Eurocide



DH: Seit wann gibt es EUROCIDE? Wie entstand der Name und wie die Band? Wer macht was bei Euch?

EUROCIDE gibt es seit der Walpurgisnacht 2001. Dort beschlossen wir nach ersten Versuchen in den Wochen zuvor, fest zusammenzuarbeiten. Der Name EUROCIDE ist ein geflügeltes Wort in Übersee, wenn sich in Europa wieder mal Völker bis aufs Blut bekämpfen. Borislav ist derjenige, der die Komposition, Programmierung und Mischung leitet. Auch schneidet er die Videos für die Live-Performace und gestaltet die CD-Cover sowie die Website. Andi ist für den Gesang und die Textumsetzung zuständig. Seine langjährige Metal-Erfahrung gibt seiner Stimme etwas, was in der Electro-Szene nicht üblich ist. Bernd ist Texter und Kurzgeschichtenautor. Seine (hoffentlich!) fiktiven postatomaren Cyberpunkwelten fließen in die Lyrics ein. Borislav macht dann daraus eine Art Soundtrack zur Story.

DH: Ihr bezeichnet Euren Musikstil selbst als Morgue Beat. Was hat man darunter zu verstehen?

Morgue Beat ist ein Musikstil, der Elemente von EBM, Future Pop, Darkwave, Industrial und düsterem Electro im Allgemeinen harmonisch vereint. Um nicht immer diese Liste an Stilen aufzählen zu müssen, haben wir sie unter dem Begriff "Morgue Beat" zusammengefasst. Dark, übergreifend und dennoch ein roter Faden, der sich durch alles zieht.

DH: Eure Musik geht ja zweifelsohne in die elektronische Richtung. Welche musikalischen Einflüsse habt Ihr, die dazu geführt haben, dass Ihr Euch dafür entschieden habt genau diese Art von Musik zu machen?

Borislav ist mit den 80ern groß geworden und hat 1985 mit den ersten Synths angefangen. Er mag immer noch die Klassiker von damals: Fad Gadget, John Foxx, Depeche Mode aber auch David Bowie und Mike Oldfield. Andi hat viele Jahre in der Metal-Szene verbracht. Dadurch gab es immer einen guten Kontakt zur Gothic-Szene, in der er aufgeblüht ist. Die Krupps, NIN, Ministry schlugen für ihn eine Art Brücke zur elektronischen Musik. Bernd betätigt sich wie Andi ebenfalls als DJ. Seine Roots liegen im Gabba, Industrial und Dark-Electro.

DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Label Thunderdome?

Das Label ist aufgrund von Mundpropaganda auf uns zugekommen, was für uns ein großes Glück in diesem sehr dichten Markt bedeutet. Sie sind von unserer Musik und unserem Konzept überzeugt und unterstützen uns mit größt möglichen Einsatz.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD "Europe In Dust"? Wo fanden die Aufnahmen statt?

Das Album "Europe in Dust" ist über drei Jahre hinweg gewachsen. Alle älteren Stücke aus der Anfangszeit wurden mehrfach komplett überarbeitet, bis sie unseren Perfektionismus zufrieden gestellt haben. Die Tracks sind in Borislavs Studio entstanden und das fertige Album wurde in Hamburg bei Aton-Music von Eddy Höfler über die feinen Manley-Geräte gemastert.

DH: Wieso habt Ihr für das Album diesen Titel gewählt? Wollt Ihr damit etwas bestimmtes ausdrücken? Wovon handelt das Lied?

Der Text von "Europe in Dust" beschreibt einen Überraschungsangriff auf Europa, wie er in diversen Prophezeiungen angekündigt wird. Hoffen wir mal, daß die Menschen aufwachen und rechtzeitig das Ruder rumreißen. Noch ist es nicht zu spät. Als roter Faden zieht sich die Thematik des Überlebens während und nach eines Dritten Weltkriegs durch unsere Geschichten, Bilder und Texte. Daher dieses Stück als Leittitel.



DH: Was darf man von dem Album zu erwarten? Wie viele Songs werden auf der CD sein? Wird das Album durchweg tanzbar elektronisch sein oder gibt es auch ruhigere Momente auf der CD?

Das Album hat 11 Stücke und einen Bonustrack: den Remix "Der Schrei" für DAS ICH. Es überwiegen die tanzbaren Songs, aber die stimmungsvolle Ballade "Drei Tage Finsternis" ist ein schöner Ruhepol in der Mitte des Albums. Sie wird auch gerne in den Clubs gespielt und gewünscht.

DH: In Eurem Bandinfo stand zu lesen, dass die Kurzgeschichten von Eurem Bandmitglied Bernd Mayer integraler Bestandteil des EUROCIDE Projekts sind. Inwieweit haben diese Geschichten Einfluss auf das Projekt?

Die Geschichten fallen unter das Genre "Dark-Fiction". Das ist eine düstere Mischung aus Cyberpunk, Horror und SciFi. Es wird ein Universum zwischen naher und ferner Zukunft beschrieben, in welchem sich die erfundenen geschichtlichen Ereignisse aufeinander beziehen. Dadurch das Bernd mit seinem "Dark Matter Zyklus" eine eigene Welt mit einer Zeitlinie geschaffen hat, bietet sie viel Ideen für neue Songs.

DH: Habt Ihr Euch generell bei den Aufnahmen zu dem Album von bestimmten Ereignissen oder Erlebnissen beeinflussen lassen?

Wir verarbeiten eigentlich alles, was uns aufwühlt. Seien es politische Geschehnisse oder persönliche Erfahrungen, die sich in den Texten und der Musik widerspiegeln. Dabei legen wir bei der Komposition und Soundauswahl besonderen Wert darauf, daß die aufgefangenen Emotionen so übermittelt werden, wie wir sie empfunden haben.

DH: Ihr seid auch bereits als Remixer aktiv gewesen (u.a. für DAS ICH). Welche Bedeutung seht Ihr in Remixen? Könntet Ihr Euch vorstellen, dass Eure Songs auch geremixt werden?

Remixe sind eine willkommene Abwechslung im Studioalltag, da man die Möglichkeit hat, ein fertiges Stück nach den eigenen Vorstellungen neu gestalten zu können. Auch kommt es dadurch immer wieder zu sehr netten und interessanten Kontakten von Musikern untereinander. Es findet meist ein gesunder Erfahrungsaustausch statt. Als unnötig empfinden wir das derzeit immens praktizierte "recylclen" von Liedern aus den 80ern auf Dancefloor & Co.

DH: Ihr tretet auch live auf. Wie hat man sich einen Auftritt von Eurocide vorzustellen? Wie setzt Ihr Eure elektronische Musik auf der Bühne um?

Frontmann ist Andi, der sich mächtig ins Zeug legt und "on stage" zuhause ist. Die Bühnenshow wird von Videoprojektionen begleitet, die eigens auf die Lieder syncron zurechtgeschnitten wurden und so die Stimmung des jeweiligen Songs unterstützen. Da es einerlei ist, ob die Basispuren aus dem Sequencer/Rechner oder sicherheitshalber gleich von einer CD kommen, wählen wir die sichere Variante. Gesang, Soundeffekte und Soli sind natürlich live und auch die Arrangements der Live-Versionen unterscheiden sich von der Albumfassung. Es gibt also deutliche Unterschiede zwischen Studio und Live.

DH: Zum Schluß die Frage: Was machen Eurocide, wenn Sie mal gerade keine Musik machen?

Borislav ist Zeichner und mag okkulte Originalliteratur, Comics, Scf-Fi und Animes. Wenn keine Musik für Eurocide gemacht wird, sind CD-Projekte wie die "Anime Nation" Sampler am Start. Andi: "Sex, Party & Rock'n'Roll" & Fallout auf PS2 zocken. Bernd: Kurzgeschichten schreiben, Inspirationen aus Filmen und Rollenspielen sammeln. Dystopieliteratur aufsaugen.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Euch gehört das Schlusswort:

Heute die Welt, morgen das Sonnensystem!

Interview: Andreas Ohle