Downstairs Left



DH: Seit wann gibt es eigentlich Downstairs Left. Wie kam es zur Gründung der Band?

Downstairs Left existieren in dieser Besetzung seit 2007. Nachdem Sänger Hayle und Gitarrist Eld schon seit 2001 zusammen in einem Bandprojekt tätig waren, entschloss man sich, neue Wege zu gehen. Der Kontakt zu Sewin bestand ebenfalls schon länger. So war die Band komplett und die Arbeit an der EP und am Album konnte losgehen.

DH: Ich würde Eure Musik als Gothic-Wave bezeichnen. Gibt es in Eurer Jugend da eine gewisse musikalische Vorprägung?

Hierzu lässt sich womöglich die Behauptung aufstellen, dass unser Musikstil ein ganz Eigenständiger ist und nicht ohne weiteres in eine Richtung einzuordnen ist. Die vollkommen verschiedene musikalische Ausprägung der einzelnen Musiker ist bei Downstairs Left wohl nicht zu überhören. Sei es Gothic, Wave, Industrial, Rock, Metal, bis hin zu lateinamerikanischen und klassischen Elementen – alles ist vertreten. Aus den verschiedenen Musikstilen zu lernen, einzelne Elemente zu nutzen, diese neu zu verbinden und daraus Songs zu kreieren macht den besonderen Reiz für uns als Musiker aus.

DH: 3.Was ist seit der Veröffentlichung Eurer viel beachteten EP "Nothing But Memories" alles bei Euch passiert?

Wir haben uns nicht auf dem Erreichten ausgeruht, sondern sind gleich in die Arbeit zum Album übergegangen. Die Arrangements beanspruchten viel Zeit, die wir uns reichlich genommen haben. Wie es einige mit Blick auf die EP „Nothing but memories“ sicherlich schon bemerkt haben, verließ Gitarrist Aldama nach Veröffentlichung des Albums die Band. So ging es zu dritt weiter und speziell Eld musste sich umstellen. Die Songs mussten definitiv live umsetzbar sein, durften jedoch nicht zu „dünn“ wirken. Das bedeutete mitunter auch manchmal völlig neue Wege einzuschlagen. Während eines solchen Entwicklungsprozesses wächst die Band sehr viel enger zusammen – sowohl im musikalischen als auch persönlichem Bereich.

DH: Euer Debüt-Album heißt nun "Waiting For The Golden Age". Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD?

Die Aufnahmen begannen im Grunde genommen sofort nach der Veröffentlichung der EP im August 2009 und endeten im Juli 2010. Da wir alle festen Jobs nachgehen, war es uns nicht möglich, ununterbrochen am Album zu arbeiten. Da wir das Glück haben, ein eigenes Studio unser Eigen nennen zu können, hatten wir keinen Druck im Nacken sitzen was Zeit und finanzielle Mittel anbelangte. Etwas Material hatten wir schon zusammengetragen, andere Songs wie z.B. „Dusty dead moon“, „Hope“ oder auch der Remix von „Typewritten life“ von No Comment kamen erst ziemlich am Schluss der Aufnahmezeit hinzu. Schon nach den ersten Reviews von „Nothing but memories“ wurde uns schnell klar, was die Hörerschaft von uns erwartete. Das Debüt - Album sollte also der EP gerecht werden und trotzdem eine Weiterentwicklung hörbar machen. Nun – wir denken, dies ist uns gelungen.

DH: Der Sound des Albums ist ja sehr akustisch und natürlich. Habt Ihr bewußt auf den Einsatz von Technik verzichtet?

Einige Songs wie zum Beispiel „If you are gonne“ und „Today“ verlangten einfach nach weniger Technik, denn der Fokus, und damit die eigentliche Seele der Stücke, liegt in dem handgemachten Kern und der Authentizität. Weiche eindringliche Melodien, die von einem melancholischen Hauch umspült werden, benötigen keine ausgedehnten synthetischen Flächenklänge. Deshalb griffen wir in solchen Arrangements auch vorwiegend auf akustische Instrumente zurück, wie zum Beispiel die Flöte, deren Spiel sich Hayle während der Aufnahmezeit zunehmend aneignete.



DH: Eure Musik ist ja doch sehr melancholisch. Seid Ihr auch privat eher Melancholiker?

Sicherlich hat unsere Musik wohl eine melancholische Grundstimmung, dennoch sind wir privat ein ganz lebenslustiger und manchmal auch durchgedrehter Haufen. Doch das eine schließt ja das andere nicht aus und so gibt es auch bei jedem einzelnen von uns Momente, in denen der Nebel überwiegt. In solchen Augenblicken sind wir für einander da, da wir nicht nur Bandkollegen, sondern auch sehr gute Freunde sind.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Today" auf Eurem Album. Wovon handelt das Lied?

Es handelt von der heutzutage angewöhnten Anonymität, dem übertriebenen Materialismus und der allgemeinen Ignoranz der modernen Gesellschaft. Und auch darüber, dass sich der Schwerpunkt im Leben vom gesellschaftlichen Miteinander hin zum Streben nach Macht, Mode und Reichtum, beeinflusst von Medien und Werbung, entwickelt hat. Und dass dies jeder hinnimmt, ohne etwas dagegen tun zu wollen.

DH: Wovon handeln im allgemeinen Eure Songs? Ist das Schreiben von neuen Liedern in gewisser Art und Weise für Euch eine Art Selbstverwirklichung oder Selbstfindung?

Viele der Titel auf „Waiting for the golden age“ erzählen von Erlebtem, Erfahrungen, Schicksalsschlägen und Enttäuschungen, eben von Dingen, zu denen jeder einzelne von uns eine persönliche Beziehung hat. Wenn man so will, sind die Texte, gepaart mit unserer Musik, mehr als eine Kompensation für die oft absurden Stimmungen des Lebens. Indem man sich musikalisch mit einem gewissen Thema intensiv und tiefgründig auseinandersetzt, vergessene Zeiten wiederbelebt, diese verinnerlicht und überdenkt, kann man das Erlebte verarbeiten. Wenn man einen Song hört, danach ein Lächeln auf den Lippen hat oder manchmal auch die ein oder andere Träne verdrückt, weil man einen tiefen Bezug zum Thema hat, dann ist doch genau das erreicht, was Musik bewirken soll. Zu „My Angel“ kann man z.B. im Booklet lesen: „Eine wahre Mutter warst du und das sagt alles, alles. Für immer in meinem Herzen, in ewiger Liebe und Dankbarkeit.“ Mehr muss wohl nicht dazu erklärt werden.

DH: Wie kam es zu der Coverversion von Typewritten Life von No Comment? Seht Ihr Eure Version als etwas völlig Neues? Habt Ihr schon gehört, wie No Comment diese Version finden?

Unser Label Echozone hatte die Idee, Songs der Band „No Comment“ zum Remix freizugeben. So wählten wir „Typewritten Life“ aus und stellten uns einer Herausforderung und zugleich spannenden Arbeit, da es sich bei dem Song um einen sehr elektronischen Titel handelt. Ein weiterer Auswahlaspekt war sicherlich auch die Geschwindigkeit des Songs, der mit seinen 84bpm für unseren Musikstil nur zu geeignet schien. Auch die Grundstimmung des Songs ließ sich auf Gitarre und Bass durch geschmackvoll ausgewählte Voicings und Basslines besonders authentisch interpretieren. Wir strebten eine eher ungewöhnliche Interpretation an, man kann fast schon sagen, unsere Version ist eher eine totale Neuinterpretation als ein einfacher Remix.

DH: Habt Ihr einen Song als persönlichen Favoriten auf dem Album? Wenn ja, welchen?

Jeder von uns hat so seine Favoriten, jedoch mit Abstand sind es wohl solche Songs wie z.B. Hope, My Angel, Dusty dead moon und natürlich Typewritten Life, die uns schon während der Produktion das Herz höher schlagen ließen. Jeder von uns schätzt und respektiert die Arbeit und Kreativität des anderen, weshalb sich ein absoluter Favorit für uns nicht bestimmen lässt. Wir haben sozusagen eine Top 13 Liste, in der es nur erste Plätze gibt.

DH: Wann kann man Downstairs Left live in Deutschland sehen? Ist eine Tour geplant?

Durch den ersten Auftritt auf dem 5. Nocturnal Culture Night Festival in der Nähe von Leipzig konnten unsere Fans bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das Kommende erhalten. Wir erhielten viele positive Resonanzen, die uns in unserem Tun bestätigen und bekräftigen. Die Planung für weitere Auftritte steckt jedoch schon in den Startlöchern und wir arbeiten daran, ein stimmiges Gesamtkonzept auszubauen, umzusetzen und etwas völlig Neues auf die Bühne zu bringen. Ihr dürft also gespannt sein!

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Sagt uns doch noch etwas zum Abschied.

Zunächst möchten wir uns bei Euch für das nette Interview bedanken und hoffen, Euch einen zarten Blick durchs Schlüsselloch unserer Arbeit mit dem Element Musik gegeben zu haben, welches weitaus mehr für uns bedeutet. Denn den Schlüssel zur Tür der Seele und des Herzens muss jeder selbst für sich finden! Es immer wieder zu versuchen, den richtigen Schlüssel zu finden um diese Tür nur ein Stück weit für Euch zu öffnen und Emotionen Klang zu geben, ist unser Bestreben. Und mit diesen Worten wünschen wir euch viele wunderschöne Momente mit unserem Album “Waiting For The Golden Age“, welches am 22. Oktober erscheint und auf www.myspace.com/downstairsleft als Special Edition (incl. Button & Autogrammkarte) erhältlich ist. Dunkelheit mit Euch...

Interview: Andreas Ohle