Elohim




DH: Hallo Sebastian, Stell Dich unseren Lesern doch bitte zunächst einmal kurz vor. Wie bist Du selber zur Musik gelangt und wie kam es zur Gründung von Elohim? Welche Musiker sind in die Band involviert?

Mit ca. 8 Jahren habe ich angefangen, akustische Gitarre zu lernen. Mit ca. 15 bin ich dann auf die E-Gitarre umgestiegen. Allerdings hat es mich schon immer mehr interessiert, sich selbst Melodien auszudenken, als Vorgegebene einzustudieren. Meine eher geringe Faszination für Musik änderte sich mit dem Album „Wildhoney“ von Tiamat. Dieses Album hat mich dazu gebracht, Musik mit meiner Gefühlswelt und meinem Leben untrennbar zu verbinden.

Seit meine technische Ausstattung (z.B. durch einen leistungsfähigeren Computer) aufgestockt worden ist, habe ich privat eine Menge Lieder eingespielt. Nachdem ich so eine Band „simulieren“ konnte, boten mir meine Eltern an, eine professionelle CD-Aufnahme mitzufinanzieren. Daraus folgte dann auch die „Gründung“ von Elohim.

Trotz des großen Risikos für einen Laien im Musikgeschäft Fuß zu fassen, habe ich im Internet nach einem passenden Studio gesucht und es letztendlich gefunden. Meine CD habe ich dem Studio-Inhaber Michael Hanf vorgespielt und ihm meine Vorstellungen bezüglich der Vokal- und Instrumentalbesetzung geschildert. Wichtig war mir dabei, daß die CD klanglich ein hohes Produktionsniveau aufweist und ich professionelle Studiomusiker habe, die herausragend spielen können. Schließlich übernahm Michael die gesamte Organisation der Aufnahme und spielte auch selbst einige Parts ein. Am Ende muß ich sagen, daß ich mit Michael und seiner Arbeitsauffassung sehr viel Glück hatte. Zudem ist die Auswahl der Musiker so gut gelungen, daß ich eventuelle Nachfolgealben mit der gleichen Besetzung einzuspielen gedenke.

Es ist bedeutend einfacher, Lieder für Musiker und Sänger zu schreiben, deren Fähigkeiten man kennt als einfach nach eigenen Vorstellungen „drauf los“ zu schreiben. Interessant ist, daß die Besetzung von Elohim aus einem vollkommen unterschiedlichen musikalischen Background kommt. Der Gitarrist Fabian z.B. ist eher ein „klassischer“ Metal-Gitarrist, wohingegen der Bassist ein Jazz-Musiker ist. Simone kommt gesanglich aus der Folk-Ecke und Johanna ist eine studierte klassische Sopranistin.

DH: Elohim scheint für mich eine Band zu sein, die sehr viel Ruhe und Melancholie ausstrahlt und neoklassische Elemente mit gitarrenlastigen Metalklängen verbindet. Wie würdest Du selber Eure Musik beschreiben? Wie entsteht diese tiefe Melancholie in Deinen Songs. Ist dies ein Spiegel Deiner Seele?

Hm… das ist eine gute Frage. Ich muß gestehen, ich kann meine Musik in kein mir bekanntes Genre einordnen. Anfänglich wollte ich einfach abwarten, wie andere Menschen sie einordnen und dann den kleinsten gemeinsamen Nenner nehmen. Dummerweise scheinen jedem Hörer andere Elemente besonders aufzufallen ;) Für mich ist es einfach melancholische Musik.

Den Begriff „Spiegel der Seele“ finde ich ziemlich passend. Ich kann meine Gefühle und die daraus resultierende Musik nicht wirklich trennen. Da ich mit der lauten und hektischen Welt unserer Zeit nicht so viel anfangen kann und ich eher ein nachdenklicher Mensch bin, kann vermutlich auch nur eine melancholische Stimmung aus meiner Musik sprechen.

DH: Euer Debut heißt "Still Dreaming". Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD und wo fanden Sie statt? Seid Ihr derzeit auf der Suche nach einem Musikverlag für die CD oder habt Ihr eventuell schon einen gefunden?

Die CD ist im Kraftstrom Tonstudio in Würzburg unter der Leitung von Michael Hanf entstanden. Für die Aufnahme das Mischen und Masten haben wir ungefähr einen Monat gebraucht.

Momentan ist die CD leider nur über die Homepage Elohims unter http://www.project-elohim.de/ zu beziehen, da ich noch dabei bin, Erfahrungen über die Musikindustrie zu sammeln. Ich werde jetzt erst einmal versuchen, einige Kritiken in Print- und Internetmagazinen zu erhalten, um mich anschließend damit bei Labeln und/oder einem Musikverlag zu bewerben.

DH: Auf der CD finden sich auch mittelalterliche Klänge und Heavenly Voices Gesang. Außerdem klassische und epische Elemente. Wie kommt es zu dieser Vielfalt an Sounds und wie schafft Ihr es, daraus einen so druckvollen Sound zu kreieren?

In einem Interview sagte Mark Knopfler einmal, daß die musikalische Vielfalt des Schaffens durch die jeweiligen individuellen Hörgewohnheiten des Musikers geprägt wird. Neben seinen Dire Straits höre ich z.B. Pink Floyd, Tiamat, (alte) Theatre of Tragedy und Anathema genauso, wie Jazz, Blues, viel klassische Musik, mittelalterliche Musik und ab und an Irish Folk. Wichtig ist mir nur, daß die Musik ein wirkliches Gefühl ausdrückt und die Musiker ihre Instrumente beherrschen.

Bei Elohim habe ich einfach genau die Musik gemacht, die ich selber gerne hören möchte. Im Nachhinein habe ich mich dann gefragt, ob das nicht für potentielle Hörer zu viele verschiedene Elemente auf einmal sind und man besser mehrere stilistisch getrennte Alben hätte umsetzen sollen. Aber ich denke, wenn ich nicht die Musik mache, die in mir ist, dann sollte ich gleich aufhören. Von seelenloser Musik gibt es meiner Meinung nach mittlerweile genug.

DH: Das Album ist sehr ruhig und einfühlsam - der Zuhörer wird auf eine meditative Traumreise mitgenommen. Handelt es sich bei Still Dreaming in gewisser Weise um ein Konzeptalbum?

Still Dreaming ist nur aus musikalischer Sicht ein Konzeptalbum. Es gibt von der Textebene aus betrachtet keinen Zusammenhang - außer, daß sie alle melancholisch sind und sich mit der Existenz an sich auseinandersetzen –, wohingegen die Musik den Hörer wie ein roter Faden durch verschiedene emotionale Ebenen geleiten soll und ihn am Ende innerlich friedvoll zurückläßt. Natürlich sind Menschen zu unterschiedlich, als daß man vorhersagen könnte, welche Wirkung Musik bei ihnen hinterläßt. Aber ich hoffe, daß die Hörer durch diese Musik zumindest ein wenig im Inneren berührt werden.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Winter`s Silence". Wovon handelt das Lied? Wovon handeln genrell Deine Songs? Gibt es bestimmte Themen, Erlebnisse oder Ereignisse, die auf dieser CD verarbeitet worden sind?

Man muß zwischen den Texten von mir und denen von Chrissi unterscheiden. Meine haben eher gedanklichen Fragmentcharakter wohingegen sie sich poetisch wunderbar ausdrücken konnte. Generell setzen sich die sehr emotionalen Texte mit Schlüsselerlebnissen der Seele auseinander.

Das von Dir angesprochene Winter´s Silence versucht meine Wahrnehmung des Winters auszudrücken. Tod, Vergänglichkeit, Wiedergeburt, Schönheit, Stille und Frieden sind ein paar Stichworte dazu. Besonders im Wald scheint selbst die Natur zu schlafen und sich auf eine Art Wiedergeburt vorzubereiten. Das dazugehörige Bild im Booklet fängt diese Stimmung sehr schön ein. Für Winter´s Silence habe ich mir eine Art transzendentales Waldwesen vorgestellt, das versucht, den einsamen Wanderer zum „Los-Lassen“ zu bewegen und dem Nachgeben der Sehsucht nach Frieden bis zur Selbstaufgabe. Man könnte sich vielleicht vorstellen, wie ein Mensch halluziniert, während er dem Erfrierungstod immer näher kommt, sein Widerstand gegen die Kälte immer geringer wird, bis er letztendlich diese Welt verläßt und Frieden findet.

Der Text für das Lied why? wiederum ist von Chrissi. Sie war an Leukämie erkrankt und bereitete sich auf eine Knochenmarkstransplantation vor, die ihr Leben hätte retten können. Dazu war eine physisch sehr belastende Chemotherapie notwendig, die sie leider nicht überstanden hat…

Sie setzt sich in diesem Text mit der Frage nach dem Warum auseinander und ob sich jemand nach ihrem eventuell bevorstehenden Tod weiterhin nach dem Warum fragen würde. Diese Überlegung war für mich mit ein Grund, diese CD aufzunehmen, da ich diese Frage für zeitlos halte und auch keine Antwort finden kann. DH: Wird es Elohim in naher Zukunft auch live zu sehen geben? Könntest Du Dir vorstellen mir anderen Bands zusammen auf Tour zu gehen? Welche weiteren Pläne hast Du mit Elohim in naher Zukunft?

Ich hoffe, daß ich eine Möglichkeit zur Aufnahme von weiteren Alben finden werde. Deswegen werde ich jetzt erst einmal abwarten müssen, ob ich ein Label finde oder selbst genug CDs verkaufen kann, um ein weiteres Album zu finanzieren. Musikalisch gesehen würde ich gerne einen verstärkt kammermusikalischen Ansatz in die Musik bringen und dem Kontrabaß noch ein Cello und eine Violine zur Seite stellen.

Live Auftritte sind aufgrund der beteiligten Studiomusiker nicht ganz unproblematisch. Dies würde sich wahrscheinlich nur mit einem Label und der daraus resultierenden Finanzkraft realisieren lassen. Zudem weiß ich nicht, ob solche Art von Musik überhaupt live interessant wäre. Es wäre sehr aufwendig, da ich auf eine unterstützende visuelle Umsetzung der Musik sehr viel Wert legen würde.

Alles in allem habe ich eine ziemlich ambivalente Einstellung zu einer Live-Realisierung.

Wenn es wirklich mal so weit kommen sollte, habe ich bestimmt nichts dagegen, mit anderen Bands auf Tour zu gehen und Erfahrungen zu sammeln.

DH: Was macht der Mensch Sebastian, wenn er mal keine Musik macht?

Ich lebe ein für viele wahrscheinlich langweilig normales Leben und studiere Informatik. Wenn ich das Studium im nächsten Jahr beende, will ich mal sehen, ob man nicht auch als Informatiker in der Musikindustrie landen kann. Im Zuge der entstehenden Musikportale und alternativen Vertriebsmöglichkeiten über das Internet müßte sich einiges an Arbeit in diesem Business finden lassen können. Von Musik zu leben ist sicherlich ein Traum, der mit meiner individuellen Art von Musik wohl nie zu realisieren wäre.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Dir alles Gute und weiterhin viel Erfolg mit Elohim. Dir gehört das Schlusswort:

Das Nutze ich doch gleich mal für ein paar Dankesrunden ;) Zum einen vielen Dank an Euch für das Interview und dann einen ganz besonderen Dank an alle beteiligten Musiker, Sängerinnen und Michael.

Info: www.project-elohim.de

Interview: Andreas Ohle