Der Eremit




DH: Hallo, Gian. Erzähl uns bitte zunächst einmal etwas über Dich selbst. Wie bist Du eigentlich zur Musik gekommen? Seit wann bist Du musikalisch aktiv?

Ich begann, glaub ich, so mit 11 Jahren, Bassgitarre zu spielen. Wann und wie ich zur Musik kam, weiss ich nicht mehr, sie war immer wichtig, soweit ich mich zurückerinnern kann.

DH: Seit wann gibt es Der Eremit eigentlich? Wie seid Ihr zusammen gekommen und wie entstand die Idee für den Namen Der Eremit? Wie ist Euer aktueller Line-Up? Wer macht was bei Euch?

"Der Eremit" existiert seit 95, damals noch als Soloprojekt. Der Name stellt in erster Linie ein Synonym für Selbstfindung dar. Unser aktuelles Lineup setzt sich wie folgt zusammen:

Der Gian - Stimme, Sampling, Programming, Konzept
Dirk - Gitarre
Mormrgil - Gitarre
Pat Fuse - Schlagzeug
Daver the Braver - Cello, E-Cello
Da Rees - Bass

Daneben bin ich für die Studioarbeit alleinverantwortlich und Mormegil ist mittlerweile der ausführende Bandgraphiker.

DH: Gian, zuvor hast Du bereits in diversen Deathmetalbands als Bassist gespielt. Der Eremit hingegen war anfangs ein rein elektronisches Projekt. Wieso kam es zu diesem Wandel in Deiner Musik? Und wie würdest Du die Musik von "Der Eremit" heute beschreiben?

Ich begann schon damals, mich für elektronische Musik zu interessieren und hab mir ein par Gerätschaften zugelegt. Ich wollte von Anfang an Elektronik und Gitarren verbinden, nur war kein geeigneter Gitarrist zur Hand. Ich würde "Der Eremit einfach als intensive Musik bezeichnen und mir ist jedes Mittel recht.

DH: Eure Debut CD heißt "Das". Erzähl uns bitte etwas zu der Veröffentlichung. Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD und wo fanden sie statt? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Label Thunderdome / Arachnophobia?

Ähm, "Das" ist nicht unser Debut, hier mal die komplette Discographie:

"Stümpermusik" MCD 1996
"Blend-Werk" CD 1998
"Liebeslieder" Demo 1999
"Fiebertraum" CD 2000
"Magma-Prana" CD 2001
"Besserwisser" Remix-DCD 2003
"Das" CD 2004



Die Arbeit an "Das hat insgesamt fast 3 Jahre gedauert. Das Songwriting und die Vorproduktion fanden im übungsraum und paralell dazu auf 3 getrennten Computersystemen statt. Die definitive Produktion habe ich dann im Ballhornstudio in Kyburg ausgeführt, was insgesamt etwa 3 Monate in Anspruch nahm. Gelgia von Thunderdome kannte ich schon, bevor die Labelidee aufkam. Wir haben bei Thunderdome unterschrieben, weil wir da maximale Freiheit geniessen und es uns wichtiger war, ein junges Projekt zu unterstützen, als Nummer soundso bei irgendeinem Grosskonzern zu sein. Hier steht die Musik im Vordergrund und nicht Verkaufszahlen. Wir haben engen Kontakt, welcher auf Vertrauen basiert.

DH: Auf der CD gefällt mir der Song "Sturmauge" sehr gut. Wovon handelt das Lied? Wovon handeln generell Eure Songs? Gibt es Themen, die Euch besonders am Herzen liegen? Erzählt uns etwas zum Konzept Eures Albums.

Dem Album liegt vorallem Zen-Philosophie zu Grunde und Sturmauge ist hierfür ein Paradebeispiel. Der Song handelt davon, das sich das Sein nicht um Identifiktionen schert, dass sie nur eine schlechte Gewohnheit unseres Geises sind, auf Angst basierende Egozentrik, welche unsere Existenz einschränkt. Zuviel will ich aber nicht über die Texte verraten, da ich niemandem seine eigene Interpretation nehmen will.




Der Eremit - Das


DH: Wer schreibt bei Euch eigentlich die Songs? Gibt es eine Person, die die Songs alle schreibt oder schreibt Ihr die Songs auch zusammen? Wovon lasst Ihr Euch generell bei Eurem Songwriting inspirieren? Gibt es bestimmte Erlebnisse oder Erfahrungen, die Euch zu einem Song inspirieren?

Für die Texte bin ich alleinverantwortlich. In Vergangenheit war ich auch mehr oder weniger alleiniger Songwriter. Auf "Das" stammen etwa 70 % des Rohmaterials von mir, 30% von Dirk, die Ausarbeitung fand mehr oder weniger gemeinsam statt. Musikalisch inpiriert uns halt alles, was wir hören und die Liste ist endlos. Textlich inspirieren mich Beziehungskisten, Spiritualität, Literatur, Drogen und das Leben

DH: Alle Songs des Albums sind in deutsch gesungen. Hat dies einen besonderen Grund? Denkt Ihr, dass Ihr in Eurer Muttersprache bestimmte Dinge anders oder besser ausdrücken könnt, als wenn Ihr englisch singen würdet?

"Der Eremit war schon immer 100% deutschsprachig, und wird es auch bleiben. Einerseits ist dies eine Frage der Phonetik, andereseits ist es in der Tat die Sprache, welche ich am besten beherrsche. Ich Arbeite viel mit Zwischentönen und ambivalenten Doppeldeutigkeiten. Obwohl ich fliessend englisch spreche, sind meine Möglichkeiten im deutschen natürlich grösser.

DH: Auf dem Wave-Gotik Treffen hattet Ihr zuletzt einen sehr erfolgreichen Auftritt. Auch mit Bands wie etwa Das Ich habt Ihr bereits zusammen gespielt. Inwieweit haben Euch die Konzerte motiviert das neue Album aufzunehmen? Sind demnächst weitere Konzerte von Der Eremit geplant? Wird es vielleicht sogar eine Deutschland-Tour geben?

Ich weiss nicht, woher du die Info hast, dass unser Konzert erfolgreich war, denn es fand garnie statt. Wir waren zwar da, aber es war das ominöse Jahr 2000 und aus bekannten Gründen wurden da viele geplante Sachen abgesagt. Wir haben aber sonst schon so einiges an Konzerten hinter uns. Unsere Motivation ist jedoch nicht davon abhängig, wir hätten das Album sowieso gemacht. Wir machen der Musik wegen Musik. Gegen Erfolg gibt es aber nicht einzuwenden.

DH: Welche weiteren Pläne habt Ihr nach der Veröffentlichung Eurer CD? Ist eventuell ein weiteres Album bereits in Planung? Habt Ihr schon einmal überlegt Eure Songs remixen zu lassen?

Bislang sind rund 20 Fremdremixe auf den bisher veröffentlichten Alben zu haben, unter anderem auch von Das Ich oder Terminal Choice. Auch vom "Das"-Material sind bereits Fremdremixe und Eigenremixe in Arbeit. Wenns mit dem Album einigermassen läuft, werden wir wahrscheinlich eine Maxi nachschieben, welche es mit unveröffentlichten Songs von den Das-Sessions, eigenen und fremden Reimxen auch fast auf Albumlänge bringt. Auch über einen Videoclip machen wir uns Gedanken.

DH: Zum Schluß die Frage: Was machen Der Eremit, wenn sie mal keine Musik machen?

Keine Musik machen ??? Wie soll das denn gehen ? Jeder von Der Eremit spielt noch in mindestens einer anderen Band. Ich selber habs mittlerweile zum Resident-DJ in einem Club gebracht und habe mehrere elektronische Projekte in Arbeit. Bis Ende Jahr will ich ein komplettes Album meines Industrialprojektes Fake Baba im Kasten haben und schraube ausserdem an Remixen für Irrlicht, Metallspürhunde, Staubkind und Jesus and the Gurus rum. In Vergangenheit hab ich auch schon das eine oder andere Metalalbum produziert und diverse Studiojobs gemacht. Arbeiten sollte ich auch ab und zu, und so bleibt kaum mehr Zeit.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlußwort:

Seid nett zueinander

Info: www.theancientgallery.com

Interview: Andreas Ohle