Formfleisch



DH: Erzählt uns zunächst erstmal etwas über euch. Seit wann seit ihr musikalisch aktiv, und wie kam es zur Gründung von FormFleisch? Seit wann gibt es Euch überhaupt?

FF: Hallo. Nun, dann wollen wir euch mal eine kurze Zusammenfassung unserer Bandgeschichte liefern: im Jahre 2000 fanden sich Gitarrist Andreas, Keyboarder Ray, Sängerin Nadine, Schlagwerker Max und Bassistin Dorain in Leipzig zusammen und gründeten die Band FormFleisch. Der Anlass war, endlich eigene Ideen umzusetzen, statt sich weiter berieseln zu lassen. Vorrangig hatten wir dabei große Lust auf Live-Auftritte, in dieser Zeit wurde aber auch das erste Demo namens „FormFleisch“ eigenständig produziert. Leider verließ Nadine bereits ein Jahr später die Band und Dorain wechselte zum Mikro. So blieb das Line-up bestehen, und es wechselten sich zahlreiche Bassisten ab. Über die Jahre gab es eine Menge Auftritte, sowohl in kleineren Clubs als auch auf größeren Bühnen bei bekannten Festivals oder als Support von z.B. Cinema Strange, Faith And The Muse und Skeletal Family. Es gab zwei weitere EPs namens „grip“ (2002) und „puppet“ (2004), die von vielen Magazinen rezensiert wurden. Die Arbeiten an einem kompletten Album waren nun dieses Jahr im vollen Gange. Doch inzwischen kam es nach immer wiederkehrenden Schwierigkeiten leider zu einer gegenseitigen Trennung von Dorain. Darum ist der eigentliche Kern der Band, Andreas, Ray und Max, derzeit auf der Suche nach einem neuen Gesang, was noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

DH: Eure Musik ist ja zweifelsohne dem Gothic-/ Batcave-Bereich zuzuordnen. Wie kommt es, dass ihr diese Art von Musik macht? Ist Eure Musik auch Teil Eures persönlichen Lebensgefühls?

FF: Der Begriff „Batcave“ ruft bei uns inzwischen einen großen Widerwillen hervor. Zudem passt er nicht wirklich zu unserem Stil. Der Song „Batkäver“ von unserer letzten EP hat übrigens auch nichts damit zu tun, wenn dann ironisch. All diese Betitelungen interessieren uns eigentlich recht wenig. Wenn nun aber jemand darauf bestehen sollte, so kann er uns einfach als „Gothic-Rock“ bezeichnen. Natürlich kommt unsere Musik, wie auch bei vielen anderen, direkt aus dem Bauch heraus und gehört somit zwangsläufig zum Lebensgefühl. Schließlich versuchen wir ja über die Instrumente, unseren eigenen Ideen und Gedanken Ausdruck zu verleihen.

DH: Musikalisch besonders interessant ist bei FormFleisch die Rückbesinnung auf die klassischen Gothic- und Batcaveelemente der 80`er Jahre. Denkt Ihr, dass diese Musik auch dank Euch derzeit ein Comeback erlebt?

FF: Mal abgesehen von diesen beiden Bezeichnungen, ist es durchaus richtig, dass wir uns unter anderem an klassischen Elementen orientieren. Allerdings wollen wir diese mit einem neuerem Stil in eine gute Verbindung bringen und alles andere als nur eine „Retro“-Band sein. Inwieweit nun ein Comeback erlebt wird, ist uns nicht ganz ersichtlich. Die Rückbesinnung auf den Anfang in den 80er Jahren zieht sich durch die ganze „schwarze“ Szene. Es gibt hier also unseres Erachtens gar kein „derzeit“.

DH: Eure aktuelle EP heißt „puppet“. Erzählt uns etwas zu der CD. Wie lange dauerten die Aufnahmen, und wo fanden sie statt? Gab es während den Aufnahmen eine besondere Atmosphäre im Studio?

FF: „puppet“ ist wiederum eine 4-Track-EP. Außerdem gibt es diesmal als fünften Track noch ein Video vom 2002 erschienenen „Trip“, das als Live-Eindruck aus mehreren Auftritten zusammengestellt wurde. Die Aufnahmen der neuen Songs in einem Naumburger Studio dauerten ganze sechs Monate, da die zeitliche Koordination bei fünf vollbeschäftigten Bandmitgliedern etwas schwierig ist. Die besondere Atmosphäre im Studio.. es war warm. Außerdem war es natürlich eine bemerkenswerte Erfahrung. Doch fühlt man sich auch sehr eingeschränkt bzw. unter Druck gesetzt, so dass das Arbeiten nicht ganz so viel Spaß macht wie z.B. im eigenen Kämmerchen oder Proberaum. Die ganze Produktion hatte schlussendlich auch noch ein etwas anderes Ergebnis als wir erwartet hatten und entsprach nicht ganz unseren Vorstellungen. Darum haben wir schon vor einer Weile beschlossen, uns lieber genügend eigenes Equipment für unabhängige Aufnahmen zu leisten. Nun können wir alles selbst kontrollieren und sind damit inzwischen bei den Aufnahmen zum ersten FormFleisch-Album, wenn auch zunächst nur instrumental.

DH: Gab es vor „puppet“ schon andere Veröffentlichungen von Euch? Seid Ihr derzeit auf der Suche nach einem Label für Eure Musik? FF: Wie bereits erwähnt, gab es 2001 die erste EP „FormFleisch“, noch mit Sängerin Nadine. 2002 erschien dann „grip“ mit Dorain am Gesang, wozu es erstmals eine Reihe Session-Fotos und Merchandise gab. Wir sind tatsächlich schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem passenden Label. Es gab auch schon genauere Pläne, doch bevor es zu neuen Bemusterungen mittels der „puppet“-EP kommen konnte, ereignete sich die Trennung. Nun werden wir also die Suche nach einem Label erst mit neuen Gesangsaufnahmen fortsetzen können.

DH: Die Songs der EP „puppet“ hören sich sehr düster und dunkel an. Welche Themen besingt ihr auf der EP und wie kommt Ihr auf die Ideen für die Songs?

FF: Überwiegend geht es auf dieser EP erneut um zwischenmenschliche Beziehungen. Textlich stammen bei uns viele Ideen vom Gesang selbst und haben oft mit den jeweils persönlichen Erlebnissen und Befindsamkeiten zu tun. Ab und zu wird auch von anderen Bandmitgliedern ein Vorschlag entgegengenommen und weiterentwickelt. Musikalisch entsteht das meiste zunächst spontan im Proberaum, manchmal sogar aus Spielfehlern heraus, oder es bringt jemand eine Anregung mit, und diese Idee wird gemeinsam ausgebaut. Das entwickelt sich dann in die unterschiedlichsten Richtungen, doch haben alle Songs letztlich dieses gewisse Gefühl gemeinsam, das ihr „düster und dunkel“ nennt, doch einfach nur unserer Stil ist.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song „Array“. Wie entstand die Idee zu diesem Song, und wovon handelt das Lied?

FF: Im Herbst 2003 entstand auch dieser Song abends in unserem Proberaum. Beim musikalischen Herumprobieren, so genannten Jam-Sessions, gab es einige Anläufe, und dann entwickelte sich nach und nach das gesamte Stück. Der Text zu „Array“ stammt von Dorain und beschreibt vermutlich die vollkommene Abhängigkeit eines Menschen, eine plötzliche Trennung und den damit verbundenen hilflosen Fall in endlose Abgründe. Doch da hier die Schreiberin nicht selbst zu Wort kommen kann, verweisen wir auf die Deutungsoffenheit der Kunst.

DH: Gibt es bestimmte Themen oder Ereignisse, die Euch beim Songschreiben beeinflusst haben? Wie entsteht überhaupt ein Song bei Euch? Gibt es eine Person, die alle Songs schreibt, oder entstehen die Songs im gemeinsamen Zusammenspiel aller Bandmitglieder?

FF: Wie schon gesagt, stammen die meisten Inhalte vom Gesang selbst, aber auch einige von anderen Bandmitgliedern. Die Themen sind überwiegend sehr persönliche, haben also wenig mit dem Weltgeschehen oder öffentlichen Ereignissen zu tun. Und wenn doch, dann geschieht das eher unbewusst und bleibt kaum zu erkennen. Vorrangig gibt es bei uns zunächst den Sound, der hier und da mit Phrasen und zusammenhangslosem Text untermalt wird. Erst bei einer fertigen Gesangsmelodie wird dann an einem genaueren Text gearbeitet, der gut auf diese Gesangslinien passt. Das geschieht mal im Alleingang und mal in Zusammenarbeit, hier sind die Wege vollkommen unterschiedlich.

DH: Wie kamt Ihr auf die Idee, auf der MCD zusätzlich einen Videoclip zu veröffentlichen? Habt ihr vor, in Zukunft weitere audiovisuelle Experimente in dieser Richtung zu unternehmen? Würdet Ihr auch gerne irgendwann einmal eine DVD machen?

FF: Dieser zusätzliche Videoclip auf der „puppet“-EP sollte vor allem einen kleinen Live-Eindruck von uns hinterlassen, allerdings ohne großartigen künstlerischen Anspruch. Es ist durchaus möglich, dass auch in Zukunft etwas in der Art veröffentlicht wird, wenn es die Zeit und Möglichkeiten zulassen.

DH: Gibt es bei Euren Texten auch Raum für sozial- bzw. gesellschaftskritische Themen oder könntet Ihr Euch vorstellen darüber einmal zu singen? Wenn Ihr etwas an der Welt verändern könntet, was würdet Ihr tun?

FF: Hintergründig werden wir davon sicher beeinflusst, denn auch uns umgeben Nachrichten aus aller Welt oder Ereignisse in der eigenen Stadt tagtäglich. Doch ist es nicht unser Ziel, derartiges anzuprangern. Wir wollen vor allem gute Musik machen, bei der die textlichen Inhalte eher zweitrangig sind. Darum wird bei uns auch nichts erzwungen, was nicht dem Song dient.

DH: Habt Ihr auch freundschaftliche Kontakte zu anderen Bands? Mit welcher Band würdet Ihr gerne einmal zusammen auf der Bühne stehen oder zusammen auf Tournee gehen? Gibt es da einen Favoriten?

FF: Es gibt da so einige Bands, mit denen wir bereits schöne Abende verbracht haben, ob auf der Bühne oder hinter den Kulissen beim gemeinsamen Umtrunk. Da wären unter anderem Zadera, mit denen wir schon mal eine Mini-Tour unternommen oder uns auf diversen Geburtstags- oder Release-Parties gegenseitig mit Auftritten unterstützt haben. So ähnlich verhält es sich auch mit Cassiopeia, Monozid, Murder At The Registry und vielen anderen. Ein bestimmter Favorit für eine gemeinsame Tournee sähe bei jedem von uns etwas anders aus. So eine Band müsste gar nicht allzu berühmt sein, nur eben unseren Musikgeschmack treffen.

DH: Welche weiteren Pläne habt Ihr mit FormFleisch in naher Zukunft? Wird es bald ein ganzes Album von Euch geben? Arbeitet Ihr derzeit an weiteren Songs für ein Album?

FF: Derzeit suchen wir nach einem passenden Gesang, um die Arbeit so schnell wie möglich fortsetzen zu können. Schließlich stecken wir mitten in den Aufnahmen zu einem Album und müssen uns dabei auf das Instrumentale beschränken. Leider wissen wir nicht, ob dann mit einem neuen Gesang alles so verwendbar sein wird, doch eine Pause kommt für uns nicht in Frage. Sobald alles wieder geregelt ist, wollen wir auch schnell wieder auf die Bühnen und noch viele Live-Gigs bestreiten.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Eure letzten Worte:

FF: Borthathu merra formakjöt !

Interview: Andreas Ohle