Liberte




DH: Wie kam es eigentlich zur Gründung von Liberté? Seid Ihr zuvor schon musikalisch aktiv in anderen Bands gewesen?

Karsten: Ich habe vorher schon für mich komponiert und für andere Bands Texte geschrieben und produziert. Das hatte den Vorteil, dass ich genügend musikalische Erfahrungen für eine eigene Band sammeln konnte und so gründete ich 1998 LIBERTÉ. Nach mehreren Umbesetzungen waren dann die beiden heutigen Mitglieder Ines und Steffen endlich gefunden. Es war verdammt schwer und von schicksalhaften Umständen begleitet bis die richtigen Leute beisammen waren. Eigentlich mag ich zumindest in dieser Beziehung nicht an Zufall glauben.

Ines: Ich hatte vor LIBERTÉ bandtechnisch keine Erfahrungen. Ich habe nur stets und ständig gesungen und meine Umwelt wohl so "genervt", dass mich jeder gefragt hat, warum ich nicht versuche, in einer Band unter zu kommen. Schließlich hörte ich davon, dass LIBERTÉ eine neue Sängerin suchen und habe am 26.03.1999 das Vorsingen "bestanden". :o)

Steffen: Ich bin eigentlich mehr über die Technik zur Musik gekommen. Hab' schon immer an irgendwelchen Klangerzeugern/ Klangbearbeitungsgeräten rumgebastelt und damals ewig vor meinem C64 gehockt, um ihm Töne zu entlocken. Mit den Computern wuchsen dann die Möglichkeiten gepaart mit dem Interesse, nicht nur Töne, sondern auch Noten bis hin zum Arrangement zu kreieren, was dann in kleinen eigenen Kompositionen endete. Nebenbei habe ich stetig daran gearbeitet, mir ein eigenes Studio aufzubauen und an der SAE in Hamburg meinen Audio-Engineer zu machen. Etwa 1999 begann ich dann ersten Bands bei Produktionen zu helfen. LIBERTÉ bot ich aus Gefallen an der Musik im Jahre 2000 mein Studio zwecks Produktion an... Tja, die Musik hat mich zu mehr, als nur der Produktion angeregt...

DH: Eure Musik verbindet musikalische Einflüsse wie Gothic, Rock und Elektronik auf besondere Art und Weise miteinander. Ihr bezeichnet Euren Musikstil selbst als Dark Romantic. Was hat man sich darunter vorzustellen? Seid Ihr eher eine Rockband oder eine Gothicband?

Wie du schon sagst, verbinden wir viele Einflüsse miteinander. Wir bringen einfach unsere Vorlieben mit ein und schauen dann, was dabei heraus kommt.Im weitesten Sinne sind wir aber eher eine Gothic- denn eine Rockband...



DH: Was hat sich alles bei Euch ereignet, nachdem Ihr beim Sonic Seducer Bandwettbewerb 2002 mit Eurem Song "Near Dark" überraschend den zweiten Platz belegt habt? War dies für Euch eine große Motivation?

Nun, es war für uns wirklich eine große Überraschung. Der zweite Platz hat uns natürlich motiviert und bestärkt, obgleich danach nicht wirklich etwas passiert ist. Wir hatten in Hamm einen Auftritt beim Blackelben Festival, aber das war es dann auch schon. Aufmerksamkeit gab es wieder, nachdem Johannes Berthold einen Remix unseres Songs "Forever" gemacht hat.

DH: Euer Album "Romantique" klingt - wie der Name bereits sagt - sehr verträumt und melancholisch. Seid Ihr Menschen mit einem gewissen Sinn für Romantik? Ist Romantik nicht in unserer heutigen schnelllebigen Zeit schon fast so etwas wie eine Art Luxus?

Ja, wir sind romantisch! Oder mal so gesagt, welcher Mensch hat keine romantische Ader bzw. einen Sinn für's Schöngeistige? Sicher ist Romantik Luxus, aber doch auch notwendig, um nicht Stück für Stück seine Seele an die Wirklichkeit zu verlieren...

DH: Worum geht es auf dem Album "Romantique"? Wovon handeln die Texte des Albums? Gibt es bestimmte Dinge, die Ihr unbedingt auf diesem Album musikalisch umsetzten wolltet?

Das Album ist die Quintessenz aus unserem Schaffen der letzten fünf Jahre. Es beinhaltet eine tiefgreifende Weiterentwicklung, die Integration von Steffen als Produzent und einen gewissen Stilwandel, der nicht von der Hand zu weisen und auch durchaus gewollt ist. Unser Plattenvertrag und die Akzeptanz der Leute bei unseren Auftritten, zeigt uns einmal mehr, dass sich diese Phase der Weiterentwicklung und der Arbeit im Verborgenen gelohnt hat.

In unseren Texten finden sich jegliche Arten von Gefühlen wieder. Sie erzählen aber auch unsere Gedanken zu Themen wie dem Tod, oder Interpretationen von Träumen. Wir verarbeiten einfach, was uns umgibt und bewegt. Es gab keine Vorgaben für die CD, denn Kreativität sollte man nicht durch Vorgaben einschränken. Das Album sollte nur in sich stimmig sein, das ist alles.

DH: Das Album ist geprägt von einer düsteren Atmosphäre. Wie gestalteten sich die Aufnahmen zu der CD? Konntet Ihr diese Atmosphäre auch während der Studioaufnahmen zu der CD spüren?

Bei den abschließenden Aufnahmen zur CD läuft es doch eher technisch ab, also alles andere als düster, oder romantisch... So eine endgültige Aufnahme besteht ja eigentlich aus einem ständigen Wechsel von Aufnehmen und Anhören, in der Hoffnung, irgendwann zufrieden zu sein... ;o) Für die Aufnahmen der Gesangsparts ist jeder von uns an verschiedenen Tagen im Studio. Man kann sich so ganz auf das konzentrieren, was man macht und wird nicht von anderen abgelenkt. Es erleichtert aber auch die Arbeit des Produzenten, da er sich zu 100% der jeweiligen Stimme widmen kann. Wir sind natürlich froh darüber, dass wir es vermögen, auf unserem Album eine entsprechende Stimmung zum Ausdruck zu bringen, denn in fünf Jahren, welche neben der Kreativität auch von Studioumzügen, Rechnerabstürzen, Neukonzipierung etc. geprägt waren, kann ja so einiges daneben gehen.



DH: Beim Hören Eurer Songs fühlt man sich unweigerlich in ein andere Welt und Zeit versetzt. Habt Ihr manchmal das Gefühl, in einer anderen Zeit leben zu wollen?

Mag sein, dass man sich beim Hören von Musik schon mal in eine andere Welt entführen lässt. Aber meist sieht man gerade vergangene Zeiten wohl eher mit verklärtem Blick. Denn selbst, wenn einige Aspekte des Lebens zu einer anderen Zeit vielleicht lebenswerter erscheinen mögen, gibt es auch in jener Zeit Dinge, die einem nicht gefallen würden. Und das wird immer so bleiben, es liegt einfach in der Natur des Menschen...

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Endless" auf Eurem Album. Wie entstand die Idee zu diesem Song und wovon handelt das Lied?

Schwer zu erklären. Der Text ist in gewissem Sinne eine Traumdeutung des Schicksals. Quasi der Lauf des Schicksals als Endlosschleife. Es ist aber auch interessant, von unterschiedlichen Hörern, unterschiedliche Interpretationen zu hören...

DH: Ist die Musik von Liberté etwas, das man eher zuhause in Ruhe genießen sollte, als in einem Club/ Disco?

Wir würden sagen: Sowohl als auch. Es sind tanzbare Stücke wie Forever, Sehnsucht und Near Dark dabei, aber auch besinnliche Sachen wie Dedicated To... oder Until I Go. Aber letztendlich muss der Hörer entscheiden, denn es kommt ja immer auch auf die Stimmung an.

DH: Wann werden Liberté auf Tour gehen? Ist da bereits etwas in Planung? Welche weiteren Pläne habt Ihr nach Veröffentlichung Eurer CD? Arbeitet Ihr schon an neuen Songs?

Wir würden sehr gerne auf Tour gehen, aber das ist leider nicht so einfach. Viele Veranstalter halten nicht viel von Newcomerbands, da sie in ihren Augen zu wenig Publikum anziehen. Denn es entstehen ja auch Kosten usw., welche natürlich mit unbekannten Bands wesentlich schwerer wieder reinkommen. Momentan sehen wir uns nach einer Bookingagentur um, um uns in dieser Richtung bessere Chancen zu verschaffen.

Weitere Pläne? Man könnte es so sagen: Nach der CD ist vor der CD. Wir arbeiten schon seit geraumer Zeit an neuen Songs. Man darf also gespannt sein...

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Vielen Dank! Wir wünschen allen Lesern des Dark Heart Magazins eine gute Zeit und danken allen, die uns unterstützen. Wir sehen uns...

Interview: Andreas Ohle