Falk Lenn



DH: Erzähl uns zunächst etwas über Deinen musikalischen Werdegang.

1996 fing ich an, aktiv Musik zu machen, in dem ich das Solo-Projekt „Seelenfeuer“ gegründet hatte, das sich dann im Laufe der Zeit zu einem siebenköpfigen Live-Ensemble entwickelte. Im Jahr 2000 beendete ich Seelenfeuer und gründete nach einer kreativen Pause mein neues Projekt.

DH: Deine Musik und Dein Gesang erinnert sehr an frühere Aufnahmen von Bands wie etwa Goethes Erben - siehst Du auch Parallelen zu diesen Bands oder glaubst Du, dass die Musik sich gänzlich davon unterscheidet? Wie würdest Du Deine Musik selbst beschreiben?

Was meine Musik mit der von Goethes Erben zu tun haben soll, ist mir ein Rätsel. Sowohl kompositorisch als auch schon allein nur von der Instrumentierung her gehen die Erben einen ganz anderen Weg als ich. Die einzige Parallele zwischen den Erben und mir besteht in dem Vortrag von deutschen Texten, aber selbst die Texte sind mit denen der Erben sowohl stilistisch als auch inhaltlich mit der Art der Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema völlig unterschiedlich. Ich würde meine Musik als rein elektronisch beschreiben mit einer Vorliebe für eher unkonventionelle Sounds und Arrangements. Sie changiert zwischen ruhigen, mal verträumten, mal mysteriösen Momenten und krachend lauten Ausbrüchen. Sie fordert viel Aufmerksamkeit und ist nur schwer nebenbei zu hören. Wie aber die genaue Wirkungsweise der Musik ist, hängt immer vom Zuhörer ab. Jeder nimmt Musik unterschiedlich wahr.

DH: Gibt es bestimmte Bands, die Dich in der Vergangenheit geprägt haben? Gibt es generell Erlebnisse, die dazu geführt haben, dass Du heute genau diese Art von Musik machst?

Inwieweit mich bestimmte Bands tatsächlich künstlerisch geprägt haben, kann ich so nicht sagen. Lieblingsbands bzw. Lieblingskünstler sind auf jeden Fall u.a. Archive, Björk, Radiohead, Portishead und Cure. Das sind aber nur einige von zahlreichen Musikern, die ich höre; es hängt immer von meiner Stimmung ab, ob ich eher melancholische oder lebensfrohe, eher elektronische oder akustische, eher avantgardistische oder poppige Musik höre. Meine Art, Musik zu machen, kann ich nicht auf bestimmte Schlüsselerlebnisse zurückführen; der Stil hat sich durch jahrelanges Experimentieren und Sammeln von Erfahrungen geformt.

DH: Bist Du ein schwarzromantischer Mensch?

Nein. Ich habe meine romantischen Seiten und meine abgeklärten Seiten und ich kann ebenso melancholisch wie vergnügt sein. Mal so, mal so. Generell würde ich mich einfach als nachdenklichen Menschen bezeichnen.

DH: Wie kam es zu der Entscheidung nach der Zusammenarbeit mit Seelenfeuer ein Soloalbum zu veröffentlichen? Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit SXDistribution?

Dass ich wieder solo weiter machen wollte, war der Grund für die Auflösung Seelenfeuers. Seelenfeuer war ja ursprünglich, wie bereits erwähnt, auch ein Soloprojekt von mir und entwickelte sich dann zu einer großen Liveband. Das Projekt wurde mir auf die Dauer zu rockig, zu wenig elektronisch und experimentell. Ich brauchte eine neue Art, mich auszudrücken, was mit dem Projekt Seelenfeuer nicht mehr in Einklang zu bringen war. Dann begab ich mich auf eine lange musikalische Entdeckungsreise mit meinem Produzenten Tim Buktu als Mentor, bis ich den Stil gefunden hatte, mit dem ich mich wieder identifizieren konnte. Die Zusammenarbeit mit SXDistribution geschah denkbar einfach: Ich habe ihnen meine Musik geschickt, sie wurde für gut befunden und ins Vertriebsprogramm aufgenommen.

DH: Das Soloalbum "Windherz" ist der Beginn einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen von Dir, die in den nächsten Monaten anstehen. Kannst Du uns etwas über das Konzept dieser Veröffentlichungen erzählen?

Es handelt sich hierbei um eine Trilogie. „Analog dem Zyklus der Jahreszeiten beginnt sie nach dem Ende einer Beziehung in Wintergeist, erlebt in Weinmond ein Aufblühen neuer Liebe und vollendet sich im Scheitern derselben in Windherz.“ Da es aufgrund des zyklischen Charakters egal ist, mit welchem Teil man anfängt, wird als erstes nun der neueste und damit dritte Teil veröffentlicht, dem dann der erste und der zweite Teil folgen.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album? Wo fanden die Aufnahmen zu dem Album statt und mit welchen Musikern hast Du auf dem Album zusammengearbeitet?

Die Aufnahmen dauerten drei Wochen, der Entstehungsprozess aber länger. Für das Album habe ich mit keinem weiteren Musiker zusammen gearbeitet und es ist produziert worden von Tim Buktu im Manufaktur-Studio in Wuppertal.

DH: Magst Du generell auch mit anderen Musikern zusammenarbeiten? Ist Dir bei Deiner CD die Tatsache wichtig, dass vieles von Dir selbst in diesem Album verwirklicht ist? Ist "Windherz" auch eine Art Selbstverwirklichung?

Die Zusammenarbeit mit anderen Musikern kann sehr interessant sein, wenn man auf der gleichen Wellenlänge ist, also wenn man die gleiche Vorstellung davon hat, was gut ist und was nicht. Musik ist immer eine Art der Selbstverwirklichung, die stets einen Teil persönliche Erfahrung und Fiktion in sich birgt, die in die Musik einfließen.

DH: Der Song "Sprengen wir die Ketten" gefällt mir sehr gut. Wovon handelt das Lied?

Ich denke nicht, dass meine Texte all zu schwer zu verstehen sind und dass es doch offenkundig um den Moment der Trennung geht.

10. Viele Deiner Songs handeln von Einsamkeit, Enttäuschung und Verlust. Gibt es bestimmte Erlebnisse, die Dich zu Deinen Texten inspirieren? Wie entsteht überhaupt ein Song bei Dir? Wie funktioniert der Prozess des kreativen Songschreibens?

Ich führe Tagebuch und das ist eine gute Möglichkeit, herauszufinden, wo man zur Zeit steht, was einen bewegt, was einem wichtig ist. Das fließt dann in die Arbeit mit ein. Ein Song bei mir entsteht meistens abends oder nachts, wenn alles um mich herum still geworden ist und man die Möglichkeit hat, in sich hinein zu horchen. Ich zünde Kerzen an, trinke Wein und lasse mich treiben von meinen Gedanken und Gefühlen. Wie genau ein Song bei mir eigentlich entsteht, frage ich mich im Grunde immer wieder selbst, wenn er plötzlich fertig ist. Ich fange mit ein paar Klängen an und im nächsten Augenblick habe ich ein ganzes Musikstück am Computer arrangiert. Das geht einfach wie von selbst. Bei den Texten ist das nicht anders.

DH: Was macht der Mensch Falk Lenn, wenn er mal keine Musik macht? Bist Du neben der Musik auch noch in anderer Form künstlerisch tätig? Als literarisch anspruchsvoll geprägtem Menschen gestattete mir die Frage: Gibt es auch Bücher bereits von Dir oder planst Du ein Buch zu schreiben?

Ich studiere Germanistik. Neben meinem musikalischen Projekt gibt es kein weiteres künstlerisches Feld, auch habe ich bisher kein Buch geschrieben und plane es in naher Zukunft auch nicht.

DH: Wird es Falk Lenn bald auch wieder live zu sehen geben? Ist eventuell sogar eine Tour in Planung? Hättest Du auch Interesse daran, Deine Texte einmal in Form einer Dichterlesung zu präsentieren?

Sehr bald wird man mich wieder live sehen können. Derzeit arbeite ich mit Olaf Reitz, der die Regie übernimmt, an der neuen Inszenierung. Es ist zwar deutlich mehr als ein Auftritt geplant und das auch in verschiedenen deutschen Städten, ob daraus aber eine zusammenhängende Tour wird, kann ich derzeit noch nicht sagen. Eine Dichterlesung mit meinen eigenen Texten käme für mich nicht in Frage, da meine Texte immer an Musik gekoppelt sind.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Dir alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Dir gehört das Schlusswort:

Nichts weiter als ebenso vielen Dank für das Interview.

Info: www.falk-lenn.de

Interview: Andreas Ohle