Fabrik C

DH: Hallo Thorsten, erzähl uns zunächst etwas über Dich und Deinen musikalischen Werdegang, Seit wann bist Du musikalisch aktiv und wie entstand die Idee zu Fabrik C?

Hallo erst einmal ... Angefangen hat alles Ende der Achtziger, als ich mit meinem damaligen Kumpel die Idee hatte, seine lyrischen Texte mit ein wenig „Rhythmus und Melodie“ zu unterlegen. Vielleicht waren wir unserer Zeit voraus oder aber die Welt noch nicht reif genug für diese „Experimente“ (grinst) Zwischenzeitlich war es dann eher sehr viel weniger Zeit für die Musik, bis ich irgendwann einfach wieder zu viel bekam und mich musikalisch neu ausleben wollte. Dieses Mal habe ich dann auch mehr Ehrgeiz und Energie in die ganze Tätigkeit gesteckt. Was dabei herauskam, kann man ja inzwischen in vielen Clubs und bei Auftritten hören. Die Idee zu FabrikC entstand dadurch, dass ich einen Deckel für meine kreativen Ausdünstungen brauchte und so entstand das Gesamtprojekt. FabrikC.

DH: Deine Musik ist ja zweifelsohne dem industriellen Bereich zuzuordnen. Wie kommt es, dass Du genau diese Art von Musik machst? Gibt es bestimmte Dinge, die an dieser Art der Musik für Dich besonders reizvoll sind?

Was mich an der Musik ganz klar am stärksten reizt sind die Möglichkeiten in den Bereichen Percussion und Rhythmus. Ich mag die Einfachheit der Maschinen, der Technologie. Maschinen (industrielle) haben gegenüber dem Menschen den großen Vorteil, dass sie zwar mitunter sehr kompliziert, aber verständlich sind, während der Mensch ein oftmals irrationales Verhalten an den Tag legt, das einem das Miteinander oftmals sehr schwer macht. Aus diesem Grund mag ich diese Art von Musik, zudem ist sie sehr kraftvoll, energiegeladen und angenehm, um den Geist zu entspannen. Klingt vielleicht in den Ohren einiger recht verwirrend, jedoch muss ich sagen, dass ich bei Industrial sehr gut entspannen und auch feiern kann.

DH: Mit "Gleichstrom" erscheint nun Dein neues Album. Gab es zuvor schon Veröffentlichungen von Dir, wenn ja welche? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Deinem Label ProNoize?

Ja, es gab vor „Gleichstrom“ bereits eine Albenveröffentlichung, welche ich lediglich im Eigenvertrieb „an den Mann“ brachte: „Farblos“. Ein Teil der auf dem aktuellen Album enthaltenen Stücke befinden sich auch bereits dort drauf, jedoch waren sie es mir wert, dass sie auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Zu dem Vertrag mit ProNoize kam es rel. einfach: Frank D’Angelo hatte eine Promo bekommen, wie so viele auch, irgendwann telefonierte man dann und ehe man sich umsehen konnte, ging es dahin, dass weiteres Material verschickt wurde und die Dinge ihren Lauf nahmen.

DH: Wie kam es zu der Idee das Album "Gleichstrom" zu betiteln, wo doch deine Instrumente sicher alle Wechselstrom haben?

In gewisser Weise hast du sicherlich Recht, wenn du sagst, dass alle meine Instrumente mit Wechselstrom arbeiten. Wenn man jedoch tiefer schaut, dann ist es viel zu viel für die Geräte und sie machen sich Gleichstrom daraus (grinst) – nein, mal ehrlich, es geht bei dem Titel eher darum, dass es technisch basiert ist und der Titel beinhaltet die physikalischen Grundzüge des Gleichstromes: keine Schwankungen, klare Linien und keine Wechsel, soll heißen, dass das ganze Album eine Linie befolgt.

DH: Finden sich auf der CD auch Songs von früheren Veröffentlichungen von Dir? Welche Kriterien gab es bei der Songsauswahl für diese CD? Gab es Songs, die unbedingt auf dem Album erscheinen sollten und mussten?

Ja, es sind auch Songs enthalten, welche bereits auf der vorherigen Zusammenstellung „Farblos“ enthalten waren. Die Kriterien waren eigentlich ganz einfach: Es sind Stücke, welche ich einer breiteren Masse zugänglich machen wollte und mit denen ich mich identifiziere. Nach einem kleinen Gespräch mit dem Label, welches seiner Seite noch den ein oder anderen Song unbedingt übernehmen wollte, stand dann auch die Zusammenstellung relativ schnell fest.

DH: Besonders gut gefällt mir das Lied "Der zweite Tod". Wovon handelt das Lied und wie entstand die Idee zu diesem Song? Wovon handeln generell Eure Songs? Gibt es bestimmte Themen, die Euch besonders am Herzen liegen?

Da hast du genau den Song gefunden, der mir ein paar Schwierigkeiten bereitet, ihm eine tiefere Bedeutung oder gar eine Aussage zu geben. Er ist von meiner Seite her einen Hommage an eines der größten filmischen Meisterwerke in meinen Augen. Die Idee zu diesem Song entstand wie die meisten: spontan (grinst) Oft sind es Gedanken, die einem ewig nachhängen und irgendwann hast du ein Erlebnis, welches dir die ausschlaggebende Idee gibt, es endlich umsetzen zu können. SO entstehen fast alle Songs. Es sind Gedanken, die einen beschäftigen, Erinnerungen, die einen verfolgen, bis irgendwann die eine zündende Idee kommt und an dieser wird dann so lange gedreht, geschraubt und gefeilt, bis sie mir gefällt. Nach einer variierenden Zeit wird dann noch einmal sehr penibel an die Stücke herangegangen, um noch einmal zu schauen, ob sie immer noch die gleiche Wirkung haben und gegebenenfalls noch einmal überarbeitet. Themen, welche mir besonders am Herzen liegen, sind tiefe menschliche Emotionen, die Absurditäten des täglichen Lebens und oftmals einfach nur der Spaß an der Musik im generellen.

DH: Fabrik C klingt, wie ich finde im Vergleich zu anderen Industrialacts weitaus härter und selbstzerstörerischer. Ist dies auch in gewisser Weise ein Spiegelbild von Dir selbst? Denkt Du, dass es auch eine Reaktion auf Deine Umwelt ist?

Ich denke diese Wahrnehmung ist sehr subjektiv, da ich persönlich verschiedene andere Projekte für härter als meine Musik empfinde. Ob es ein Spiegelbild meiner selbst ist, müsste dir mein Psychiater sagen können, wenn ich einen hätte (lacht laut) – nein, mal ehrlich, es ist sicherlich eine Reflektion meiner Emotionen, welche ich unter anderem versuche in den einzelnen Tracks zu verarbeiten, denn hier schneiden sich die beiden Punkte Deiner Frage: Meine Emotionen sind oftmals eine Reaktion auf meine Umwelt, und damit meine ich nicht nur die eigene Gefühlswelt, sondern auch die ferne Umwelt. Sei es politisch, gesellschaftlich oder zwischenmenschlich, alle Gedanken, die mich intensiv beschäftigen, versuche ich musikalisch zu erfassen und mit meinen Mitmenschen zu teilen. Natürlich liegt es jedem frei, dieses Angebot anzunehmen und sich auf die Reise der Wahrnehmung zu machen oder ganz einfach nur abzuschalten und die Musik für die Zwecke zu nutzen, denen sie eigentlich dienen sollte: Dem Vergnügen.

DH: Was denkst Du in welche Richtung sich Fabrik C musikalisch weiterentwickeln wird. Wird der Sound von Fabrik C noch härter werden oder glaubst Du, dass Eure Musik in eine ganz andere Richtung gehen wird?

Eines kann ich mit sehr großer Gewissheit sagen: FabrikC wird nicht sicht in eine andere Richtung entwickeln, als die in der sich das Projekt bewegt. Der Charakter dieses Projektes ist die Grundlage des Projektes und wird sich nicht verändern können, denn es lebt aufgrund des ihm eigenen Wesens. Ob es sich klanglich verändern wird, würde ich gerne noch unbeantwortet im Raum stehen lassen, denn die Arbeiten am Folgealbum sind noch in vollem Gange und es ist noch nicht möglich, ein endgültiges Bild aufzuzeigen, um hier eine Aussage festmachen zu können.

DH: Könntest Du Dir vorstellen Deine Songs auch remixen zu lassen? Von wem würdest Du Dich gerne einmal remixen lassen oder mit wem würdest Du gerne einmal musikalisch zusammenarbeiten?

Aber natürlich! Derzeit gibt es einen Remix-Tausch, über den ich noch nicht sprechen möchte, da ich noch nicht sicher weiß, ob es der anderen Seite schon recht ist, jedoch kann ich behaupten, dass mich gerade dieses Angebt zum Remix-Tausch sehr stolz gemacht hat. Es gibt ein paar Musiker, mit denen ich gerne einmal zusammenarbeiten würde. Jeder, der mich ein wenig besser kennt, weiß, dass es ein musikalisches Idol in meinem Leben gibt, der mich sehr stark inspiriert bei meiner Arbeit und mich seit vielen Jahren musikalisch begleitet. Leider ist es hier noch nicht zu einem Kontakt gekommen, jedoch gebe ich hier nicht so schnell die Hoffnung auf, mit diesem Menschen einfach mal ungestört ein paar Worte wechseln zu können. Für alle, die es jetzt noch nicht wissen sollten, und die es interessiert, es handelt sich hier um Tommi Stumpff. Leider werde ich mit ihm niemals zusammenarbeiten können, da ich ihn unter anderem dafür bewundere, dass er auf einem Hochpunkt gesagt hat, dass er ab sofort keine Musik mehr machen würde und das bis heute konsequent verfolgt.

DH: Wird es Fabrik C demnächst auch live zu sehen geben? Sind Konzerte geplant? Welche weiteren Pläne gibt es nach dem Album? Arbeitest Du schon an einigen neuen Songs?

Es gab bereits diverse Live-Gigs. Die letzten beiden haben mich ebenso stolz gemacht, wie das derzeitige Remix, denn man bekommt nicht oft die Möglichkeit, mit einem dermaßen angesagten Projekt wie CombiChrist auf der Bühne zu stehen. Weitere Konzerte für 2006 sind auf jeden Fall angedacht und eventuell sogar eine kleinere Tour, jedoch wird hier noch nicht zu viel verraten, denn es ist alles noch in der Planungsphase. Nach einem Album erscheint in der Regel ein zweites und so wird es auch bei mir sein (grinst verschmitzt), ich bin bereits seit dem Release von „Gleichstrom“ an der Arbeit zur nächsten Veröffentlichung. Ich sehe es nicht als Einmalgeschichte, denn ich lebe meine Musik und bin daher auch sehr intensiv bereits wieder bei der Arbeit an neuem Material.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Dir gehört das Schlusswort:

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich Schlussworte hasse ? (lacht laut) aber sehr gerne doch. Grundsätzlich möchte ich einfach mal die Leser und „Hörer“ dazu aufrufen, wieder zu den alten Wurzeln des „schwarz“ zurückzukommen! Für mich ist „schwarz“ seit Ende der Achtziger eine Einstellung und keine Darstellung. Lebt Euren Stil und werft die Dogmen über Bord, übt euch wieder mehr in Toleranz und das bereits im kleinen und lebt Euer Leben, denn es ist euer Leben und nur ihr selber wisst am besten, was Euch gut tut!

Interview: Andreas Ohle