Golden Apes



DH: Erzählt uns zunächst bitte etwas über Euch. Wie ist Eure aktuelle Besetzung und seid wann gibt es Golden Apes eigentlich. Wie kam es zur Gründung der Band?

Nun ja, wie kommt es zu einer Bandgründung? Im besten Fall, wenn sich Leute über den Weg laufen, die bestimmte Interessen und musikalische Sichtweisen teilen und eine Kongruenz ihrer Passion. In unserem Fall passierte dies im Jahr 1998, zwischen Eric (der nach dem Verlassen seiner alten Band auf der Suche nach neuen Herrausforderungen war) und Christian und mir (die nach diversen Bandwechseln und musikalischen Projekten auf der Suche nach einem Gitarristen waren)...Wir hatten genau eine Probe zusammen, nach der wir bereits wussten, daß dies die erste feste Besetzung der Golden Apes (ein Titel, den wir uns aus einem unserer damaligen Texte entliehen hatten) sein würde...und zwölf Jahre später glaube ich immernoch, daß dieses Zusammentreffen damals mehr als nur ein glücklicher Zufall war, denn im Hier und Jetzt sind von der damaligen Urbesetzung immernoch alle mit dabei...plus den großartigen Menschen, mit denen wir über die letzten Jahre das Glück hatten zusammenarbeiten zu dürfen, sieht die Besetzung der Golden Apes zum gegenwärtigen Zeitpunkt wie folgt aus: Peer Lebrecht (vox, keys), Eric Bahrs (guitars), Christian Lebrecht (bass), Dirk Wildenhues (guitars), Joe Finck (drums)....

DH: "Denying The Towers Our Words Are Falling From ..." ist mittlerweile Euer sechstes Album. Wie seid Ihr auf die Idee zu dem Titel gekommen?

Nun ja, auch wenn es anfänglich das Konzept gab definitiv kein konzeptionelles Album machen zu wollen, so gab es, aus dem Hier und Jetzt betrachtet, doch so etwas wie ein verstecktes Muster, das nicht nur hör-, sondern auch fühlbar durch alle Song durchschimmerte und dies ist das Gefühl des Aufbruchs, des Anfangs eines Weges von zeit- und einflussbefreitem Punkt aus. Das befreiende Ablegen von Erinnerung und Erfahrung, die Reinigung von Werten und Bewertung. Inwieweit die Entwicklungen der letzten zwei Jahre innerhalb der Band dazu beitrugen, sei hier nur als Vermutung in den Raum gestellt, aber instinktiv war das Album im Kontext seiner Mitwirkenden tatsächlich wie ein Neubeginn für uns. Und ich glaube jene nervöse Euphorie hat uns die letzte Zeit unbemerkt, doch nachhaltig geprägt. Es war das Bild des Phoenix, der aus seiner Asche zu neuem Leben entsteht und das Alte und Vertraute in den Flammen ablegt, um rein und unbefleckt neu zu erfahren. Natürlich konnten wir die Erfahrungen der vergangenen Jahre nicht einfach ad acta legen, aber wir versuchten sie weitestgehend zu ignorieren. Und dieses Gefühl übertrug sich auf die Sprache unserer Musik (die textliche sowie auch die akustische), da gerade Sprache extrem von Werten und Assoziationen beeinflusst ist, vom Dualismus zwischen Wort und Klang, zwischen Sinn und Empfindung. Worte, die von Türmen fallen können beim Aufprall zerbrechen, aber auch Zerstörung und Schaden anrichten und eben jene Türme galt es zu verneinen, um den Worten ihre assoziativen Fesseln zu nehmen und die Sprache wieder rein und unbefleckt zu machen. …Sehnsucht, Wut, Hoffnung, Schmerz, Verzweiflung, Erinnerung…jedes Wort ist durch Erfahrung und Erleben positiv oder negativ vorgeformt und dieses Halfter wollten wir der Sprache nehmen, um unser Empfinden völlig neu und unbeeinflusst von ihr besäen zu lassen…

DH: Wo seht Ihr Euch selber nach mittlerweile sechs Alben musikalisch? Seht Ihr eine Verwandschaft zu der alternativen Gothic & Wave Szene? Gibt es bestimmte Bands in Eurer Jugend, die Euch geprägt haben?

Natürlich ist man als sensitiver und interessierter Mensch nicht frei von Einflüssen und Prägungen und es lag uns auch nie etwas ferner als die zu leugnen oder zu verschleiern! Ironischerweise haben unsere musikalischen Wurzeln nur relativ wenig mit dem zu tun, was man heutzutage landläufig als "Gothic" bezeichnen würde und woher jene Kategorisierungen auch immer kommen liegt manchmal auch für uns im Dunkeln.Natürlich ist man als jemand, der in jener "Szene" unterwegs war an Bands wie den Sisters oder Nephilim nicht vorbeigekommen, aber aber sie waren nie so bedeutend, daß ich sie hier als Einfluss bezeichnen würde! Und wenn ich früher relativ viel Künstler wie z.Bsp. Nick Cave gehört habe, lag es nie in unserer Intention solch Musik zu machen! Nein, ich würde unsere musikalischen Prägungen viel eher bei den Post-Punk und New Wave Bands der Achtziger sehen, wie den Psychedelic Furs, Joy Division, Bauhaus, den Chamaleons, den Cocteau Twins oder The Cure. Allesamt Bands, die erst den Nährboden schufen für das, aus dem dan irgendwann "Gothic" entstehen sollte. Von daher fühlen wir uns der Gothic-Szene auch sehr wohl und zu Hause, ich bin mir halt nur nicht sicher, ob wir auch alle "Aufnahmekriterien" erfüllen würden! Ich glaube wir haben es nach sechs Alben geschafft einen musikalischen Stil zu kreieren, der zwar seine evolutionäre Herkunft nicht leugnen kann (und muss), aber dennoch eigenständig und autark genug ist, um ihn erhobenen Hauptes als "unseren eigenen" zu bezeichnen.

DH: Erzählt uns etwas zu dem Inhalt des neuen Albums. Gab es bestimmte Themen, über die ihr unbedingt mal einen Song schreiben wolltet?

Wie oben bereits erwähnt durchzieht das gesamte Album eine Art kathartische Reflektion, ein Ablegen und befreiendes Füttern der Feuer der Vergangenheit. Im Grunde ist das Schreiben von Texten eine Art Tagebuch führen, das Empfinden einzelner Zustände, bestimmter Situationen und Gegebenheiten. Ungeplant und unwillkürlich. Es geht nicht zu sagen: Ich schreibe jetzt einen Text über dieses oder jenes…Es ist eine Art nicht lenkbares Bedürfnis, beeinflusst durch den inneren Zustand und äußere Einflüsse. Natürlich ist der persönliche Blick der ausschlaggebende, das Passierte und Aufgenommene, doch es bedarf bestimmter Reize und Stimulation jenen Blick zu lesen und das zu Sehende eine Form bekommen zu lassen. Manchmal waren es bestimmte Songstrukturen, die unheimlich inspirativ wirkten, manchmal auch nur bestimmte Wortfetzen oder Erinnerungsmomente. Jede einzelne Zeile ist nicht mehr als die Spiegelung einer Empfindung, eine Übersetzung von Zuständen. Wut, Trauer, Verzweiflung, Hoffnung, Sehnsucht…aber eben im Kontext der Sprache, als Teil eines Bildes. Und bei diesem fungiert man zwar als Maler, aber nicht zwingend als Dirigent des Motivs. Ich meine wie groß kann die Distanz zum eigenen Gefühl sein und werden?

DH: Auf dem Album findet sich der Song "Liberation". Wovon handelt der Song? Wie entstand die Idee zu dem Lied?

"Liberation" ist im Grunde ein sehr kämpferischer, von einer Verzweiflung getriebener Song. Es geht um das Befreien aus einer Enge, dem Wunsch nach dem Auftauchen aus einer Klaustrophobie. Manchmal gibt es Orte und Situationen, an und in denen man sich befindet, von denen man fühlt, daß es falsch ist, daß es dem Herz und dem Kopf widerstrebt...auch wenn das Verlassen jener Momente Chaos und Unruhe stiftet, Schmerz und Verwirrung...es geht um das Erkennen des Inneren, des Intuitiven...denn nicht immer ist die Rolle, die einem zugedacht ist auch die, die einen glücklich macht...

DH: Wo fanden die Aufnahmen zu dem neuen Album statt? Fanden die Aufnahmen im Laufe eine längeren Zeitperiode statt? Auch für das neue Album sind wir uns und der Tradition treu geblieben und haben uns für ca. 3 Monate in das Studio unseres ehemaligen Keyboarders begeben, in dem wir bis dato all unsere Alben eingespielt haben. Es ist halt jene vertraute und angenehme Atmosphäre, die einen entspannt und konzentriert gleichzeitig fühlen lässt. Zudem kennen wir die Leute dort schon seit Jahren und es gibt eine Art von Kommunikation, die nicht mehr vieler Worte bedarf, um zu wissen was gewollt ist und wohin der Weg gehen soll.

DH: Ihr seid nun seit mehr als 10 Jahren musikalisch aktiv, hat sich in dieser Zeit für Euch etwas bestimmtes verändert? Geht Ihr heutzutage manche Dinge bei der Produktion eines Albums anders an?

Natürlich sind einige Dinge im Studio heute anders als vor 12 Jahren. Man ist routinierter und läßt sich nicht mehr so von Dingen wie Nervosität und Befremdlichkeit ablenken.Als wir damals unser erstes Album einspielten waren wir sehr übermotiviert und unruhig und vieles an Kreativität fiel dem zeitlichen und selbst auferlegten Druck zum Opfer. Im Laufe der Jahre ist jener Druck nicht mehr vorhanden oder zumindest teilweise vernachlassbar, weil wir (ausser uns selbst) niemanden mehr etwas beweisen müssen. Ich glaube wir haben genug Selbstbewusstsein, um selbst zu entscheiden wie unsere Arbeit zu klingen hat und welch Ansprüche wir erfüllen wollen, ohne uns der Doktrin von Uhren und fremden Köpfen zu beugen.

DH: Habt Ihr alle zusammen die Lieder des Albums geschrieben?

Im Grunde haben wir uns im Laufe der vergangenen Jahre (abhängig von der jeweiligen Besetzung) einen sehr demokratischen Arbeitsstil entwickelt, in dem jeder einzelne seine Vorstellungen und Ideen einbringen und auf seine Art und Weise auch verwirklichen kann. Und es ist ja gerade auch genau jene Verschmelzung und Symbiose von unterschiedlichen Ideen und Visionen, die das Spektrum unserer Musik ausmacht! Ich glaube gerade bei den Songs des aktuellen Albums merkt man deutlich welch Vielfältigkeit, Tiefe und Detailliertheit jene kreative Strömung hervorbringen kann, die entsteht wenn verschiedene Gedanken in die selbe Richtung denken und fühlen....

DH: Mittlerweile seid Ihr auch auf diversen Festivals gewesen, u.a. das Wave Gothic Treffen. War es das erste Mal für Euch dort live zu spielen?

Nein. Wir hatten bereits vor fünf Jahren das Glück Gast auf dem WGT sein zu dürfen, auch wenn ich zugeben muss, daß die Freude und die Aufregung auch beim zweiten Mal nur unwesentlich geringer sind! Aber es waren beide Male großartige Erfahrungen und immerwährende Höhepunkte unseres bisherigen Weges.

DH: Was ist es für ein Gefühl für Euch vor viel Publikum aufzutreten? Seid Ihr vor einem Auftritt nervös oder seid Ihr mittlerweile eher "cool" nach all den Jahren?

Es ist ein unglaubliches Gefühl und in gewisser Art und Weise irgendwie auch unbeschreiblich. Und ich glaube jenes Glücksgefühl ist auch nicht etwas an das man sich gewöhnen kann und sollte! In gewisser Weise ist dies immer genau der Moment, der einem am intensivsten und direktesten für all die Arbeit und Zeit belohnt, der einem das sichere Gefühl gibt etwas "Richtiges" zu tun. In dem Augenblick, wenn der erste Applaus ertönt oder du jemanden im Publikum siehst, der die Texte mitsingt oder einfach nur die Augen geschlossen hat und die Musik auf sich herniederkommen läßt, dann begreifst du, daß deine Musik Abdrücke hinterläßt und dieses Gefühl von Stolz und Freude ist die einzige Entlohnung, die wirklich wichtig ist...

DH: Was sind Eure weiteren Pläne in naher Zukunft. Wird es ein weiteres Album von Golden Apes geben?

Ich hoffe doch! Zur Zeit sind wir ein wenig mit dem Vorbereiten der kommenden Konzerte beschäftigt und der Umstand, daß wir vor kurzen in einem neuen Proberaum ungezogen sind, ließ auch nicht sonderlich viel Platz für musikalische Kreativität, aber wir haben bereits mit den ersten neuen Ideen begonnen und spätestens mit dem neuen jahr werden wir uns voll und ganz neuen Stücken widmen!

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und alles Gute. Ihr habt das Schlußwort:

Wir möchten dies Schlusswort nutzen, um uns bei all jenen zu bedanken, die dazu beigetragen haben, daß wir jetzt dort sind wo wir sind und daß wir auf all die Jahre zurückblicken können ohne einen Funken Reue oder Zweifel zu verspüren. Und ganz besonders möchten wir all jenen danken, denen unsere Musik das Gefühl vermitteln durfte zu atmen und somit lebendig zu sein...

Interview: Andreas Ohle