Der hoffnunglose Tänzer



"Der hoffnungslose Tänzer" gibt es seit 1993. Kurz vor Veröffent- lichung seines dritten Albums "Traum des Gedanken" sprach Dark Heart mit Alexander Kuckenberg, dem Schöpfer von "Der hoffnungslose Tänzer" über seine weiteren Pläne und seine Musik.

Dark Heart: Wer verbirgt sich hinter D.h.T.?

D.h.T.: D.h.T. ist ein 1-Mann Projekt, welches von mir Alexander Kuckenberg, 1993 ins Leben gerufen wurde. Ursprünglich als reines Lyrkprojekt gedacht, entstand dann doch sehr schnell der Wunsch diese Texte auch in irgendeiner Form zu vertonen. Die technischen Möglich- keiten dazu boten sich mir dann im Sommer 1995. Es war von Anfang an klar, daß die Musik, die nun entstehen würde in keiner Weise zu dem konform laufen würde, was man so in den Discos hörte. Ich hatte keine Lust einfach etwas bereits Existentes zu imitieren oder zu kopieren. So begann ich zu experimentieren und erhielt als Ergebis eine Musik, die zwar vom Industrial geprägt war, jedoch in ihrer Gesamtheit etwas Neues darstellte. Wie das klang, kann man auf "Schmerz der Hoffnung" erleben. Die Resonanz war gespalten: Entweder es wurde geliebt oder gehaßt. So manch einer hatte seine Probleme damit, weil meine Musik weder zum Tanzen noch zum nebenbei hören geeignet war und somit der unbedingte Wille erforderlich war, sie mit der zugegebenermaßen schweren Materie des D.h.T. auseinanderzusetzen. Aber ich habe mich von den schlechten Kritiken, die ich gelegentlich auch mal erhielt, nicht beirren lassen und meine Richtung verfolgt.

Dark Heart: Ist die sehr dunkle Atmosphäre von Schmerz der Hoffnung bewusst so gewollt und wenn ja, warum?

D.h.T.: Man sollte sich fragen, was überhaupt "dunkel" ist. Gerade in der schwarzen Szene wird dieser Begriff ja doch etwas anders ausgelegt. Was auf einen normalen Bürger (wenn ich das mal so sagen darf) abstoßend wirkt, mag für uns ästhetisch scheinen. Wir erkennen die Schönheit des Dunklen, die Faszination der Todessymbolik, mehr in die Tiefe zu gehen bei Themen, die für viele unerträglich sind. So ist es auch mit meiner Musik. Was ich komponiere ist für mich Ausdruck meiner Gedanken, meiner Gefühle, meines Innersten. Es ist ein Teil von mir. Und da ich keinen Sinn darin sehe, die positiven Seiten meines Lebens aufzuschreiben, ist es halt mein Schmerz, der da zum Ausdruck gebracht wird. Doch auch ein Wort wie Schmerz schließt meines Erachtens nach nicht eine gewisse Ästhetik aus. Und so wirkt meine eigene Musik auf mich selbst weniger dunkel, denn einfach "schön", sie ist etwas, daß mir hilft mich zu verstehen.

Dark Heart: Wie gehst Du vor, wenn Du einen neuen Song schreibst? Brauchst Du dafür eine besondere Stimmung?

D.h.T. Am Anfang eines neuen Liedes steht eigentlich immer der Text und da ist es ganz willkürlich, ob ich etwas altes nehme oder extra etwas neues schreibe. Der Rest ist nicht sonderlich aufregend. Ich setze mich ans Keyboard und probiere solange etwas aus, bis ich etwas finde, was zum Text und der enthaltenen Stimmung paßt. Und da ich das nötige Equipment im Haus habe, nehme ich dann meistens auch direkt auf. Eine besondere Stimmung sollte schon vorhanden sein. Gutgelaunt bin ich kaum in der Lage zu komponieren.

Dark Heart: Sind für Dich Musik oder die Texte wichtiger?

D.h.T.: Eindeutig die Texte, denn sie tragen den Inhalt. Die Musik dient nur als Unterlegung und Unterstützung der inhaltichen Stimmung.

Dark Heart: Welchen Eindruck glaubst Du, hinterläßt Deine Musik auf den Hörer?

D.h.T.: Ich schätze, das ist ganz unterschiedlich. Dem einen istes zu dunkel, zu bedrückend. Doch wer mit den Texten extwas anfangen kann, wird die Musik verstehen. Es ist immer schön zu erfahren, wenn sich jemand in meinen Texten wiederfindet, weil er vielleicht etwas ähnliches erlebt hat. Somit ist klar, daß der Zugang zu meiner Musik mit dem Willen verbunden ist,die TExte zu verstehen. Eine pauschale Aussage ist hier kaum möglich, da Musik immer subjektiv ist.

Dark Heart: Auf "Schmerz der Hoffnung" ist D.h.T. sehr experimentierfreudig. Es werden viele Samplers verwendet und so entsteht ein eigenständiger Sound. Wie soll sich D.h.T. weiter entwickeln?

D.h.T. Nachdem "Schmerz der Hoffnung" musikalisch sehr dicht und komplex war, zeigt sich im Moment die Tendenz, die Stücke einfacher zu gestalten. So werden auf "Vor dem Abgrund" kaum Samples verwendet, dafür erhalten die verbleibenden Instrumente einen viel größeren Stellenwert. Auf dem kommenden Album "Traum des Gedanken" ist der Fortschritt besonders deutlich erkennbar: Es werden keine Samples und Drum/ Percussion-Elemente mehr verwendet. Jeder Song enthält neben der Stimme nur noch zwei bis vier Instrumente, die jedoch teils komplex agieren. Ansonsten ist die Mischung aus ruhigeren, melodiösen Stücken und lauteren disharmo- nieren geblieben.

Dark Heart: Sehr gut hat mir "Reiß mich nieder" gefallen. Stehen dahinter persönliche Erfahrungen?

D.h.T.: Ja, wie eigentlich hinter all meinen Texten. Dennoch darf man nicht den Fehler machen, alles wörtlich zu nehmen. Vieles ist sehr verschlüsselt dargestellt. Es wäre auch sehr masochistisch von mir, alles so darzulegen, wie es sich wirklich ereignet hat. Bei D.h.T. wollen sich die Leute für doe TExte und die Musik interessieren. Der Mensch, der dahintersteht, ist unwichtig. Zwar bewundere ich auch Leute wie Anna-Varney (Sopor Aeternus), die Ihr komplexes Innerstes so nach außen tragen können, doch das ist nichts für mich und D.h.T.

Dark Heart: Wie siehst Du die Chance, Dich mit D.h.T. in der Szene zu etablieren?

D.h.T. Da meine Musik nicht tanzbar ist und da ich auch nicht live auftrete, ist das wohldas größte Problem, daß die Leute meine Musik erstmal hören müssen. Doch davon abgesehe, könnte ich mir durchaus einen gewissen Platz in der Szene irgendwann einmal zu besitzen.

Aber das ist eigentlich kein Punkt, über den ich nachdenke ...

Dark Heart: Ich habe schon von einigen gehört, die gerne mal einen Liveauftritt von D.h.T. sehen würden. Warum seid Ihr noch nie live aufgetreten?

D.h.T.: Dafür gibt es mehrere Gründe: Hauptsächlich wohl, weil ich es nicht könnte. Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt und der Gedanke, vor mehreren Leuten auf einer Bühne zu stehen und dann meine Musik zu spielen, erzeugt bei mir kein gutes Gefühl. Hinzu kommt noch, daß meine Musik eben sehr speziell ist, und somit schwer fällt ein entsprechendes Publikum zu finden. Davon abgesehen wäre es mir im Moment auch technisch unmöglich, mich live zu präsentieren.

Dark Heart: Was sind die nächsten Pläne von D.h.T.?

D.h.T. Wie bereits erwähnt, arbeite ich im Moment an meiner dritten CD, welche bei Erscheinen dieser Ausgabe bereits erhältlich sein sollte. Ich bin sehr auf die Reaktionen der Leute gespannt, da sich seit "Vor dem Abgrund" doch sehr viel verändert hat ... aber alles andere wäre auch langweilig. Ansonsten überlege ich, mein Buch "The Sad Poems Of Live" zu überarbeiten und in neuer Version zu veröffentlichen.