[de:ad:cibel]



DH: Erzählt uns bitte zunächst etwas über [de:ad:cibel]. Wer verbirgt sich hinter [de:ad:cibel]?

Daniel: [de:ad:cibel] besteht aus Armin und mir. Armin schreibt und produziert die Musik. Ich steuere Texte und Stimme bei.

DH: Wie habt Ihr Euch eigentlich kennengelernt? Wie entstand die Idee zu [de:ad:cibel]?

Daniel: Kennengelernt haben wir uns irgendwann zwischen 2007 und 2008. Ich arbeitete damals gerade mit Jörg Hüttner an dem Skorbut Album „Firewall“. Wir brauchten noch fähige Remixe von einigen Songs. Jörg kannte Armin und war sehr von seiner Arbeit überzeugt. Und so stieß Armin zu Skorbut. Anfangs eben nur in der Funktion als Remixer. Wir verstanden uns sofort sehr gut und als Jörg 2008 nach Los Angeles zog, arbeitete ich verstärkt mit Armin an neuen Skorbut Songs. Er wurde faktisch von Skorbut adoptiert und ersetzte Jörg Hüttner. Unser erstes Gemeinschaftsprojekt war die Skorbut Maxi „Phantom Pain“. Wir arbeiteten weiter an neuem Material und waren irgendwann der Meinung, dass die Musik die wir zusammen kreierten nichts mehr mit Skorbut zu tun hatte. Die Musik war einfach viel straighter, tanzbarer und direkter als Skorbut. Wir überlegten uns, ob wir für die Musik nicht besser eine neue Band gründen sollten. Gesagt – getan. Heraus gekommen ist dann [de:ad:cibel].

DH: "Klondike" ist der Titel Eures ersten Albums. Was bedeutet der Begriff "Klondike"?

Daniel: „Klondike“ ist ein Fluss in Nordamerika. Vor längerer Zeit wurde in dem Fluss Gold gefunden und es setzte das sogenannte „Goldfieber“ oder „Klondike-Fever“ ein. Massen von Menschen pilgerten damals an den Fluss und suchten nach Gold und indirektem Glück. Wir fanden den Namen sehr passend für ein Debüt-Album. Erstens ist „Klondike“ ein sehr klangvoller Name und zweitens steht er als Synonym für Aufbruch, Rausch oder auch Hoffnung.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album und wo fanden Sie statt?

Daniel: Armin hat ein kleines aber feines Tonstudio – das „KINETIK ART STUDIO“. Dort entstand „KLONDIKE“. Gearbeitet wurde in Schüben. „Klondike“ ist in 6 oder 7 Studiosessions, zwischen Ende 2008 und Anfang 2010, entstanden. In diesen Sessions wurden Texte und Musik geschrieben und es entstanden die Demoversionen der Songs. Wenn diese Grundgerüste, der Musik, stehen, ist mein Part mehr oder weniger erledigt. Dann werde ich nicht mehr benötigt und Armin arbeitet alleine weiter. Dann beginnt so zu sagen das Feintuning und die eigentliche Produktion. Im Mai 2010 war das Album dann fertig. Die meiste Arbeit blieb also an Armin hängen. Er hat es zu dem gemacht, was es jetzt ist.



DH: Eure Musik würde ich als modernen EBM-Electro bezeichnen. Stimmt Ihr mir da zu? Wie kommt es, dass Ihr genau diese Art von Musik macht? Gab es in Eurer Jugend da eine gewisse musikalische Vorprägung in dieser Richtung?

Daniel: Als Vorprägung kann natürlich die Hörgewohnheit aus der Jugend herangezogen werden. Wir kommen aus der EBM-Industrial-Electro Szene und sind große Fans dieser Musikrichtung. Meiner Meinung nach ist das auch nicht anders möglich. Du kannst nicht mit HipHop oder Reggae sozialisiert werden und auf einmal EBM machen. Ich denke, dass das Ergebnis dann wenig authentisch wäre. Du kannst also davon ausgehen, dass jeder der in dieser Szene Musik macht auch in dieser Szene groß geworden ist, beziehungsweise irgendwann eine Bindung zur Szene aufgebaut hat. Wir bewegen uns musikalisch schon sehr lange in der Schwarzen Szene. Sie ist einfach unsere Heimat.

DH: Manche Songs des Albums gehen auch in eine eher härtere Industrial Richtung. Könntet Ihr Euch vorstellen?zukünftig mehr in dieser Richtung zu arbeiten?

Daniel: Wir gehen mit keinem Masterplan ins Studio. Also das Prinzip Freitag ist „Industrial-Tag“, Samstag ist „EBM-Tag“ und Mittwoch ist „Synthpop-Tag“ greift bei uns nicht. Es gibt mit Sicherheit Leute da draußen, die das so machen, aber zu diesen gehören wir nicht. Unsere Songs entwickeln sich mit den Emotionen, die Armin und ich an den Studiotagen haben. Bei [de:ad:cibel] wird es auch in Zukunft immer Platz für Industrial geben. Du wirst es aber wahrscheinlich nicht erleben, dass wir jetzt 13 Songs in die eine Richtung schreiben. Damit hätte man höchstwahrscheinlich schnell Erfolg, aber es wäre uns zu billig und wir wollen uns auch nicht auf einen Stil reduzieren lassen.

DH: 13 Songs finden sich auf dem Album "Klondike" - relativ?viele Songs für ein Electro-Album. Hattet Ihr bestimmte ?Kriterien bei der Auswahl der Songs und der späteren?Tracklist?

Daniel: Zum Schluss hatten wir 13 Songs. Es gab auch keine Abfallprodukte oder ausgemusterten Songs. Wir haben das Material auf CD gepackt, was zu diesem Zeitpunkt vorhanden war und unserem Qualitätsanspruch entspricht. Bei der Tracklist gibt es immer Diskussionen. Jeder hat so seine Vorstellungen welche Reihenfolge die beste ist. Die Diskussion gehört zum Prozess. Zum Schluss haben wir uns für die abwechslungsreiche Variante entschieden. Also wir haben es vermieden, Songs hintereinander zu setzen, die sich stilistisch eventuell zu sehr ähneln würden. Trotz allem ist ein roter Faden drin und du weißt immer, welche Band gerade im Player läuft.

DH: Besonders gut gefällt mir das Lied "One Of 47". Wovon handelt?das Lied und wie entstand die Idee zu diesem Song?

Daniel: Der Saturn hat 47 Monde. Der größte dieser Monde ist der Titan. Er ist quasi einer von 47. Das ist die Basis des Textes. Darüber hinaus ist der Text auch zweideutig interpretierbar. Anhand des Titans wird auch Einsamkeit und Verletzlichkeit thematisiert. Text und Musik gehen eine perfekte Symbiose ein. Der Song verbreitet gleichzeitig eine melancholische und eine treibende Atmosphäre. Zuerst stand die Musik. Die schwebenden Sounds ließen den Text dann von allein entstehen. Manchmal gibt es solche magischen Momente im Studio, in denen dann ein Rädchen ins andere greift.

DH: Lieder wie "One Of 47" sind ja besonders clubtauglich und in gewisser Weise für die Tanzfläche produziert. Wolltet Ihr ein Album schreiben, das auch in den Clubs läuft?

Daniel: Wir halten „One of 47“ nicht unbedingt für einen Clubkracher. Er ist zwar rhythmisch und eingängig, aber für die Clubs eher zu harmlos. Also zumindest ich finde, dass sich Songs wie „Monster Train“, „B.I.I.D.“, „Architecture“ oder „Too Tired To Consume“ besser für den Clubeinsatz eignen. Tanzbarkeit ist uns natürlich wichtig. Ich würde allerdings nicht soweit gehen „Klondike“ auf ein reines Clubalbum zu reduzieren. Gerade solchen Songs wie „Hotel Lux“, „Selektionsfunktion“ oder „Nobody Hurts Me Like I Do“ wird man damit nicht gerecht. Auch „Human Product“ oder „Heteronomy“ gehen in ihrer Atmosphäre über reinen Clubsound hinaus. Verstehe mich bitte nicht falsch, aber wenn wir ein reines Clubalbum hätten machen wollen, dann würde „Klondike“ aus 10 Clonen von „Monster Train“ bestehen, wir hätten Sprachsamples aus 100 Filmen benutzt und würden alle Register ziehen. Dem ist allerdings nicht so. „Klondike“ ist subtiler. Es ist mit Sicherheit jede Menge Tanzbarkeit vertreten, aber in der Machart schwimmt es eher gegen den derzeitigen Strom.

DH: Habt Ihr selber einen persönlichen Song als Favoriten auf dem Album?

Daniel: Ich finde immer den Song am besten, an dem gerade aktuell gearbeitet wird. Den Überfavoriten habe ich deshalb nicht. Schließlich hat man zu jedem Song, während des Entstehungsprozesses, eine Beziehung aufgebaut. Wenn man einen herausheben würde, würde man auch gleichzeitig die anderen abwerten. Und das wäre gegenüber keinem Song auf „Klondike“ fair. Jeder Song hat seine Geschichte, seine Message und seinen Reiz. Wir sind einfach viel zu nah dran, um da wirklich urteilen zu können.



DH: Wie wichtig ist Euch die Möglichkeit Euch mit Eurer Musik ausdrücken zu können?

Daniel: Musik ist für uns die pure Leidenschaft. Wir machen das jetzt schon seit Anfang der 1990er Jahre und von Jahr zu Jahr werden wir besser und souveräner in dem was wir da tun. Musik hat sehr viel mit Können zu tun. Und wenn du das Können nicht hast, wird es schwer das auszudrücken, was du wirklich ausdrücken willst. Wir genießen es sehr Songs zu schreiben, die nicht hinter den eigenen Erwartungen zurück bleiben. Die Fachpresse honoriert das momentan natürlich auch. Der O-Ton ist fast schon euphorisch. Selbst die Journalisten, denen der Sound geschmacklich nicht so zusagt, akzeptieren die musikalische Qualität, über die „Klondike“ verfügt. Man muss das Album nicht unbedingt mögen, aber die Qualität der Musik streitet niemand ab. Das ist uns sehr wichtig und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und dieser Weg ist jetzt schon seit knapp zwei Dekaden das Ziel. Wenn wir jetzt damit aufhörten, wäre ein riesiges Vakuum in unserem Leben.

DH: Tretet Ihr auch live auf? Ist demnächst eventuell eine Tour in Aussicht?

Daniel: Dieses Jahr hatten wir erst ein Konzert, und das war in Holland. Also wenn sich die Gelegenheit ergibt, treten wir natürlich auch auf. Das ein oder andere Konzert in Deutschland ist gerade schon in der Planung. Auch eine kleine Russland-Tour ist in Planung. Dort haben wir traditionell eine große Fanbase durch unsere Skorbut-Vergangenheit. Kurzum, wir arbeiten daran [de:ad:cibel] so schnell wie möglich auch auf deutsche Bühnen zu bringen.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Eure letzten Worte an unsere Leser:

Daniel: Hört mal in „Klondike“ rein und besucht unsere Webseiten. Ansonsten vielen Dank für das Lesen dieses Interviews und auch vielen Dank an das Dark Heart Magazin für diese Plattform. Bis bald.

Interview: Andreas Ohle