben primär Musik, die mir Spaß macht, mich fordert und uns immer wieder neue Aufgaben stellt. Wer weiß, was nach dem zweiten Album kommt. Ich persönlich würde gerne mal richtig geilen Gothic-Metal machen.



DH: Habt Ihr bestimmte Vorbilder oder Bands, die Euch in Eurem musikalischen Wirken besonders geprägt haben?

Tandrin: Wenn dann die gesamte schwarze Szene, mit ihrer Musik, dem Style und den ganzen Leuten die sie prägen. Ich habe sie als Ganzes lieben gelernt und so entsteht unsere Musik. Wir haben keine spezielle Band als Inspiration, weil wir einfach nicht versuchen etwas Bestimmtes zu machen, sondern unseren eigenen Gedanken und Wünschen freien Lauf lassen. Wir haben selbst viel zu viel im Kopf, als das wir uns bei anderen "bedienen" müßten. Wenn wir mit anderen Bands verglichen werden und man sagt, das oder jenes Lied klingt wie XY von Band Z, dann zucken wir mit den Schultern und sagen: "Kann sein, keine Ahnung." Andererseits bin ich immer stark inspiriert nach Livekonzerten, vor allem wenn wenig Playback und viel Liveeinsatz mit drin ist. Meine Ideen sind dann zwar völlig anderer Natur und es kommt was völlig anderes bei raus. Aber irgendwie haben mich die Musiker auf der Bühne inspiriert. Vielleicht bringen sie mir auch einfach die Animation noch mehr zu machen, noch weiter zu gehen, noch mehr von meinen Innereien zu Noten zu konvertieren.

Matricide: Gute Sänger/innen prägen mich immer noch. Da ist es auch egal aus welchem musikalischen Bereich sie kommen.

DH: Euer Debut heißt "Fallen Into You". Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD und wo fanden sie statt?

Tandrin: Zuerst brauchte ich ein halbes Jahr um Hard- und Software zusammenzukaufen und zu lernen damit umzugehen. Dann kam etwa ein Jahr intensive Zusammenarbeit mit Matricide. "Dead Roses" ist das einzige Instrumental gewesen das ich gemacht hab, bevor ich mit Matricide anfing zu arbeiten. Danach kam noch etwa ein halbes Jahr Bookletbastelei, Premastering und Labelarbeit (Veröffentlichungsvorbereitungen etc.). Macht summa sumarum 2 Jahre Produktion. Mechanical Moth nimmt in meinem kleinen Wohn-Ton-Studio auf. Studio kostete so ziemlich alles an Finanzen, was ich da so hatte. Das ganze nenne ich liebevoll "Manufaktur Nocturna", was daher rührt, das ich Nachts zu arbeiten pflege. Nunja... außer den Gesangsaufnahmen, es gibt ja sowas wie Nachbarn...

DH: Das Album wirkt insgesamt sehr düster und ist geprägt von einer dunklen Atmosphäre. Seid Ihr in einer besonderen Stimmung gewesen, als ihr an dem Album gearbeitet habt?

Tandrin: Wir lassen in unsere Lieder oft unsere momentanen Gefühle mit einfließen. Aber wir mögen es insgesamt, Klischee hin oder her, am liebsten tragisch, romantisch, düster, hoffnungslos etc... kurz: schwarz. Und wenn uns da (glücklicherweise) grad nichts passendes bewegt, fangen wir einfach an, in unserem Gedächtniss herumzukramen. Da findet sich genug Material. Und es geht gut voran. Es scheint da einiges zu geben, was raus will.

Matricide: Viele Textideen kommen aus meiner Beziehung, die schlecht lief (und es immer noch tut). Was mich daran stark wundert ist, dass er genau weiß warum ich „Hope“ oder „Herz aus Stein“ geschrieben habe, aber sich nichts ändert.. Wäre ne Idee für nen neuen Text...

DH: Der Song "Dead Roses" auf dem Album gefällt mir besonders gut. Wovon handelt.das Lied?

Tandrin: Unsere Texte sind generell so geschrieben, das jeder seine persönliche Interpretation finden kann. Jeder soll sich selbst ein Bild davon machen, was die Texte für ihn bedeuten. Jeder identifiziert sich ja anders mit verschiedenen Themen. Aber ich will mal meine eigene Sichtweise zu diesem Song geben: Es geht um die Vergänglichkeit der Liebe. Parabelhaft werden zwei Stränge verwoben, einerseits das Verblühen der Rose, eine leicht zugängliche Metapher. Andererseits die Gedanken einer Frau zur Liebe, ihre Fragen über eine ungewisse Zukunft. Ihre Hoffnung, aber auch ihre Verzweiflung. Ich hoffe mal, das ich die Vorstellungen und Ideen anderer Leute damit nicht einschränke.

Matricide: Als ich die ersten Zeilen zu Dead Roses schrieb hatte ich das Bild einer traurigen, einsamen, blassen Frau im Kopf. Diese trauert über das vergehen einer Rose und zieht Parallelen zu ihrer Liebe. Aber wie gesagt, ich möchte nicht zu viel erzählen. Jeder Song hat für jeden einzelnen eine persönliche Bedeutung, die ich jetzt hoffentlich nicht untergraben habe.



DH: Woher nehmt Ihr die Ideen für Eure Songs? Wovon lasst Ihr Euch zu bestimmten Texten oder Melodien inspirieren? Hattet Ihr manchmal das Problem, dass ihr gedanklich mit einem Song eigentlich viel weiter seid, als er letztlich in der Produktion ist?

Tandrin: Die Ideen der Texte sind teils fiktiv, teils aus unserem eigenen Erlebnissen und teils auch inspiriert durch die Erlebnisse anderer. Aber im Grunde können es Dinge sein, die jeden mal beschäftigen. Ich könnte nicht erklären, wie ich meine Melodien erdenke. Sie entstehen einfach. Mal hab ich einen Brocken im Kopf und arbeite ihn aus. Manchmal schreibe ich ein komplettes Ding in ein paar Minuten und frage mich danach wie ich das gemacht hab, manchmal grübele ich auch Monate über einer Melodielinie bis auch die letzte Note da ist, wo ich sie wirklich haben will. Und das Ganze ist dann fertig, wenn ich das Gefühl hab, das das jetzt "richtig" und vollendet ist. Aber prinzipiell würde ich sagen, unsere Songs wachsen. Am Anfang steht seltenst ein komplettes Konzept, sondern nur eine kleine Idee, welche dann manchmal sanft, manchmal recht wild Wurzeln schlägt, und ganz plötzlich ist das Lied fertig, mit Text und Gesang, Rhytmus und Melodie.

DH: Viele Songs auf dem Album sind auch für die Tanzfläche geeignet. War dies ein besonderes Kriterium bei der Produktion? Wie wichtig ist Euch Clubkompatibilität? Hättet Ihr auch Interesse an Remixen Eurer Songs?

Tandrin: Wie bereits erwähnt machen wir grad das worauf wir Lust haben und wie die Stimmung grad ist. Aber eine Menge der Rhytmik kommt sicher daher das wir beide Discogänger sind und auch oft tanzen. Liegt uns irgendwie im Blut. Wir haben da auf nichts besonderen Wert gelegt, außer das es uns beiden gefällt. Wir wissen daher auch nicht was uns die Zukunft bringt, außer das wir unbedingt weiter machen wollen. Die Zusammenarbeit mit anderen Musikern und Künstlern (auch im visuellen Bereich) liegt uns sehr am Herzen. Wir würden gerne mal unsere Fähigkeiten mit anderen kreuzen, nur um zu sehen was dabei herauskommt. Und das betrifft nicht nur Remixe. Wir freuen uns schon sehr auf Zusammenarbeiten. Es ist einfach unsere Experimentierfredigkeit, die uns treibt.

Matricide: Abgesehen davon sind Clubsongs meist schnell und aggressiv. Die lassen sich nicht nur besser tanzen, sondern habe die besondere Eigenschaft „Dampf abzulassen“. Deshalb haben Lieder mit viel „Rumms“ :-) eine sehr entspannende Wirkung. Ich brauch das persönlich einfach. Solche Clubtracks auch selber zu performen macht dann natürlich noch mehr Spaß. Drauf gestrebt haben wir aber nicht. Die Lieder sind mit der Zeit gewachsen und das geworden was sie sind.

DH: Wie wichtig ist Euch die Musik als künsterlische Ausdrucksform? Möchtet Ihr mit Eurer Musik etwas bewirken oder erreichen?

Tandrin: Für mich ist Musik genauso wichtig wie jede andere Kunstform. Es ist halt das, was wir am besten beherrschen. Wollen wir etwas bewirken oder erreichen? Das ist schon recht weit gefasst. Was uns freuen würde, ist wenn wir die Menschen durch unsere Texte dazu bringen könnten, über bestimmte Themen nachzudenken nachdem sie sich mit unserer Musik auseinandergesetzt haben. Vielleicht sogar zu der einen oder anderen neuen Sichtweise zu verhelfen. Aber ich kenne das von mir selbst: Manchmal möchte ich einfach auf die Tanzfläche gehen und einen ordentlichen Rhytmus und eine gute Melodie genießen und mir keine großen Gedanken machen, was da gesungen wird. Da lasse ich mich einfach von den durch die Musik an sich transportierten Gefühlen mitreißen. Also freue ich mich auch darüber, wenn Menschen einfach nur gerne darauf tanzen, ebenso wenn sie sich Gedanken darüber machen und mir vielleicht sogar ihre ganz persönliche Interpretation mitteilen. Daraus kann ich dann wieder lernen.

Matricide: Dazu kann ich nicht mehr viel sagen, da Tandrin und ich ja oft die gleiche Meinung haben was unsere Musik betrifft. Man kann schon sagen wir sind „musikalisch verheiratet“. Wahrscheinlich klappt es deshalb meist reibungslos einen Song zu produzieren. Abgesehen von der Tagesform und der Lust, die man hat.. aber jetzt schweife ich von Thema ab.

DH: Wird man Mechanical Moth dieses Jahr auch live auf der Bühne erleben können? Wird es eventuell eine Tour geben? Welche weiteren Pläne habt Ihr mit Mechanical Moth in naher Zukunft?

Tandrin: Wir werden mal versuchen dieses Jahr noch Live einiges auf die Beine zu stellen. Wir gehen da ein großes Experiment und Risiko ein. Wir planen mit einer Liveband auffzutreten und Playback so weit wie irgend möglich auszuschließen. Da wird aus so manchem Synthie eine Gitarre oder ein Bass, aus dem Drumcomputer ein Schlagzeug. Natürlich wird das akustische Ergebnis dann um einiges anders sein, aber die Inhalte und die Lieder an sich werden die selben sein. Wir finden einfach Livekonzerte mit einer Band wesentlich interessanter, also wollen wir auch darauf nicht verzichten. Eine gute Live-Show braucht natürlich etwas mehr Zeit als eine Instrumental - CD einzulegen und darauf zu singen. Aber es sieht so aus, als könnten wir unsere hehren Ziel auch schaffen. Die ersten Klänge innerhalb der Proben klingen schon recht vielversprechend. Die Elektropuristen wird das alles nicht so sehr freuen, aber die Leute die einfach ne gute Show sehen wollen, und ein bisschen was anderes hören wollen als die Albumversion werden definitiv ihre Freude haben.

DH: Was macht Ihr, wenn ihr nicht gerade Musik macht?

Tandrin: Ich studiere an der UNI-Darmstadt Germanistik, Anglistik und Geschichte. Dann arbeite ich noch (irgendwie wollen ja die Instrumente, die Kippen, die Cola und die Disco bezahlt werden), gehe in Discos und verbringe Zeit mit meiner Freundin. Manchmal vermischt sich das alles auch, wenn ich zum Beispiel meine Freundin, welche eine Tänzerin bei Seelenzorn (merken!) ist, zu einer Probe begleite und mit einem der Zörnler über Musikmachen oder etwas anderes rede, was fast immer dann doch irgendwie die Musik betrifft. In diesen Tagen...hmm... sagen wir mal in dieser ganzen Zeit momentan dreht sich fast mein ganzes Leben um die Musik... und um eine Frau mit roten Haaren. Sehr geil, aber auch sehr anstrengend.

Matricide: Ich studiere an der UNI Frankfurt Diplom Soziologie. Wenn ich dafür nicht gerade was tue, dann sitze ich am Computer und zocke Diablo2 (wahrscheinlich noch wenn ich 90 bin..), sehe mir Anime an, schreibe Texte, treffe mich mit Freunden oder besuche meine Eltern. Zwischendrin singe ich (nicht nur unter der Dusche). Samstags trifft man sich dann im Bruch oder Dienstags im Cave in Frankfurt. Die Zeit, die noch übrig bleibt verbringe ich mit Tandrin beim Musik machen.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Tandrin: Kinder! Macht das Zuhause nicht nach! Es kann zur Schädigung eures Geldbeutels, eurer Ohren und der Beziehung zu euren Eltern führen! Aber im Endeffekt ist es verdammt geil, macht einen heiden Spaß und ist all die Anstrengung wert. Jetzt mal in Ernst: An alle halbwegs hoffnungslosen Musiker da draußen: Macht einfach! Es ist scheiß egal was man euch sagt! Macht die Musik für euch selbst. Und wenn ihr mit dem Ergebnis zufrieden seid, gebt es ruhigen Vertrauens bei einem (oder mehreren) Labeln eures Vertrauens ab. Mann kann alles schaffen, wenn man sich nur zusammenrafft und nicht darauf hört, wie schwierig das alles sein soll. Die Musik ist in euch, und nur der innere Schweinehund steht dem Herauslassen im Weg! ...Bin ich jetzt etwas pathetisch geworden?

Matricide: Nein, dass nicht, aber darf ich auch noch mal was dazu sagen, du Quatschtante???:-)))) Ja, manchmal leider elterliche oder freundschaftliche Beziehungen darunter, wenn man seine Träume verwirklichen will. Erst recht, wenn Menschen, die einen nicht kennen auf einmal nett sind, oder Menschen, die man schon kannte der Meinung sind man wäre arrogant. Mann, scheiß drauf! Singen ist alles was ich immer machen wollte! Solange du dich wohl fühlst und mit dem zufrieden bist was du machst...was willst du mehr??!?!?! So: Ende.

Interview: Andreas Ohle