In Extremo



DH: In Extremo gibt es nun auch schon eine ganze Weile. Wie kam es damals eigentlich zu der Idee In Extremo zu gründen? Könnt Ihr Euch daran noch erinnern?

Die Idee dazu ist eigentlich zufällig entstanden. Die Rockfraktion von In Extremo hat vorher schon in der einen oder anderen Band zusammen gespielt. Michael (Das Letzte Einhorn) landete eines Tages auf Mittelaltermärkten, währenddessen die Rockfraktion weiter in anderen Bands spielte. Der Kontakt zwischen uns riss jedoch zu keiner Zeit ab, so dass wir fast zwangsläufig irgendwann vor der Frage standen, wieder etwas zusammen zu machen. Die ersten Versuche einen Dudelsack in die Musik einzuspannen waren nicht sehr überzeugend und wir haben die Idee erst einmal verworfen.

Ein Jahr später, Micha hatte unterdessen In Extremo als reine akustische Mittelalterband gegründet, starteten wir den nächsten Versuch und veröffentlichten dieses als Bonusmaterial auf einer Kassette, welche die Band auf den Märkten verkaufte. Die Nachfrage nach genau diesen Stücken ließ uns weiterarbeiten und wir produzierten eine erste Single im Eigenvertrieb, die wir auch an diverse Magazine wie dem Rock Hard und an Plattenfirmen geschickt haben.

DH: Wie fühlt Ihr Euch heutzutage eigentlich als Band? Gibt es eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl, die Euch kreativ inspiriert?

Ich glaube die Freundschaft unter den Musikern ist genau das, was den Erfolg von In Extremo ausmacht. Mal abgesehen von den sehr frühen Anfängen gab es bei uns auch nur einen Wechsel - und den auch nur aus Krankheitsgründen. Wir machen einige Sachen definitiv anders als andere Bands, so z.B. gibt es bei uns keine Person, die allein für Text oder Musik zuständig ist und wir veröffentlichen alle Songs nur unter unserem Bandnamen.

DH: Gibt es bei In Extremo auch so etwas wie Freundschaften untereinander? Ist für Euch nur die Musik im Vordergrund oder gibt es auch private Anlässe, Erlebnisse, bei denen die Musik mal für kurze Zeit ausgeblendet wird?

Ja, na klar! Aber wenn sich Musiker untereinander treffen, dann kann man das Thema Musik fast nie ausblenden.Wir machen ja eigentlich auch nichts anderes :-)

DH: Der Name In Extremo wird immer mit dem Begriff Mittelalter in Verbindung gebracht. Habt Ihr selber eine besondere Affinität zu dieser Zeit? Hättet Ihr gerne im Mittelalter gelebt?

Wir sind im Endeffekt sieben sehr verschiedene Musiker und ich kann deshalb nicht für alle sprechen. Aber es ist sicherlich schon so, dass sich unsere Dudelsackspieler weitaus mehr für mittelalterliche Musik interessieren als die Rhythmusfraktion der Band. Ich selbst finde diese Situation aber ausgesprochen gut! Aber im Mittelalter will von uns niemand mehr Leben, wenn auch das Leben eines Spielmanns interessant erscheint. Wir versuchen das eben auf die heutige Fahrt zu übertragen.



DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu "Mein Rasend Herz" und wo fanden Sie statt? Gab es nach dem großen Erfolg des letzten Albums für Euch so etwas wie eine Art Erfolgsdruck oder seid Ihr einfach ins Studio gegangen und unbeeindruckt davon "einfach drauflos gespielt"?

Die Studioaufnahmen selbst dauerten insgesamt vielleicht 3 Monate, die Vorbereitungszeit kann man nicht mehr in Wochen messen. Ideen werden immer dann aufgenommen wenn wir eine gute Songidee oder einen guten Text haben. Aufgenommen haben wir in den Principal Studios - mitten in der münsterländischen Pampa, weitab vom "Schuss". Wir haben keinen Erfolgsdruck, man hat allerhöchstens etwas Zeitdruck. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir am Besten unter Druck funktionieren.

DH: Ihr seid in gewisser Weise stilprägend gewesen für ein ganzes Musikgenre - ich will es mal vorsichtig als Mittelalterrock bezeichnen. Was denkt Ihr über die weitere Entwicklung in diesem Musikbereich? Seid Ihr auf dem neuen Album auch offener für andere musikalische Trends geworden?

Ich habe dazu keine Meinung, ganz ehrlich. Wir machen unsere Arbeit auch nicht von der Entwicklung einer Szene oder den Veröffentlichungen anderer Bands abhängig. Aber ich persönlich finde die Entwicklung in unserem Genre schon ziemlich inflationär. Aber auch das kann Ansporn sein, ständig nach neuen Einflüssen zu suchen.

DH: In Extremo haben nur bereits viele Alben in ihrer langen Bandgeschichte veröffentlicht. Kennt Ihr noch so etwas wie Nervosität vor einem Release? Welche Erwartungen habt Ihr an das neue Album? Freut Ihr euch schon darauf "Mein Rasend Herz" live auf der Bühne zu präsentieren?

Einige Stücke von "Mein rasend Herz" spielen wir ja schon live, den Rest werden wir auf unserer Herbsttour vorstellen.Wir sind natürlich nervös vor jedem Release, denn man macht die Musik ja nicht nur für sich allein und es ist schon wichtig zu sehen, wie ein neues Release ankommt.



DH: Eure neue Single "Nur Ihr Allein" ist eine Vorabauskopplung aus dem neuen Album. Wovon handelt das Lied und wie entstand die Idee zu diesem Song?

Der Song selbst ist fast zum Schluss der Aufnahmen im Studio entstanden. Wir wollten so etwas wie eine Hymne schreiben, die unser Lebensgefühl als Band zum Ausdruck bringt. Sie ist etwas In Extremo-untypisch ausgefallen, aber auch das gehört zu unserem Lebensgefühl dazu: Wir haben keine Berührungsängste.

DH: Die neue Single beinhaltet eine In Extremo Player Software für den PC mit diversen Möglichkeiten im Internet weitere Informationen von Euch zu finden. Wie wichtig ist Euch das Internet als künstlerische Präsentationsform?

Der Player war eine Idee der Plattenfirma, aber prinzipiell finden wir solche Dinge natürlich gut. Aber ich will das Internet als künstlerische Präsentationsform nicht überbewerten, für mich ist es eher eine Möglichkeit zum schnellen Informationsaustausch.

DH: Dieses Jahr wird es In Extremo auch wieder an vielen Orten live zu erleben geben? Spielt Ihr eigentlich lieber auf Festivals oder in gemütlicher Glubatmosphäre? Habt Ihr Euch für die anstehende Tour etwas besonderes einfallen lassen?

Eine "gemütliche Clubathmosphäre" ist zwar ganz nett, leider geht diese selten einher mit unseren Anforderungen was die Bühnengrößen angeht. Wir sind halt 7 Musiker auf der Bühne uind auch unsere Bühnenaufbauten werden von Jahr zu Jahr aufwändiger. Zu jeder neuen CD gibt es natürlich ein neues Bühnenbild, aber ich will noch nicht alles verraten.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute.

Interview: Andreas Ohle