Midas Factory



DH: Seit wann existieren Midas Factory eigentlich? Könnt Ihr Euch noch daran erinnern, wie es zur Gründung der Band kam? Was bedeutet der Bandname eigentlich?

Midas Factory: Ende 1988 haben ein Freund und ich mehr aus einem Scherz heraus angefangen Musik zu machen. Da er bereits drei Akkorde spielen konnte, ich dagegen nur zwei war er der Gittarist und ich der Sänger.

Midas war ein phrygischer König, der um das Jahr 700 v Chr. im heutigen Anatolien herrschte. Bekannter ist aber seine Rolle in der griechischen Sagenwelt. Berühmt für seinen Reichtum, soll Dionysos ihm den Wunsch gewährt haben, das alles was er fortan berühre zu Gold werde. Ein trügerisches Glück wie man sich unschwer vorstellen kann, denn ohne die Möglichkeit zum Essen oder Trinken und verlustig jeder menschlichen Nähe bleibt jeder noch so große Reichtum letztlich völlig sinnlos. Ferner soll er sich in einem Sangeswettbewerb zugunsten von Pan entschieden haben, woraufhin der unterliegende Apoll ihm aus Rache Eselsohren anhexte.

DH: Eure Musik würde ich beschreiben als eine Mischung aus Rock und Wave. Wie kommen diese musikalischen Einflüsse zustande? Gab es da in Eurer Jugend besondere musikalische Vorprägungen? Würdet Ihr Euch eher als eine Rockband oder als eine Waveband bezeichnen?

Midas Factory: Bei uns ist es eigentlich schon immer so gewesen, das Songs nicht alleine im Dachkämmerlein entstehen, sondern vielmehr aus Sessions während der Proben. Insofern sind musikalische Einflüsse weniger geplant oder konstruiert, sondern vielmehr eine Fusion der Charaktere innerhalb der Band. Dunkelromantische Klangbilder sind dabei zwar meist das Ergebnis, sind aber kein bewusstes Ziel.

Einflüsse oder Vorbilder bestimmen zwar nicht die Art wie wir Musik machen, sind aber bestimmt, auch wenn nur unterbewusst, ein Teil eines jeden Bandmitglieds. Die Musik, die man privat hört, hat sicher immer Einfluss in die eigene Arbeit. Für mich sind dies Bands wie „And also the trees“, „the Cure“, oder auch „Pink Floyd“.

Martin K.: Pink Floyd, Can

Robert: Clan of Xymox, Red Lorry Yellow Lorry, Ride

Guido: Joy Division, New Order, Gary Numan



DH.: Auf der mir vorliegenden Promo-CD finden sich 5 sehr gelungene Wave/Rock Nummern. Besonders gut gefällt mir der Song "Song For A Filial Mind". Wovon handelt das Lied und wie entstand die Idee zu diesem Song?

Midas Factory: Wie gesagt eine Idee zu dem Song gab es so nicht, vielmehr mehrere Sessions die den Song langsam entstehen ließen und schließlich nur noch geordnet werden mussten. Zum Thema des Songs kann ich nur sagen, das ich mir natürlich dabei etwas gedacht habe, ich dazu aber nur ungern etwas sagen möchte. Das würde den assoziativen Charakter, den Texte für mich haben sollten zerstören. Vielmehr sollte jeder die Möglichkeit haben Musik und Text seiner Stimmung entsprechend zu einer Einheit verbinden.

DH: Wovon handeln generell Eure Songs? Gibt es bestimmte Dinge, die Ihr sagen wollt?

Midas Factory: Nun, ich mag Texte die aufgrund ihres symbolhaften Charakters viel Freiraum für Phantasie lassen, ohne den Zuhörer in ein gefühlsmäßiges oder inhaltliches Korsett zu zwängen. Texte entstehen aus Stimmungen, Bildern oder Träumen und genau das ist es was beim Zuhörer entstehen sollte, eine Auszeit, ein Stück Freiheit um die Gedanken fliegen zu lassen.

DH: Was bei Midas Factory auffällt ist der besondere Kontrast zwischen Emotionen und Gefühlen, die in Eurer Musik zum Ausdruck kommt. Gab es während den Studioaufnahmen zu der CD eine besondere melancholische Atmosphäre? Seid Ihr selber melancholische Menschen?

Midas Factory: Also, Melancholie ist ein Teil des menschlichen Wesens, man kann Ihr begegnen, Sie als Teil seiner Selbst annehmen und Sie in Kraft umwandeln, oder Sie verleugnen und ignorieren. Das bleibt jedem selbst überlassen. Ich sehe mich selber nicht als melancholischen Menschen, aber ich setze mich mit Ihr auseinander, begegne Ihr zuweilen und benutze Musik um ihr entgegenzutreten.

So war es bei den Aufnahmen eher eine fröhliche, gelöste Stimmung. Melancholische Musik bedingt nicht melancholische Menschen, es ist ihre Form der Auseinandersetzung damit.



DH: Beim Hören Eurer Songs fühlt man sich unweigerlich in ein andere Welt und Zeit versetzt. Habt Ihr manchmal das Gefühl in anderen Zeit leben zu wollen?

Midas Factory: Das empfinde ich als großes Kompliment, da es unsere Musik nicht nur als homogene Einheit beschreibt, sondern auch zeigt, dass andere Menschen dieses Gefühl nachvollziehen können. Was nicht heißen soll, das ich gerne in einer anderen Zeit leben würde, jeder Zeit ist nur so wertvoll oder so gut, wie man sie sich selber gestaltet. Dennoch kann ich dieses Gefühl ganz gut nachempfinden, da es mir selber bei „And also the trees“ genauso geht.

DH: Du, Martin, bist Sänger bei Midas Factory. Was bei Midas Factory besonders auffällt, ist die große Bandbreite des Gesangs, der von rockig & wavig ("Live In A Circle") bis hin zu zerstörerisch psychopathischen Tendenzen ("Down In The Valley") geht. Wie kommt diese große Bandbreite zustande? Gibt es Songs, die Deiner Meinung nach, einfach auf eine besondere Art und Weise gesungen werden müssen?

Midas Factory: Songs haben für mich immer auch einen Spirit. Text, Gesang und Musik bilden eine Einheit, denen Gefühle oder Geschichten zugrunde liegen. Insofern gibt es schon eine Art und Weise wie ein Song gesungen werden sollte. Manchmal ergibt sich dies wie automatisch, manchmal aber muss man auch nach einer Einheit suchen, die im Song verborgen ist.

DH: Seit kurzem haben Midas Factory einen Neuzugang zu vermelden. Euer neuer Schlagzeuger heißt Robert Rasemann. Wie kam der Kontakt mit Robert zustande? Habt Ihr das Gefühl, dass Euch dies neue kreative Energien gibt?

Midas Factory: Das stimmt so nicht ganz, denn eigentlich sind es zwei Neuzugänge, da auch Martin Klein im November 2004 zur Band gestoßen ist, nachdem er bereits 95/96 zur Besetzung gehörte. Zu Robert kam der Kontakt über eine Anzeige zustande, die wir im letzten Sommer aufgeben hatten und nachdem wir einen Proberaum gefunden hatten und auch Martin Klein Lust verspürte noch mal Musik zu machen, war es nach einer Probe schon klar, das wir alle in ähnlicher Art an Musik herangehen und diese erleben. Das ist es, was einen Song entstehen lässt und Kreativität freisetzt, die Möglichkeit seine Gefühle ohne Beschränkung einzubringen und ohne dabei einen Fehler machen zu können.

DH: Was sind Eure weiteren Pläne mit Midas Factory? Wird es die Band mit ihrem neuen Line-Up demnächst live zu sehen geben? Arbeitet Ihr derzeit an einem Fulltime-Album oder ist dieses zumindest in Planung?

Midas Factory: Wahrscheinlich werden wir am 25.06. in der Art Factory in Dünnwald (Dünnwalder Mauspfad 341, Köln) auftreten und für den Herbst haben wir vor einige Gigs zu spielen und wenn weiterhin in der momentanen Geschwindigkeit Stücke entstehen, ist es nur eine Frage der Zeit, wann neue Aufnahmen anstehen.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Interview: Andreas Ohle