In Strict Confidence



In Strict Confidence sind schon lange über den Status eines Geheimtipp hinaus gewachsen. Das wundert auch nicht weiter, wenn man sich einmal die Entwicklung der Band betrachtet. In all den Jahren ihres Bestehens haben sich In Strict Confidence ständig weiterentwickelt, ohne dabei ihre musikalischen Wurzeln zu vergessen. Mit dem neuen Album "Mistrust the angels" haben In Strict Confidence die Messlatte wieder sehr weit oben angelegt und alle die dachten, dass ihr Vorgängeralbum Love kills" nicht mehr zu toppen sei, werden nun eines Besseren belehrt. Nach erscheinen von "Mistrust the angels" nutzte ich wieder einmal die Chance mich mit Dennis Ostermann zu unterhalten.

Mit dem Song "Zauberschloss" aus eurem letzten Album habt ihr ja den Hit an sich gelandet. Hättet ihr gedacht, dass sich gerade dieser Song zu einem riesigen Hit entwickelt?

Gehofft natürlich schon, trotzdem natürlich ein positive Überraschung das Ganze. Wir waren eigentlich etwas zögernd anfänglich ob man einen solchen Text auch in deutsch überzeugend liefern kann. Auf Englisch hören sich die Leute ja alles an, mehr jedoch weil sie den Text vielleicht nicht unbedingt so direkt geliefert bekommen wie in ihrer Muttersprache. Aber der Mut wurde entlohnt.

Wart ihr mit "Love kills" auch in anderen europäischen Ländern bzw. nicht europäischen Ländern erfolgreich? In welchem Land, ausser Deutschland, habt ihr die meisten CD`s verkaufen können?

Das lässt sich schwer sagen, sicherlich waren die Verkäufe im benachbarten Ausland wie auch in den USA sehr gut. Exotischerweise fanden die CD`s auch eine große Hörerschaft in Ländern wie Griechenland oder Mexiko, wo wir dann auch direkt für Konzerte engagiert wurden. Das war natürlich sehr aufregend und ungewöhnlich.

Viele deutsche Bands sind ja auch sehr erfolgreich in den U.S.A., wie sieht das bei In Strict Confidence aus? Habt ihr auch schon mal eine kleine Tour bei den Amis absolviert?

Wir haben 1999 eine 4 wöchige Tour dort auf uns genommen, die wurde auch dankbar angenommen. Es ist für die Amerikaner wohl etwas sehr besonderes deutsche Bands dort live zu erleben. Ich denke, dass mittelfristig auch dort erneut eine Tour unumgänglich sein wird.

Eure neue CD "Mistrust the angels" steht ja mittlerweile schon ein paar Tage in den Läden. Wie sahen die Reaktionen auf das neue Album seitens eurer zahlreichen Fans und der Presse aus?

Unbeschreiblich gut. Wir konnten in der ersten Verkaufswoche in die Media Control Charts einsteigen, was ja ein Beweis für eine große Fanherrschaft ist. Auch die E-mailflut die uns bisher erreichte, erschlug uns fast. Wir spielen derzeit mit dem Gedanken aufgrund der positiven Resonanzen noch eine weitere Single-EP auszukoppeln. Hierfür möchten wir unsere Fans mit abstimmen lassen, welcher Titel ihnen am meisten zusagte, das Ganze kann dann über die offizielle In Strict Confidence Webseite mitgeteilt werden.

Eure letzte Scheibe ist ja noch auf Bloodline erschienen, nun gab es den Wechsel zu Minuswelt. Wie ist es dazu gekommen? Gibt es überhaupt noch Bloodline, für die du ja auch beruflich tätig warst?

Ich habe mich bereits vor über 1,5 Jahren von Bloodline getrennt, beruflich wie bandtechnisch, da die Bedingungen unzumutbar waren. Um so wichtiger der Start mit dem eigenen Label und eine große Herausforderung dazu. Es war aber unumgänglich, zwar führten wir Verhandlungen mit diversen Szenelabels und Majorfirmen und mussten gute Angebote ausschlagen, da uns diese Veröffentlichung zu sehr am eigenen Herzen lag nach all den Miseren mit Plattenfirmen. Sicherlich ein Risiko, da man mit einem hohen Vorschuss den man hätte kassieren können, aber auch die Angst erneut mehr Zeit mit Auseinandersetzungen zwischen Plattenfirma und Band zu verbringen, die Kraft und Kreativität kostet.

Mir kommen viele eurer neuen Songs noch etwas düsterer aber auch eingängiger vor, als das Material auf "Love kills!". Empfinde ich das falsch, oder habt ihr absichtlich die Stimmung in den Songs etwas düsterer gemacht, aber auch auf Clubtauglichkeit viel Wert gelegt?

Ich habe selten so viele verschiedene Meinungen wie zu diesem Album gehört, zwar waren Alle vor-herrschend positiv, aber jeder sieht dieses Album verschieden. Das ist eine Bestätigung für uns. Wir planten bisher nicht wie ein Album zu klingen hat. Es entwickelt sich einfach. Das Album ist sicherlich kein Clubalbum, das war auch nicht beabsichtigt. Für den Club reicht bekanntermaßen ein Titel, den der DJ dann einsetzt. Ein Album muss rund klingen, darf nicht langweilig werden, Ziel ist es, dass man ein Album auch bis zum Ende durchhören kann, ohne dass es eintönig wird, wie bei so vielen Anderen.

Erstaunlich finde ich ja das "Mistrust the angels" eine Laufzeit von ca. 74 Minuten hat, was heutzutage ja nicht unbedingt alltäglich ist. Lag es einfach daran, dass ihr so viele Ideen hattet die ihr alle auf "Mistrust the angels" verwirklichen wolltet?

Das war nicht geplant. Es war lediglich wichtig mindestens 11 Songs unterzubringen. Durch die Spielzeit der einzelnen Titel kam es eben zu dieser Länge. Ich habe auch kein Verständnis für manche Alben, die beispielsweise weniger als 50 Minuten beinhalten, da sind die Kosten für ein Album von rund 14-18 Euro oft nicht gerechtfertigt.

Gab es trotzdem dann noch weitere Songs, die ihr dann aber doch nicht mit auf das Album gepackt habt, diese aber vielleicht dann als Bonus Tracks auf diverse Maxi CD`s mit veröffentlicht werden, um einen extra" Kaufanreiz zu schaffen?

Es gibt noch Material das nicht verwendet wurde, auch noch nicht fertig produziert ist, aber einige der Titel versprechen recht gut zu werden, so dass man schon darüber nachdenken könnte, diese mit auf die neue Single bzw. EP- Auskopplung zu packen.

Welche Themen werden in den Texten auf "Mistrust the angels" behandelt? Vielleicht kannst du uns da ja etwas detaillierter darüber erzählen.

Es wird keine fortlaufende Geschichte erzählt oder nur ein spezielles Thema behandelt, wenngleich man das von einem Art Konzeptalbum vielleicht erwartet. Ein Song wie "send a sign" erzählt eine fantastische Engelsstory, Herzattacke beispielsweise handelt davon, wie man unschwer am Text erkennen kann von einer Beziehungssituation. Ich mag grundsätzlich sehr, wenn Texte nicht zu direkt rüberkommen, sondern auch mit Hilfe der Sprache noch etwas an eigener Phantasie zugelassen wird. Bei Stücken wie Herzattacke oder Zauberschloss war man da an ein paar kleinen Stellen schon nah an der Grenze, dennoch noch vertretbar wie wir finden. Mit deutschen Texten zu hantieren ist aber sicher risikoreich. Wir wollen das Ganze aber nicht nur hinter englischen Texten verstecken, deshalb desöfteren unsere Muttersprache.

Das Artwork der CD ist ja wieder sehr aufwendig geworden. Legt ihr darauf auch immer besonders viel Wert, oder überlasst ihr die Ideen und Umsetzung des Artwork eurem Label?

Da wir ja selbst Label sind liegt alles in unseren Händen, von der Musik über Artwork bis hin zur Werbung. Wir haben von Anfang an unsere Artworks selbst betreut, wenngleich nicht selbst entworfen. Für diese Coverserie habe ich jedoch über 6 Monate benötigt um sie zu realisieren. Ich denke, dass uns etwas Ausser-gewöhnliches damit gelungen ist und sehen die harte Arbeit darin bestätigt, nicht zuletzt, da wir unseren Fans über die Musik hinaus etwas bieten wollen, auch weg vom Trend des lieblosen CD kopierens. Der visuelle Teil spielt hier eine bedeutende Rolle.

Gibt es Pläne für einen Video Clip zu einen der Songs von "Mistrust the angels", der dann vielleicht noch mit auf die nächste Maxi Auskopplung mit drauf gemacht wird? Das machen ja momentan doch auch sehr viele Bands und kommt gut bei den Fans an.

Wir haben ja bereits mit Mitarbeitern von Arte-TV/Frankreich Material gedreht, dass für eine kommende Singleauskopplung verwendet werden könnte. Einen kleinen Teil davon nutzten wir für den Videotrailer, den man auf unserer Website kostenlos herunterladen kann. Ich gehe mal davon aus, dass wir einen Clip wagen werden, wenngleich wir davon ausgehen, dass dieser nicht auf den gängigen Musikkanälen laufen wird. Trotzdem vielleicht eine schöne Sache für die Fans, wenn man das auf der CD integrieren kann.

Wird es vielleicht in naher Zukunft eine DVD von In Strict Confidence geben, wo vielleicht einige Live Mittschnitte + Bonus Material zu sehen sein wird?

Geplant ist derzeit nichts. Der Aufwand und die Kosten wären derzeit nicht gerechtfertigt, denke ich. Wenn schon DVD, dann müsste die Qualität der Aufnahmen und der gesamten Umsetzung dementsprechend auch weit höher sein als gängige Videoverwirklichungen.



In wie weit nutzt ihr für In Strict Confidence das Medium Internet? Ist es euch wichtig, mit einer Band Homepage im Netzt vertreten zu sein?

Wir haben ja bereits vor Jahren das Internet als für uns neues Medium entdeckt. Gott sei Dank fanden wir auch die passenden Leute die sich um die technische und grafische Umsetzung kümmerten. Ich denke unter www.instrictconfidence.com findet sich massig an Information und regelmäßig gewisse Specials auf die man zurückgreifen kann. Es ist natürlich wichtig, im Internet vertreten zu sein, da dies sicherlich eines der Hauptmedien ist und immer wichtiger wird. Ich sehe schon eine große Zukunft darin.

Dennis, mal ein paar private Fragen. Was ist das für ein Gefühl, wenn man sein eigenes Gesicht auf den Titelbildern diverser Musikmagazine sieht? Macht dich das irgendwie schon etwas stolz?

Ich glaube, dass hatte ich mir in meiner Jugend bzw. auch noch als wir mit der Musik anfingen aufregender vorgestellt. Gleiches gilt auch für den Einstieg in die Media Control Charts. Wenn man das mal alles erreicht hat ist es weniger spektakulär. Natürlich freut man sich über sowas immer wieder und ist ein wenig stolz mit dem Gedanken, dass mal seinen Kindern oder Enkeln irgendwann mal zeigen zu können, aber im Moment sehe ich das noch recht gelassen. Ich glaube wir hatten weltweit rund 20 Titelstories bisher, zumindest von denen ich etwas weiss, leider bekomme ich davon nicht immer auch etwas mit, gerade bei den Auslandssachen.

Sammelst du diese Magazine mit der Titelstory In Strict Confidence nach Möglichkeit auch alle für dich privat?

Ja natürlich, allerdings habe ich sie mir nicht an die Wand gerahmt, das wäre dann doch etwas zu viel des Guten, aber aufheben sicherlich.

Was hältst du eigentlich von diesen ganzen MP 3 Tauschbörsen, wo ja so eine Art Musikpiraterie betrieben wird? Siehst du darin als Künstler ein Problem, da man euch ja dort auf einer gewissen Art und Weise beraubt?

Natürlich sehe ich darin ein Problem und wehre mich auch dagegen. Über das Tauschen und den Download von angespielten Titeln habe ich nichts, im Gegenteil, das ist zu befürworten, so kann sich jeder ein Bild des jeweiligen Albums machen, bevor er es sich zulegt. Ich sehe allerdings für die Krise der Musikindustrie das CD kopieren als fast noch dramatischer.

Dennis, wie sieht ein normaler Tagesablauf bei dir aus? Musst du eigentlich noch einen regulären Beruf nachgehen, oder kannst du mittlerweile schon von der Musik leben?

Ich habe die Musik ja schon seit vielen Jahren mir zum Beruf gemacht. Teilweise für diverse Labels gearbeitet, seit einiger Zeit ist In Strict Confidence, speziell auch jetzt mit dem eigenen Label, zu intensiv geworden, so dass ich mich völlig darauf konzentriere.

Wie gestaltete sich dein erster Kontakt zur Musik? Mit welcher Musik bist du aufgewachsen und in wie weit hat dich dann diese Musik geprägt?

Puuh, das ist mittlerweile gute 12 Jahre her, wenn du den Kontakt zum aktiven Musikproduzieren meinst. Wir hatten damit gestartet, uns günstig kleines Equipment zuzulegen und damit zu experimentieren. Daran zu denken einmal wirklich eine CD zu veröffentlichen oder gar in den Media Control Charts aufzutauchen lag uns fern. Wir waren fasziniert von der Technik und den Möglichkeiten gerade der elektronischen Instrumente. Wir sind ja Kinder der 80er, speziell die elektronische Musik, die die Herrschaft in dieser Zeit gewann begeisterte auch uns, ich erinnere mich an die erste Platte von A-HA oder Alphaville um 1984, kurz danach ging es ja dann schon mit Delerium oder Skinny Puppy los, die uns bis heute nicht losgelassen haben.

Kannst du dir vorstellen, was du getan hättest wenn du nicht eine musikalische Laufbahn eingeschlagen hättest?

Nein, nicht im Geringsten.

Existiert eine Person, die du einmal kennenlernen möchtest?

Hmm, spontan fällt mir Niemand ein. Es gibt einige Menschen die ich sehr schätze und mich begeistern lasse, aber ob ich diese wirklich kennenlernen möchte bin ich mir nicht sicher. Ohne die Distanz wäre diese Person vielleicht gar nicht mehr so reizvoll.

Was glaubst du, in welche Richtung wird sich die Electro / EBM Szene in den nächsten Jahren hin bewegen? Wird sich diese Musikszene immer mehr in Richtung Kommerz hin entwickeln, oder wird sich wieder alles etwas mehr in den Underground zurück ziehen?

Ich habe positiv zur Kenntniss genommen, dass sich in den letzten Jahren die Szene sehr geöffnet und die Scheuklappen geöffnet hat. Ich hoffe das bleibt so. Kommerz hin oder her, es ist nichts verwerfliches nach meiner Ansicht daran, wenn die Musik auch vermarktet wird, solange sie nicht darunter leidet. Mir entgegnete kürzlich Jemand, dass er ab sofort kein ISC mehr hören würde, da wir in den Charts gelandet sind, somit "zu erfolgreich" seien und ab sofort "Kommerz" sind. Über solche Verbohrtheit bleibt mir nichts anderes als den Kopf zu schütteln, ich entschuldigte mich dafür und bot an demnächst zu versuchen werde schlechtere Musik zu machen in der Hoffnung, dass es dann keiner kaufen wird.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage nach euren Zukunftsplänen? Gibt es da schon etwas Wissenswertes zu erzählen?

Wir sind gerade dabei die Tour vorzubereiten, die ja ab Ende August in Deutschland starten wird. Ausserdem stehen auch noch weitere Veröffentlichungen an, z.B. der Re- Release des "Face the fear" Albums von 1998 als Doppel-CD, sowie die angesprochene Auskopplung aus dem aktuellen Album. Es wird also nicht langweilig, weder für uns, noch für die Fans.

Kontakt:

Minuswelt Musikfabrik
Barbara Achhammer
Postfach 1246
64745 Breuberg

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