EGOamp




DH: Wie kam es zur Gründung von EGOamp? Seit wann existiert EGOamp und welche Musiker sind involviert?

Ich war Songwriter und Sänger der Electroformation „Analogue Brain“ und nach unserem Debüt Album, welches sehr erfolgreich auf Platz 4 der DAC Charts kletterte, machten wir eine kreative Pause und ich sammelte neue Ideen. Ich merkte recht schnell, dass die neuen Tracks nicht recht in das Analogue Brain Projekt passten. So fragte ich unseren damaligen Live Keyboarder, ob er Lust an einer neuen Band habe. Und so wurde EGOamp ins Leben gerufen. Das aktuelle EGOamp Lineup besteht aus Cesare Insomnia (Live Keyboards), Jane Overnight (Percussion, Backing Vocals), Chris Castle (Electronics) und Asmodi Caligari (Vocals, Melodica Soprano).

DH: In Eurem Sound hört man hier und da Anleihen an den guten alten Synthie-Pop der 80`er Jahre. Ist dies so gewollt und wenn ja warum? Welche weiteren musikalischen Einflüsse habt Ihr?

Ich bin ganz klar Kind der 80er (obwohl man mir das nicht ansieht) gg Bands wie Depeche Mode, Erasure, Nik Kershaw, Duran Duran und andere haben mich ganz klar beeinflusst, genau wie der 70er Sound von Giorgio Moroder, Jean-Michel Jarre, Vangelis und Kraftwerk. All diese Klänge und Einflüsse moderner Acts wie Chemical Brothers, Prodigy, Miss Kittin und natürlich klassische New Wave Bands wie Siouxsie and the Bandshees, The Human League und OMD bilden das Gesamtbild des EGOamp Sounds.

DH: Ist "Welcome To The Cabinet" in gewisser Weise ein Konzeptalbum? Wovon handelt das Album? Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD?

"Welcome To The Cabinet" ist im großen und ganzen ein Konzeptalbum. Viele Songs der Platte handeln von Handlungssträngen des deutschen expressionistischen Stummfilms „Das Kabinett des Dr. Caligari“ von 1920. Der Konsens der Platte ist im Grunde, dass man nicht wie ein Schlafwandler herumlaufen und sich von höher gestellten Menschen leiten lassen sollte. Man hat immer die Macht, sein Denken und Handeln selber zu lenken um etwas sinnvolles aus seinem Leben zu machen. Viele Menschen sollten sich einfach mal umsehen, ob alles so läuft, wie sie es sich vorgestellt haben. Es ist nie zu spät, etwas zu ändern. Von den Demo Versionen bis hin zum Release sind so ca. 3 Jahre ins Land gegangen. Man muss aber dazu sagen, dass wir nicht kontinuierlich jeden Tag an der CD gearbeitet haben. Das schöne an der langen Produktionszeit war, dass wir bereits live vor Publikum unsere Musik testen konnten.

DH: Gab es zuvor schon andere Veröffentlichungen von Euch, wenn ja welche?

Unsere erste Veröffentlichung war die E.P. „The Cabinet“ mit unserer Coverversion des bekannten New Wave Klassikers. Auf der Platte gibt es viele gute Remixes des Titelstücks von Bands aus Russland, Frankreich, Argentinien, Spanien und Frankreich, die Ihren Stempel aufdrückt haben. Des weiteren gibt es den „Bulldozer Remix“ des Stücks „The Camera“, sowie der „Leeds Mix“ von „Egomanic Maniacs“, beides Songs des Albums, zu bestaunen. Die EP ist weiterhin bei u.a. bei „Bandcamp“ als Free Download erhältlich.

DH: Wie kommt es, dass in dem Album "Welcome To The Cabinet" soviele Anspielungen auf die Zeit der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts zu finden sind. Habt Ihr für diese Zeit eine besondere Affinität?

Durch das Thema des Films werden natürlich zwangsläufig viele Themen der Weimarer Republik angesprochen. Der erste Weltkrieg war gerade zu Ende, die Menschen litten u.a. an Arbeitslosigkeit, an der Inflation und der Weltwirtschaftskrise. Natürlich war diese Zeit politisch sehr bewegt und spannend. Ich sehe aber eher die Affinität zur Kunstgeschichte der damaligen Zeit. Der Expressionismus von Malern wie Edvard Munch („Der Schrei“) und Regisseuren wie Robert Wiene, Friedrich Wilhelm Murnau und Fritz Lang üben seit jeher eine große Anziehungskraft auf mich aus.

DH: Würdet Ihr gerne in dieser Zeit gelebt haben?

Nicht wirklich. Ich bin ganz froh, das Hier und Jetzt zu atmen und keinen Krieg erlebt zu haben. Es ist schön, in einem Deutschland zu leben, in dem es Demokratie gibt und man so schnell keine Angst zu haben braucht, durch das soziale Raster zu fallen, wenn man sich Mühe gibt, sich der Gesellschaft anzupassen. Meine Wut und Anarchie kann ich als Künstler jederzeit auf andere Art und Weise ausleben.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "The Carnival". Wovon handelt das Lied und wie entstand die Idee zu dem Song?

"The Carnival" handelt von dem Jahrmarkt, auf dem Dr. Caligari den Somnambulen Cesare ausstellt und die Zuschauer durch ihn in die Zukunft schauen lässt. Der Song ist ein schönes Beispiel dafür, wie ein Lied einfach so aus dem Nichts entsteht. Die Basis war ein funkiger Loop, der mit 80s Wechselbass und Rhythmus eine schöne tanzbare Atmosphäre kreierte. Der Text hat sich auch sehr schnell entwickelt, sodass der Titel eigentlich ein klassischer Selbstläufer war. Das sind häufig die besten Stücke eines Albums. An anderen Songs bastelt man dagegen monatelang, bis man zufrieden ist.

DH: Gibt es generell bei Euch eine Art Ablauf wie ein Song entsteht? Schreibt Ihr alle zusammen die Lieder?

Grundsätzlich bin ich für das Songwriting und das Texten verantwortlich. Meistens ist es so, dass ich mich ans Keyboard begebe und Harmonien und Ideen in meinem PC spiele und ich dieses Grundgerüst als Basis für mein Song Arrangement nehme. Erst dann schaue ich, ob mich der Song emotional berührt und mir Ideen für die Texte kommen, um meine Gefühle auszudrücken. Erst dann wird der Song ausgearbeitet und ggf. arrangiert ein Produzent anschließend die Stücke weiter, bis sie perfekt sind. Bei den neuen Songs denke ich an, auch diese Funktion selber zu übernehmen.

DH: Mit "The Cabinet" habt Ihr eine sehr gute Neuinterpretation des New Wave Underground Hits von der britischen Band "Das Kabinette" gemacht. Wie kam es zu der Idee?

Da „Das Kabinette“ diesen Klassiker des New Wave geschaffen hatte und man den Song recht schwer auf CD bekommen konnte, haben wir überlegt, eine moderne Neuinterpretation zu schaffen, um den Song einem jüngeren Publikum vorzustellen. So setzte ich mich hin, arrangierte und sang den Track neu und schickte ihn David Bracher von „Das Kabinette“, um eine Sample Freigabe zu bekommen. David und die anderen Jungs der Band waren sofort begeistert und autorisierten den Song, um ihn auf einigen Compilations zu veröffentlichen. Und so war dann quasi auch die Idee für das EGOamp Konzept und das Thema des Albums vorgegeben.

DH: Wollt Ihr in Zukunft auch weitere Coverversionen machen? Denkt Ihr, dass man auf diese Art und Weise auch etwas darüber lernen kann, wie andere Bands an Musik herangehen?

Coverversionen sind natürlich eine tolle Sache, man kann seine eigenen Ideen in das Original einbringen und so dem Stück seinen eigenen Stempel aufdrücken. Genauso wie bei Remixes, die ich hier und da mache, lerne ich (wie du bereits erwähntest) viel darüber, wie andere Musiker ihre Songs gestalten und Gefühle transportieren. Live spielen wir zur Auflockerung hin und wieder eine Coverversion, so haben wir zum Beispiel auch schon „Hot Stuff“ von Donna Summer als Synthpop Version gespielt. - Ein Riesenspaß. gg Konkrete Pläne für neue Covers haben wir aber nicht. Aber du kennst ja den Spruch: „Sag niemals nie“!

DH: Nun seid Ihr bereits relativ viel live unterwegs gewesen, plant Ihr zu dem Album demnächst eine größere Deutschland Tour, werdet Ihr auch auf Festivals zu sehen sein und freut Ihr Euch darauf einer großen Audience Eure Songs zu präsentieren?

Wir planen zu Zeit vereinzelte Livedates, um das Album zu promoten. Denn Live zu spielen ist die schönste Möglichkeit, die Songs dem Publikum zu präsentieren und sich mit den Fans auszutauschen. Höhepunkte wie das Wave Gotik Treffen 2009 bleiben immer positiv in meinen Gedanken haften. Wir planen vereinzelte Konzerte, wir werden wohl wie im letzten Jahr bei dem „Benefiz for Kids Festival 2011“ spielen und suchen Clubs und andere Locations für weitere Konzerte. Interessenten melden sich bitte direkt bei uns über das Facebook Bandprofil oder bei unserem Label „Ionium Records“. Wir freuen uns auf euch!

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euer Schlußwort:

Vielen Dank für das Interesse an EGOamp, die tolle CD Kritik und weiterhin viel Glück mit eurem Magazin!

Interview: Andreas Ohle