Metallspürhunde



DH: Das letzte Mal, als ich Euch interviewte erschien gerade Euer Album „Amokmensch“. Was ist seitdem alles bei Euch passiert?

Wir haben in der Zwischenzeit viele Konzerte gegeben, und schon sehr bald nach Amokmensch begannen wir damit, neues Material zu schreiben. Zwischendurch brachten wir auch noch die Single „Was hat Dich bloss so ruiniert“ heraus, mit der wir einigen Erfolg hatten. Es war also einiges los und wir hatten gut zu tun!

DH: Jetzt erscheint mit „Böse Wetter“ dieser Tage Euer neues Album. Hat der Titel des Albums für Euch eine besondere Bedeutung? Wie seid Ihr auf die Idee gekommen das Album so zu nennen?

Wir hatten nach einem passenden Titel für den Song "Böse Wetter" gesucht, der sich mit den Untergründen und Schatten der Psyche befasst. Der Titel sollte die beklemmende, leicht bedrohliche Atmosphäre des Songs wiedergeben, und so kam die Idee auf, einen Begriff aus der Bergmannssprache zu wählen. "Böse Wetter" bezeichnet im Bergmannsjargon die Luft unter Tage, wenn sie mit Giftstoffen versetzt ist und es für die Arbeiter gefährlich wird. Wir haben dann gemerkt, dass das eigentlich auch die Stimmung des ganzen Albums perfekt wiedergibt, und so haben wir den Titel auch fürs Album gewählt.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der neuen CD und wo fanden die Aufnahmen statt? Gab es besondere Ereignisse oder Erlebnisse, die Euch bei der Produktion des Albums beeindruckte?

Die Rohfassungen der meisten Songs entstehen in Michels Studio, die Schlussproduktion findet dann bei Tom statt. Gemastert hat das Ganze wieder unser Labelpapa Bruno Kramm im Danse Macabre Studio. Das Ganze dauerte diesmal ziemlich lange: Die Intensivphase am Schluss dauerte etwa 4 Monate, aber wir hatten bereits vor 2 Jahren mit den ersten Arbeiten angefangen. Das Album war ja viel früher geplant, aber es gab immer mal wieder Turbulenzen im Privatleben, welche die Arbeiten vorübergehend zum erliegen gebracht haben: Der eine hat einen neuen Job angefangen, der andere hat seinen verloren, Umzug, Beziehungswechsel etc...es war irgendwie echt viel los!

DH: Der Sound von „Böse Wetter“ klingt oft viel düsterer und bedrohlicher als bei Eurem letzten Album. Wie kommt es, dass „Böse Wetter“ vom Gesamteindruck her so finster geworden ist? Hat Euch die Produktion dieses Albums verändert?

Wir glauben, es kommt ziemlich kompromisslos rüber, und das trägt vielleicht dazu bei, dass man es als finsterer wahrnimmt. Zudem ist die Grundstimmung recht melancholisch, und es hat ein, zwei finstere Texte...aber gleichzeitig sind die Songs mitreissend wie nie zuvor, was unserer Meinung nach die Stimmung wieder aufhellt! Wir hatten einfach grosse Lust, den Finger noch ein bisschen mehr in die Wunde zu drücken, das ist alles. Es kann aber gut sein, dass wir ihn bei der nächsten Produktion wieder mehr rausnehmen. ;-)



DH: In den Texten Eures neuen Albums wird deutlich Kritik an der modernen Gesellschaft geübt und das Ende der Zivilisation vorhergesagt. Denkt Ihr, dass ein Ende nicht auch immer ein Neuanfang bedeuten kann?

Doch, auf jeden Fall! Vermutlich findet der Neuanfang ohne die Spezies Mensch statt, das könnte der Haken sein. Wie auch immer, ein Neuanfang ist nicht ohne Verluste möglich, das wird zuerst einmal wehtun. Aber wie heisst es im Song "Böse Wetter": "Wir werden kämpfen, solang es geht"!

DH: Ist es - Eurer Ansicht nach - möglich den eingeschlagenen Weg der Menschheit überhaupt noch zu ändern oder ist das Ende unausweichlich? Habt Ihr persönlich Angst vor immer neuen Katastrophen, die die Menschheit heimsuchen?

Man sollte sein Leben nicht von der Angst bestimmen lassen. Man kann sie aber hübsch in kleine Songs verpacken, dann verliert sie vielleicht ihren Schrecken, haha! Aber wir glauben schon, dass es kein gutes Ende nimmt mit der Menschheit. Es liegt einfach in der Natur des Menschen, dass er nach immer mehr Profit strebt, und dieses Denken verhindert grundlegende Veränderungen. Trotzdem kann jeder einzelne einen Beitrag leisten und damit die Entwicklung eventuell positiv beeinflussen, man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben!

DH: In Songs wie „Wo gehst Du hin?“ ist auch viel Melancholie spürbar. Seid Ihr auch melancholische Menschen? Wovon handelt insbesondere das Lied „Wo gehst Du hin?“ ? Denkt Ihr es gibt eine Art von Ewigkeit?

Ah, interessante Frage...ja, man könnte den Song auch so auslegen, aufs Jenseits bezogen. So wie die Frage "Weisst Du, was auf Dich zukommt, 5 Minuten nach dem Tod?". Das hab ich damals mal in so einer christlichen Anzeige im Tram gelesen und dann für den Song "Odyssee" verwendet. Ja, man macht sich da so seine Gedanken, aber wir sind uns über die Ewigkeit nicht so einig, ist also schwierig zu beantworten. Aber eine melancholische Ader haben wir definitiv, das ist nicht abzustreiten. Aber doch nochmal zurück zu "Wo gehst Du hin?": Es ist eigentlich ein Song bzw. eine Frage an jemanden, der sein ganzes Leben vorwiegend auf den materiellen Besitz stützt. Ein Leben nach Plan mit klaren Zielen, wobei leider das Investment in Werte wie Freundschaft oder Liebe zu kurz geraten ist. Die Frage ist, ob sich das am Ende wirklich auszahlt oder ob immaterielle Werte nicht langlebiger sind.

DH: Auf der neuen CD scheinen diesmal mehr Songs zu sein, die das Zeug dazu haben richtig zu rocken und die Tanzfläche zu füllen. Habt Ihr bei diesem Album besonderen Wert darauf gelegt, dass Eure Musik auch in Clubs gespielt werden kann und soll?

Wir haben einfach Spass dran, wenns nach vorne geht und wir schwingen auch selber gerne das Tanzbein. Bisher hatten wir oft die Tendenz, die Songs zuzukleistern: hier noch eine dramatische Pause, dort noch ein paar Instrumente mehr etc. Von daher war das diesmal tatsächlich unser Wunsch, alles etwas zu straffen und klarer durchzuziehen, wieder mehr körperlich zu werden. Wir sind jetzt nicht mit dem Ziel hingesessen, einen Clubhit "auf sicher" zu schreiben, aber wir wollten den Songs diese Option zumindest nicht verbauen... ;-)

DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Punto-Omega, die einen Mix von „Die letzte große Fahrt“ zu dem Album beisteuern? Könntet Ihr Euch vorstellen eines Tages auch einmal ein ganzes Remix-Album zu veröffentlichen?

Wir hatten einen Remix gemacht für Punto Omega, der auf ihrem vorletzten Album erschienen ist. Er hat ihnen sehr gut gefallen und es war klar, dass sie für eine "Revanche" zur Verfügung stehen würden. Als wir dann die Single "Die letzte grosse Fahrt" planten, wollten wir gerne einen clubtauglichen Remix drauf haben und dachten dabei als erstes an Punto Omega. Sie sagten sofort zu, aber leider wurde der Mix wegen eines Harddisc-Crashs (wobei auch wesentliche Teile des neuen Punto-Albums flöten gingen...was für ein Alptraum!) nicht rechtzeitig fertig. Als er dann fertig war, waren wir so begeistert davon, dass wir ihn als Bonustrack aufs Album schmissen. Wir wollten eigentlich keinen Remix auf dem Album haben, aber der musste dann einfach drauf! Und ja, ein ganzes Remix-Album wäre reizvoll...etwas ähnliches ist sogar schon geplant, lasst Euch überraschen!



DH: Immer mehr scheint sich in der heutigen Zeit das Internet durchzusetzen und die herkömmliche CD vom Markt zu verdrängen. Wie seht Ihr die Entwicklung in der Musikszene im allgemeinen und für Euch als Band?

Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, von daher muss man das Beste daraus machen. Aber auch wir merken natürlich, dass mit CDs kein Geld mehr reinkommt, und da fragt man sich dann vielleicht irgendwann, ob sich der ganze Aufwand noch lohnt. Wir haben alle vier noch einen normalen Job nebenher, die Arbeitsbelastung ist nicht gerade gering.

Wir wollen aber nicht lamentieren, das Internet ermöglicht ja auch jede Menge spannende Möglichkeiten, die auch wir nicht mehr missen wollen! Es ist nur schade, wenn die Leute der Musik keinen Wert mehr zugestehen und es ok finden, sich die Sachen irgendwo gratis zu holen. Es ist nicht mal der finanzielle Aspekt, der uns nachdenklich macht, sondern viel mehr noch die Geisteshaltung, die dahinter steht.

DH: Wird es zu dem neuen Album auch wieder eine Tour geben? Habt Ihr für die nächsten Konzerte Euch etwas besonderes überlegt, um der düsteren Atmosphäre von „Böse Wetter“ gerecht zu werden?

Wir hatten ein grosses Release-Konzert in Zürich, bei dem wir erstmals Videoprojektionen verwendet haben. Das war spektakulär, aber vermutlich einmalig, sorry! Auch hatten wir einen Drummer dabei, der den Songs live noch mehr Wucht verleiht. Wir sind gerade am Abklären, für welche Dates er auch mit nach Deutschland kommt. Im Mai gibt es nämlich eine Tour, guckt doch einfach unter www.mshunde.ch. Unter anderem sind wir auch Teil der Danse Macabre Festival Tour, da werden dann noch weitere tolle Bands wie The Beauty of Gemina, Beati Mortui, Eisenfunk oder Kontrast mit dabei sein. Und es gibt sogar Tickets zu gewinnen! Aber das alles erfahrt Ihr auf unserer Website...

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute Und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Wir bedanken uns ebenfalls! Auch möchten wir allen Fans und Freunden danken, die uns unterstützen und ermutigen. Kommt doch einfach ans nächste Konzert und feiert mit uns, wir würden uns sehr freuen!

Interview: Andreas Ohle