Desert + Fortune




DH: Seit wann existiert Desert+Fortune eigentlich? Wie kam es zur Gründung der Band und wie ist Euer aktueller Line-Up?

Stone: 1994 gründeten Diva und ich die band auf grund einer anzeige in einem lokalen magazin. wie das nun mal so ist ,gibt es immer wieder umbesetzungen in den verschiedenen schaffensperioden einer band. .Man kann sagen das mit der –Black Coloured Days- 1999 der eigentlich der erste schritt war, wo wir überregional war genommen wurden.auch und grade, wegen dem internet.

Das aktuelle linup setzt sich aus ,
diva – gesang, gitarre
reb – gitarre , gesang
stone – bass, gesang
kain –drums zusammen.

DH: Fühlt Ihr Euch, seit Mike (Gitarre) + Kai N (Drums) von Madre del Vizio bei Euch in der Gruppe sind, mehr als Band als vorher? Gibt es eine Art Gruppengefühl? Wie ist es für Euch ganz persönlich, Mike und Kai, jetzt bei Desert+Fortune zu sein?

Reb: Abgesehen davon, dass es Mike schon seit Jahren nicht mehr bei D&F gibt und ich, Reb (ex Bates) die letzte Scheibe eingespielt habe, kann man auf jeden Fall von einem Gruppengefühl reden. Wenn ich für mich spreche, spiele ich bei D&F nicht, um irgend einen eventuellen Ruhm zu erhaschen (das hatte ich bereits vor ein paar Jahren). Vielmehr mache ich gerne mit den Jungs Musik. Ohne Spaß daran kann man meiner Meinung nach keine Musik machen, mit der man sich identifizieren kann und bei der ein Bandfeeling aufkommt.

Stone: Definitiv gibt es ein gruppengefühl, da wir etwas zusammen als band geschaft haben. Da wir auch untereinander,trotz unterschiedlichen typen fantastisch harmonieren ist es sehr schön mit den jungs zusammen zu sein.

DH: Nun ist ja die Musik von Desert+Fortune zweifelsohne dem Bereich gitarrenlastigen Rocks / Gothic / Darkrock zuzuordnen. Wie kommt es, dass Ihr genau diese Art von Musik macht? Gibt es für Euch ganz persönlich musikalische Vorbilder?

Reb: Ich habe schon immer gitarrenlastige Musik gemacht. Schließlich mache ich das, weil mir das Spaß macht. Mit anderen Instrumenten (vielleicht abgesehen von meiner Stimme, die aber nur in den Backvocals zu hören ist) kann ich mich halt nicht so gut ausdrücken. Sicher ist es manchmal ganz interessant mit Samples am Computer zu basteln. Allerdings bin ich an der Gitarre innovativer als mit dem Computer. Abgesehen davon sind Resultate am Computer öfters für einen selbst viel ansprechender, als es für andere ist. Am Computer kommt man immer so schnell in die Verlegenheit, Sachen komplexer zu gestalten, als nötig wäre. Mit der Gitarre bring ich eher meine Ideen auf den Punkt. Ohne musikalische Vorbilder gäbe es keine Musik. Man muß sich doch erst mal Ideen für seine Musik holen, bevor man selber aktiv wird.

Diva: Sicher, musikalische Vorbilder gibt es immer, wenn sie vielleicht auch nicht immer so präsent sind. Aber letztlich wird man durch die Musik, die man selbst konsumiert geprägt. Bei mir persönlich sind das Bands wie New Model Army, Mission oder Love Like Blood. Ich denke, daß hört man auch (lacht).

DH: Euer neues Album heißt "Truth Wins Out". Gibt es eine besondere Bedeutung, die sich hinter dem Bandnamen verbirgt? Wieso habt Ihr euch für diesen Titel entschieden? Gibt es eine politische Message in dem Album?

Stone: Der bandname unterstreicht im endeffekt den gegensatz unserer musik und texte. so ist z.b lovesong vom text kein liebeslied obwohl man bei der musik den eindruck hat. zum titel des albums- als wir das album im endstadium hatten schlug die gewalt im irak hohe wellen. div. Amerikanische politiker nutzten , was immer gerne genommen wird wie die vergangenheit zeigt, bibelzitate um sich vor den völkern zu rechtfertigen und um IHRE kriege zulegitimieren. Da sich einige texte speziell und andere songs mit sogenanten wahrheiten befassen und wir als band die sinnlosigkeit dieses krieges zum ausdruckbringen wollten , gab es für uns nur diesen titel des albums, der infrage kommen konnte. Es zeigt sich doch auch in unserem staat, das die menschen über div. Medien und politiker manipuliert werden um so ängste zuschüren und um so ein volk führbarer zu machen. Ein volk in angst scheint besser zuführen zu sein, meiner meinung nach eine fehleinschätzung. Das beste beispiel dafür ist, das wir immer glässerner werden , doch wir sind dadurch nicht sicherer . das einzelne individium ist dadurch nur zerstörbarer- überwachbarer. Viele menschen übersehen das hierbei ,sie hören lieber auf zu hinterfragen als zu sehen was dahinter steckt.bei uns wie in amerika. Aber wie gesagt TRUTH WINS OUT.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album und wo fanden Sie statt? Gab es vorher bereits andere Veröffentlichungen von Euch?

Reb: Da wir alle außerhalb der Band zeitlich stark eingebunden sind, hat die Scheibe ewig gedauert. Wir haben das Playback im Proberaum aufgenommen und dann den Rest mit einem Computer gemacht. Die ganze Sache ist mit unsere dem Produzenten Harald Bernstein im Klangwerkstudio in Kassel entstanden. Er hat sich da schon Mühe gegeben, finde ich. Zumindest ist die Scheibe für die Umstände recht gut geworden. Vor mir gab es eine Scheibe mit Mike an der Gitarre. Trotzdem das Studio bei der ersten CD das qualitativ hochwertigere Equipment hatte, ist „Truth wins out“ meiner Meinung nach soundtechnisch besser.

Stone:
1994-1998 – div. Eigenproduktionen ( s.homepage)
1999/2000 - black coloured days
2004 - truth wins out

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Black Nation". Wovon handelt das Lied? Gibt es für Euch einen ganz persönlichen Bezug zu dem Lied? Wieso habt Ihr diesen Song geschrieben?

Diva: Black Nation ist eine kleine Hymne an die Szene, die aber mit einem kleinen Seitenhieb versehen ist. In dem Song habe ich bewußt ein klischeehaftes Bild überzeichnet, einfach aus dem Grund, daß sich viele Gothics oft zu ernst nehmen und den Spaß (am Leben?) aus den Augen verlieren. Ich mag diese Szene sehr und bewege mich schon viele Jahre in ihr, aber man sollte alles aus einer gewissen Distanz heraus und vor allem von beiden Seiten betrachten. Was in einigen "Szenen" zu oberflächlich und partylastig ist, ist in der Gothicszene meiner Meinung nach oft zu dunkel gefärbt, zu negativ behaftet.

DH: Wovon handeln generell Eure Texte auf dem neuen Album? Wodurch lasst Ihr Euch beim Texte schreiben inspirieren und wie entsteht überhaupt ein Song bei Euch? Gibt es eine Person, die alle Songs schreibt oder geschieht das eher "gruppendynamisch"?

Reb: Die Ideen für die Songs kommen von unserer Diva Björn. Allerdings musste bei den meisten Songs noch mächtig rumgefeilt werden. Hauptsächlich im Arrangement wurde noch „gruppendynamisch“ viel verändert. Das kann einer nur in den seltensten Fällen objektiv allein entscheiden. Die meisten Songs hatten nämlich Längen, wie sie z.B. auf „Black coloured days“ zu finden sind. Außerdem ist da noch einiges bei den Backvocals arrangiert worden, was meines Erachtens vielen Stücken eine gewisse Power verleiht.

Diva: Die Lyrics befassen sich mit persönlichen Erfahrungen und Ansichten - im Prinzip alles, was mich beschäftigt. Da spielen natürlich gesellschaftspolitische Aspekte eine große Rolle oder auch global politische wie der Irak-Krieg. Letztlich spiegeln die Songs textlich meine Meinungen - oder besser meine persönlichen Wahrheiten - über einzelne Aspekte des Lebens wieder. Die Songs an sich sind auf dem neuen Album komplett innerhalb der Band entstanden und komponiert bzw. arrangiert worden - eine sehr angenehme und vor allem fruchtbare Arbeitsweise, weil die Songs nicht nur aus einer Sichtweise heraus komponiert wurden.

DH: Wie kam es zu der Idee "Promised Land" von Skeletal Familiy zu covern? Was denkt Ihr generell über Coverversionen? Würdet Ihr Euch eines Tages auch über Coverversionen Eurer eigenen Songs freuen?

Reb: Abgesehen von der Tatsache, dass ich natürlich durch die Bates ironischerweise schon viel Erfahrungen mit Coverversionen gesammelt habe, finde ich es OK selbst zu covern und natürlich auch gecovert zu werden. Dabei gibt es aber gewisse Regeln. Das Stück darf nicht bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden. Sicher ist „Damaskus“ nicht sofort als das Richard Strange Stück zu erkennen. Allerdings haben wir das Original schon ernst genommen und nicht verulkt. Der Respekt gegenüber dem ursprünglichen Komponisten muss gewahrt bleiben.

Stone: Wenn coverversionen gut gemacht sind habe ich keine probleme eines tages eine von unseren songs zu hören.Aber man wird sehen ob es welche geben wird.

DH: Wenn ich mir die Songs des neuen Albums anhöre, stelle ich fest, dass sie sehr melodisch sind. Ist Melodie wichtig für Eure Musik? Ist sie ein zentraler Bestandteil?

Reb: Auf jeden Fall ist Melodie wichtig. Zum einen ist es nicht leicht eine banale Melodie interessant zu harmonisieren bzw. banale Harmonien mit interessanten Melodien auszustatten. Weiterhin werden Stücke, die rein auf rhythmischer Komposition basieren, meiner Meinung nach irgendwann langweilig. Außerdem haben wir die Kapazitäten, um melodisches Komponieren umzusetzen. Die Schreihälse in manchen Bands sind leider auf ihre Möglichkeiten beschränkt. Schade eigentlich!!!

Diva: Ich denke, daß liegt daran, daß wir durch sehr melodische Musik beeinlfußt werden - zumindest kann ich das für mich sagen. Unmelodische Musik ist mir ein Greuel, es darf gerne mal etwas psychedilsch sein, aber eine Melodie sollte erkennbar sein.

DH: Wie beurteilt Ihr das derzeitige Revival älterer Gothicrockbands? Denkt Ihr, dass es momentan insgesamt eine Stimmung wieder zu mehr rockigen Tönen in der Musikszene gibt?

Diva: ich denke ja, das sieht man an dem Hype der seit längerem um rockige Bands gemacht wird. Aber der Zenith ist überschritten, spätestens seit Nu Pagadi. Ich persönlich finde es prinzipiell gut, wenn alte Größen etwas neues machen oder mal wieder aus der Versenkung auftauchen, allerdings ist es leider oft so, das sie sich nur reproduzieren und nochmal abkassieren wollen. Aber bei Chameleons z. B. habe ich mich sehr gefreut, klasse Album!

DH Welche weiteren Pläne habt Ihr nach der Veröffentlichung des Album? Arbeitet Ihr bereits an neuen Songs oder ist eventuell sogar eine Single in Planung?

Reb: Demnächst werden wir sicher mit neuen Songs anfangen. Allerdings ist die Platte ja noch nicht so lange raus, dass wir unbedingt etwas neues nachlegen müssten. Eine Single ist zwar nett, muss aber erst mal finanziert werden. Deshalb an alle da draußen: kauft unser Album, damit wir Euch bald was neues abliefern können!!!

Stone: So oft wie möglich unsere Platte live zu präsentieren.

DH: Wird es zu dem neuen Album eventuell auch eine Tour geben? Wann darf man Desert+Fortune wieder live erleben?

Stone: In sachen tour sind wir in planungen. Es gibt aber noch nichts spruchreifes, es ist schwer als relativ unbekannter akt konzerte zu bekommen , obwohl wir schon mit u.a. Kiss the blade, zeraphine, feindflug, untoten , house of usher und div anderen bands als support gespielt haben. Gerne kann man sich bei unserer contact@desertfortune.de email adresse melden wenn man uns buchen möchte.

DH: Zum Schluß die Frage: Was machen Desert+Fortune, wenn sie mal keine Musik machen?

Reb: Ich versuche mein Studium im nächsten Winter erfolgreich zu beenden. Außerdem gibt es ja noch genug anderes, was wichtig ist im Leben. Wenn Musik das einzige im Leben wird, verkrampft man auf diesem Sektor. Man muss nebenher immer Alternativen haben. Ohne das verliert man die nötige Grundlage, Ideen für neue Stücke zu finden.

Stone: Ich befasse mich auch privat mit tot und sterben, da ich als nachtwache in einem altenheim arbeite.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort:

Reb: Wichtich issss Spasssss, verdammt noch mal.

Stone: Truth wins out

Interview: Andreas Ohle