Kontrast



DH: Vor Kontrast gab es Isecs. Wie entstand aus Isecs Kontrast? Stellt bitte einmal alle Mitglieder von Kontrast vor.

Roberto: Der Schritt von Isecs zu Kontrast war kein sonderlich großer, da sich die Besetzung der Band nicht verändert hat. Der Grund für den Namenswechsel war einfach der, dass wir seit 1997 nur noch Songs in deutscher Sprache geschrieben haben. Von daher war es eine logische Entwicklung, dass wir uns irgendwann auch einen deutschen Namen zugelegt haben. Zu den Personalien - bitte, meine Herren!

Falko: Ich bin Falko H, zuständig für die Sounds, die Abmischungen und die Technik. Ich bin gelernter Prozessleitelektroniker ... 8 Jahre klassische Klavierausbildung, 3 Jahre Rockpiano ... Lieblingsmusik: Leatherstrip, Wumpscut, Deine Lakaien, And One ... verheiratet, ein Kind (bald zwei) ...

Roberto: Pssst, Mensch, das darfste doch nicht sagen! Was sollen unsere weiblichen Fans von uns denken?? Ähm, ja, mein Name ist Roberto und ich bin der Texter und Sänger von Kontrast ... keine klassische Musikausbildung ... ich bin mit der Musik von Kraftwerk, Alphaville oder Marc Almond groß geworden, höre derzeit am liebsten Peter Gabriel, die Sparks oder Yello ... natürlich ledig... ;-)

Dirk: Ich hab' auch noch keine Kinder (hoffe ich zumindest) und bin natürlich noch ledig. Innerhalb der Band bin ich ausschließlich für das Komponieren zuständig.

Aufgewachsen bin ich mit Marschmusik und sozialistischem Liedgut der Deutschen Demokratischen Republik, geprägt haben mich aber Bands wie Kraftwerk, OMD, Alphaville, Front 242 und Boytronic. Derzeit bin ich zu begeistern für Musik von Underworld, Goldfrapp und New Order.

DH: Eure Songs sind zum Teil sehr zynisch. Nehmt Ihr Euch selber ernst bei dem, was Ihr macht? Und was wollt Ihr mit Euren Songs ausdrücken oder bewegen?

Roberto: Zynismus und Ironie sind meine liebsten Stilmittel, um auf die Dinge aufmerksam zu machen, an denen ich mich störe. Eine gewisse Portion (schwarzer) Humor ist meines Erachtens sehr gut geeignet, um auch kritische Inhalte transportieren zu können. In vielen unserer Songs äußere ich mich gegen Uniformiertheit, gegen das unreflektierte Spiel mit Klischees, gegen Mitläufertum. Ich glaube, dass viel zu wenige Menschen ihr Leben wirklich so leben, wie sie es wollen, sondern häufig Dinge nur deswegen tun, weil andere es von ihnen erwarten. Besonders in der schwarzen Szene fallen mir solche Verhaltensweisen immer wieder besonders stark auf.

Insofern verbirgt sich hinter vielen vordergründig humorvollen Songs schon eine ernste Kernaussage - und gewiss nehmen wir das, was wir tun, ernst. Das heißt nicht, dass wir nicht über uns lachen können, aber wäre Kontrast ein reines Spaßprojekt, hätte es wohl kaum mehr als eine Dekade überdauert.

DH: Was glaubt Ihr wie Eure Musik auf andere wirkt? Wie denkt Ihr über Humor in der schwarzen Szene?

Roberto: Darüber, wie unsere Musik auf andere wirkt, mache ich mir mittlerweile wirklich kaum noch Gedanken. Jeder Hörer nimmt Inhalte anders wahr, empfindet die Klänge anders - und wir haben letztlich ohnehin keinen Einfluss darauf. Für uns ist wichtig, dass unsere Songs uns selbst gefallen und unseren Ansprüchen gerecht werden. Nicht mehr und nicht weniger. Humor ist in der schwarzen Szene leider nicht sonderlich weit verbreitet. Als "Scharfrichter des schwarzen Humors" bin ich, der "Formulator", aber natürlich auf dem unwegsamen Kreuzzug gegen diesen status quo...

DH: Euer Album heisst "Kontrast: Programm". Wie gestalteten sich die Aufnahmen zu der CD? Wieso wurden auch Isecs-Songs (u.a. "Einheitsschritt") für das Album neu aufgenommen?

Roberto: Es gab ja leider nie ein offizielles CD-Album von Isecs. Von daher haben wir jetzt die Gelegenheit genutzt, die besten Songs dieser Phase auf unserem Kontrast-Debut - primär auf der Bonus-MCD - zu veröffentlichen. Natürlich wäre es unmöglich gewesen, die älteren Titel in den Gesamtkontext des Albums einzufügen, denn vor fünf oder sieben Jahren haben wir ja noch mit viel geringeren technischen Möglichkeiten gearbeitet.

Durch die Neubearbeitungen ist uns die Integration der älteren Stücke in das Konzept der CD dann recht gut gelungen.

Falko: Für die Techniker unter den Lesern: Früher steuerte ein Atari ST unsere Geräte an, Roberto sang direkt über ein dynamisches Mikrofon über ein billiges Mischpult aufs Master-DAT (Schlafzimmer- atmosphäre). Die "Zillo-Club-Hits"-Version von "Einheitsschritt" beispielsweise war eine One-Take-Aufnahme, also in einem Stück gesungen!

Heute ist ein PC unsere Schaltzentrale, die die Synthies ansteuert. Roberto singt über ein Großmembran-Studiomikrofon direkt auf die Festplatte (Wohnzimmeratmosphäre). Die Musik wird dort geschnitten, bearbeitet, anschliessend über ein Digitalpult abgemischt und letztlich auf DAT oder CD aufgenommen.

DH: Wie sehr wurde bei den Aufnahmen darauf geachtet, ob die Songs tanzbar und clubtauglich sind? Denkt Ihr das Eure Musik eher für die Clubs oder für zu Hause gedacht ist?

Falko: Die Musik ist zuerst einmal so gedacht, dass sie uns selber gefällt. Clubtauglichkeit bzw. Heimmusik entsteht je nach Laune.

Dirk: Bei Kontrast steht immer die Komposition im Vordergrund. Erst wenn die fertig ist, machen wir uns Gedanken darüber, ob man den entsprechenden Song eher als Club-Nummer oder als Ballade ausarbeiten soll.

Roberto: Als Texter und Sänger bin ich über diese Arbeitsweise sehr glücklich, denn wir versuchen nicht krampfhaft, ein Album mit zehn Club-Smashern zu machen. Ohne dieses starre Korsett ist es viel besser möglich, die Stimmungen der Songs wirklich glaubwürdig herüberzubringen. Eine Nummer wie "Gedanken" beispielsweise würde auf 140 bpm einfach nicht funktionieren, da ginge die Seele des Songs völlig verloren.

DH: Wie hat man sich den Prozess des Songschreibens bei Euch vorzustellen? Bedarf es bestimmter Grundregeln, bevor ein Kontrast Song entstehen kann?

Dirk: Das Gute bei Kontrast ist, dass es eben keiner bestimmten Grundregeln bedarf, um einen Song entstehen zu lassen. Ich komponiere sozusagen wild drauf los, lasse mir alle Freiräume offen - und so entstehen die unterschiedlichsten Liedentwürfe. Ich lasse mich da stilistisch auch nicht einengen, wichtig ist, dass es zunächst mir gefällt und ich von der Idee überzeugt bin, egal ob als Grundstruktur ein Elektro-, Techno-, EBM- oder meinetwegen Schlagerstück vorliegt. Mich interessiert als allerletztes, ob ein Song kompatibel zur Szene (welcher auch immer) ist oder ob das Stück auch auf der Tanzfläche funktioniert.

Nur so haben Lieder wie z.B. "Freiheit?" eine Chance, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken. Spannend ist natürlich immer der Moment, wenn ich meine Demos den anderen Bandmitgliedern präsentiere.

Zusammen wählen wir dann die Stücke aus, die am besten zu den den Textentwürfen Robertos passen.

Roberto: Es ist zwar keine Regel, aber wohl ganz natürlich, dass meine Texte eher in Situationen entstehen, in denen ich mich nicht so toll fühle. Positive Stimmungen lebt man viel eher aus - da setzt man sich doch nicht hin und krickelt was auf's Papier. Am Liebsten schreibe ich die Texte während meines alljährlichen Nordseeurlaubs im Herbst. In dieser abgeschiedenen Atmosphäre hat der "Formulator" genügend Zeit, wirklich jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.

DH: Welchen musikalischen Anspruch wollt Ihr mit Kontrast verwirklichen, welches Ziel erreichen?

Falko: Wir möchten Deutschlands Superstars werden! Scherz beiseite - mein Anspruch ist, dass die Songs melodiös und eingängig sind.

Roberto: Für mich ist die Arbeit mit Kontrast zu einem sehr wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden. Das Texteschreiben hat mir schon oft geholfen, Emotionen und Eindrücke zu verarbeiten und als Persönlichkeit Fortschritte zu machen, das Live-Spielen macht mir riesigen Spaß und trägt dazu bei, dass ich mich als Sänger weiter und weiter entwickle. Mein Ziel nach über 10 Jahren Kontrast (bzw. Isecs) ist es, solange mit der Musik zu machen, wie ich das Gefühl habe, etwas zu sagen zu haben - und derzeit habe ich das Gefühl, dass ich noch niemals zuvor so engagiert und inspiriert war, an neuen Songs zu arbeiten, wie jetzt.

DH: Was sind Eure weiteren Pläne mit Kontrast in naher Zukunft? Ist eine Tour geplant?

Roberto: Es wird im Frühjahr eine kleine Tournee mit voraussichtlich 8 Auftritten geben, deren letzter auf dem Leipziger "Wave- /Gotik-Treffen" stattfinden wird. Sämtliche Termine findet Ihr auf unserer Homepage "www.einheitsschritt.de".

Falko: Im Sommer ist dann erstmal eine kleine Babypause angesagt ...

Roberto: ... und im Herbst geht's dann an die Fertigstellung der Songs für unsere nächste CD, die Anfang 2004 herauskommen soll - wenn alles so läuft, wie wir hoffen.

DH: Was macht Ihr neben der Musik? Gibt es weitere Musikprojekte, in die Ihr involviert seid?

Falko: Ich arbeite als Elektriker und Programmierer für Steuerungen in einem Milchwerk. Außer bei Kontrast bin ich noch in einer lokalen Pop-Rock-Band als Keyboarder und Techniker und bei einem A-capella- Chor als Techniker involviert.

Roberto: Dirk und ich fabrizieren neben Kontrast noch mit unserem Nebenprojekt Transistor analoge Sequenzer-Landschaften im 70er- Jahre-Stil. Mit Transistor können wir unsere Vorliebe für lange Instrumentals und für Künstler wie Tangerine Dream und Klaus Schulze zelebrieren. Beruflich bin ich im Kreditgewerbe tätig - mehr wird nicht verraten...

Dirk: Wie Roberto schon erwähnte, musiziere ich noch im Nebenprojekt Transistor, dort werden analoge Vorlieben bis zur totalen Ekstase vollends ausgelebt. Des weiteren habe ich aber auch Musik für Homepages im Internet komponiert und unterstütze zusammen mit einer Lehrerin einige musikalische Projekte für Schulkinder. Unter einem Pseudonym werde ich in Zukunft einige Remixe anfertigen.

Beruflich bin ich Controller in einem mittelständischen Unternehmen und habe in dieser Funktion dieses gesamte Interview auf seine Richtigkeit kontrolliert und zu meinen Gunsten geändert ;-)

weitere Infos: www.einheitsschritt.de

Interview: Andreas Ohle