In Mitra Medusa Inri



DH: Stellt Euch zunächst bitte einmal kurz vor. Wer macht was bei Euch?

Hi, wir sind In Mitra Medusa Inri: Michael und Holger. Wir haben nicht die herkömmlichen Aufteilungen. Einer nur das Songwriting, einer die Texte. Beiden machen alles. Die Band steht im Vordergrund. Und die beste Idee setzt sich durch. Beiden muss das Stück gefallen, das ist Hauptsache....... Live sieht es so aus das Holger singt und ich dann die Gitarre spiele.

DH: Seit wann gibt es IMMI eigentlich? Könnt Ihr Euch noch an die Anfänge der Band erinnern?

Wir existieren seit ca. 1994.... Also gut zehn Jahre. Allerdings hatten wir ja einige Unterbrechungen so das wir vielleicht netto auf vielleicht 5 - 6 Jahre kommen. Wir können uns noch gut erinnern. Die Anfänge, die ersten Stücke. Noch ganz minimal instrumeniert. Mit einem Synthie, Gitarre, Bass, DrumComputer, thats it. Die erste Veröffentlichung von IMMI war ein TAPE das 4 oder 5 Songs enthielt. Wir wissen das gar nicht mehr so genau, weil wir sogar unser eigenen Tapes verkauft haben. Und Mozart ( umbra et imago ) war damals der "Mann" der uns auf seinem damaligen Label unter Vertrag nahm. So nahm alles seinen Lauf.

DH: Was hat sich seitdem für Euch alles verändert? Ist es heute - einfach gesagt - anders Musik zu machen als früher?

Die Arbeitsweise hat sich verändert. Die ist weiter fortgeschritten. Wir kommunizieren wesentlich mehr miteinander als es früher der Fall war. Es findet ein ständiger Austausch von Ideen und Vorschlägen statt. Ein Prozeß der uns persönlich auch weit nach vorne gebracht hat. Einfacher ist es aber durchaus nicht. Kreative Prozesse lassen sich schwer beeinflussen und da gibt es halt Hochphasen und ebenso Tiefphasen in den der Funke nicht überspringen will. Was sich allerdings verändert hat ist die Szene. Hört man heute viel elektronische Musik. Gitarrenmusik ist kaum noch zu hören. Teilweise hat die aktuelle Clubmusik sehr technoide Einflüsse. Das ist uns oft zu extrem. Die Vielfältigkeit hat in unseren Augen abgenommen. Wir werden uns da aber nicht anpassen, sondern den Weg gehen der vorbestimmt ist und weiterhin unser "Ding" durchziehen.

DH: Wie würdet Ihr Eure Musik selbst beschreiben?

Weinende Gitarren gepaart mit dem warmen Stimme des Sängers. Musikalisch irgendwo zwischen The Cure, New Order, Joy Division. Elektronische Elemente kombiniert mit natürlichen Instrumenten.

DH: Welche musikalischen Einflüsse gibt es bei Euch?

Was hört ihr privat und gibt es etwas, das Euch besonders musikalisch geprägt hat? Die musikalischen Vorlieben liegen nach wie vor bei Joy Divison, New Order. Das sind immer wieder Bands die uns inspirieren und uns Kraft geben an dem weiter zu arbeiten, was unser Lebensinhalt ist. Ebenso nehmen Bands wie U2 oder auch The Chameleons Einfluß auf unser künstlerisches Schaffen.

DH: Euer neues Album heisst "Darkness Between Us". Wie kam es zu dem Titel?

Um unser Sicht der Dinge darzustellen entwickelte sich mit der Zeit der Gedanke das DARKNESS BETWEEN US der beste Titel ist. Es sind oft die Kleinigkeiten die das Album zu einem Konzeptalbum werden lassen. Kleinigkeiten die evtl. erst beim zweiten oder dritten hören oder auch ansehen bzw. lesen der Booklets auffallen. Nur ein Beispiel: der Opener der Cd endet mit dem Satz There is Darkness between us - der letzte Satz des 10ten und letzten Stück der Cd endet mit dem Satz The Deepness says nothing. Es gibt einiges interessantes "herauszufinden" über uns und unsere Denkansätze. Mit Darkness between us ist hier natürlich nicht die Dunkelheit zwischen uns beiden, sondern die kleinen Kriege im zwischenmenschlichen Bereich gemeint. Das was zur Zeit um uns herum passiert. Die Auseinandersetzung mit dem was in uns - Menschen - ist, war ebenfalls ein zentrales Thema. Das wirkliche ER-leben von Situationen. Du weißt das irgendwo ein Licht scheinen wird das dir den Weg weisen kann. Doch vorher musst du die Dunkelheit gespürt haben. Es ist dieses alte Spiel: bist du am Abgrund, denkst dir jetzt geht es nicht mehr tiefer, fühlst die Dunkelheit - wird dich ein Lichtstrahl treffen, dir die nötige Energie geben und dich zurück ins Leben katapultieren. Wir sind teil des Ganzen. Das sind zentrale Themen die sich in den 10 Songs wiederfinden. Wir möchten aber gar nicht zuviel davon erzählen, der HörerIN sollen sich selbst ein Bild von uns und unserem kreativen Schaffen machen. Es für sich interpretieren.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album und wo fanden sie statt?

Aufgenommen haben wir das Album in Bochum im Megaline Music Studio. Der Prozeß der Produktion incl. der Vorproduktion dauerte ca. 3 Monate. Es wurde immer wieder an den Arrangements gefeilt und viele verschiedene Dinge ausprobiert. Bis wir dann letztendlich mit dem Produkt zufrieden waren.

DH: Es fällt auf, dass auf sich auf dem Album auch einige sehr tanzbare Titel wie etwa "Sometimes" befinden, wo man auch moderne Sounds im Futurepopstil wiedererkennen kann. Ist Futurepop eine Richtung in die IMMI in Zukunft weiter gehen werden?

Wir werden dort weitermachen wo uns unsere Kreativität hinführen wird. Wir gehen immer völlig offen an neue Stücke und Ideen heran. Wir lassen uns in keine Schublade pressen. Sometimes war ein Stück das sich so entwickelt hat., genauso wie das Stück Darkness Between Us sich entwickelt hat und beide aber grundverschieden sind. Eines können wir dir aber garantiert sagen: Futurepop werden wir garantiert nicht machen. Das kommt uns langsam zu den Ohren raus. Wir finden auch nicht das Sometimes Futurepop ist. Aber da gehen die Ansichtsweisen ja immer auseinander. Für uns geht das auch eher ein wenig in Richtung 80er Synth Pop. Aber man darf gespannt sein, was auf der nächsten Cd sein wird..... Wir arbeiten schon wieder an neuen Stücken....

DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Megadump, die mit einem Remix von "Darkness Between Us" auf der CD mit dabei sind?

Megadump ist ein befreundeter Musiker. Es wollte unbedingt einen Song des aktuellen Albums remixen. Und der remix ist ja nicht schlecht geworden.

DH: Wie wichtig sind Euch solche Remixe? Ist es für Euch besonders interessant, wenn andere Euer Material remixen?

Ja auf jeden Fall ist das interessant. Eine andere Sichtweise vermittelt zu bekommen, wie ein anderer Musiker das Stück gestaltet und für sich interpretiert. Wir müssen jetzt aber nicht unbedingt zu jedem Album entsprechend Remixe haben. Das war für dieses Album ganz interessant. Was wir beim nächsten machen werden? Mal sehen.....

DH: Wie funktioniert bei Euch der Prozeß der kreativen Song-Schreibens? Wie kommt ihr auf die Ideen für Eure Melodien?

Oft ist es so das einfach eine Idee im Kopf herumspukt. Entweder textlich oder aber auch musikalisch. Manchmal setzen wir uns hin, ohne jegliche Idee, probieren aus und lassen die Kreativität fließen. Oft kommen da ganz interessante Dinge bei heraus. Never Shareing war so ein Fall. Die Grundidee auf Gitarre war sehr schnell da, es kam eines zu anderen und der Song gestaltete sich immer mehr. Ein STück das in sich total rund ist..Die Melodien sind in unseren Köpfen wenn wir ein Stück hören. Das ist komisch. Du hörst eine Baßsequenz oder ein Streicherarangement und hast genau die Melodie im Kopf die du dazu singen oder spielen möchtest. Dann ist es aber oft schwer das "gedachte umzusetzen. Das ist immer wieder die Herausforderung. Der Unterschied zu dem was im Kopf herumschwiert und das tatsächlich dabei herauskommt. Aber wir geben uns da immer viel Mühe damit wir dann auch wirklich zufrieden sind mit dem Song.

DH: Eure Texte wirken immer sehr ansprechend und nachdenklich. Wie wichtig sind Euch Songtexte im Hinblick auf die Musik?

Der Text transportiert die Musik und die Musik den Text. Beides soll mit einander verschmelzen und eine Einheit ergeben. Insofern haben bei Elemente einen gleich hohen Stellenwert. Hör die Do you call that human an. Nicht umsonst ist der Song ein wenig elektronischer und vom Beat her monotoner ausgefallen. Das ergibt sich wenn man die Verbindung mit dem Text herstellt. So versuchen wir die Einheit zu erschaffen was uns hoffentlich gelungen ist;-))

DH: Der Song "You came from the sun" gefällt mir besonders gut. Wovon handelt das Lied?

Zwischenmenschliche Beziehungen. Man dachte sich niemals finden zu können, weil man sehr gegensätzlich ist. Doch das Schicksal führt das zusammen, was zusammen gehören soll! Und letztendlich kommst du wie ein Licht in das Leben des anderen Menschen.

DH: In der limitierten Version finden sich auf der CD auch zwei Videoclips ("Do you call that Human") und ("driving sleeping, waiting playing"). Wo wurden die Clips gedreht? Wie gestalteten sich die Dreharbeiten zu den beiden Clips?

Der Clip zu Do you call that human wurde während unseres Support Gigs von den Crüxshadows in der Kufa Krefeld gedreht. Der zweite Clip zeigt uns in England bei einigen Auftritten. Ansatzpunkt für die Clips war der, dass wir den HörerINen zeigen wollten was auch vor einen Konzert bzw. während der Tour passiert. Das es viele Zeiten gibt in den man warten muss, mit wenig Schlaf auskommen muß usw..... Wir wollten die persönliche Seite von uns zeigen. Das Hintergrundgeschehen mit einbinden. Ich denke das ist sehr interessant für die Leute, das Vor und Nachher zu sehen. Wir hatten uns für die Clips ein grobes Konzept überlegt wie wir und was wir "rüber bringen" wollten. Anhand dieses Kurzkonzeptes wurden die Aufnahmen gemacht und zusammen geschnitten, mit Musik unterlegt. Die Auswahl der Bildsequenzen war schon heftig da viel Material zusammen gekommen war, das wir Tage daran saßen dieses zu bestimmen. Aber letztendlich sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

DH: Denkt Ihr, dass es in der heutigen Zeit wichtig ist zusätzlich zu Euren CD-Veröffentlichen multimedial präsent zu sein etwa in Form von Videos oder im Internet? Was denkt Ihr über MP3s?

Das Internet dient als eine wichtige Informationsquelle. Wir versuchen auch unsere Homepage ständig aktuell zu halten und den Besuchern einen möglichst aktuellen Stand über In Mitra Medusa Inri zu geben. MP3's ist ein zweischneidiges Schwert. Sicherlich ist dadurch der CD Verkauf zurückgegangen. Ich denke auch das es am ehesten kleine Bands trifft. Bands wir Bon Jovi, Herbert Grönemeyer etc. verkaufen trotzdem noch ihre Million Cd's. Da muss man halt neue Wege gehen z.B. wir das jetzt auch unser Label macht. Der onlineshop wurde vergrößert und du kannst jetzt dort alle Labelprodukte käuflich erwerben. Und das zu sehr guten Preisen. Bei uns ist es aber immer noch so das wir die CD's, die wir wirklich haben möchten als "richtiges " Produkt kaufen. Mit einem guten Cover, keinem kopierten Booklet. Halt wirklich das vollwertige Produkt. Es macht immer noch einen Unterschied ob ich eine gebrannte oder die Original CD bei mir stehen habe.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und alles Gute mit IMMI. Euch gehört das Schlußwort:

Wir müssen uns bedanken für das Interview. Wir wünschen alles HörerInnen und Fans eine schöne Zeit mit unserer Musik . Denkt daran. Wenn du die Dunkelheit noch nie gespürt hast wirst du auch nicht nach dem Lichte greifen können.

Interview: Andreas Ohle