Expretus


DH: Seit wann gibt es Expretus? Wir entstand die Band und woher kommt der Name?

Expretus gibt es seit 1999. Anfangs waren wir zu zweit, und haben in dieser Besetzung auch das Debut "Gezeitenrausch" auf die Beine gestellt. Der Name ist uns sozusagen zugefallen, als wir im Lateinwörterbuch nach irgend einem anderen Wort gesucht haben. Expretus kommt aus dem altlateinischen, allerdings ist die etwaige und genaue Bedeutung unbekannt (lt. Langenscheidt). Durch unsere Musik hat das Wort nun wieder eine Bedeutung.

DH:Welche Musiker sind derzeit bei Expretus mit dabei?

Das derzeitige Line Up besteht aus Karsten Stork (Bass), Jörg Kretzschmar (Keyboards), RoberTron (programming), Rico Rock (Gastgitarrist) und meiner Wenigkeit am Mikro.

DH:Eure Musik hört sich für mich wie eine Mischung aus Gothic und Darkwave an - stimmt Ihr mir da zu oder seht Ihr Euch musikalisch anders?

Ehrlich gesagt ist mir das egal. Wir versuchen eine homogene Mischung aus elektronischen und instrumentellen Strukturen zu schaffen, die unseren Vorstellungen von individuellem Sound entspricht. Einflüsse beziehen wir dabei aus den verschiedensten Genres, die unseren eigenen Hörgewohnheiten entsprechen. Da die Mitglieder der Band sehr unterschiedliche Präferenzen haben, ist das Spektrum der Einflüsse sehr breit. Das macht das arbeiten interessant, ist aber oft auch sehr anstrengend, da jeder seinen Stil verwirklicht sehen will. Mit der Zeit haben wir gelernt, das eigene Ego auch mal herunterzuschrauben. Das dient letztendlich dem Song und den Nerven.

DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Lichtbringer?

Nach unserem ersten Konzert wurden wir angesprochen, ob wir unser zweites Album nicht bei Lichtbringer herausbringen wollen. Wir waren natürlich geschmeichelt und haben schnell zugesagt. Bei Lichtbringer redet uns niemand in unsere künstlerische Arbeit rein, wir haben die volle Kontrolle und Auswahl über die Veröffentlichungen. Das gilt für die musikalische, sowie die gestalterische Erscheinung der Alben und ist in meinen Augen das Wesentliche. Vieles könnte noch verbessert werden, doch das Label ist auch noch recht jung, und muss erst seine Erfahrungen machen.

DH: Wie entstand das neue Album electro.technic? Wo fanden die Aufnahmen statt und wie lange dauerten sie?

Auf electro.technic sind neben neuen Stücken auch einige erneut eingespielte- bzw. arrangierte Stücke des vergriffenen Gezeitenrausch-Debut-Albums zu hören, sowie Remixe von scatology und André Kopitsch. Da das erste Album immer wieder nachgefragt wurde, wollten wir die besten Stücke noch einmal in größerer Auflage herausbringen, da wir die ursprüngliche CD im Eigenvertrieb in einer sehr geringen Auflage produziert hatten. Die Aufnahmen fanden in einem kleinen Studio in Dresden statt, welches extra für diesen Aufnahmeprozess nach unseren Anforderungen zusammengestellt wurde. Insgesamt haben wir zwei Monate mit den Aufnahmen zugebracht. Die Räumlichkeiten wurden beim Hochwasser im letzten Jahr leider völlig zerstört.

DH: Wie hat man sich generell bei Euch den Ablauf vorzustellen bis ein Song fertig ist? Ist zuerst die Musik oder der Text vorhanden?

Beides ist möglich. Oft entstehen Songs aus einer ansatzweise programmierten Drum-Line heraus, zu der dann mitunter stundenlang improvisiert wird. Dann singe ich die Melodie als "Phantasiesprache" und fülle die Zeilen dann nach und nach mit zusammenhängendem Text. Manchmal bringe ich auch einen Text mit und habe bereits konkrete Vorstellungen bezüglich der Umsetzung. Wenn das Grundgerüst des Songs steht, ist der Song meist erst einmal völlig überladen. Dann beginnt der schmerzhafte und nervenaufreibende Prozess des Zurückschraubens. Oft diskutieren wir stundenlang über wenige Takte. Dann brodeln die Gemüter. Frei nach den Neubauten: "Schüttel' mein Ego".

DH: Eure Texte sind mal deutsch, mal englisch. Wie kommt es, dass ihr in beiden Sprachen Eure Songs aufnehmt? Gibt es einen bestimmten Grund dafür?

Manches lässt sich einfach besser in der Muttersprache ausdrücken, meistens fühle ich mich aber wohler, englische Texte zu singen. Oft ist das der Fall, wenn es um persönliche Erfahrungen geht, dann ist englisch eine Art Selbstschutz, um sich dem Rezipienten gegenüber weniger ausgeliefert zu fühlen. Englisch ist darüber hinaus direkter als deutsch.

DH: Der Song "Goddess" gefällt mir sehr gut. Wovon handelt das Lied? Habt Ihr selber einen Favorit auf dem Album?

Goddess ist auch mein Favorit. Das Lied handelt von der Abhängigkeit gegenüber einer Frau. Sie kann tun und lassen was sie will, durch Sie verschwimmen auch die gegensätzlichsten Dinge. Das Verhältnis ist von Unterwürfigkeit und unüberwindlicher Distanz geprägt.

DH: Electro.technic ist bereits Euer drittes Album. Gibt es im Vergleich zu den letzten beiden besondere Veränderungen? Sind die Erfahrungen aus den letzten beiden Alben in dieses Album mit eingeflossen und wenn ja, wie?

Die Veränderungen bestehen im Wesentlichen in der Instrumentierung. Die Gitarren haben neben den Keyboards einen wichtigen Einfluss auf die klangliche Gestaltung errungen. Die Drums sind enorm vielfältiger und dynamischer geworden. Der Bass wird nun nicht mehr programmiert, sondern wird im Studio und auf der Bühne von Karsten gespielt. Was die Erfahrungen aus den vorangegangenen Aufnahmen angeht, so haben wir gelernt uns besser abzustimmen und miteinander zu spielen, anstatt uns nur auf unseren Teil zu konzentrieren. Das Ergebnis ist daher homogener und ausgewogener, als bei den Vorgänger-Alben.

DH: Tretet auch live auf und ist für demnächst eine Tour in Planung?

In diesem Jahr werden wir noch eine völlig neue Bühnenshow konzipieren, und diese dann in einigen kleineren Einzelkonzerten erproben. Vielleicht gibt es dann eine zusammenhängende Tour, einen Termin haben wir allerdings noch nicht parat. In nächster Zeit soll auch ein Video produziert werden, welches dann im kommenden Jahr zu einer großen 5-Jahres-Veranstaltung released werden soll. Diese Veranstaltung findet wahrscheinlich im Januar in Dresden statt. Es wird einige Überraschungen geben! Näheres zu den Vorbereitungen und weitere Informationen werden wir dann ab Oktober auf unserer Homepage expretus.com veröffentlichen.

DH: Wie wird die Musik von Expretus auf der Bühne umgesetzt? Mal explosiv, mal emotional, mal experimentell. Je nach Stück und Laune des Publikums.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft. Ein Schlusswort?

Seid misstrauisch gegenüber den gefönten Affen im Fernsehen!

Interview:
für Dark Heart: Andreas Ohle

Kontakt: www.expretus.com