Division Kent




DH: Stellt Euch doch zunächst erst mal selbst vor! Wie kam es zur Gründung von Division Kent und seit wann gibt es die Band eigentlich?

2003/2004 ist unser Demo entstanden - an der Strassenecke Division Ave/Kent Ave in Brooklyn, in einem Haus voller Künstlerlofts, zwischen einer jüdisch orthodoxen Mädchenschule und einem puertoricanischen Supermarket. Und nach längerer Namensuche hat dann ebendiese Strassenkreuzung auch gleich den Bandnamen ergeben.

DH: Division Kent ist ein interessanter Name für eine Band. Wer hatte die Idee zu dem Bandnamen?

Es ist nicht einfach, einen Namen zu finden, mit welchem man sich zu 100 % identifizieren kann. Irgendwie wurde uns Division Kent aber sozusagen auf dem Silbertablett serviert: als wir eines Tages die Strasse zum Haus runter gingen, glänzte die Strassenbeschilderung Division/Kent im Sonnenlicht. Da lag es einfach auf der Hand. Und eine Bedeutung wird der Name immer haben, steht er doch für die Wurzeln unserer Musik, zumindest geographisch.

DH: Würdet Ihr Eure Musik selber in den Bereich alternativer Pop einordnen? Wie habt Ihr zu Eurem ganz eigenen Musikstil gefunden?

Letztlich liegst Du mit “alternativem Pop” nicht schlecht. Wir stehen sicher abseits vom allgegenwärtigen Mainstream-Pop – was aber nicht heisst, dass wir Angst vor catchy Melodien haben. Insgesamt bewegen wir uns wohl im Grenzbereich von New Wave/Electronica/Gothic und Pop.

DH: Eure neue CD Gravity klingt meiner Meinung einfühlsamer und atmosphärischer als Euer Debüt Album Monsterproof. Wie kommt es, dass Ihr diesmal so verträumt klingt?

Nun, wir haben auch auf Gravity einige härtere Tracks, wie z. B. Rooftop Rallye, doch sind in der Tat praktisch alle Songs noch atmosphärischer ausgefallen als diejenigen des ersten Albums.

DH: Seht Ihr selber Unterschiede zum vorherigen Album?

Unterschiede gab es insbesondere im Hinblick auf den Produktions- bzw. Mischprozess. Währenddem wir das erste Album praktisch vollständig in Eigenregie produziert haben, kam es dieses Mal zu einigen Kooperationen, so auch mit Gareth Jones, der an einigen unserer Lieblingsalben als Engineer oder Produzent beteiligt war (Interpol, Nick Cave, Einstürzende Neubauten, Indochine etc.). Produziert haben wir das Album aber im Grossen und Ganzen auch wieder selber.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu Gravity? Habt Ihr die Songs zu der CD an verschiedenen Orten geschrieben und aufgenommen?

Unser Equipment ist tatsächlich koffertauglich. Und wir geniessen es, Musik zu machen, wo immer wir gerade sind. Deshalb ist es wohl auch nicht ganz einfach, im Nachhinein zu nageln, wann wir mit dem Album begonnen haben. Schreiben und aufnehmen tun wir eigentlich fortlaufend. Für GRAVITY prägend war sicher ein Küstendorf in einem Naturreservat in Katalonien, wo wir in einem ehemaligen Künstleratelier einige Herzstücke des Albums komponiert haben.

DH: Der Song "She`s going places" gefällt mir besonders gut. Wovon handelt das Lied und wie kam es zu der Entscheidung diesen Song zu veröffentlichen?

Es geht im weitesten Sinne um Hektik, ums Getrieben sein, von dem was der Mitmensch nebenan tut und der Beobachter selbst nie tut.

DH: Wovon handeln generell die Texte Eures neuen Albums? Gab es bestimmte Erlebnisse oder Ereignisse über die Ihr auf Gravity unbedingt schreiben wolltet?

Am Anfang unserer Songs steht eigentlich eine musikalische Atmosphäre. Diese bestimmt dann den Text, wobei das Schreiben in der Folge beinahe automatisch geschieht. Isoliert Lyrics zu schreiben macht für uns keinen Sinn, denn erst durch die Musik, die Melodie, die Klangfarbe erhält das Wort in Songtexten seine ganz eigene Prägung und Bedeutung. Das Thema “Zeitgeist” – ein wunderschöner Begriff in der deutschen Sprache - holt uns bei den Texten sicher immer wieder ein; die Suche nach dem perfekten Moment; der Ort, wo das Glück uns findet.

DH: Sehr interessant finde ich auch den Song This Big Hush, eine Coverversion des Shrieback Klassikers, der in Eurer Version unendlich entrückt und unwirklich scheint. Wie kam es zu der Idee das Lied zu covern?

THIS BIG HUSH ist einfach ein grossartiger Song, der uns beide, und wie wir mittlerweile gemerkt haben, auch viele andere seit Jahren begleitet. Wir haben ihn auf der Tour mit der ersten Platte performt – so ist auch die Zusammenarbeit mit Sven Friedrich von Zeraphine entstanden - und uns dann eigentlich für eine ausgefeilte symphonische Studioversion entschieden.

DH: Oft ist auch in Euren Liedern eine gewisse Melancholie zu spüren. Seid Ihr melancholische Menschen?

Naja, wir fühlen uns ganz einfach von Natur aus im Dunkeln ganz wohl. Die Moll-Akkorde hatten es uns schon immer besonders angetan, das ist richtig. Kinder der zelebrierten Traurigkeit sind wir allerdings nicht…

DH: Gravity ist als eine Doppel-CD veröffentlicht worden. Neben dem regulären Album finden sich auf der zweiten CD viele Remixe von Euch. Denkt Ihr, dass die Remixe Eure Songs in einem anderen Licht zeigen?

Schon bei der Produktion des regulären Albums wurde uns einmal mehr bewusst, dass jede Mischung eines Songs nur eine Möglichkeit von unendlich vielen Varianten darstellt. Es hat uns gereizt, die Songs einmal völlig aus der Hand zu geben, ohne irgendwelche Vorgaben zu erteilen. 13 Künstler von Los Angeles über London, Paris bis Tokio haben sich schliesslich der Songs angenommen und zurück kamen wirklich ganz überraschende Ergebnisse. Dass die Remixes zu einem beträchtlichen Teil auf die Tanzfläche zielen, ist ein erfreulicher Nebeneffekt.

DH: Arbeitet Ihr auch mit anderen Musikern in Nebenprojekten zusammen, oder möchtet Ihr Euch lieber ganz auf Division Kent konzentrieren?

Eine gute Frage. Wir sind nach wie vor auf der Suche nach der für uns perfekten Symbiose all unserer Einflüsse, musikalischen Vorlieben. Aber manchmal überlegen wir uns in der Tat, ob sich das alles unter einen Hut bringen lässt. Vielleicht werden in Zukunft wirklich einmal zweigleisig fahren: einerseits ein cluborientiertes, reines Elektronik-Projekt, anderseits eine Band, welche sich völlig einem dichten, atmosphärischen “Shoegazer-Pop” im Stile von Slowdive, My Bloody Valentine etc. verschreibt.

DH: Andrea, Du bist Sängerin bei Division Kent. Waren die Aufnahmen zu dem neuen Album eine besondere Herausforderung für Dich? Hat es Spass gemacht die neuen Songs zu singen?

Singen ist wunderbar. Aber auch nur ein Teil des grossen Abenteuers. Für mich ist die Tüftelei im elektronischen Labor – die Komposition, die Dramaturgie, die Technik – der eigentliche Kern unseres Projektes und unserer Arbeit. Die Stimme ist dabei eines der einsetzbaren Elemente.

DH: Werdet Ihr mit dem neuen Album auf Tour gehen? Freust Du Dich und die anderen natürlich auch darauf, die Songs demnächst live zu performen?

Wir planen, im Herbst einige Shows in Deutschland und Benelux zu spielen und freuen uns sehr darauf. Live zu performen ist etwas komplett anderes als die Studioarbeit – es geht um Risiko und Energie. Die Songs können so auch in einem ganz anderen Licht erscheinen. Auf der Bühne stehen wir übrigens zu Viert und ergänzt um Videoprojektionen.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg mit dem neuen Album. Eure letzten Worte:

Der Dank geht an Euch. Musik, Bilder, mehr Infos und aktuelle Konzertdaten gibt es auf unseren Websites – www.division-kent.com und www.myspace.com/divisionkent.

Interview: Andreas Ohle