From Thy Ashes



Die Dark-Progressive-Metal Band FROM THY ASHES besteht seit 1994. Ihr aktuelles Tape heißt TRAFALMADORE, welches melancholisch düstere Klänge offenbart. Dark Heart sprach mit der Band über ihre Musik und so einiges mehr ...

DH: Erzähl doch mal, wie ist es eigentlich zu der Entstehung Eurer Band FROM THY ASHES gekommen?

Sebastian: Also, es war einmal ein Gitarrist namens Sebastian Schult, der unbedingt seine düsteren Visionen einer anspruchsvollen Gothic- Metal-Band in die Tat umsetzten wollte. Dazu scharte er im Jahre 1884 einige Mitstreiter um sich, von denen einige allerdings nicht seinen Eifer teilten. Nach mehreren Umbesetzungen beschloß man dann im Jahre 1996 ein erstes Lebenszeichen auf die Menschheit loszulassen. Dies geschah in Form der selbstvertriebenen "The Scythe Ages"- CD, die auch überwiegend gut ankam. Danach wurden erneut Umbesetzungen notwendig, bis dann 1997 das stabile Recording-Line-up von "Trafalmadore" zusammenkam, um ein weiteres Werk ans Licht der Welt zu bringen, eben jenes Demotape namens "Trafalmadore". Dies geschah im Frühsommer 1997, seitdem haben wir das Tape live promotet, u.a. mit Nightfall, SUP & Yearning, sowie als Supportact für Chroming Rose. Dazu kamen noch Headliner- und Supportgigs mit etlichen Underground-bands. Seit Oktober`97 ist man wieder zu fünft, da ein neuer Sänger in die Band kam, so daß Sebastian sich wieder mehr auf die Gitarrenarbeit konzentrieren kann. Das aktuelle Line-Up von FROM THY ASHES: Daniel Wamsler - vocals, Sebastian Schult - guitars & backing vocals, Boris Beier - guitars, Jan Rademaker - bass guitar, Johannes Schult - drums & keyboards.

DH: Habt Ihr zuvor schon musikalische Erfahrungen in anderen Bands gesammelt?

Sebastian: Naja, jeder von uns hatte vorher schon ein paar Erfahrungen gemacht, Jan (b) und ich spielten schon in der Thrash-metalcombo Miscartage (später Matricide) zusammen, auch hatte ich zuvor schon bei einigen Bands vorgespielt, die bekannteste war da Baphomet aus Bietigheim. Mein Bruder Johannes (dr/keys) hatte auch mal mit unserem ehemaligen Keyboarder eine Punkband namens VIRUS am Start und drummte mal bei "Beyond Insanity" und unser Gitarrist Boris spielte zuvor bei Royal Fist... wie man am Namen schon erkennen kann eine Metalband. Bevor unser Sänger zu uns stieß, hatte er bei einer Hard`n Heavyband namens White Africans seine Stimmbänder malträtiert, mit denen er auch schon einige regionale Erfolge verbuchen konnte. Wir sind also alle schon gewissermaßen vorbelastet, die Erfahrung tut der Band auch sehr gut, da sich jeder ausgesprochen professionell verhält. Ansonsten fahren wir aber alle mittlerweile eingleisig, sprich keiner hat noch eine andere Band neben FROM THY ASHES.

DH: Eurem Band-Info ist zu entnehmen, daß Ihr Eure Musik selbst als "Dark Progressive Metal" bezeichnet. Inwieweit meint Ihr, daß Ihr progressiv seid? Ist es für Euch wichig, daß sich Eure Musik weiterentwickelt?

Sebastian: Die Stilbezeichnung "Dark Progressive Metal" benützen wir, da sie einerseits unseren Stil sehr genau beschreibt - düster, technisch anspruchsvoll und mit metallischer Härte, andererseits uns aber auch von den gängigen Schubladen wie Gothic oder Powermetal distanziert. Das Progressive steht also zum einen für die stilistische Nähe zum Progressive Metal, zum anderen aber auch für unser Bemühen unserer Musik stets originell zu halten. Das beinhaltet natürlich auch eine konsequente Weiterentwicklung, die sich bei uns aber sowieso immer bei neuen Songs finden läßt, so daß wir keine Sorgen haben müssen, uns bei zukünftigen Aufnahmen nur noch zu wiederholen.

DH: Seht Ihr Euch von bestimmten Bands aus der Metal- oder Darkszene beeinflußt?

Sebastian: Ich denke schon, daß da einige Bands unsere Richtung mitbeeinflußt haben, auch wenn ich da nur für mich sprechen kann. Aus der düsteren Ecke kommen da am ehesten unbekanntere Bands in Frage, etwa Pan-Thy- Monium und vor allem Dark Millenium, aber sicher auch Tiamat und Anathema, während mich aus der Metalecke mittlerweile am ehesten Progmetalbands wie Fates Warning, Soul Cages, Destiny Dreaming oder auch Dream Theatre faszinieren. Ansonsten wollen wir aber vor allem eigenständig sein, wir sind aus dem Alter raus, indem man im Proberaum steht und sagt "He, ich hab da gestern ein geiles Lied von XY gehört, laß uns doch mal genausowas machen!"

DH: Möchtet Ihr mit Eurer Musik in Zukunft noch stärker in Richtung Dark oder Metal gehen, oder versucht ihr da alles im Gleichgewicht zu halten?

Sebastian: Ich denke mal, daß wir mit den Songs auf "Trafalmadore" unseren stil-istischen Rahmen definiert haben, da die Songs noch sehr unterschiedlich sind - so ist "Mind vs. Me" sehr bombastisch gehalten und von einer düsteren mystischen Stimmung beeinflußt, während "The Caveman`s Torch" ganz klar eher in die Metalecke driftet ... In Zukunft werden wir wohl versuchen, uns innerhalb dieses Gebiets zwischen Dark und Metal unsere eigene Nische auszubauen, wobei auch immer Platz für Experimente sein sollte. Das ist auch bei den ganz neuen Songs so. "Towards Desolate Oceans" etwa schwankt zwischen harten Passagen und einem düsteren Refrain und Mittelteil. Dieser Mittelteil ist hier und da auch mit gewissen Jazzelementen durchsetzt, so daß eine gewisse Spannung aufkommt, die sich dann im Schlußteil entladen kann. Ansonsten haben wir noch drei, vier neue Songs in letzter Zeit geschrieben, die auch alle in die harte düstere Ecke gehen. Daß wir mit dieser Einstellung richtig liegen, zeigen die bislang ausnahmslos positven und euphorischen Reviews, egal ob Gothic-, Metal- oder Blackmetalfanzines, egal ob groß oder klein.

DH: Eure Texte sind sehr expressionistisch. In welcher Umwelt lebt ihr, die euch zu einer solchen Gedankenwelt hat kommen lassen?

Sebastian. Ich denke, daß da weniger meine Umwelt eine Rolle spielt, da ich in einem völlig normalen langweiligen Dorf bei Stuttgart wohne. Vielmehr kommt es für mich auf die persönliche Sichtweise an, mit der man die Umwelt wahrnimmt. Man erkennt die bizarren Momente unseres Lebens erst, wenn man sich einen völlig anderen "Point Of View" zu eigen macht. Dann werden normale Dinge, wie etwa eine gescheiterte Beziehung oder auch Träume zu etwas eher abstraktem, das wiederum dann oftmals Aufschluß über die wahre Natur des Lebens gibt ... so ist zumindest meine Meinung. Ich bin ein großer Verehrer von Schriftstellern und Dichtern wie Georg Trakl oder Auch Arno Schmidt. Vor allem letzterer beschreibt oft nichts anderes als die banale Alltagswirklichkeit, aber eben aus einem veränderten Winkel, so daß letztlich seine Werke beinahe philosophisch anmuten. Ein weiterer Autor, den ich im Laufe meines Studiums kennen- gelernt habe, ist Kurt Vonnegut, der sehr post- modern schreibt. Von ihm stammt auch der Begriff "Trafalmadore", das ist der Name eines Planeten dessen Bewohner in der vierten Dimension - der Zeit - leben. Sie haben auch eine vollkommene andere Sicht der Dinge, z.B. haben für sie Geschehnisse keinen Anfang und kein Ende ... wir Menschen sollten manchmal bedenken, daß wir die ultimative Wahrheit nicht gepachtet haben und daß es so viele Dinge gibt, die für uns einfach außerhalb unserer Vorstellungs- kraft sind.

DH: Nun ist "Trafalmadore" ja Eure zweite Veröffentlichung nach der Debut-CD "The Scythe Ages". Welches sind Eure weiteren Pläne und Vorhaben?

Sebastian: Momentan ist noch nichts entschieden, vielleicht klappt es ja auch noch mit einem Plattenvertrag. Man weiß ja nie. Ansonsten werden wir Mitte `98 wieder ein neues Lebenszeichen von uns geben, aber ob als CD, MCD oder wieder als Tape, das wird die Zeit zeigen. Mein persönlicher Wunsch wäre es, eine vollständige CD aufzunehmen und sich damit dann bei den Labels bewerben. Auf alle Fälle wird es weder bei der Produktion noch bei der Aufmachung irgendwelche Abstriche geben, dafür hängt zuviel Herzblut von uns an den Stücken!

DH: Was haltet Ihr von kleinen Magazinen und Fanzines wie z.B. Dark Heart? Haltet Ihr die Magazine für wichtig oder würdet Ihr Euch lieber als Band mehr Unterstützung von den großen Szene-Magazinen erhoffen?

Sebastian: Die kleineren Magazine sind auf alle Fälle wichtig, gar keine Frage. Sie geben den jungen Musikern die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen, auf andere Bands aufmerksam zu werden und vor allem ihre Musik objektiv kritisieren zu lassen. Ein gute Feedback in Fanzines ist auch immer gut, wenn`s um die Bemusterung von Labels geht. Oft ist es auch so, daß der Schreibstil etwas frischer ist als bei den meisten renommierten Zines. Allerdings wäre es uns natürlich nicht ganz unrecht,wenn die größeren Magazine uns auch mal ihre Aufmerksamkeit schenken würden, aber da ich selbst mal für ein großes Gothicmagazin geschrieben habe, weiß ich, daß es dort noch auf ganz andere Dinge ankommt, als nur auf gute Musik. Immerhin hat das Heavy oder was? sowohl unsere CD als auch unser Demo positiv rezensiert., vielleicht gibt es in der nächsten Ausgabe sogar ein Livereview unseres Gigs mit NIghtfall, SUP und Yearning in der Stuttgarter Röhre ... das nur mal um eine löbliche Ausnahme zu nennen!

DH: Ihr tretet ja auch live recht erfolgreich auf. Wie setzt Ihr die düstere Stimmung Eures neuen Werkes "Trafalmadore" live um? Was kann man sich von Euren Auftritten in den kommenden Monaten erwarten?

Sebastian: Naja, soviele Auftritte werden wir in nächster Zeit gar nicht spielen, da wir Trafalmadore bereits ausführlich in ganz Süddeutschland und auch in Österreich live promotet haben (Das Demo erschien ja bereits Ende Mai 1997, wir haben es Euch nur erst vor kurzem geschickt, weil ich Eure Adresse erst vor kurzem entdeckt hatte!). Momentan konzentrieren wir uns mehr auf das Song-writing, was aber nicht heißen soll, daß wir nicht sofort bereit sind, irgendwo zu spielen, wenn es ein Angebot gibt ... es sollte halt etwas Benzingeld und bei weiteren Entferungen eine Möglichkeit zum pennen drin sein. Wir richten übrigens auch gerne Austauschkonzerte aus, also wenn das hier eine andere Bands liest, soll sie sich umgehend melden! Die letzten Gigs waren schon sehr spielfreudig, wir kommen live immer etwas härter rüber, so das das eher Metalshows waren.

Johannes: Die vergangenen Konzerte haben unserem Zusammenspiel sehr gut getan, so daß wir inzwischen blind aufeinander vertrauen können, wenn wir auf der Bühne stehen.

Sebastian: Wir haben aber beschlossen, in den nächsten Monaten ein wenig in zukünftige Shows zu investieren, in Planung sind so simple wie effektive Dinge wie Kerzenständer, dunkle, bemalte Tücher zum Verhängen sowie einige Lichteffekte, um unsere Show etwas finsterer zu gestalten. LaßtEuch überraschen! In Planung für das Frühjahr`98 sind bereits Gigs in Saarbrücken, Jena und einige Open-Air Festivals hier bei uns in der Stuttgarter Gegend!

DH: Möchtet Ihr sonst noch was sagen?

Sebastian: Ja, natürlich wollen wir uns erstmal für das interessante Interview bedanken. Außerdem möchte ich alle Leser bitten, sich weiterhin für den Untergrund zu interessieren, da dort mittler- weile erstklassige Bands fernab aller Trends gute Musik abliefern, die jede Unterstützung nötig haben.