Last Lament



DH: Erzählt uns doch bitte zunächst einmal, wie habt Ihr Euch zusammengefunden. Wie kam es zur Gründung von Last Lament? Wie ist Eure aktuelle Besetzung?

Torsten: Ich (Gitarren, Programmierung, Musik) hatte zunächst ein Bandprojekt am Laufen, in dem ich mit dem Sänger völlig unzufrieden war. André (Gesang, Texte)kannte ich schon von Der Insel, wo er früher Blackmetal aufgelegte. Ich habe Ihn einfach mal zum Probesingen eingeladen und war gleich überzeugt. Der Sängerwechsel war vollzogen. Mit der Zeit kam uns der Gedanke noch eine weibliche Stimme mit einzubauen, um das Klangspekrum und die Atmosphäre noch zu erweitern. Ende 1998 brachte dann André Anne (Gesang, Gitarren, Musik)mit zur Probe und sie improvisierte zu unseren Songs. Seitdem sind wir zu dritt.

André: Als ich damals als Dj auf der Insel ( Club in Berlin ) tätig war lernte ich Torsten kennen. Wir unterhielten uns oft über Musik und stellten fest, dass wir dieselben musikalischen Vorlieben haben. Da meine Band „ DeathInfektion“( 1991-98)sich genau zu diesem Zeitpunkt auflöste, und Torsten mir von den Problemen mit seinem damaligen Sänger erzählte, verabredeten wir uns einfach mal zum gemeinsamen Musizieren. Es war wie ein Wink des Schicksals, dass alles von Anfang gut klappte und so beschlossen wir von da an gemeinsame musikalische Wege zu beschreiten. Ich merkte bald dass eine weibliche Stimme als Erweiterung im Klangbild perfekt passen würde. Da ich Anne schon länger kannte und von ihrer guten Stimme wusste, konnte ich Torsten eine Sängerin wie aus dem Hut gezaubert präsentieren. Wie sich raus stellte war Anne genau das was wir suchten und sie passte perfekt zu unseren Songs. Zumal sie noch Gitarre spielt und damit Torsten beim Komponieren und Entwickeln neuer Lieder voll unter die Arme greifen kann. Wie man merkt es sollte wohl sein.

DH: In Eurer Musik entdecke ich viele verschiedene Musikstile wieder - Gothic, Folk, Electro und 80`er zweifelsohne - wie kommt es zu dieser besonderen Mischung? Welche musikalischen Einflüsse habt Ihr?

Torsten: Ich sprech mal nur für mich. Ich steh auf Klassiker, wie SISTERS, THE MISSION, THE CURE aber auch Elektrozeug, wie WUMPSCUT, SUICIDE COMMANDO, L’ÂME IMMORTELLE und so. Und Akustikgitarre macht einfach Spaß, deswegen haben wir auch ein paar folkige Songs. Naja, André und ich sind nunmal Kinder der Achtziger. Alles klar?

André: Meine Wurzeln liegen ähnlich, also auch die Klassiker S.o.M, Fields of the Nephilim,The Mission aber auch Wumpscut ,Apoptygma Berzerk oder eben Neo-Folk .Ansonsten natürlich diverse Rock und Pop Sachen. Manchmal auch Metal von Black, Death , Gothic ,Doom bis Thrash -Metal. Der Blick über den Tellerrand ist wichtig, um verschiedenste Einflüsse in die Musik einbringen zu können. Man wird dann von so vielen Klängen inspiriert, daß man versucht diese Inspiration in neuen Songs zu verarbeiten . Man wählt dann automatisch andere Klangmuster, Songstrukturen und Instrumente aus. Ich glaube, dass daher die unterschiedlichen Einflüsse in unserer Musik stammen..



DH: Denkt Ihr, dass Ihr mittlerweile Euren eigenen musikalischen Stil gefunden habt? Gibt es in der Band ein harmonisches Zusammenspiel - ergänzt Ihr Euch in gewisser Form?

Torsten: Ja, eigener Stil, das ist schwer zu sagen, da wir die Musik so aus dem Bauch machen. Das da keine Trallala-Popsongs rauskommen, passiert automatisch (wasn Glück). Innerhalb der Band gibt es ein harmonisches Zusammenspiel, natürlich immer mit Kompromissen. Es kann nicht jeder 100%-ig seinen Kopf durchsetzten. Wir sind schließlich eine Einheit! Was am Ende rauskommt, habt Ihr ja gehört. Wir sind mit dem Endprodukt (natürlich) immer zufrieden und glücklich! Mit Anne habe ich eine prima Ergänzung, weil sie nicht direkt aus der Gothicrichtung kommt, und andere Ideen mit einbringt.

Anne: Im Grunde versuchen wir uns an möglichst verschiedene Richtungen ranzutasten. Abwechslung ist uns da sehr wichtig, um uns gerade nicht an bestimmten Stilen festzusaugen. Anfangs hatte ich Probleme mich in die Musik reinzudenken, da ich eher in rockigeren Schienen verankert bin. Seitdem ich mit Torsten die musikalischen Parts bearbeite, haben wir auch gelernt beide Interessen zu vermengen.

André: Ich denke schon, dass unsere Stärke darin liegt Goth-Rock , Neofolk und Electrosounds zu kombinieren. Dadurch entsteht für den Hörer ein interessantes Spektrum, dass für jede Menge Abwechslung sorgt. Es kann nur von Vorteil sein wenn nicht jeder Song auf einem Album gleich klingt. Denn nichts ist für den Hörer langweiliger als Monotonie. Insofern haben wir schon unseren eigenen Stil gefunden. Wir ergänzen uns sehr gut, wie ich denke, denn es gibt eine gewisse Arbeitsteilung. Anne und Torsten machen die Musik und die Sounds und ich kümmere mich um die Texte und Gesangslinien. Wenn Anne singt, arrangiert sie ihre Linie natürlich selbst oder wir versuchen uns bei manchen Songs auch gegenseitig zu beraten.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album "Private Hell"? Wo fanden die Aufnahmen zu dem Album statt? ."Pivate Hell" klingt sehr sakral und düster. Fanden die Aufnahmen in einer besonderen Umgebung statt der Musik entsprechend?

Torsten: Die Aufnahmen dauerten ca. ein Jahr. Wir hatten haufenweise Probleme mit unserer Software, dann beendete Anne Ihre Ausbildung und André ist Papa geworden. Bei mir war der Schichtdienst meistens das Hindernis! Aber wir haben es geschafft!Aufgenommen wurde PRIVATE HELL komplett bei mir zu Hause. Von daher war es schon eine besondere Umgebung.

Anne:..... und eigenwillige Umstände.

André: Zeitweise dachten wir, dass ein Fluch auf uns liegt, so viel Pech wie wir mit den Geräten hatten.Oh mann das glaubt keiner. Es ist wie ein Wunder, dass wir es doch noch geschafft haben dieses Album fertig zu stellen. Vielleicht klingt das Album deshalb so düster und sakral. Nein jetzt mal im Ernst, es steckt schon eine Menge Arbeit in der Entwicklung dieses Sounds. Insbesondere Torsten und Anne haben viel mit Samplern und Effekten gearbeitet, um diesen Sound zu kreieren. Da ich mich viel um meine kleine Familie gekümmert habe, blieb ein Löwenanteil der Songentwicklung bei Anne und Torsten hängen. Sie haben viel Herzblut in diese Album gesteckt. Beim nächsten Album klappt alles besser, da wir inzwischen mit anderen Sachen arbeiten, mit denen alles problemlos funtioniert.


DH: Besonders gut gefällt mir auf dem Album der Song "Autumn". Wovon handelt das Lied? Wovon handeln generell Eure Songs? Gibt es Themen, die Euch besonders am Herzen liegen?

André: Der Song Autumn handelt vom Verlust einer bestimmten Person . Es geht um den Verlust, den Schmerz, die Trauer und das Problem mit der Situation umzugehen und damit zu leben. Generell kann man sagen, dass es sich bei Private Hell um ein Konzept handelt. Es geht um die verschiedenen kleinen privaten Höllen der Gesellschaft. Situationen in denen sich jeder schon mal befunden hat oder in die er einfach hineinrutscht, ohne was dafür zu können. Oder eben Situationen in den sich bekannte Personen befinden oder befunden haben . Zum Beispiel Einsamkeit (Alone), Verzweiflung (Nothing but Living, Poison ) ,Drogensucht (Pharmadise),Trauer (Autumn) und Depression (Pain). Eben die Hölle die sich im Privaten der Personen abspielt. Man braucht kein Fegefeuer und keinen Teufel aus der Bibel, die privaten Höllen schaffen wir uns selbst. In anderen Songs werden auch Phantasie, Themen aus dem Bereichen Mythologie und Religion geboten. Am Herzen liegen mir immer Themen, die eine wahre Begebenheit als Hintergrund haben oder Themen die interessante Geschichten zu Grunde liegen haben.

DH: Wie entsteht ein Song bei Euch? Gibt es da eine Art Geheimrezept? Wie funktioniert der Prozeß des kreativen Songschreibens bei Euch?

Torsten: Nein, ein Geheimrezept gibt es nicht. Ich nehm mir meistens einen Text von André vor, überlege, was für ein Tempo passen würde, starte den Rechner, oder nehme erstmal nur die Gitarre in die Hand. Das Austüfteln mache ich dann gemeinsam mit Anne. Auf das Rohgerüst bauen die beiden dann Gesangslinien. So wächst der Song.

André: Es ist unterschiedlich, mal ist die Musik zuerst da, aber oft vertonen wir auch mal einen fertigen Text. Beides klappt ganz gut.

DH: Nun ist "Private Hell" sicherlich ein Album, dass der Gothic Szene zugeordnet werden kann. Seid Ihr im privaten auch selbst in der Gothic Szene unterwegs oder konzentriert ihr Euch stärker auf den musikalischen Aspekt? Gibt es für Musiker überhaupt ein Privatleben? Was denkt Ihr?

Torsten: Ich bin in der Szene unterwegs. Und ohne Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, läuft es nicht. Für Musiker gibt es natürlich ein Privatleben. Erst recht, wenn er von der Musik lebt. Ich sitz nach der Arbeit jedenfalls nicht den ganzen Abend am Computer.

André: Privatleben ist wichtig, besonders wenn man ein kleines Töchterchen hat. Deshalb bin ich nicht mehr so oft wie früher unterwegs, als ich mir als DJ noch die Nächte um die Ohren gehauen habe. Aber Torsten und Anne unternehmen dafür um so mehr. Die Kontakte die Torsten knüpft sind sehr wichtig, um uns weiter zu bringen. Da wir alle von unseren Jobs leben, ist die Musik leider nur nach Feierabend und an freien Tagen im Vordergrund. Von der Musik leben wer träumt davon nicht...ach ja schön wärs....!

DH: Passend zur Musik der CD gibt es ein sehr schönes düsteres Cover. Wer hat das Cover entworfen? Denkt Ihr, dass Musik und Optik in gewisser Weise zusammen gehören?

Torsten: Das Bild für die Vorderseite hat ein Freund von uns gemacht (Hey, Danke nochmal Karsten!!!), das Bandbild auf der Innenseite eine Freundin von mir (Auch ein Riesendanke an Dich, Anna!!!), und den Rest hab ich entworfen. Das Cover und die Musik gehören bedingungslos zusammen. Düster und etwas morbide.

André: Ich finde dass es uns diesmal gelungen ist Musik, Text und Cover zu einer Einheit zu verschmelzen. Es ergänzt sich alles wunderbar miteinander. Wir sollten das fürs nächste Album wieder im Auge behalten.

DH: Ihr spielt auch live. Wie hat man sich einen Auftritt von Last Lament vorzustellen. Versucht Ihr auf der Bühne auch eine optische Umsetzung Eurer Musik? Sind In nächster Zeit Konzerte geplant? Wo und wann kann man Last Lament demnächst sehen? Welche weiteren Pläne habt Ihr nach dem Album?

Torsten: Tja, da wir meistens auf kleinen Bühnen spielen, bleibt erstmal nicht sehr viel Bewegungsfreiheit, eine Performance ist kaum möglich. Ist eher halt typisch Band: Wir Rocken zu dritt! Das nächste Konzert findet am 27. 11. 2004 in der KISTE in Greifswald statt. Wir arbeiten mittlerweile wieder fleißig an neuem Material, und demnächst wird es eine Single zu PHARMADISE geben. Ein Album ist noch nicht konkret geplant

André: Live bieten wir den Mix aus den oben erwähnten verschieden Musikstilen. Also es mixen sich Rock mit Folk- und Electro-Songs. Wir arbeiten aber schon an neuen Songs mal sehen wann ein neues Album ansteht.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Torsten: Seid ehrlich zueinander!

André: Vielen Dank für eure Fragen und dem Interesse an unserer Band ....bis bald ....!.

Anne: Gebt fleißig Geld für unsere CD`s aus...

Info: www.last-lament.com

Interview: Andreas Ohle